Beiträge

Nathaniel, so heißt der Investor, der den Checkpoint Charlie bebaut. Wir könnten uns keinen besseren wünschen, denn der Mann ist sich seiner historischen Aufgabe bewusst. Er zeigt sich willens, mit Berlin zusammenzuarbeiten, ja er macht den Berlinern sogar Geschenke: eine Freifläche ist im Gespräch, die eine Art Stadtplatz bedeuten würde (aber privat ist) und die das erhalten würde, wovon die Massen vor Ort schon heute profitieren: Raum, sich zu bewegen.

Viel Platz drumherum und dahinter: Das Haus der Stiftungen steht frei auf dem Grundstück (Foto: André Franke)

Zwanzig Jahre lang war von so was nicht die Rede gewesen. Die verbliebenen freien Grundstücke sollten mit der Berlin-typischen Blockrandbebauung „gefüllt“ werden. Kein Platz, keine Auffälligkeiten, nichts Besonderes. Die Baulücke sollte nach der „Einfügungsklausel“ des Paragrafen §34 des Baugesetzbuches geschlossen werden und das Leitbild von der Europäischen Stadt konsequent weiterverfolgt werden.

Applaus für die aufgebrochene Europäische Stadt!

Jetzt kehrt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sich davon ab! Ein Fachkolloquium erwägt, die in der Friedrichstadt bereits wieder aufgebaute Rasterstruktur der Blöcke an der Stelle des Checkpoint Charlie „aufzubrechen“ und mit städtebaulichen Mitteln an die Zeit der Berliner Mauer zu erinnern. Zwar soll ein Großteil der bis heute verbliebenen Freiräume bebaut werden, aber neben der geplanten 1.000 Quadratmeter großen Freifläche direkt an der Friedrich- /Ecke Zimmerstraße könnte auch eine Freifläche östlich der Friedrichstraße entstehen. Sie würde die Raumwirkung vergrößern, und ein Hochhaus würde sie flankieren, das bei der Präsentation der aktuellen Planung am Montag auf einer Abbildung zu sehen war. — Applaus! Ich war (fast) der Einzige, der klatschte. Genau das wünschte ich mir für die Zukunft des Checkpoint Charlie in einem Blogartikel, den ich vor zwei Jahren schrieb (siehe hier) … Ein Platz, einen Tower, eine Begegnungszone, bessere Busrouten.

Es läuft die Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Ergebnisse beeinflussen den Bebauungsplan, den die Verwaltung jetzt aufstellt und der (jetzt noch) formbar ist, wie Manfred Kühne klar macht. Er arbeitet in der Abteilung städtebauliche Projekte (bei SenStadt) und zwar schon Jahrzehnte lang. Am Montagabend steht er im Rampenlicht des Asisi-Panoramas (wo die Veranstaltung stattfindet) und sagt, weil es ihn blendet, dass nicht er (und ein Mitarbeiter aus der Kulturverwaltung) die Stars seien, sondern das Projekt. Eine weise Attitüde!

Areal am Checkpoint Charlie beiderseits der Friedrichstraße (Bild: URBAN CATALYST GmbH)

Kühne und Nathaniel machen dieses Projekt. Sie bauen den Checkpoint Charlie von morgen, auf der Grundlage UNSERER Wünsche. Kühne betont: „Empfehlen Sie uns …!“ Damit ruft er im Namen seiner Verwaltung die Anwohner, Gewerbetreibenden, die Touristenführer auf, ihre Erfahrungen in die Neugestaltung einzubringen. Deutlicher kann man das nicht tun.

Ein gnädiger Investor, eine offensive Verwaltung (die auf Nathaniel in den letzten Jahren zuging), aber wo ist der Haken? Nathaniel, der Kluge, kann jederzeit die Reißleine ziehen. Wie der Investor auf Nachfrage aus dem Publikum erklärt, hat seine Firma, die Trockland Management GmbH, die Grundschuld der Grundstücke gekauft. Die Grundstücke selbst verbleiben aber beim Land Berlin. Sollte die Annäherung zwischen Investor, Verwaltung und der Öffentlichkeit platzen, dann kann Nathaniel von heute auf morgen den Joker ziehen. Das heißt, die Grundstücke gehen an ihn, er kann die Flächen ohne Bebauungsplan nach §34 bebauuen (ohne die Interessen Berlins zu berücksichtigen) und wir bekommen die für den Checkpoint Charlie so wichtige Freifläche nicht.

