Alle Blogposts …

— Nachricht —

Beim Kaufhausbau auf dem Wertheim-Areal am Leipziger Platz in Mitte feilscht die B.Ä.R. Grundstücksgesellschaft als Eigentümerin der benachbarten Plattenbauten an der Voßstraße mit der Orco Germany um eine Abfindung. Es gehe um etwa zehn Millionen Euro, schreibt die Berliner Zeitung. Die deutsche Tochtergesellschaft der Orco Property Group hatte das Baugrundstück 2006 erworben und will es an den Berliner Projektentwickler High Gain House Investments verkaufen, der auf knapp 9 Hektar für 400 Millionen Euro ein neues Wohn- und Einkaufszentrum errichten will. Bisher wurde der Verkauf zwischen den Entwicklern durch Klagen der Anwohner nicht vollzogen. Sie befürchten Lärmbelastungen durch zukünftigen Lieferverkehr, der über die Voßstraße abgewickelt werden soll. Rechtsgutachten der finanzierenden Banken stützen jetzt die Annahme, dass die Klagen gegen das Bauprojekt vor Gericht erfolglos bleiben werden. Ende Januar 2011 soll die Brachfläche gegenüber dem Bundesrat endlich den Besitzer wechseln und mit dem Bau begonnen werden. Der Baubeginn war zuvor immer wieder verschoben worden. Nördlich der Voßstraße, heute Standort von Botschaftsgebäuden und Plattenbauten, stand bis Anfang der 1950er Jahre Adolf Hitlers Neue Reichskanzlei. (Berliner Zeitung, Tagesspiegel, futurberlin)

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— Nachricht —

Der holländische Investor OVG Real Estate will am Humboldthafen ein Bundesministerium bauen. Er hat Anfang Dezember sein Projekt dem Bezirk Mitte vorgestellt, das von Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hinsichtlich Nutzung und Sicherheitsauflagen kritisiert wurde. Eine Uferpromenade am Hafen und Wegeverbindungen über das Grundstück am Alexander-Ufer / Ecke Kapelle-Ufer würden infolge der Nutzung als Ministerium unmöglich gemacht. Auch befürchet Gothe eine einseitige Entwicklung des Spreebogens hin zu einem „Beamtenghetto“ und sprach von „Bundesbürokratenburgen“. – In direkter Nähe, auf dem Areal des Bundespressestrands zwischen S-Bahntrasse und Spree, bereitet der Bund den Bau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vor und sucht für das Gebäude, das 650 Mitarbeiter beherbergen soll, einen privaten Investor. Auf dem Moabiter Werder, nördlich des Kanzlerparks, begann am 16. Dezember der Bau des neuen Bundesinnenministeriums. Auf 3,6 Hektar sollen hier bis Ende 2014 Räumlichkeiten für ca. 1.600 Beschäftigte geschaffen werden. Das Projekt der Berliner Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann soll 208 Millionen Euro kosten. (Berliner Zeitung)

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— Nachricht —

Ab März 2011 verlängert der Senat die Axel-Springer-Straße in Richtung Spittelmarkt. Der 300 Meter lange Straßenabschnitt soll zwei Fahrspuren je Richtung haben und 11,4 Millionen Euro kosten. Anwohner und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) klagen dagegen, weil sie die Grenzwerte für Lärm und Feinstaub überschritten sehen. Der BUND hält einen zweispurigen Straßenausbau für ausreichend. Die Grünen im Abgeordnetenhaus kritisieren das Vorhaben aus finanziellen Gründen. Die frühere Lindenstraße hatte nach dem Mauerbau ihre Funktion verloren. Ursprünglich waren durch sie die historischen Stadtteile Friedrichswerder und Friedrichsstadt miteinander verbunden. Der Anschluss der heutigen Axel-Springer-Straße an die Leipziger und Gertraudenstraße ist ein verkehrsplanerischer Akt des Planwerks Innenstadt, das Anfang 2011 vom Senat neu beschlossen werden soll. Im Kreuzungsbereich Spittelmarkt eröffnete am 9. Dezember das siebente Motel One-Hotel in Berlin. Das Gebäude wurde von den Architekturbüros Kny+Weber und Knich entworfen und ersetzt einen DDR-Flachbau, in dem bis zu seinem Abriss die Modeläden Exquisit und Ebbinghaus untergebracht waren. (Berliner Zeitung, futurberlin)

