Beiträge

Es ist gar nicht selbstverständlich, aber möglich, dass man Professoren auch außerhalb von Universitäten reden hört. So betrachte ich Harald Bodenschatz´s Vortrag vom Freitag als Geschenk. In der Parochialkirche sprach der Architektursoziologe der TU Berlin davon, wie die Zeichen für die Berliner Altstadt schon immer auf Abriss standen. Die Mitte sei durch die Großstadtwerdung schrittweise Richtung Westen gewandert, der Berliner Stadtkern dagegen als zweitklassig (ja sogar „zurückgeblieben“) betrachtet, und von den Stadtvätern und Planern stiefmütterlich behandelt worden, wie „Aschenputtel“. Als solches blieb der Kern Berlins im Osten liegen, der in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der DDR konsequent ausgelöscht werden sollte. Und der Professor zeigte die passenden Bilder, welche, die zum Großteil niemals verwirklicht wurden. Das ist das Erschreckende: die Planungsgeschichte, der Alltag des Aschenputtels.

„City West – ein schrecklicher Begriff“

Das mag der Grund sein, warum baukulturell anspruchsvolle Reurbanisierungsprojekte in Dresden, Frankfurt am Main und Potsdam Erfolg haben, aber die Berliner Ambitionen in diese Richtung der breiten Öffentlichkeit als unzeitgemäß erscheinen: Berlin ist eine Großstadt, die eben größer ist als andere. Berlin ist eine Stadtregion, geboren 1920. Selbst Potsdam zählt für Bodenschatz noch zu Berlin. Nach Mitte (die auch die Altstadt enthält) und der City West („ein schrecklicher Begriff“, wie der Professor klagt) sei Potsdam das dritte Zentrum der Großstadtregion. Die Berliner Altstadt hat einfach zu starke Nachbarn gekriegt, gegen die sie sich nicht behaupten konnte. Helfen jetzt nur noch Haselnüsse und der nackte Wunsch nach aufblühenden Ballkleidern?

Ausstellung „Molkenmarkt und Klosterviertel – Ein lebenswerter Ort?“ im Oktober 2018 (Foto: André Franke)

Wir wissen alle, dass Aschenputtel aus der Geschichte als Gewinnerin hervorgeht. Es braucht die Chance, zu tanzen. Erst als sie auf dem Balle des Prinzen erscheint, bahnt sich ein Weg aus der Misere. Wir wissen auch, dass das Mädchen drei Anläufe braucht, bis sie den Retter mit dem verlorenen Schuh aus dem Schloss ködert. Als so einen Anlauf muss man das Molkenmarkt-Projekt erkennen, von allen Seiten: aus Sicht der Verwaltung, der Bauherren, der aktiven Vereine. Man muss der Altstadt Berlins eine Rolle zuweisen (den Schuh anziehen), die sie klar und deutlich von den Stiefschwestern, also allen anderen Berliner Zentren, Bezirken unterscheidet. Und da es sich bei Aschenputtel nicht um eine alte Dame, sondern einen jungen Geist handelt, sollten alle Akteure, die die Zukunft des Ortes jetzt mitgestalten, es wagen, viel zu experimentieren. Ohne Hacken, ohne Schneiden.


Links

Projektseite des Forums Stadtbild Berlin e.V. (Ausstellung und Vortragsprogramm 10.-14. Oktober 2018): molkenmarkt-berlin.de

Projektseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: stadtentwicklung.berlin.de

Berlin Mitte Archiv. Dokumentation und Recherchen zur Geschichte von Berlin-Mitte: berlin-mitte-archiv.com

Vergleicht man das Bauen in Berlin mit der Arbeit eines Chirurgen am Körper, dann fällt auf, die operativen Eingriffe konzentrieren sich zur Zeit stark auf das Herz. Berlins Stadtkern wird von Endoskopen durchdrungen, von Klemmen zerdrückt, mit Pinzetten gepiesackt, mit Messern durchschnitten sowieso. Es wirkt, als wäre kein Arzt am Werk, eher eine Gruppe Aasgeier, die über das blutende Organ herfallen. Ja, mit dem Hammer draufhauen. Wenn am Ende wieder ein Herz herauskommen sollte, hat Berlin mehr als Schwein gehabt.

Die Hölle ist ein Ort auf Erden: Berlin-Mitte. 38 Projekte des Bauens, Planes, Diskutierens

Die Hölle ist ein Ort auf Erden: Berlin-Mitte 2017. 38 Projekte des Bauens, Planes, Diskutierens

Auch innerhalb des Stadtkerns konzentrieren sich die Projekte in bestimmten Bereichen. Ich nenne sie entsprechend „Bauhöllen“. Die 38 Projekte sind aber nicht nur reine Baustellen. Manche sind in Planung. Andere gerade fertiggebaut. Auch Denkmäler sind mit dabei, über deren Standorte gestritten wird. Und Stadtplätze, die neu entstehen. Und jetzt: Ab durch die Mitte – ab durch die Hölle!

Bauhölle Nord (1-5)

Auf der Museumsinsel wird das (1) Pergamonmuseum umgebaut. Es erhält einen vierten Flügel und soll nach Bauverzögerung und Kostenanstieg 2023 fertig sein. Daneben entsteht die (2) James-Simon-Galerie als zentraler Eingang in die unterirdische archäologische Promenade, die alle fünf Museen erschließt. Die Verkehrsverwaltung hat im September angekündigt, das Umfeld der Museumsinsel aufzuwerten, so auch die Straße (3) Am Kupfergraben, die teilweise aus Kopfsteinpflaster besteht. Sie wird erneuert. Der Unternehmer Ernst Freiberger saniert auf der anderen Seite der Insel mit dem (4) Forum Museumsinsel sieben denkmalgeschützte Gebäude zwischen Spree und Oranienburger Straße und belebt dadurch die Verbindung zwischen Spreeinsel und Spandauer Vorstadt. Auch das Berliner Traditionsunternehmen Siemens profiliert sich als Anrainer der Museumsinsel. Es baut seine Firmenrepräsentanz mitten im Garten vom (5) Magnus-Haus und wirkt dabei wie der Elefant im Porzellanladen. Das Gebäude mit Garten ist ein denkmalgeschütztes barockes Stadtpalais, wie es es in Berlin so kein zweites Mal gibt.