Ein Gönner am Checkpoint Charlie, ein Nutznießer an der Spree

Nathaniel ist ein symphatischer Investor. Er tritt von selbst auf die Bühne im Asisi-Panorama und antwortet auf die Fragen des Publikums. Aber eine ist dabei, die mit dem Checkpoint Charlie nichts zu tun hat, eine Frage, die Berlin als Ganzes tangiert: Die Trockland baut eben auch woanders an der Mauer. Sie baut an der East Side Gallery. Dort wird mit dem Projekt Pier 61/63 bekanntlich ein langer Hotelriegel in den Sand gesetzt, der in direkte Konkurrenz zur East Side Gallery tritt. Bei den Künstlern der East Side Gallery hat Nathaniel, der Weise, keinen guten Stand. Sie misstrauen ihm. Wieder wurden Gemälde der Gallery für eine Baustellen-Zufahrt herausgerissen und aus dem zusammenhängenden Mauerverlauf entfernt – wie damals 2013 beim Bau von Living Levels, gleich nebenan. Der kluge und weise Nathaniel wird hier zum Pragmatiker, Opportunisten. Er antwortet einem empörten Künstler sachlich und kurz. Die Trockland habe das Projekt mit einem Bauvorbescheid übernommen.

Damit ist Nathaniel aus dem Schneider. Das Karussel dreht sich weiter, und Manfred Kühne muss ran. Er schiebt die Schuld (hart ausgedrückt) auf … einen vormaligen Senatsbaudirektor „unseres Hauses“, der seinerzeit die Bebauung des Spreeufers konsequent vorangetrieben habe. Was wird mir doch im Laufe der Zeit der Verwaltungsmensch Kühne verständlich. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich sehe einen Handwerker, der aufrichtig, mit den beschränkten Mitteln der Stadtplanung, im Angesicht der Gesetze (das darf man bei der Betrachtung von Amtsarbeit nicht aus den Augen verlieren!) am Schicksal der Stadt Berlin feilt. Und von oben überfällt ihn das politische Wetter.

Das „Pier 61/67“ ist der „böse“ Bau an der East Side Gallery. Der Living Levels Tower geht bei mir tatsächlich als „guter“ durch. (Muss ich erklären, aber nicht hier…)

Beim Pier 61/63 wäscht sich Nathaniel die Hände im Becken von Politik und Verwaltung, und wir müssen die Schuldigen an der Misere von Mediaspree bei den Politikern von gestern suchen. Das ist relativ reizlos und eine Schwäche der Demokratie. Es können keine Köpfe mehr rollen, wenn die Köpfe schon auf dem Sofakissen ruhen.

Adressat für Veränderung, fürs Bessermachen, fürs Ruder-Rumreißen bleibt immer die Politik von heute (nicht die Verwaltung, der die zweifelhaft-glorreiche Aufgabe obliegt, die Ergebnisse politischer Gesten zu kommunizieren, und diese Aufgabe, diesen Spagat zwischen Gestern und Heute, hat Manfred Kühne mittlerweile eben zur Perfektion gebracht). Deshalb rufe ich den Vorschlag von Annette Ahme hier ab: für das Pier-Projekt an der East Side Gallery der Trockland ein Ersatzgrundstück anzubieten. Möge sich ein weiser Politiker dafür finden.

Bald Berlins dritte Begegnungszone? Hoffentlich! (Foto: André Franke)

Ginge es nach mir, Herr Nathaniel, dann nähmen Sie bitte das amtlich garantierte Bauvolumen vom Spreeufer und packten es auf den Checkpoint Charlie oben drauf!!! – Mit der einzigen Anmerkung, ja Bedingung, es in die Vertikale zu bringen, damit uns die Freifläche bleibt. Wenn in Berlin nämlich ein Hochhaus von 150 Meter Höhe (und mehr) gebaut würde, dann sollte es nicht der Hardenbergplatz, nicht das Estrel in Neukölln, nicht einmal der Alexanderplatz sein, der als Standort dafür diskutiert wird. Der Checkpoint Charlie erzählt die stärkste Geschichte Berlins. Genau hier brauchen wir die ambitionierteste Architekturmarke der früheren Frontstadt.


NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN

  • Mo, 4. Juni, 18 Uhr: Themenabend: Städtebau, Verkehr, Freiraum, Ort: FORUM Factory, Besselstraße 13-14
  • Mi, 4. Juli, 18 Uhr: Diskusion der Ergebnisse, Ort: tba (siehe auch unter: berlin.de)
Fanmeile maximal: Näher kommt man der Bühne nicht. Und näher kam man der Mauer nicht. Drei Wochen lang geht das ganz entspannt. An spielfreien Tagen (Foto: André Franke)

Fanmeile maximal: Näher kommt man der Bühne nicht. Und näher kam man der Mauer nicht. Drei Wochen lang geht das ganz entspannt. An spielfreien Tagen (Foto: André Franke)

Nachdem ich im letzten Post schrieb, die Fanmeile sei dicht, auch an spielfreien Tagen, weil ein „Zaungast“, so nenne ich den Kontrollpostenmensch von neulich mal, mir auf Nachfrage versicherte, man wolle den Veranstaltungsbereich der Meile hundertprozentig schützen, rund um die Uhr, stelle ich fest: Er hat die Unwahrheit erzählt, und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat recht mit der Ankündigung, die Meile sei für Fußgänger und Radfahrer zu spielfreien Zeiten passierbar. Das heißt: Die Meile ist frei! Und das heißt auch: Die Begegnungszone auf der Straße des 17. Juni ist perfekt – geht sie doch tatsächlich von der Siegessäule bis zum Brandenburger Tor. Und was ist das für ein Riesengeschenk, mitten auf der Kreuzung an der doppelten Kopfsteinpflasterreihe zu stehen und hier Zeit zu verbringen … dort zu stehen, wo Reagan stand. Das ist ein Ausnahmezustand am Tor! Noch dreieinhalb Wochen. Und ich werde ihn einbauen in meine Touren, vorausgesetzt es geht ums Tor, um die Mauer oder die Festivalisierung der Stadt.

Familiengang zum Brandenburger Tor: Die Fanmeile ist frei zugänglich für Fußgänger und Radfahrer bis 12. Juli - zur spielfreien Zeit (Foto: André Franke)

Familiengang zum Brandenburger Tor: Die Fanmeile ist frei zugänglich für Fußgänger und Radfahrer bis 12. Juli – zur spielfreien Zeit (Foto: André Franke)

Begegnen wir uns!

Berlins zweite Begegnungszone - die Straße des 17. Juni. Da geht noch was (Foto: André Franke)

Berlins zweite Begegnungszone – die Straße des 17. Juni. Da geht noch was (Foto: André Franke)

Berlin hat nach der Maaßenstraße in Schöneberg jetzt eine zweite, unverhoffte Begegnungszone: die Straße des 17. Juni. Allerdings ist sie zeitlich begrenzt bis zum Ende der Fußball-EM, dem 12. Juli. Gemeint ist natürlich die Fanmeile. Und nicht gemeint in diesem Zusammenhang sind die Massen vorm Tor, vorm Brandenburger, die nach der Einlasskontrolle ins Festivalgelände ja ohnehin verschmelzen; hier begegnet man sich nicht, hier lösen sich Körper auf. Aber westlich, jenseits der Yitzhak-Rabin-Straße, wo ein Zaun die Fanmeile vom Rest der Straße des 17. Juni abgrenzt, beginnt Richtung Siegessäule, ich nenne es mal: die „breite Freiheit“.

Meine Beobachtungen vom Sonntag: Es gehen die Fußgänger, es fahren die Radfahrer, es reitet die Polizei und es koten die Vierbeiner. Hier ist die Weltstadt echt in Ordnung, und niemanden stört irgendwas – abgesehen von den Autofahrern, die den Preis zahlen: Staus mit „situativen“ Straßensperrungen kündigt die Verkehrsverwaltung für Unter den Linden, Wilhelmstraße, Tiergartenstraße, Leipziger Straße, Scheidemannstraße und Tiergartentunnel an.