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— Nachricht —

Das Land Berlin hat zusammen mit der Vivico Real Estate GmbH einen Wettbewerb zur Gestaltung der Freiräume in der zukünftigen Europacity nördlich des Hauptbahnhofs ausgelobt. Auf 8,2 Hektar sollen zwischen Heidestraße und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal eine Uferpromenade und ein neuer Stadthafen entstehen. Die Freiräume um den Nordhafen sollen aufgewertet werden, östlich davon entsteht die neue Firmenzentrale der Bayer Schering Pharma AG. Das östliche Kanalufer soll als Verflechtungsbereich in die Überlegungen einbezogen werden, hier befinden sich auf dem Gebiet des ehemaligen Grenzstreifens die Gedenkstätte Günter Litfin und der Invalidenfriedhof. Die Wasserflächen in den Häfen jenseits der Fahrrinne sollen für den Wassertourismus erlebbar gemacht werden. Aus dem Hamburger Bahnhof soll sich ein Kunst-Campus entwickeln. Die Europacity wird mit 40 Hektar Gesamtfläche etwa doppelt so groß wie der Potsdamer Platz. Gebaut wird gerade die neue Deutschlandzentrale des Total-Konzerns, der Total-Tower an der Heidestraße, als erstes Gebäude im Gebiet. Die Bewerbungsfrist für den Wettbewerb endet am 23. Dezember. (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, competitionline, fb)

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— Nachricht —

Der Senat will den Steglitzer Kreisel sanieren. Laut einer Parlamentsvorlage soll 2011 ein Planungsbüro gefunden werden, das für den asbestbelasteten Bürotower an der Schlossstraße ein Sanierungskonzept erarbeitet. Die Sanierung soll von Juli 2012 bis Ende 2014 dauern, 31,26 Millionen Euro kosten und von der landeseigenen Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) durchgeführt werden. Parallel dazu will das Land Berlin als Miteigentümerin seinen 50 Prozent-Anteil an dem 119 Meter hohen Gebäude verkaufen. Die andere Hälfte des Hauses gehört der Immobilienfirma Becker & Kries, sie bewirtschaftet die unteren Geschosse, den Flachbau mit Hotelnutzung und Geschäften. Die Stockwerke des Turms stehen dagegen seit dem Auszug des Bezirks-Rathauses im November 2007 leer. Die Vermarktung der Immobilie war bislang schwierig. Berlin hat im März auf der internationalen Immobilienmesse in Cannes nach Käufern für das Objekt gesucht. Mit zwei Interessenten laufen Verkaufsverhandlungen. Der Kreisel wurde 1980, nach zwölfjähriger Bauzeit und Konkursgehen der Baufirma fertiggestellt. (Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Emporis)

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— Nachricht —

Die Münchner Baufirma Wöhr + Bauer GmbH hat nach dreijähriger Bauzeit die Tiefgarage am Alexanderplatz fertiggestellt. Ab heute stehen Autofahrern auf drei unterirdischen Parkdecks entlang der Alexanderstraße insgesamt 650 Stellplätze zur Verfügung. Der Bau kostete 32 Millionen Euro und verzögerte sich wegen archäologischer Grabungen. Man fand Fundamente einer preußischen Exerzierhalle aus dem 18. Jahrhundert und 80 Gräber. Die Alexanderstraße selbst wird noch bis Sommer 2011 weitergebaut. Der Straßenbau kostet knapp 10 Millionen Euro und wird von den anliegenden Grundstückseigentümern finanziert, u.a. von den US-amerikanischen Immobilienfirmen Blackstone Group und Hines. Der Tiefgarage kommt nach Ansicht von Wöhr + Bauer-Geschäftsführer Wolfgang Roeck bei der Weiterentwicklung des Hochhausstandorts eine Schlüsselfunktion zu. Hines-Niederlassungsleiter Christoph Reschke dagegen sieht in dem Bau keinen nennenswerten Einfluss auf die weitere Entwicklung. Er schätzt, dass die zehn geplanten Hochhäuser von Hans Kollhoff und Helga Timmermann aus dem Wettbewerb von 1993/94 wegen der wirtschaftlichen Lage erst in 15 bis 20 Jahren gebaut werden. (Berliner Zeitung)