Letztes barockes Stadtpalais mit Garten - bitte einmal kräftig reinbauen! Siemens macht´s trotz Architektenprotest. (Foto: André Franke)

Letztes barockes Stadtpalais mit Garten – bitte einmal kräftig reinbauen! Siemens macht´s trotz Architektenprotest. (Foto: André Franke)

Bauhölle West (6-15)

Nach sieben Jahren sind endlich die Bauarbeiten an der (6) Staatsoper beendet. Das macht zwar eine Baustelle weniger in Mitte, aber vom Bebelplatz Richtung Osten häuft sich das Baugeschehen. Das (7) Opernpalais wird saniert, von dem es heißt, Bauherr sei Springer-Chef Mathias Döpfner. Der lässt die Berliner zappeln und verschweigt bislang, was aus dem Gebäude werden soll. Die Luxus-Appartments der (8) Kronprinzengärten sind fast fertig. Völlig fertig ist die (9) Friedrichswerdersche Kirche, und zwar in dem Sinne, dass sie zur Baustelle gemacht wurde. Daran waren die Tiefgaragen der Kronprinzengärten schuld. Sie brachten die Kirchenfundamente zum Wackeln. Jetzt stützen Gerüste Schinkels Bauwerk auf unbestimmte Zeit von innen. Eintreten bleibt ein Traum. Arme Kirche: Auf der anderen Seite baut die Frankonia Eurobau (10) Wohn- und Geschäftshäuser am Schinkelplatz. Durch den Wiederaufbau entsteht auch der (11) Werdersche Markt als Stadtplatz neu. Prominenteste Anrainerin wird hier die (12) Bauakademie. Der Ideenwettbewerb für den langersehnten, 62 Millionen teuren Wiederaufbau läuft bis Januar, die Jury entscheidet im April. Über das (13) Freiheits- und Einheitsdenkmal auf der anderen Seite des Spreekanals ist hingegen entschieden. Der Bundestag bestätigte den umstrittenen Bau der „Wippe“ im Sommer, nachdem das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes ins Schaukeln geraten war. Die begehbare Plattform, die sich neigt, wenn sich eine kritische Masse an Besuchern auf eine Seite bewegt (offizieller Titel: „Bürger in Bewegung“), wird genau vorm (14) Berliner Schloss platziert. Es ist immer noch Berlins beste Baustelle, bei der man im Kosten- und Zeitplan liegt. Erste Barockfassaden sind vom Baugerüst befreit. Vom Lustgarten sind sie zu sehen. Wenn das Schloss als Humboldtforum 2019 eröffnen wird, werden die Bauarbeiten in der Nähe aber weitergehen. Nicht wundern. Der (15) U-Bahnhof Museumsinsel der Linie U5 braucht ein bisschen länger.

Bauhölle Mitte (16-21)

Die Linie der „Kanzlerbahn“, die vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor gebaut wird, bringt noch eine weitere Bahnhofsbaustelle mit sich. Für den neuen (16) U-Bahnhof Berliner Rathaus wurden die Reste der bei den Bauarbeiten freigegrabenen Tuchhalle des alten Rathauses zerstört. Keine schöne Geschichte. Nur weil in Berlin immer alles schnell gehen muss. Vier Denkmäler stehen auf dem Rathausforum, der Freifläche zwischen Spree und Fernsehturm. Das (17) Marx-Engels-Denkmal ist wegen der Baustelle der BVG an die Karl-Liebknecht-Straße gerückt. Wo es in Zukunft stehen soll, ist nicht sicher. Der neueste Vorschlag kommt von Annette Ahme (Verein Berliner Historische Mitte), es vor das Haus des Reisens zu bringen (mehr dazu später). Doch vermutlich kommt es ins Zentrum des Marx-Engels-Forums, einer Teilfläche des Rathausforums, zurück. Das (18) Luther-Denkmal ist zum Reformationsjubiläum vor die Marienkirche zurückgekehrt. Hier stand Luther seit Ende des 19. Jahrhunderts, allerdings auf einem Sockel und mit Begleitfiguren. Ein zweiter Neuzugang in der Nähe ist das (19) Denkmal für Moses Mendelssohn. Micha Ullmann („Bibliothek“ auf dem Bebelplatz) hat die Fassade des Hauses in der Spandauer Straße in die Horizontale gelegt. Der Aufklärer, der mit 14 Jahren als Jude nach Berlin kam, wohnte hier. Zwischen Marienkirche und Rathaus steht der (20) Neptunbrunnen. Auch er ist in der Diskussion, vielmehr sein Standort. Mit dem Bau des Schlosses wird auch der Wunsch bei vielen stärker, den ehemaligen Schlossbrunnen zurück zum Schlossplatz zu bringen. Zwar hatte der Bund dafür Geld zugesagt, aber das Land Berlin hat bislang nichts dergleichen entschieden. Alle genannten Projekte sind Teil des schon erwähnten (21) Rathausforums. Für dieses große Areal beschloss das Abgeordnetenhaus 2016 zehn Bürgerleitlinien, die das Ergebnis einer ganzjährigen Stadtdebatte mit Bürgern, Architekten und Stadtplanern waren. Es soll ein Stadtraum für alle sein, mit öffentlicher Nutzung und viel Grünfläche. Ein städtebaulicher Wettbewerb, wie er noch im Koalitionsvertrag von Rot-Schwarz 2011 geplant war, ist damit vom Tisch.

