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— Rezension —

„In der Summe bilden profilierte Zimmer ein charaktervolles Haus.“ Allein die bildhafte Sprache der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher verspricht, dass sie es mit Berlin gut meint. In der neuen Edition Gegenstand und Raum sollen dem gestern vorgestellten „Berlin plant“, Herausgeber Thomas Flierl, in einer groß angelegten Buchreihe des Verlags Theater der Zeit weitere Bände folgen.

„Berlin plant“ ist, wie der Untertitel es verspricht, ein „Plädoyer für ein Planwerk Innenstadt Berlin 2.0“. Und ein Sammelband, in dem 16 Beiträge Fehler, aber auch Verdienst des berühmt berüchtigten Planwerks Innenstadt beleuchten. Das 1999 vom Senat beschlossene städtebauliche Leitbild wurde seitdem nur innerhalb der Verwaltung fortgeschrieben, ohne öffentliche Diskussion und parlamentarische Kontrolle. Und natürlich wurde es in Teilen auch gebaut. Das Buch zieht eine faire Bilanz. Es ist keine Abrechnung. Auch klassische Verfechter des Planwerks kommen darin zu Wort, wenn auch nur ein einziger.

Frischer Wind für die Debatte ist, dass Studenten mitreden. Mit wissenschaftlichen Mitteln und dem Blick über den Tellerrand – hier geht er über London bis Chicago – führen sie die Berliner Stadtplanung endlich auf ein strategisches Niveau hinauf. Medien weg von der Spree zum Hauptbahnhof, Kunst weg vom Hauptbahnhof nach Neukölln, „Idea Stores“ wie in London als Leuchtturmprojekte mit mutiger Architektur in benachteiligte Quartiere, verbunden mit der Kunst, Gentrifizierung zu vermeiden: Hier meldet sich die neue Generation der Berliner Stadtplaner und lässt die Lochfassade des Planwerk-Städtebaus hinter sich, wie es einst der Speicherchip mit der Lochkarte aus der Mechanischen Datenverarbeitung tat.

Wenn Stadträume „Begabungen“ haben können, wie wir im Buch lesen, und Planer nach Instrumenten suchen, um „Offenheit zu verstetigen“, dann stimmen die Beiträge eine fachliche Tonart an, die für das Planwerk Innenstadt vor zehn Jahren einfach zu hoch lag.

Die Berliner Stadtplanung hat die Lust an der Strategie entdeckt. Was die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit dem neuen „Planwerk Innere Stadt“ noch 2010 herausbringen will, ist wortwörtlich ein Werk aus Plänen. Hier überlagern sich Pläne, Themen, Teilräume und werden grafisch unter Rücksicht auf den Faktor Zeit miteinander verknüpft. Bei der Namensgebung hätte man allerdings mutiger sein können. Die inhaltliche Emanzipation des neuen Planwerks Innere Stadt vom alten Planwerk Innenstadt ist deutlich genug, dass auch sein Titel es verdient hätte, neu geboren zu werden.

(veröffentlicht in Neues Deutschland v. 22. September 2010)

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— Nachricht —

Alexander Kluge hat vor kurzem in der ZEIT daraufhin gewiesen: Im August brach der Erste Weltkrieg aus. Im August warfen die USA Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab. Im August baute die DDR die Berliner Mauer. Im August öffnete sich der Eiserne Vorhang an der ungarisch-österreichischen Grenze. Der August wäre ein gefährlicher Monat, schreibt er. Ein stillstehender Teich. Auch Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) weiß, wann für den Bebauungsplan im Mauerpark der richtige Zeitpunkt für eine Bürgerbeteiligung gekommen ist. Seit 18. August kann die Öffentlichkeit Anregungen und Bedenken äußern, noch bis zum 22. September. Dabei kann – im Gegensatz zur Bürgerwerkstatt – auch auf die Baugebiete Bezug genommen werden. Wie auf futurberlin berichet, laufen zwei verschiedene Beteiligungen. Die nächste Bürgerwerkstatt findet am 15. September statt, dabei geht es um die Gestaltung der zukünftigen Parkerweiterungsfläche. Umstritten bei den Bürgern sind aber vor allem das geplante Wohngebiet nördlich des Gleimtunnels und das Sondergebiet an der Bernauer Straße im Bereich des heutigen Flohmarkts.

ZEIT-Artikel: http://www.zeit.de/2010/32/Interview-Kluge?page=all

— Nachricht —

An der Schönholzer Straße in Prenzlauer Berg wehren sich Anwohner und mehr als zehn Hauseigentümer dagegen, ihre Grundstücke zu Gunsten der Gedenkstätte Berliner Mauer an das Land Berlin zu verkaufen. Durch die Gärten mehrerer Gebäude verläuft heute der ehemalige Postenweg, auf dem zu DDR-Zeiten Grenzsoldaten im Mauerstreifen patrouillierten. Dieser soll im Zuge der Erweiterung der Gedenkstätte wiederhergestellt und öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Eröffnung des Postenwegs ist für August 2011 geplant, schreibt der Tagesspiegel. Zur Zeit wird für das Gedenkstättenareal ein Bebauungsplan aufgestellt, am 27. August endete die erneute öffentliche Auslegung. Drei Eigentümer ließen ihre Bedenken von Rechtsanwälten formulieren. Die Bewohner des Mehrgenerationenhauses in der Schönholzer Straße 13/14 schlugen ein Kaufangebot des Senats in Höhe von 100.000 Euro für eine Postenwegfläche von 163 Quadratmetern aus, berichtet die Berliner Zeitung. Sie kündigten an, gegen den Bebauungsplan zu klagen, falls dieser so festgesetzt würde. Eine weitere Eigentümerin lehnte ein Angebot von 305.000 Euro ab. Auf ihrem Grundstück an der Bernauer / Ecke Brunnenstraße ist der zukünftige Eingang in die Gedenkstätte geplant.