Auf die Meile gekackt, aber der Vierbeiner ist nicht schuld - es waren die Polizeipferde (Foto: André Franke)

Auf die Meile gekackt, aber der Vierbeiner ist nicht schuld – es waren die Polizeipferde (Foto: André Franke)

Die „Freiheit“ (53 Meter breit, 1,3 Kilometer lang) bietet soviel Raum, dass man sich dort wie auf dem Feld fühlt, dem Tempelhofer. Und mit diesen Worten schafft die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die wohl schnellst-gebaute, kostenfreiste und ungeplanteste Begegnungszone Berlins:

„Fußgänger und Radfahrer dürfen den Bereich in der spielfreien Zeit passieren.“

Sperrzaun im Tiergarten, Bellevue-Allee - dahinter lauert die Hundestaffel (Foto: André Franke)

Sperrzaun im Tiergarten, Bellevue-Allee – dahinter lauert die Hundestaffel (Foto: André Franke)

Das sollte offenbar sogar für den Bereich der Fanmeile selbst gelten, aber die Kontrollposten enttäuschen auf Nachfrage. Die Fanmeile bleibt dicht. Bis zum Schluss. Das garantieren übrigens auch jede Menge Vierbeiner, und diesmal meine ich nicht Pferde, sondern die Hundestaffel. An der Bellevue-Allee lauern sie hinter den Zäunen auf Leute, die trotz der Absperrung spontan rübermachen. Das ist ein bisschen unheimlich. Denn ich fuhr Freitag Abend mit vier Damen vom Volkshochschul-Kongress eine „Oasen-Tour“ und landete mit ihnen überrascht am Innenzaun (wir waren nicht die einzigen), weil (nicht erkennbar) Teile des Zaunes an anderer Stelle herausgenommen waren und wir so ins Sperrgebiet gelangten. Wäre das am Sonntag passiert … wir hätten wohl im wahrsten Sinn des Wortes einen Staffellauf hingelegt.

Patrouille Richtung Siegessäule - Berittene Polizisten begegnen einem Passanten (Foto: André Franke)

Patrouille Richtung Siegessäule – Berittene Polizisten begegnen einem Passanten (Foto: André Franke)

Also, Fußgänger und Radfahrer dürfen den Bereich der Fanmeile auch in der spielfreien Zeit NICHT passieren. Das kann jeder selbst ausprobieren. Aber die „breite Freiheit“ bleibt gewonnen, der beschriebene Abschnitt der Straße des 17. Juni. Und das ist ein echtes Geschenk. – Auch das kann man ausprobieren.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen: Wenn der Checkpoint Charlie eine stupide Blockrandbebauung kriegt, verlasse ich Berlin. Aber meiden werde ich die Ecke. Ganz einfach, weil sie zu eng wird. Und natürlich langweilig.

Damit das anders kommt, rufe ich die Trockland-Projektentwickler auf … und die Graft-Architekten … und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und alle, die die Macht haben, die Berliner Baumassen (ob per Unterschrift oder Ideenblitz) in die richtigen Himmelsrichtungen zu lenken, dem Checkpoint einen Skycraper zu ermöglichen.

Der Checkpoint Charlie ist Weltstadt

Die Friedrich- / Ecke Zimmerstraße ist keine normale, historische Friedrichstadt. Und nicht leitbildtauglich für die „Europäische Stadt“. Die Ecke ist eine Weltstadt. Sie sollte in die Höhe ragen. Dass man den Checkpoint Charlie in der Skyline sieht. Aber das ist nur der zweite Grund für ein Hochhaus am alten Grenzübergang.

Hochhaus am Checkpoint - Wo, wenn nich hier?

Hochhaus am Checkpoint – Wo, wenn nich hier?

Der erste Grund ist die Begegnungszone, die hier geplant ist. Nach der Maaßenstraße in Schöneberg und der Bergmannstraße in Kreuzberg kommt ja nächstes Jahr der Checkpoint Charlie als drittes Pilotprojekt für diese neuartige Straßenumgestaltung dran. Doch waren wir damit bisher in Gründerzeitquartieren mit komfortabler Straßenbreite unterwegs, wagt sich die Senatsverwaltung beim Checkpoint auf barocken Stadtgrundriss vor. Die Friedrichstraße ist eng. Die Zimmerstraße auch. Das fühlt man heute nicht, wenn man am Asisi-Panorama steht. Noch ist ja Platz.