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— Nachricht —

Ein neuer Geldgeber hat den Schlossbauern 4,3 Millionen Euro spendiert. Das ist die bislang größte Spende, die der Förderverein Berliner Schloss e.V. für die Rekonstruktion der barocken Schlossfassaden eingenommen hat. Die Spendensumme steigt damit auf 24 Millionen Euro, bezogen auf gemachte Zusagen von Spendern. Insgesamt 80 Millionen Euro sind für das Fassadenprojekt erforderlich. Gezahlt wurden bis jetzt 14,5 Millionen Euro. Auch der neue Financier bezahlt über 75 Prozent seiner Spende später. Sein Geld soll für das Portal V verwendet werden, dem Schlosseingang gegenüber vom Lustgarten. Spendenbeträge bis zu fünf Millionen Euro sammelt der Förderverein, für Großspender ist die Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum zuständig. Ein Unternehmen und ein Verband wollen angeblich die Rekonstruktion der Schlosskuppel finanzieren. Das würde etwa 15 Millionen Euro kosten. Die Kuppel ist in den Gesamtkosten des Schlossneubaus nicht enthalten. Die veranschlagten Baukosten für das Projekt sind infolge der seit 2007 gestiegenen Baupreise um 30 Millionen Euro auf 582 Millionen Euro erhöht worden. (Berliner Zeitung)

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— Rezension —

„In der Summe bilden profilierte Zimmer ein charaktervolles Haus.“ Allein die bildhafte Sprache der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher verspricht, dass sie es mit Berlin gut meint. In der neuen Edition Gegenstand und Raum sollen dem gestern vorgestellten „Berlin plant“, Herausgeber Thomas Flierl, in einer groß angelegten Buchreihe des Verlags Theater der Zeit weitere Bände folgen.

„Berlin plant“ ist, wie der Untertitel es verspricht, ein „Plädoyer für ein Planwerk Innenstadt Berlin 2.0“. Und ein Sammelband, in dem 16 Beiträge Fehler, aber auch Verdienst des berühmt berüchtigten Planwerks Innenstadt beleuchten. Das 1999 vom Senat beschlossene städtebauliche Leitbild wurde seitdem nur innerhalb der Verwaltung fortgeschrieben, ohne öffentliche Diskussion und parlamentarische Kontrolle. Und natürlich wurde es in Teilen auch gebaut. Das Buch zieht eine faire Bilanz. Es ist keine Abrechnung. Auch klassische Verfechter des Planwerks kommen darin zu Wort, wenn auch nur ein einziger.

Frischer Wind für die Debatte ist, dass Studenten mitreden. Mit wissenschaftlichen Mitteln und dem Blick über den Tellerrand – hier geht er über London bis Chicago – führen sie die Berliner Stadtplanung endlich auf ein strategisches Niveau hinauf. Medien weg von der Spree zum Hauptbahnhof, Kunst weg vom Hauptbahnhof nach Neukölln, „Idea Stores“ wie in London als Leuchtturmprojekte mit mutiger Architektur in benachteiligte Quartiere, verbunden mit der Kunst, Gentrifizierung zu vermeiden: Hier meldet sich die neue Generation der Berliner Stadtplaner und lässt die Lochfassade des Planwerk-Städtebaus hinter sich, wie es einst der Speicherchip mit der Lochkarte aus der Mechanischen Datenverarbeitung tat.

Wenn Stadträume „Begabungen“ haben können, wie wir im Buch lesen, und Planer nach Instrumenten suchen, um „Offenheit zu verstetigen“, dann stimmen die Beiträge eine fachliche Tonart an, die für das Planwerk Innenstadt vor zehn Jahren einfach zu hoch lag.