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Bewohner der Kastanienallee 86 in Prenzlauer Berg haben mit Unterstützung von Politikern und anderen Protestierenden am Dienstag die Räumung ihres hauseigenen Umsonstladens verhindert. Der Laden bleibt für die Bewohner trotzdem unzugänglich, Handwerker tauschten die Schlösser aus. Wie die Berliner Zeitung schreibt, hatte der Berliner Arzt und Hauseigentümer Michael Brauner versucht, schon zum dritten Mal einen Räumungstitel durchzusetzen. Er will das Haus teilweise sanieren. 80 Menschen wohnen in dem ehemals besetzten Haus, berichtet Neues Deutschland. Der Umsonstladen stammte ursprünglich aus der im November 2009 geräumten Brunnenstraße 183 in Mitte. In dem Souterrain des Gebäudes mit der auffälligen Fassade in der Kastanienallee („Kapitalismus normiert, zerstört, tötet“) gab es vorher eine Galerie. Gegen diese richte sich der Räumungstitel des Berliner Landgerichts, und daher sei die Räumung nach Meinung des Hausbewohner-Anwalts Moritz Heusinger auch unzulässig, schreibt die taz. Der Anwalt hatte zusammen mit Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen im Abgeordnetenhaus, und dem Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich (Linke) das Gespräch mit dem Eigentümer gesucht, der in einem Polizeiwagen der Räumung beiwohnte.



— Nachricht —

Im alten Flughafengebäude eröffnete Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Freitag eine Ausstellung, in der alle 78 Entwürfe zum landschaftsplanerischen Wettbewerb „Parklandschaft Tempelhof“ zu sehen sind. Schon im Juni waren sechs davon in die engere Auswahl für das jetzt anstehende Verhandlungsverfahren gekommen. Bürger sollen bei der konkreten Ausgestaltung der prämierten Pläne mitreden können. Über den endgültigen Siegerplan entscheidet eine Jury im Dezember, berichtet die Berliner Morgenpost. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Rainer Nagel, Leiter der Abteilung Stadt- und Freiraumplanung, diskutierten am Wochenende die Wettbewerbsergebnisse mit der Öffentlichkeit. Die Entwürfe sind bis zum 12. September, täglich von 10 – 18 Uhr zu sehen. Unabhängig vom Park-Wettbewerb findet ein Ideenwettbewerb zu Zwischen- und Pioniernutzungen auf den zukünftigen Baufeldern statt. Langfristig sollen an den Rändern des Parks drei Stadtquartiere entstehen. Für das „Columbiaquartier“, künftige Adresse für innovatives Wohnen, wurde ein städtebaulicher Wettbewerb schon 2009 durchgeführt.

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347.863 Wohnungen = 347.863 SchlüsselBerliner Wohnungsunternehmen blicken in einer Ausstellung auf ihr Nachwendewerk zurück. Unter dem Titel „Berliner Einsichten – 20 Jahre Wohnen in der wiedervereinigten Hauptstadt“ präsentieren sie zusammen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 73 Projekte. In Berlin gibt es insgesamt knapp 1,9 Millionen Wohnungen, berichtet der Tagesspiegel. Davon gehören 347.863 den 26 Wohnungsbaugenossenschaften und sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften. 87 Prozent der Wohnungen sind Mietwohnungen. Und die Bewohnerschaft verändert sich. Bis 2020 wird der Anteil der Menschen, die 80 Jahre alt und älter sind, um 43 Prozent im Vergleich zu 2007 auf 195.000 ansteigen. Die Ausstellung findet in der Spandauer Straße 2 statt und endet am 31. Oktober.

— Nachricht —

Aufgrund von Anwohnerprotesten ändert die Grün Berlin GmbH ihre Pläne für die Gestaltung des Parks am Gleisdreieck. Wie die Berliner Zeitung berichtet, soll der Vegetationsbestand auf der 26 Hektar großen Fläche jetzt mehr Berücksichtigung finden als ursprünglich beabsichtigt. So würde es weiterhin Wildwuchs, Baumgruppen und sogar Totholz im neuen Park geben, Naturspielplätze mit Matsch und Steinen, auch Brombeerbüsche und Apfelbäume. Die 60 Kleingärten im westlichen Parkteil blieben bestehen, die die Projektleitung für zwei neue Sportplätze eigentlich abreißen wollte. Die Sportplätze sollen jetzt nach Vorbild des Metromarktes am Ostbahnhof auf dem Dach eines an der Yorckstraße entstehenden Baumarktes errichtet werden. Ebenso würden hier Kinderwünsche nach einem Trampolin und Labyrinth erfüllt. Im westlichen Park würde ab 2011 gebaut, im östlichen schon seit einem Jahr. Insgesamt 62.000 Tonnen Bauschutt, Gleisschotter und Ziegel seien laut Projektleiterin Regina Krokowski auf der Bahnbrache schon abgeräumt worden.

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