Genial und nur bei Regen: gespiegelte Umwelt des Denkmals (Foto: André Franke)

Mendelssohn-Denkmal von Micha Ullmann: Genial und nur bei Regen: gespiegelte Umwelt des Denkmals (Foto: André Franke)

Bauhölle Ost (22-29)

Rund um den Alex entstehen vor allem Hotelneubauten. Mit dem (22) Motel One an der Grunerstraße ist das erste, 60 Meter hohe und mit 708 Zimmern größte der Marke in Europa schon fertig. Ins (23) „Volt Berlin“ (südlich vom „Alexa“ und der Voltaire-Straße), wo nach ursprünglichen Plänen mit Surfing und Skydiving das Einkaufen zum Erlebnis gemacht werden sollte, zieht ein Hotel der Lindner-Gruppe. Hier werden gerade die Fundamente gegraben, für einen nun doch eher normalen Geschäfts- und Büroblock, wie es heißt. Südlich vom „Volt“ kommt (24) The Student Hotel, für das entlang der Alexanderstraße auf einer Fläche von 17.000 Quadratmetern 457 Zimmer für Studenten errichtet werden. Nördlich vom „Volt“ baut dagegen ein niederländischer Investor mit dem (25) „Grandaire“ ein klassisches, von Chicago inspiriertes Wohnhochhaus von 65 Metern Höhe und mit 269 Wohnungen. Der Bau eines (26) Hotels nördlich des Panorama-Hauses an der Karl-Liebknecht-Straße wird gerade in zweiter Instanz vor Gericht verhandelt. Eine Baugenehmigung gibt es hier schon seit 2012. Das Panorama-Haus landet gewissermaßen im Hinterhof. Soweit zu den konventionellen Projekten. Doch der (27) Alexanderplatz wird Hochhausstandort. Und die ersten zwei (von insgesamt neun geplanten) 150 Meter hohen Türme befinden sich auf dem Weg der Verwirklichung. Am Alexa baut nach Plänen des Architekturbüros Ortner & Ortner das russische Unternehmen Monarch, und am Saturn-Gebäude hat sich das US-amerikanische Unternehmen Hines für Entwürfe von Frank O. Gehry entschieden. Nicht nur die Skyline des Stadtkerns verändert sich. Es ist die Skyline Berlins. Nachdem die Hochhauspläne am Alex überarbeitet worden sind, entstehen auch neue Stadtplätze: (28) „Vorm Haus des Reisens“ und (29) „An der Markthalle“ sind die ersten Projekte, an deren Gestaltung auch die Berliner mitwirken können. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat angekündigt, die Stadtdebatte vom Rathausforum (siehe oben) weiterzuführen und die Bürger mitentscheiden zu lassen.

Bauhölle Süd (30-32)

Eher klein, aber fein erscheinen drei Projekte am Märkischen Museum. Mit dem (30) Metropolpark bauen die Architekten Axthelm Rolvien die expressionistische AOK-Zentrale zu Apartments um. Bis zu 370 Quadratmeter werden die Eigentumswohnungen groß, manche Räume haben eine Deckenhöhe von 6 Metern. Gleich gegenüber ist mit dem Tod der Stadtbären Maxi und Schnute die Geschichte des legendären (31) Bärenzwingers abgelaufen. In den nächsten zwei Jahren wird über eine neue Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes diskutiert, es laufen auch Austellungen. Um den schlecht angebundenen Köllnischen Park aus seinem Schattendasein zu befreien, gibt es auch Entwürfe des Architekten Detlev Kerkow für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten (32) Waisenbrücke. Auf der To-Do-Liste des Senats erscheint sie aber bis auf weiteres leider nicht.

Enturf für eine neue Waisenbrücke. Blick aufs Märkische Museum am südlichen Spreeufer (Abb. Detlev Kerkow)

Bauhölle Süd-Ost (33-36)

Schließlich verändet sich auch das Zentrum Alt-Cöllns. Nach dem Abriss des DDR-Bauminsteriums und den archäologischen Grabungen ensteht an der Breiten Straße ein ganzer Block neu. Das sanierte (33) Kaufhaus Hertzog ist Teil davon. Am Petriplatz nebenan kommt der Neubau des (34) Archäologischen Zentrums, von dem aus ein Informationswegesystem geplant ist, das durch die Altstadt führt. Aufsehen erregt hier vor allem aber das (35) House of One. Das interreligiöse Gotteshaus, das Kirche, Synagoge und Moschee in einem sein soll, ist mittlerweile zu einem Projekt des nationalen Städtebaus prämiert worden. Selbst die (36) Fischerinsel ist vor Bauaktivitäten nicht mehr sicher. Zwar sind die Pläne nach Protesten der Anwohner für ein Hochhaus abgesagt worden, doch die Ecke an der Grunerstraße, wo im Moment noch ein tiefes Loch klafft, bekommt auf jeden Fall einen neuen Block.

Bauhölle kommunikativ (37-38)

Zwei umfangreiche Projekte dürfen nicht unerwähnt bleiben. Beim Projekt (37) Molkenmarkt wird die Grunerstraße nach Norden an die Rückseite des Rathauses verschwenkt und Bauland gewonnen. Zweieinhalb Berliner Blöcke erwachsen so dem Klosterviertel. Die Bauhölle Ost verbindet sich mit der Bauhölle Süd-Ost. Und das (38) Flussbad Berlin, dem Ort, an dem Berlin bald baden gehen könnte, zieht sich entlang des Spreekanals vom Märkischen Museum an Alt-Cölln vorbei bis zur Museumsinsel. Drei Bauhöllen stehend somit in direkter Verbindung.

Dass die Staatsoper eröffnet, bedeutet nicht nur das Ende eines Bauskandals. Mehr als das Haus selbst kriegen wir einen Platz zurück und eine völlig unterschätzte Straße. Was freue ich mich auf den Bebelplatz! Den ganzen. Er hat wieder Micha Ullmanns Mittelpunkt, die Kellerbibliothek. Er atmet wieder auf zwei Lungenflügeln, anstatt auf nur einem. Die Leute werden wieder Kreise um das Denkmal ziehen, anstatt Halbkreise am Bauzaun. Jeder wird wissen, wo er hier hin muss. Und die Hedwigskirche strahlt bis Unter den Linden.

Comeback eines Straßenzugs

Die Baustellen gehen, Berlin kommt! Das gilt auch für die andere Seite der Staatsoper. Hinter dem Opernpalais rappelt sich die Oberwallstraße wieder auf. Hoffentlich nicht nur, um im Dezember zum Weihnachtsmarkt zu mutieren. Nachdem die „Kronprinzengärten“ jetzt fertig sind, kann man hier zu Fuß schon wieder langgehen. Mehr schleichen eigentlich, an den Containern vorbei und an den Baufahrzeugen. Es kann nicht mehr lange dauern, und die ganze Straße wird frei. Befahrbar. Seit ich den Stadtkern-Ride mache, warte ich auf das Comeback dieses Straßenzugs.