Die Berliner Stadtplanung hat die Lust an der Strategie entdeckt. Was die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit dem neuen „Planwerk Innere Stadt“ noch 2010 herausbringen will, ist wortwörtlich ein Werk aus Plänen. Hier überlagern sich Pläne, Themen, Teilräume und werden grafisch unter Rücksicht auf den Faktor Zeit miteinander verknüpft. Bei der Namensgebung hätte man allerdings mutiger sein können. Die inhaltliche Emanzipation des neuen Planwerks Innere Stadt vom alten Planwerk Innenstadt ist deutlich genug, dass auch sein Titel es verdient hätte, neu geboren zu werden.

(veröffentlicht in Neues Deutschland v. 22. September 2010)

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— Nachricht —

Alexander Kluge hat vor kurzem in der ZEIT daraufhin gewiesen: Im August brach der Erste Weltkrieg aus. Im August warfen die USA Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab. Im August baute die DDR die Berliner Mauer. Im August öffnete sich der Eiserne Vorhang an der ungarisch-österreichischen Grenze. Der August wäre ein gefährlicher Monat, schreibt er. Ein stillstehender Teich. Auch Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) weiß, wann für den Bebauungsplan im Mauerpark der richtige Zeitpunkt für eine Bürgerbeteiligung gekommen ist. Seit 18. August kann die Öffentlichkeit Anregungen und Bedenken äußern, noch bis zum 22. September. Dabei kann – im Gegensatz zur Bürgerwerkstatt – auch auf die Baugebiete Bezug genommen werden. Wie auf futurberlin berichet, laufen zwei verschiedene Beteiligungen. Die nächste Bürgerwerkstatt findet am 15. September statt, dabei geht es um die Gestaltung der zukünftigen Parkerweiterungsfläche. Umstritten bei den Bürgern sind aber vor allem das geplante Wohngebiet nördlich des Gleimtunnels und das Sondergebiet an der Bernauer Straße im Bereich des heutigen Flohmarkts.

ZEIT-Artikel: http://www.zeit.de/2010/32/Interview-Kluge?page=all

— Nachricht —

An der Schönholzer Straße in Prenzlauer Berg wehren sich Anwohner und mehr als zehn Hauseigentümer dagegen, ihre Grundstücke zu Gunsten der Gedenkstätte Berliner Mauer an das Land Berlin zu verkaufen. Durch die Gärten mehrerer Gebäude verläuft heute der ehemalige Postenweg, auf dem zu DDR-Zeiten Grenzsoldaten im Mauerstreifen patrouillierten. Dieser soll im Zuge der Erweiterung der Gedenkstätte wiederhergestellt und öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Eröffnung des Postenwegs ist für August 2011 geplant, schreibt der Tagesspiegel. Zur Zeit wird für das Gedenkstättenareal ein Bebauungsplan aufgestellt, am 27. August endete die erneute öffentliche Auslegung. Drei Eigentümer ließen ihre Bedenken von Rechtsanwälten formulieren. Die Bewohner des Mehrgenerationenhauses in der Schönholzer Straße 13/14 schlugen ein Kaufangebot des Senats in Höhe von 100.000 Euro für eine Postenwegfläche von 163 Quadratmetern aus, berichtet die Berliner Zeitung. Sie kündigten an, gegen den Bebauungsplan zu klagen, falls dieser so festgesetzt würde. Eine weitere Eigentümerin lehnte ein Angebot von 305.000 Euro ab. Auf ihrem Grundstück an der Bernauer / Ecke Brunnenstraße ist der zukünftige Eingang in die Gedenkstätte geplant.

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Bewohner der Kastanienallee 86 in Prenzlauer Berg haben mit Unterstützung von Politikern und anderen Protestierenden am Dienstag die Räumung ihres hauseigenen Umsonstladens verhindert. Der Laden bleibt für die Bewohner trotzdem unzugänglich, Handwerker tauschten die Schlösser aus. Wie die Berliner Zeitung schreibt, hatte der Berliner Arzt und Hauseigentümer Michael Brauner versucht, schon zum dritten Mal einen Räumungstitel durchzusetzen. Er will das Haus teilweise sanieren. 80 Menschen wohnen in dem ehemals besetzten Haus, berichtet Neues Deutschland. Der Umsonstladen stammte ursprünglich aus der im November 2009 geräumten Brunnenstraße 183 in Mitte. In dem Souterrain des Gebäudes mit der auffälligen Fassade in der Kastanienallee („Kapitalismus normiert, zerstört, tötet“) gab es vorher eine Galerie. Gegen diese richte sich der Räumungstitel des Berliner Landgerichts, und daher sei die Räumung nach Meinung des Hausbewohner-Anwalts Moritz Heusinger auch unzulässig, schreibt die taz. Der Anwalt hatte zusammen mit Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen im Abgeordnetenhaus, und dem Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich (Linke) das Gespräch mit dem Eigentümer gesucht, der in einem Polizeiwagen der Räumung beiwohnte.