Tower gegen Zone – das ist der Deal

Gebt dem Checkpoint einen Hard-Rock-Tower, der der Begegnungszone den notwendigen Raum verschafft! Zurückgesetzt vom Straßenrand, dass die Massen überhaupt Platz haben. Und dass der Investor trotzdem auf seine Kosten kommt, wenn er sich freundlich von einigen Quadratmetern Grundstücksfläche trennt. Was wird sich Berlin darüber freuen! Und Berlin erlaubt Trockland, in die Höhe zu bauen. Und Graft freut sich, jenseits der Traufhöhe zu zeichnen.

Baut dem Checkpoint Charlie ein Hochhaus! Doch vergesst nicht, es an die richtige Stelle zu setzen. Die Begegnungszone muss der Profiteur sein. Man könnte sogar weitergehen und einen Stadtplatz fordern. Aber bleiben wir erstmal in der Zone. Schließlich war das hier jahrzehntelang Thema.

Deal or nor Deal? Tower gegen Begegnungszone

Deal or nor Deal? Tower gegen Begegnungszone

Futurberlin-Ideenwettbewerb

Seid eingeladen, Eure Ideen an Futurberlin zu schicken! Wie sieht der Checkpoint Charlie Eurer Träume aus? Wo steht der Tower? Welche Route nimmt die Kolonne der Touri-Busse?

Was das Hochhaus betrifft, hab ich da schon mal was vorbereitet … (siehe Bilder). Gut, dass ich das 3D-Berlin-Puzzle tatsächlich auf die Weihnachtsliste gesetzt habe.

— Mitteilung von Zebralog —

Liebe Freundinnen und Freunde des Bergmannkiezes,

im Herbst 2015 hatten Sie Gelegenheit, die Stärken und Schwächen der heutigen Bergmannstraße zwischen Mehringdamm und Friesenstraße online und in einer Veranstaltung zu benennen. Klar ist für viele von Ihnen: Die Bergmannstraße ist ein wunderbarer Ort – sie braucht aber auch Veränderung, um ihr urbanes Flair und den Kiezcharakter zu erhalten.

Auf diesen Beteiligungsergebnissen aufbauend hat das Büro LK Argus erste Planungsideen entwickelt, die jetzt vorliegen. Die Skizzen zeigen Grundprinzipien einer möglichen Aufteilung des Straßenraums. Für zwei „Hotspots“, d.h. für Orte, bei denen Sie in der ersten Beteiligungsphase besonders häufig Änderungsbedarf gesehen haben, sowie einen markanten
Straßenquerschnitt können die Skizzen ab heute und bis 8. März 2016 online kommentiert werden. Was ist Ihre Meinung zu den Vorschlägen? Jetzt beteiligen! http://www.begegnungszonen.berlin.de

Bergmannstraße, Kreuzberg (Foto: LK Argus)

Bergmannstraße, Kreuzberg (Foto: LK Argus)

Vielleicht fragen Sie sich, wie die Ergebnisse der ersten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung in die erarbeiteten Konzeptideen eingeflossen sind. Das Planungsbüro LK Argus hat Ihre Hinweise aus der ersten Beteiligungsphase so weit wie möglich aufgenommen. Es müssen aber auch rechtliche Rahmenbedingungen , bauliche Zwänge oder vorhandene Finanzmittel berücksichtigt werden. Nach den „heißen Themen“ aufgeschlüsselt haben wir hier Genaueres über den Planungshintergrund zusammengestellt. http://www.begegnungszonen.berlin.de/#front-info-articles.

Vormerken können Sie sich außerdem die Bürgerwerkstatt am 4. März 2016. Ab 18:30 Uhr stellen wir Ihnen im Columbia-Theater die Planungsideen im Detail vor – und Sie können uns Rückmeldung dazu geben. Bis dahin freuen wir uns über eine rege Beteiligung im Online-Dialog http://www.begegnungszonen.berlin.de.

Herzliche Grüße und viel Spaß mit den ersten Ideen,
Jan Korte vom Moderationsteam „Neues Miteinander in der Bergmannstraße“