Oberwallstraße nach Süden. Blickpunkt Hausvogteiplatz-Fassade. Links: Friedrichswerdersche Kirche und achteckiger Schinkel-Pavillon (Foto: André Franke)

Oberwallstraße nach Süden. Blickpunkt Hausvogteiplatz-Fassade. Links: Friedrichswerdersche Kirche und achteckiger Schinkel-Pavillon (Foto: André Franke)

Warum denn? 

Weil er so schön vom Hausvogteiplatz durch die Brückenbogen des Opernpalais Über die Linden zur Ecke „Hinterm Gießhaus“ führt. Die Oberwallstraße ist wörtlich: ein guter Zug. Das Beste an ihm: Er ist absehbar (wieder wörtlich zu nehmen): Man blickt von einem Ende zum andern …

Die visuelle Qualität der Oberwallstraße ist aber nicht ihre einzige. Sie hat auch historische (Nicht gleich gähnen!), dramaturgische und überlokale Fähigkeiten. Was die so alles kann …

  1. Sie erzählt an drei Stellen (Hausvogteiplatz, Hedwigskirche, „Hinterm Gießhaus“) die Geschichte der Festungsstadt.
  2. Sie inszeniert Unter den Linden dadurch, dass sie beim Durchqueren des nördlichen Brückenbogens das Panorama des Boulevards aufmacht: Humboldt-Universität, Neue Wache, Zeughaus, Berliner Dom, Fernsehturm, Schloss.
  3. Sie verbindet als Segment eines potenziellen Stadtkern-Rundwegs das Märkische Museum mit der Museumsinsel.
Oberwallstraße, Blick durch Brückenbogen zum Palais am Festungsgraben. Zuviel Blech im Stadtraum, inklusive Parkscheinautomat (Foto: André Franke)

Oberwallstraße, Blick durch Brückenbogen zum Palais am Festungsgraben. Zuviel Blech im Stadtraum, inklusive Parkscheinautomat (Foto: André Franke)

Eine Offenbarung erfährt, wer hier weitergeht. Aus der Enge heraus entfaltet sich das Panorama von Unter den Linden: 180 Grad Berlin (Foto: André Franke)

Eine Offenbarung erfährt, wer hier weitergeht. Aus der Enge heraus entfaltet sich das Panorama von Unter den Linden: 180 Grad Berlin (Foto: André Franke)

Hier wird die Oberwallstraße zu „Hinterm Gießhaus“. In der Ecke, am Baum, biegt der Straßenzug nach rechts ab zur Mueumsinsel. (Foto: André Franke)

Hier wird die Oberwallstraße zu „Hinterm Gießhaus“. In der Ecke, am Baum, biegt der Straßenzug nach rechts ab zur Mueumsinsel. (Foto: André Franke)

Die Oberwallstraße sollte deshalb mehr werden als Glühwein-Quelle und Hinterhof der Kronprinzengärten. Sie sollte eine echte Aufgabe bekommen:

Das Aufmerksamkeitsgefälle

zwischen nördlichem und südlichem Stadtkern

verringern helfen,

indem sie die Besucherströme verteilt, ein alternatives Angebot zur Touristenbahn „Gendarmenmarkt – Bebelplatz – Lustgarten“ macht und mehr Durchwegungsattraktivität entwickelt.

Natürlich nicht für Autos.

Eine Nachlese zum Stadtkern-Walk vom 25. Januar …

Zu sechst waren wir am Mittwoch beim Stadtkern-Walk, dem ersten eigentlich, wenn man den letzten nicht zählt, was ja auch irrig wäre, weil er im Dezember mangels Anmeldungen ausfiel (acht Gäste warteten damals trotzdem spontan auf den Tourstart, nur der Guide kam nicht, weil er in der Kita war. Drum sag ich: Anmelden Leute, bitte regt Euch, auch wenn´s spontan ist). Danke an die Fünfe, die es diesmal tatsächlich taten!

Viadukt im Längsschnitt

Drei Stunden waren wir unterwegs, liefen ziemlich zügig, wenn ich das rekapituliere. Warmen Aufenthalt, vielmehr Durchgang, bot uns der Bahnhof Alexanderplatz. Das war ganz schön (nicht nur, weil es warm war), nachdem wir vorher nur entlang des Viadukts, auf dem die Bahn fährt, gegangen waren, entweder außen entlang oder innen. Auf einmal hatten wir hier die Möglichkeit, (was ich so auch nicht geplant hatte) nicht nur den Viadukt durch einen seiner Bögen zu queren, sondern sogar längs zu durchwandern.

Volle Kanne das Gegenteil wartete auf uns, als wir wieder rauskamen. Ein einziger Weg bleibt, um die Grunerstraße, hier: den Alexandertunnel zu überqueren. Wir mischen uns in den Menschenstrom, der sich in das Alexa ergießt. Hätten wir gleich drin bleiben können und folgen, in das Ding hinein und hinten wieder raus – wäre noch ein warmer Indoor-Streifzug geworden. Aber so kalt war´s nun auch wieder nicht am Mittwoch Abend. Und: der Bogen zwischen Viadukt und Alexa ist sehr anziehend, man sieht ihn ja schon, wenn man noch drüben auf der anderen Seite des Tunnels steht und sich nur fragt, wie man da rüber soll. Auch die Soundkulisse läuft auf dem Abschnitt mit: Riesenlärm beim Rübermachen zum Alexa, aber je weiter man die südliche Dircksenstraße abläuft, desto leiser wird´s. Bis hin zur Totenstille am Parochialkirchhof.

Der (Alexander-)Tunnel der Tonner (Foto: André Franke)

Der (Alexander-)Tunnel der Tonner (Foto: André Franke)

Parochialkirche kurz vor Spiel

Da stehen wir an der Ecke Littenstraße und warten auf das 18-Uhr-Glockenspiel. Doch der neue Kupferturm der Parochialkirche tut uns den Gefallen nicht. Wir quatschen uns die Zwischenzeit rum, denn es sah so aus, als stünde die Turmuhr auf 17:58 Uhr. Doch es war dunkel, und wir hatten es falsch gesehen. Erst zehn vor Um war´s. Zu lange Warten für den Stadtkern-Walk. Immerhin waren wir noch nicht mal Dreiviertel der Strecke rum.