— Nachricht —

Im alten Flughafengebäude eröffnete Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Freitag eine Ausstellung, in der alle 78 Entwürfe zum landschaftsplanerischen Wettbewerb „Parklandschaft Tempelhof“ zu sehen sind. Schon im Juni waren sechs davon in die engere Auswahl für das jetzt anstehende Verhandlungsverfahren gekommen. Bürger sollen bei der konkreten Ausgestaltung der prämierten Pläne mitreden können. Über den endgültigen Siegerplan entscheidet eine Jury im Dezember, berichtet die Berliner Morgenpost. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Rainer Nagel, Leiter der Abteilung Stadt- und Freiraumplanung, diskutierten am Wochenende die Wettbewerbsergebnisse mit der Öffentlichkeit. Die Entwürfe sind bis zum 12. September, täglich von 10 – 18 Uhr zu sehen. Unabhängig vom Park-Wettbewerb findet ein Ideenwettbewerb zu Zwischen- und Pioniernutzungen auf den zukünftigen Baufeldern statt. Langfristig sollen an den Rändern des Parks drei Stadtquartiere entstehen. Für das „Columbiaquartier“, künftige Adresse für innovatives Wohnen, wurde ein städtebaulicher Wettbewerb schon 2009 durchgeführt.

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347.863 Wohnungen = 347.863 SchlüsselBerliner Wohnungsunternehmen blicken in einer Ausstellung auf ihr Nachwendewerk zurück. Unter dem Titel „Berliner Einsichten – 20 Jahre Wohnen in der wiedervereinigten Hauptstadt“ präsentieren sie zusammen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 73 Projekte. In Berlin gibt es insgesamt knapp 1,9 Millionen Wohnungen, berichtet der Tagesspiegel. Davon gehören 347.863 den 26 Wohnungsbaugenossenschaften und sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften. 87 Prozent der Wohnungen sind Mietwohnungen. Und die Bewohnerschaft verändert sich. Bis 2020 wird der Anteil der Menschen, die 80 Jahre alt und älter sind, um 43 Prozent im Vergleich zu 2007 auf 195.000 ansteigen. Die Ausstellung findet in der Spandauer Straße 2 statt und endet am 31. Oktober.

— Nachricht —

Aufgrund von Anwohnerprotesten ändert die Grün Berlin GmbH ihre Pläne für die Gestaltung des Parks am Gleisdreieck. Wie die Berliner Zeitung berichtet, soll der Vegetationsbestand auf der 26 Hektar großen Fläche jetzt mehr Berücksichtigung finden als ursprünglich beabsichtigt. So würde es weiterhin Wildwuchs, Baumgruppen und sogar Totholz im neuen Park geben, Naturspielplätze mit Matsch und Steinen, auch Brombeerbüsche und Apfelbäume. Die 60 Kleingärten im westlichen Parkteil blieben bestehen, die die Projektleitung für zwei neue Sportplätze eigentlich abreißen wollte. Die Sportplätze sollen jetzt nach Vorbild des Metromarktes am Ostbahnhof auf dem Dach eines an der Yorckstraße entstehenden Baumarktes errichtet werden. Ebenso würden hier Kinderwünsche nach einem Trampolin und Labyrinth erfüllt. Im westlichen Park würde ab 2011 gebaut, im östlichen schon seit einem Jahr. Insgesamt 62.000 Tonnen Bauschutt, Gleisschotter und Ziegel seien laut Projektleiterin Regina Krokowski auf der Bahnbrache schon abgeräumt worden.