Modellprojekt „Berliner Begegnungzonen“

— Newsletter von Zebralog —

Liebe Freundinnen und Freunde des Bergmannkiezes,

im Herbst 2015 haben wir Sie bei der Auftaktveranstaltung und im Online-Dialog gefragt, was Ihnen an der Bergmannstraße heute gut gefällt, was nicht – und warum. Aus mehr als 700 Beiträgen und Kommentaren ist ein vielschichtiges Bild der Bergmannstraße entstanden. Die „Bestandsaufnahme“ dient nun als Grundlage für erste Maßnahmenvorschläge, die das Verkehrsplanungsbüro LK Argus momentan für die zweite Phase der Bürgerbeteiligung entwickelt. Insgesamt sehen Sie – als Anwohnerin, Gewerbetreibender, Nutzer oder Besucherin der Bergmannstraße – den Raum zwischen Mehringdamm und Friesenstraße als vielfältigen, lebendigen Ort. Gleichzeitig braucht die Straße aus Ihrer Sicht aber zukünftig Veränderungen, um ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmenden zu ermöglichen. Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten Ergebnisse vor. Den ausführlichen Auswertungsbericht der ersten Beteiligungsphase finden Sie hier …

Was Sie an der Bergmannstraße schätzen:

Für Sie lädt die Bergmannstraße zum Einkaufen, im Café sitzen und zum Spazieren ein. Sie wird als vielfältiger und lebendiger Ort gelobt, sowohl mit Kiezcharakter als auch urbanem Flair. Besonders im Sommer gewinne die Bergmannstraße an Aufenthaltsqualität, wenn draußen in Cafés gesessen werden kann. Bepflanzte Baumscheiben und die angelegten Beete vor einigen Geschäften werden als sehr positiv hervorgehoben. Gerade auch für den Radverkehr heben Sie die Straße als wichtige Route für den Weg durch die Stadt hervor.

Bergmannstraße, Kreuzberg (Foto: LK Argus)

Bergmannstraße, Kreuzberg (Foto: LK Argus)

Diese Probleme identifizieren Sie in der Bergmannstraße:

Gerade im Miteinander im Straßenverkehr wünschen Sie sich Veränderungen: Beim häufigen „Halten in zweiter Reihe“, auch seitens des Lieferverkehrs, komme es zu gefährlichen Situationen, wenn Rad- und Autofahrende diesen Hindernissen ausweichen müssen. Für Fußgängerinnen und Fußgänger sei das Queren der Bergmannstraße an vielen Stellen schwer. Radfahrende würden zu wenig Fahrradständer vorfinden, gleichzeitig seien die bestehenden Fahrradparkplätze voll mit „Fahrradleichen“. Hier werden bessere Kontrollen gefordert, auch in Bezug auf die Geschwindigkeitsübertretungen der „Raser“, die von Ihnen oft angesprochen werden. Generell wünscht man sich in der Bergmannstraße mehr Rücksicht aufeinander.

Die Gehwege in der Bergmannstraße werden von Ihnen an manchen Stellen als zu eng beschrieben. So nehme die Außenbestuhlung der Gastronomie oft zu viel Platz ein. Und generell sei ein Verweilen in der Bergmannstraße meist an den Besuch eines Cafés oder eines Restaurants gekoppelt. Sitzgelegenheiten für einen Aufenthalt „ohne Konsumzwang“ seien nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Auch das Thema Lärm war Ihnen wichtig – die Bergmannstraße ist vielen von Ihnen einfach zu laut, sei es durch den Verkehr oder die Gastronomie.

Zum Konzept der Begegnungszone:

Sie wünschen sich ein Gesamtkonzept für den Bergmannkiez. Die Beibehaltung des heutigen Kiezcharakters steht dabei ebenso im Vordergrund wie eine Verkehrsberuhigung und eine bessere Aufenthaltsqualität. Das sind auch Themen, die bei der Gestaltung der Berliner Begegnungszonen wichtig sind. Einige von Ihnen sagen, dass die Gestaltung in der Maaßenstraße nicht Vorbild für die Begegnungszone Bergmannstraße sein soll. Das ist selbstverständlich: Jede Straße hat Ihre eigenen Besonderheiten. Die Bürgerbeteiligung dient gerade dazu, Sie nach Ihren Vorstellungen zu fragen. Denn Sie wünschen sich eine einladende und gemütliche Gestaltung, damit die Bergmannstraße eine quirlige, großstädtische Straße bleibt. Massive Umbaumaßnahmen, eine starke Uneinheitlichkeit und Zergliederung des Straßenraums durch „Übermöblierung“, das fehlende Grün sehen viele von Ihnen mit Sorge.