Was an der Parochialkirche zu früh war, war am Märkischen Museum zu spät. Hier schließen die Stadtmodelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gegenüber um 18 Uhr. Sechs Minuten später war es, als wir ankamen. Diesen Indoor-Stopp hatte ich allerdings auf dem Plan. Schade, denn Martina, die schon lange im Stadtkern wohnt, kannte diese Ausstellung der Stadtmodelle noch nicht.

Und was sagt uns das? – Den nächsten Stadtkern-Walk andersherum laufen!

Friedrichstraße? Nee, nee

Ich springe zurück. Zur Strecke zwischen Hackescher Markt und Alexanderplatz. Dort liefen wir die äußere, durchaus belebte und mit Geschäften und Kneipen besetzte Viaduktstraße (auch Dircksenstraße) ab, dann bogen wir durch eine Unterführung in die Rochstraße auf die innere Seite ein. – Sowas von tote Hose. Dunkel und still. Hier im Hinterland der Wohnscheiben der Liebknechtstraße, wo es auch eine Schule gibt, ist der Stadtraum am Bahnviadukt gewerblich genutzt, stehen Lieferwagen vor Lagerräumen zwischen Büschen rum. Ein Zaun trennt das Gelände von der Rochstraße ab, aber die Türe steht offen. Da stehen wir, gucken das an, als eine Touristin kommt, sie mag italienisch gewesen sein, die fragte mich, ob es hier zur Friedrichstraße geht (und zeigte in Richtung Gewerbebüsche!). Sie hatte Glück, ich bewahrte sie vor der Sackgasse. Wer hier reingeht (und das geht), steht nach 150 Metern erneut vor einem Zaun und muss umkehren.

Das ist nicht die Friedrichstraße und man gelangt auch nicht zu ihr, wenn man hier durchgeht (Foto: André Franke)

Das ist nicht die Friedrichstraße und man gelangt auch nicht zu ihr, wenn man hier durchgeht (Foto: André Franke)

Das Verbrechen am Kupfergraben

Noch vorher, als wir an der Museumsinsel waren, mogelte sich das Magnus-Haus in die Tour. Wie in den Notizen zum Stadtkern-Walk beschrieben, geht es ja nicht unbedingt um die Bauskandale und Bauprojekte am Wegesrand, sondern um Defizite und Potenziale der Stadträume am Stadtkern. Da aber alle Gäste an diesem barocken Stadtpalais und seinem Garten interessiert waren, bogen wir spontan (vor Merkels Haustür) in die Bauhofstraße ab. Gegenüber vom Collegium Hungaricum warfen wir einen Blick über den Gartenzaun des denkmalgeschützen Areals, auf dem Siemens seine Hauptstadtrepräsentanz bauen will. Beim Anblick des Gartens fragten wir uns alle gemeinsam, wo genau das Gebäude hier eigentlich stehen soll? Überall Garten, Bäume, Grün. Wer sich traut, an diesem verträumten Ort auch nur einen Baukran aufzustellen, dem müssen die Sinne einen makabren Streich spielen (bitte nach Hause fahren und mal kräftig ausschlafen!)

Barocker Stadtgarten - es gibt ja sonst keine Bauflächen in Berlin (Foto: André Franke)

Barocker Stadtgarten – es gibt ja sonst keine Bauflächen in Berlin (Foto: André Franke)

Ich belasse diese Nachlese mit dieser Handlungsempfehlung – und stelle nur noch fest: Die komplette Umrundung haben wir nicht geschafft, weil die Zeit fehlte. Kurz vor sieben Uhr, pünktlich zum Lichtbilderabend in der Stadtbibliothek, war der Stadtkern-Walk zu Ende. Die schöne Wallstraße (ein Potenzial), wäre es wert gewesen abzulaufen. Dann beim nächsten Mal wahrscheinlich, wenn es heißt: gegen den Uhrzeigersinn.

Auf dem Stadtkern-Walk oder dem Stadtkern-Ride geht es nicht in erster Linie um Bauprojekte, die aktuell ablaufen und auf unserer Strecke liegen. Die Idee ist: Wir UMRUNDEN den Stadtkern in flüssiger Bewegung und verinnerlichen uns seine Ausmaße und prägenden Charakterzüge mit Blick auf:

  • Barrieren in der Wegeführung für Fußgänger und Radfahrer
  • schöne Stadtbilder und Straßenzüge
  • unterentwickelte Stadträume und Flächen
  • funktionale „Kraftpakete“ am „Ring“ und deren Zusammenspiel.

Der Rausch mitten in Berlin

Im Rausch über die Gertraudenbrücke (Foto: André Franke)

Im Rausch über die Gertraudenbrücke (Foto: André Franke)

Nichts desto trotz ist die Liste der Anrainer-Projekte lang. Wir passieren neue Gebäude und Baustellen oder haben sie auf Sichtweite, so dass der Stadtkern-Walk auch dem allgemeinen Überblick über die Stadentwicklung in Zentrum der City Ost dienen kann.

Projekte am Stadtkern-Walk

  1. die Townhouses des Friedrichswerder
  2. die umstrittenen Kronprinzengärten und die Kirche Schinkels
  3. der Schinkelplatz und die Bauakademie
  4. das Schloss und sein Umfeld
  5. die U55
  6. das Flussbad im Spreekanal
  7. das abgesagte Freiheits- und Einheitsdenkmal und die zugesagten Schloss-Kolonnaden
  8. der Bauskandal der Staatsoper
  9. die autofreien „Linden“
  10. der Bauskandal im Garten des Magnus-Hauses
  11. die Museumsinsel mit dem Simon-Palais und dem Pergamon-Museum
  12. das Forum Museumsinsel von Ernst Freiberger
  13. das Alea 101 und das Cubix-Kino
  14. Deutschland größtes Motel One Hotel
  15. das leerstehende Haus der Statistik als geplantes „Zentrum für Geflüchtete“
  16. die Saturn- und Alexa-Türme
  17. der Glockenturm der Parochialkirche
  18. die neue Waisenbrücke
  19. das House of One am Petriplatz
  20. das Hochhaus auf der Fischerinsel
  21. und weitere …
Die Staatsoper-Baustelle vom Bebelplatz: aktueller Eröffnungstermin (Nr. 3) ist der 3. Oktober 2017