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Bislang gäbe es für die Wiederbebauung des historischen Berliner Marienviertels, gemeint ist das heutige Rathausforum, noch keine politische Mehrheit, bekennt Kulturstaatssekretär André Schmitz am 16. Juli im Nicolaihaus auf Alt-Cöllner Territorium, aber er sei sich ganz sicher, dass das passieren wird. – Na klar, denn die Idee genießt die Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und scheint seit Veröffentlichung von Hans Stimmann´s „Berliner Altstadt“ auch auf einem fachlichen Fundament zu wachsen. Aber wartet die „Staatsbrache“ tatsächlich auf eine neue städtische Nutzung, wie der Bundesverdienstkreuzträger und ehemalige Senatsbaudirektor behauptet?

Eine Fläche … die funktioniert

Rathausforum / Marx-Engels-ForumDas Areal, um das es geht, ist ein differenzierter Raum mit flexiblen Nutzungsmöglichkeiten und besteht bei genauerer Betrachtung aus zwei verschiedenen Einzelflächen: dem Marx-Engels-Forum und einem Platz, der erstaunlicherweise keinen offiziellen Namen trägt.

Letzterer wird in einer gegenwärtig stattfindenden, mehrteiligen Veranstaltungsreihe der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zum Thema Historische Mitte direkt als „Rathausforum“ bezeichnet. Bei dieser Freifläche zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm handelt es sich funktional um einen Stadtplatz, der im Bereich Neptunbrunnen temporär auch als Marktplatz und Veranstaltungsort genutzt wird.

Das Marx-Engels-Forum funktioniert dagegen erstens als parkähnliche Grünfläche und zweitens als Gedenkstätte. Drittens übernimmt es mit der Anlegestelle für die Spreeschifffahrt eine besondere (Wasser-)Verkehrsfunktion. In Anlehnung an den bereits vor Eröffnung des Marx-Engels-Forums 1986 gebräuchlichen Namen „Park an der Spree“, und um das Forum im folgenden Text begrifflich und funktional vom Rathausforum abzugrenzen, soll die Fläche hier als „Spreepark“ bezeichnet werden. Beide Teilflächen weisen somit insgesamt sechs unterschiedliche Nutzungsaspekte auf.

… mit städtebaulichen Qualitäten

Was Freiräume wie Spreepark und Rathausforum in exponierter Lage wie dem Zentrum der City-Ost zu leisten vermögen, geht jedoch über funktionale Aspekte hinaus. Der Stadtraum zwischen Fernsehturm und Spree produziert eindrückliche Stadtbilder und eröffnet Sichtbeziehungen: kaum ein Standort, von dem der Blick des Besuchers nicht magisch vom mächtigen Schiff der Marienkirche angezogen wird. Der freistehende Kirchenbau hat eine Ausstrahlung, die durch eine Umbauung, selbst wenn sie auf historischem Stadtgrundriss verwirklicht würde, nur gebrochen werden kann. Die Marienkirche wirkt wie eine stolze, alte Dame, die man auf keinen Fall ins Korsett zwängen darf.

Dann das Rote Rathaus selbst: Stadthäuser im Bereich des Neptunbrunnens nähmen dem Gebäude jegliche Repräsentation. Das kann nicht ernsthaft im Interesse des Senats sein, der dort im Inneren sitzt. Die imposante Erscheinung des Gebäudes wird erst durch den Freiraum des Rathausforums erzeugt. Bauten würden diese Wirkung außer Kraft setzen.

Im Falle einer Bebauung des benachbarten Spreeparks, wären unter Berücksichtigung des Wiederaufbaus des Berliner Stadtschlosses folgende städtebauliche Konsequenzen zu (er)tragen: Das Spreeufer wäre sowohl auf der Alt-Cöllner als auch auf der Alt-Berliner Seite bebaut, infolge dessen die Spree mit ihrem Potenzial als Naturraum im Zentrum der Hauptstadt in beträchtlichem Maße aus der Wahrnehmung der Besucher genommen würde. Der Fluss bekäme seine Scheuklappen zurück. Gleichzeitig fiele auch die räumliche Kontrastwirkung weg, die man durch eine einseitige, akzentuierte Bebauung des Westufers mit dem Berliner Stadtschloss hervorrufen könnte. Der für die Öffentlichkeit sensationelle Blick vom Spreepark auf das Humboldtforum, das an dieser Stelle seine einzige modern gestaltete Fassade präsentieren wird, käme dann aus den Fenstern von Privatwohnungen. In diesen stadträumlichen Zusammenhang rückt dieser unterschätzte Park.