Die Staatsoper-Baustelle vom Bebelplatz: aktueller Eröffnungstermin (Nr. 3) ist der 3. Oktober 2017

Die nächste Stadtkern-Tour findet statt am …

Unglaubliche Orte gibt es in Berlin, wie den hier: Durch ein Schaufenster sehe ich den Stadtkern Berlins, an der Wand eines Cafés abgebildet. Indoor. Und im Fenster selbst spiegelt sich (Outdoor) ein Verkehrsschild „Achtung Fußgängerübergang“, darüber hängt das Wahlplakat von …

Café mit Stadtkern-Wandbild: Im Spiegelbild zu sehen, ist ein Wahlplakat, hängend an einem Straßenschild, das einen Fußgängerüberweg ankündigt (Foto: André Franke, August 2016)

Café mit Stadtkern-Wandbild: Im Spiegelbild zu sehen, ist ein Wahlplakat, hängend an einem Straßenschild, das einen Fußgängerüberweg ankündigt (Foto: André Franke, August 2016)

Ja, von wem denn? – Das will ich Euch fragen. Ein bisschen rätseln im August, kann dem Ferienfeeling doch nicht abträglich sein. Aber hinter diesem rätselhaften Schnappschuss steckt mehr. Die umfassendere Frage lautet vielmehr:

Welcher Politiker aus welcher Partei hat (wie ja offensichtlich wird, wenn man genau hinschaut) den Wiederaufbau der Waisenbrücke als Fußgängerbrücke in ihr Wahlprogramm aufgenommen?

Find ich spannend. Und da ich weiß, wer sich da (höchstwahrscheinlich) aus Versehen in dieses Format hat hängen lassen, fragt Futurberlin.de direkt mal an. Und da ich dem Wiederaufbau der Waisenbrücke vieles abgewinnen kann (sie war ja die siebente Brücke auf der Sieben-Brücken-Tour vom Juli, und ein Artikel über sie steht noch aus), mache ich meine Zweitstimme von der positiven oder negativen Ausprägung der Antwort direkt abhängig. Also, rätselt mit:

  1. Wo befindet sich das Café mit dem Wandbild des Berliner Stadtkerns?
  2. Wer ist auf dem Wahlplakat abgebildet?
  3. Und wann wird Eurer Einschätzung nach die Waisenbrücke wiederaufgebaut?

Ich freue mich über Eure Antworten!!!

Entdeckt habe ich diesen Blick übrigens auf dem NEWS RIDE von Montag, dem fünften von fünf Etappen im August. Im September geht´s damit weiter. Potenziellen Stoff dafür gibt´s schon mal hier, im Medienspiegel …

Themenkarte "Verlorene Mitte", Christina Kautz, Harald Bodenschatz, Lutz Mauersberger, 2014

Themenkarte „Verlorene Mitte“, Christina Kautz, Harald Bodenschatz, Lutz Mauersberger, 2014

— Mitteilung von Dr. Benedikt Goebel, Planungsgruppe Stadtkern —

Liebe Berlin-Freunde,

ich lade Sie herzlich zum 41. Lichtbilderabend Gassen des südlichen Friedrichswerder (Jägerstraße 34-41, Kleine Jägerstraße, Alte Leipziger Straße, Kreuzstraße und Kleine Kurstraße) am Mittwoch, 24. Februar 2015, 18:30 Uhr, in der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg im Marstall (Hofgebäude, 2. Stock) am Schloßplatz ein.

Wer anschließend noch Interesse am weiteren Austausch hat: Wir setzen uns ab 20:30 Uhr in der Maultasche in der Charlottenstraße 35/36 zusammen.

Zu Ihrer generellen Information: Um die Kenntnis des Berliner Stadtkerns zu vertiefen, veranstaltet das Bürgerforum Berlin seit dem Februar 2012 die Lichtbilderabende zum Stadtkern. An jedem vierten Mittwoch eines Monats – außer im Juli und Dezember – stehen eine Straße oder ein Platz des Stadtkerns im Mittelpunkt. Die Lichtbilderabende bringen erstmals alle relevanten Kartenausschnitte und alle dem Referenten vorliegenden Photographien zum jeweiligen Ort zusammen. Insgesamt weist der Stadtkern 129 namentlich verschiedene Gassen, Straßen und Plätze auf. Diese werden in 53 Lichtbilderabenden behandelt. Unser historischer Rundgang durch die Altstadt endet im April 2017.

Der 42. Lichtbilderabend am 23. März 2016 behandelt den Werderschen Markt und die Gassen im Umfeld der Schinkelkirche: Werderstraße, Werdersche Rosenstraße, Falkoniergasse und Niederlagstraße.

Mit besten Grüßen, bis Mittwoch,

Benedikt Goebel


T E R M I N E

Do., 25.2.16, 18 Uhr: Vortrag von Gesa Kessemeier: Die Modekaufhäuser N. Israel und Herrmann Gerson. Zwei Größen der Berliner Konfektion und ihre Besitzerfamilien im Mitte Museum, Pankstr. 47, 13357 Berlin

Mo., 29.2.16., 16 Uhr: Gedenkfeier für den Frauenprotest in der Rosenstraße (siehe Anhang)


L I N K S

Alexander Dardas Reisen durch das alte Berlin mit der Maus – probieren Sie es aus!

http://zeitreisen-berlin.de (Startseite)

http://zeitreisen-berlin.de/1914/index.html (Fülle an lokalisierten historischen Fotografien)

Bildpaare aus unserem Buch „Mitte von oben“ auf der website der Morgenpost:

http://interaktiv.morgenpost.de/berlin-mitte-von-oben/

Kulturradio: Tobias Nöfer im Interview zur Friedrichwerderschen Kirche:

http://www.kulturradio.de/zum_nachhoeren/index.html oder hier:

http://www.kulturradio.de/zum_nachhoeren/uebersichten/tag_10.html

Link zu einigen der Modellen von Häusern der Berliner Innenstadt von Prof. Frank Jakobczyk:

http://www.turbosquid.com/Search/Artists/kdb-architecture?referral=kdb-architecture