Ihre besondere Qualität erfährt die Freifläche aus Rathausforum und Spreepark aber erst in Bezug auf den 368 Meter hohen Fernsehturm. Beide Teilflächen bilden, quasi in Reihe geschaltet, sein stadträumliches Negativ, seinen lebendigen Schatten. Dieser ausgedehnte Freiraum ist die städtebauliche Übersetzung der Höhendominante des Fernsehturms in die Horizontale. Ganz subtil macht sie klar: wenn der Turm jemals kippen sollte, dann hier entlang, in Richtung Spree. Das ist eine Qualität von Städtebau – und im Hinblick auf die Größenordnung der Flächen auch eine Quantität – wie sie an diesem Ort nur unter sozialistischen Planungsverhältnissen entstehen konnte. Und das ist gut so.

Dem höchsten Bauwerk Deutschlands liegt mit diesem Stadtraum ein riesiges Potenzial zu Füßen. Über 500 Meter blicken wir heute vom Fuß des Fernsehturms über Wasserspiele und Neptunbrunnen ins Grüne hinein Richtung Westen. Mit dem Humboldforum erscheint am Horizont dann auch der fehlende Fixpunkt. Dieses Potenzial gilt es zu gestalten.

… im Rhythmus der Stadt

Auf größerer Maßstabsebene arbeiten beide Freiflächen, Rathausforum und Spreepark, mit den bebauten Flächen der Umgebung zusammen. Wie auch die beiden Freiflächen verschiedenartige Räume sind, so ist auch deren städtisches Umfeld durch eine auffallende Heterogenität geprägt. Ein kurzes Panorama soll die clusterhafte Beschaffenheit der City-Ost skizzieren.

Hackescher Markt mit Spandauer Vorstadt, Alexanderplatz mit Alexa, Kloster- und Nikolaiviertel mit zukünftigem Molkenmarkt, Alt-Cölln und Fischerinsel, Friedrichswerder mit Auswärtigem Amt und Townhouses, Schlossplatz mit zukünftigem Humboldtforum, Unter den Linden mit Universität und Deutschem Historischen Museum und schließlich das größte Universalmuseum der Welt: die Museumsinsel mit Lustgarten und Berliner Dom – sie lagern wie Schollen um die Freiflächen herum, sind Wohnstandorte von gestern und von morgen, zeigen Platte und (jetzt schon!) neue Stadthäuser, präsentieren Geschichte und Kultur, sind Platz, Boulevard oder Shopping-Mall.

Ein weiterer Townhouse-Standort im Zentrum dieses Ringes, der im Übrigen z.B. mit der Grunerstraße gegenwärtig auch Brüche aufweist, würde das Areal der City-Ost nicht bereichern, sondern entkräften. Was bereichert das Portfolio dieser Zentrumslage? – Diese Frage müssen wir stellen.

Der Maßstab für deren Beantwortung liefert uns nicht nur der oben dokumentierte Bestand. Vielmehr muss der Zielzustand des Planwerk Innenstadt zu Grunde gelegt werden sowie laufende und planungsrechtlich gesicherte Projekte. Ob am Hackeschen Markt, Alexanderplatz, Molkenmarkt, in Alt-Cölln oder auf Schinkel- und Schlossplatz – die Nachbarschaften von Spreepark und Rathausforum werden baulich verdichtet. Auch das ist gut so. Aber hüten wir uns doch davor, eine dritte Niere zu verpflanzen, an der Stelle, wo ein Herz zu schlagen hat.