Eine grundsätzliche Kritik an der Senatsdebatte „Alte Mitte, neue Liebe“ kommt von der Freiraumfreundin Verena Pfeiffer-Kloss: http://www.urbanophil.net/staedtebau-architektur/langweilig-warum-ich-mich-nicht-mehr-zur-historischen-mitte-aeussern-will

Ausschreibung des Wettbewerbs zum Lutherdenkmalsockel: http://www.phase1.de/lutherdenkmalberlin2017


c/o Dr. Benedikt Goebel
Mommsenstraße 5, 10629 Berlin
Tel. 0174-1007074
Themenkarte "Verlorene Mitte", Christina Kautz, Harald Bodenschatz, Lutz Mauersberger, 2014

Themenkarte „Verlorene Mitte“, Christina Kautz, Harald Bodenschatz, Lutz Mauersberger, 2014

— Mitteilung von Dr. Benedikt Goebel, Planungsgruppe Stadtkern —

Liebe Berlin-Freunde,

ich lade Sie herzlich zum 40. Lichtbilderabend Rosenstraße, Heidereutergasse, Heiligegeistgasse und St.-Wolfgang-Straße, am Mittwoch, 27. Januar 2015, 18:30 Uhr ein. Dieser Lichtbilderabend findet ausnahmsweise an einem anderem Ort als normalerweise statt (Anmeldung daher bitte per Email unter stadtkern@berlin.de).

Wer anschließend noch Interesse am weiteren Austausch hat, ist ab 20:30 Uhr – auf eigene Kosten – in das unmittelbar benachbarte Lokal EMMAs (http://www.emmas-berlin.de) mit der schönen Adresse Heiligegeistkirchplatz 1 eingeladen.

Die Lichtbilderabende finden generell in der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg im Marstall (Hofgebäude, 2. Stock) am Schloßplatz statt. Der 41. Lichtbilderabend (und alle folgenden Abende) finden wieder im Marstall am Schloßplatz statt!

Zu Ihrer generellen Information: Um die Kenntnis des Berliner Stadtkerns zu vertiefen, veranstaltet das Bürgerforum Berlin seit dem Februar 2012 die Lichtbilderabende zum Stadtkern. An jedem vierten Mittwoch eines jeden Monats – außer im Juli und Dezember – stehen eine Gasse, eine Straße oder ein Platz des Stadtkerns im Mittelpunkt. Die Lichtbilderabende bringen erstmals alle relevanten Kartenausschnitte und alle vorliegenden Photographien zum jeweiligen Ort zusammen. Insgesamt weist der Stadtkern 129 namentlich verschiedene Gassen, Straßen und Plätze auf. Diese werden in 53 Lichtbilderabenden behandelt. Unser historischer Rundgang durch die Altstadt endet im April 2017.

Mit besten Grüßen,

Benedikt Goebel


Anbei ein aktueller Text von Prof. Dr. Harald Bodenschatz „Berlin Mitte als Spiegel des Städtebaus zweier Diktaturen“ aus dem Jahresheft des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin von 1824 e.V.


T E R M I N E

Mo., 1. Februar 2016, 20 Uhr: Lea Rosh-Salon (mit Manfred Rettig!) zum Umfeld des Humboldtforums in der Kommunalen Galerie, Hohenzollerndamm 176 (Eintritt 10 EUR)

Mi., 3. Februar 2016, 17 Uhr: Besichtigung und Vorführung einer Orgel aus dem Berliner Schloß in der Karlshorster Kirche Ev. Kirche „Zur Frohen Botschaft“, Weseler Straße 6, 10318 Berlin http://www.amalien-orgel.de/index.php (Eintritt frei, Spende erbeten, Anmeldung nicht erforderlich)

Do., 25. Februar 2016, 18 Uhr: Vortrag von Dr. Gesa Kessemeier „Die Modekaufhäuser N. Israel und Herrmann Gerson. Zwei Größen der Berliner Konfektion und ihre Besitzerfamilien“. Ort: Mitte Museum, Pankstraße 47, 13357 Berlin (Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich)


L I N K S

Wunderbar anschauliche Reise durch Berlin mit der Maus über den Straubeplan: WIE SAH ES DORT UM 1910 AUS? Antworten geben die kleinen roten Punkte…. Der Autor dieser website, Alexander Darda (ad@stadtfuehrer-in-berlin.de), wird sie uns auf dem Lichtbilderabend im Februar persönlich vorstellen! Wenn Sie über rechtefreie Mittefotos verfügen, die hier nicht enthalten sind, können Sie sich gerne an Herrn Darda wenden.

Vorbildliche Stadtforschung von Klaus Gaffron: Berlin zu Fuß, beschrieben mit Texten und Bildern, nach Bezirken geordnet

Berlinführer von 1869

Die Freunde der jüngeren Mitte-Vergangenheit durften sich auch mal im Tagesspiegel äußern

Bericht über den B-Plan Molkenmarkt ohne das Thema Altstadt bzw. Historische Mitte zu erwähnen: Der Extra-Preis für Ignoranz geht an die Berliner Zeitung!

Der Tagesspiegel schrieb vor einigen Wochen zur Bauplatzsuche des Senats für die ZLB: „An zweiter Stelle der neuen Rangliste steht das Marx-Engels-Forum in Mitte. Dort stünde, nicht weit entfernt vom künftigen Stadtschloss, ein 40.600 Quadratmeter großes Areal zur Verfügung, das dem Land Berlin gehört.“

Das Deutschlandradio Kultur hat ein im letzten Oktober produziertes kleines Feature über die zerstörten Gotteshäuser in der Berliner Innenstadt gesendet. Der Journalist Adolf Stock hat für das Feature die Pfarrer Boß und Heidler sowie den Stadthistoriker Goebel interviewt. Hier der Link zur Sendung (Text und Audio)

Kritische Worte von Herrn Guratzsch zur Mittedebatte in der WELT


c/o Dr. Benedikt Goebel
Mommsenstraße 5, 10629 Berlin
Tel. 0174-1007074

Der Professor erläutert den Status Quo der Stadtplanung in der Berliner Altstadt seit der Wende – heute abend …

Stadtkern Berlin 2030: Studie des Architekten Bernd Albers von 2014. Ein Entwurf mit Blockrandbebauung auf dem historischem Stadtgrundriss des alten Berliner Marienviertels (Quelle: Bernd Albers)