Grün ist dieses Herz und Berliner Domöffentlicher Raum, ein direkter Zugang zum wahren Ursprung Berlins: der Spree. Dabei gehen die Aufgaben des Freiraums über eine lediglich funktionale Ergänzung zur bebauten Umgebung hinaus. In einem derartig facettenreichen Zentrum wie die City-Ost fördern Freiflächen wie Spreepark und Rathausforum die Orientierung und motivieren Mobilität; sie rhythmisieren die Wegebeziehungen zwischen den o.g. City-Bausteinen und sind darüberhinaus selbst Anziehungspunkte, denn eine wesentliche Qualität von Freiräumen, ob Grünfläche oder Stadtplatz, besteht in ihrem Vermögen, den bebauten Raum zu öffnen, den Passanten aus seiner Führung durch Straße und Block stadträumlich und mental zu befreien. Der Akt der Bebauung bedeutet an diesem Ort mehr als einen Wiederaufbau der historischen Altstadt; er ist ein Machtspruch, mit dem wir zukünftigen Berliner Besuchern und Einwohnern vorschreiben, auf welche Weise sie sich in der Stadt zu bewegen haben. Aber sind mit Lustgarten und Alexanderplatz nicht bereits genügend Freiräume bzw. Plätze vorhanden?

Gerade die Bedeutung des Marx-Engels-Forums als Park mit hochgewachsenen, voluminösen Bäumen darf nicht unterschätzt werden. So beschaulich und provinziell dieser grüne Stadtbaustein auf den ersten Blick – vielleicht aus den Fenstern des Roten Rathauses – wirken mag, so unschlagbar ist sein naturräumlicher, klimatischer Effekt im Großstadt-Sommer, inbesondere in Kombination mit der Spree. Weder Lustgarten noch Alexanderplatz, auch nicht das Rathausforum allein, können eine derartige Oasenwirkung ersetzen. Der belebte Lustgarten hat in der Tat Garten-Charakter, ist eine urbane Liegewiese, belebter Vorhof der Museumsinsel, aber wir finden keinen Schatten und hören auch keine Vögel zwitschern, denn es wachsen dort keine Bäume wie drüben im Park. Der Alexanderplatz dagegen ist ein urbaner Großstadtplatz, überregionaler Verkehrsknotenpunkt und Einkaufszentrum. Kurz gesagt: Hier kommt man an und geht Shoppen, auf dem Rathausforum entfaltet sich das Berliner Stadtbild, im Spreepark findet man sowohl Schatten als auch den Anschluss ans kühle Nass der Spree, und im Lustgarten sonnt man sich in Angesicht eines Weltkulturerbes. Es ist gerade dieser ausgewogene Freiflächen-Mix – und der Spreepark liefert einen außergewöhnlich originellen Beitrag dazu – der die Mitte Berlins so erlebbar macht.

… die nicht existiert?

Was keinen Namen hat, existiert nicht. Was den Namen eines untergegangenen Staates trägt, wird zur Brache erklärt. Das ist für den Platz vor dem Roten Rathaus und das Marx-Engels-Forum die real-kapitalistische Ausgangslage. Es ist vor allem das Image der Flächen, das unter den Hammer kommt – bei Ausklammerung ihrer wertvollen Funktion. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat sich für den Erhalt der Freiflächen ausgesprochen, aber auch deutlich gemacht, dass eine Umgestaltung notwendig sei, insbesondere an den Rändern zur angrenzenden Bebauung. Gleichzeitig scheut sie nicht den Vergleich des Areals mit dem Central Park in New York und hat angekündigt, ihre Verwaltung werde Vergleiche mit ähnlichen Metropolräumen anstellen. Das neue Image, das dieser Ort benötigt, muss also kein altes, historisches sein, und die „Marzipan-Altstadt“, vor der sich die Berliner fürchten (tip), bleibt hoffentlich nur ein Traum.

Die Stadt mit der neuen Altstadt – diesen Ruf könnte sich Berlin in der Zukunft aufhalsen und verlöre damit gleichzeitig eines seiner wichtigsten Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen europäischen Metropolen. Internationale Gäste sind fasziniert von den großzügigen Dimensionen der Stadt und schätzen das Image Berlins als weitläufige, offene und freiräumige Stadt – oder kommen sie am Ende etwa wegen der Brachen?

(Der Text entstand als Beitrag für die Planerin (Ausgabe Dezember 2009). Er ist ein Plädoyer für eine offene Gestaltung des sogenannten, neuen „Rathausforums“ und beschreibt die städtebaulichen Qualitäten „im Schatten des Fernsehturms“)