Stadtkern Berlin 2030: Studie des Architekten Bernd Albers von 2014. Ein Entwurf mit Blockrandbebauung auf dem historischem Stadtgrundriss des alten Berliner Marienviertels (Quelle: Bernd Albers)

Zwar ist der vielversprechende, mehrteilige Volkshochschulkurs des Bürgerforums Berlin nach Verlegung des Veranstaltungsortes in den Berlin-Saal der ZLB leider wieder in der „Expertengrube“ gelandet, aber der Stoff zur Neuplanung der Altstadt, der an insgesamt noch drei Terminen vermittelt wird, bleibt nicht nur wissenswert, sondern ist wegen der laufenden Stadtdebatte zum Rathausforum echt heiß. Heute stellt der Architekt Bernd Albers Planungen des Berliner Stadtkerns aus der Nachwendezeit vor. Ich bin mal gespannt, wie umfangreich diese Vorstellung wird, angesichts der Vielzahl der bis heute entstandenen (aber unverbindlichen) Entwürfe. Vermutlich wird er sich auf seine eigenen Überlegungen beschränken, so zum Beispiel seine 2014 überarbeiteten städtebaulichen Entwürfe zur Mitte, die schon im Hans-Stimmann-Buch „Berliner Altstadt“ aus dem Jahr 2009 Aufnahme fanden.


Ort: Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), Breite Straße 36, Berlin-Saal im 2. OG

Zeit: 18:30 Uhr

Hier zur website von Bernd Albers

Rückseite Neptunbrunnen vor Rotem Rathaus und Rathauspassagen, 2013 (Foto: André Franke)

Rückseite Neptunbrunnen vor Rotem Rathaus und Rathauspassagen, 2013 (Foto: André Franke)

Beide Denkmäler sind besonders. Das Luther-Denkmal und der Neptunbrunnen stammen aus der Kaiserzeit und sind nach dem Zweiten Weltkrieg umgesetzt worden: Luther an die Nordseite der Marienkirche, Neptun vor das Rote Rathaus. Dass Luther den Standort wieder wechseln wird, nämlich auf die andere Seite der Marienkirche, wo früher der Neue Markt war, ist, glaube ich, schon beschlossene Sache. Beim Neptunbrunnen ist noch unklar, ob er auf den Schlossplatz zurückkehren wird. Das ist eine umstrittene Sache. In der Volkschule Mitte hält u.a. Manfred Rettig von der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum heute Abend einen Vortrag dazu. Ab 18:30 Uhr in der Linienstraße 161. Freier Eintritt.

Mit der Berliner Altstadt sei es wie mit Bordeaux-Weinen, sagt Benedikt Goebel, der im Namen des Bürgerforums Berlin am Dienstag in die Volkshochschule zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Berliner Stadtkerns“ einlud. 

„Es dauert ein Weile bis man zum Kenner wird, aber bis dahin hat man einfach eine schöne Zeit.“

Multifunktionsraum in der VHS-Mitte mit den pünktlichen Gästen. Es kamen mehr als zu sehen sind. (Foto: Christina Kautz)

Multifunktionsraum in der VHS-Mitte mit den pünktlichen Gästen. Es kamen mehr als zu sehen sind. (Foto: Christina Kautz)

Der multifunktionale Raum 1.12 in der Linienstraße 162 war gut besucht. Die VHS lieferte Stühle nach. Die Landschafts-architektin Christina Kautz und der Architekt Lutz Mauersberger hielten einen bilderreichen Vortrag über den Ursprung der Doppelstadt Berlin-Cölln und der historischen Stadtentwicklung an der Spree und dem Spreekanal. Und jene Bilder sind es eben, die einen zum Genießer werden lassen, bevor man sich versieht, weil sie Berliner Orte zeigen, die es nicht mehr gibt: Packhöfe, Oberbäume, Unterbäume, Schleusen, Pferdeschwemmen, Wasserkunst, Brückenschmuck, Fischkästen. Und Flussbäder.

Projekt Flussbad Berlin: renaturierter Spreekanal für ein sauberes Schwimmbecken direkt am Lustgarten (Bild: Flussbad Berlin e.V., realities:united)

Projekt Flussbad Berlin: renaturierter Spreekanal für ein sauberes Schwimmbecken direkt am Lustgarten (Bild: Flussbad Berlin e.V., realities:united)

Wobei die historischen Spree-Flussbäder hier eine ziemliche Steilvorlage boten für die Diskussion über das Zukunftsprojekt „Flussbad Berlin“, das auf 750 Meter Länge zwischen Bodemuseum und Schleusenbrücke gebaut werden soll und mit vier Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ öffentlich gefördert wird (hier mehr zum Projekt).

Das wird beim Bürgerforum sehr kritisch gesehen. Und Gründe, dem Flussbad-Projekt skeptisch gegenüber zu stehen, gibt es einige, zum Beispiel die Standortwahl: Man brauche sowas nicht an einer prominenten Stelle wie der Museumsinsel, meint Christina Kautz. Lutz Mauersberger macht auf den Preis aufmerksam, mit dem das Schwimmbecken bezahlt wird: die Filteranlage und Moorlandschaft, die den restlichen Spreekanal bis zur Mündung ausfüllen sollen. Und Benedikt Goebel ergänzt, dass Projektbilder eben auch nicht riechen. Sprich: das Projekt beeinträchtige potenziell die Wohnqualität an den angrenzenden Ufern, zum Beispiel auf der Fischerinsel.

Für einen Volkshochschulkurs könnte das für manchen ein bisschen viel Meinung gewesen sein. Oder auch nicht. Kennerschaft bringt am Ende eben auch ein handfestes Urteilsvermögen mit sich. – Prost.


Zum „Flussbad Berlin“ wird es beim Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) am 23. Februar eine Veranstaltung geben.

Der nächste Kurstermin für angehende und schon gereifte Stadtkernkenner findet in der VHS Mitte am 17. Februar statt, dann unter dem Thema „Vergessene Schönheit der Berliner Altstadt“.

Kommen unkompliziert: keine Anmeldung nötig, kostenfrei, und Stühle gibt es auf jeden Fall genug.