Alle „heißen Themen“ aus der ersten Phase der Bürgerbeteiligung können

Sie ab jetzt im Ergebnisbericht lesen:

Weiter mit der Bürgerbeteiligung geht es in diesem Jahr – ab 09. Februar 2016 im Online-Dialog und am 03. März 2016 in einer Bürgerwerkstatt.

Herzliche Grüße,

Jan Korte vom Moderationsteam „Neues Miteinander in der Bergmannstraße“

Modellprojekt „Berliner Begegnungzonen“

 

Maaßenstraße: Quader

Kunstquader in Nollendorfstraße. Hier wurden die Quader von Anwohnern, Künstlern und jedem, der dazu Lust hatte unter der Leitung des Künstlerpaares Sofia Camargo und Thomas E.J. Klasen bemalt. Jetzt säumen sie den Fußgängerbereich in der Begegnungszone. (Foto: André Franke)

Mit roten Scheren durchschnitten sie das rote Band. Und die Herbstsonne schien vom Winterfeldtplatz in die Maaßenstraße. Da kniffen die Politiker die Augen etwas zu. Seit heute Mittag hat Berlin eine Begegnungszone. Die Maaßenstraße ist jetzt eine Straße für alle. Vor allem für Fußgänger, und ich muss sagen, das Projekt produziert bei dem frühlingshaften Wetter eine Aufbruchsstimmung. Hier hat man sich getraut, einen Stadtraum anders zu denken. Ihn anzupassen an seine ganz eigene Realität, sein Verkehrsaufkommen. Seine Hauptbotschaft: Ruhender Verkehr raus, Lebendigkeit rein.

Ein paar Restflächen müssen noch fertiggestellt werden. In manchen Abschnitten sieht die Maaßenstraße noch wie eine Baustelle aus. So lassen wir die Maaßenstraße als Begegnungszone erstmal zu sich kommen. Nächsten Frühling, dann bei Frühlingssonne, mache ich den Pilgermarsch, den ich eigentlich für die Eröffnung plante (vom Alex in die Maaßenstraße). Dann werden auch die letzten Container verschwunden sein, alle Plastersteine verlegt.

Begegnungszone Maaßenstraße

Begegnungszone Maaßenstraße: braun = zukünftiger Fußgängerbereich (Quelle: Flyer SenStadtUm)

Wenn in der Maaßenstraße in Schöneberg bald Berlins erste „Begegnungszone“ kommt, wird es bestimmt Pilger geben, die sich auf den Weg dorthin machen, um diesen extravaganten Straßenraum, Stadtraum einmal Meter für Meter abzuschreiten. Und mögen sie auch mit dem Fahrrad anreisen oder mit dem Auto – ich gebe Euch Brief und Siegel darauf, dass die Versuchung ihnen nahe wie selten liegen wird, das Vehikel am Nollendorf- oder am Winterfeldtplatz abzustellen, um ein paar gezielte Schritte zu machen. Denn der Fußgänger ist in der „B-Zone“ König. Er bekommt den meisten Platz, den größten Raum. Radfahrer teilen sich die verengte Straße mit den Autos, die maximal 20 km/h fahren dürfen. Eine reine Fußgängerzone wird die Maaßenstraße also nicht. Sondern ein Ort für alle. Die Bergmannstraße in Kreuzberg und den Checkpoint-Charlie erwartet nach Plänen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das gleiche Schicksal, welches selbstverständlich alles andere als zu beklagen ist!

Vom Boulevard zur Begegnungszone

In der Berliner Zeitung war dennoch vor kurzem im einen Interview zu lesen, an welchen weiteren Orten in Berlin das neue Raumformat Schule machen könnte und nach Ansicht von Stefan Lieb, Geschäftsführer des FUSS e.V. Deutschlands, Schule machen m ü s s t e: Er fordert Begegnungszonen auch vor den Hackeschen Höfen und im östlichen Teil der Oranienburger Straße, traut sich also „König Fußgänger“ sogar auf die Tram loszulassen; er fordert, Unter den Linden nach den U5-Bauarbeiten wieder zum wahren Boulevard zu machen, indem Begegnungszonen die Auto-Straßenquerungen überbrücken; drittens fordert er eine „mehrere hundert Meter“ lange Begegnungszone zwischen der Humboldt-Universität und dem Berliner Schloss, womit im Grunde der gesamte Boulevard vom Lustgarten bis zum Brandenburger Tor durchgängig flanierbar wäre. Echt königlich! Wer dann nicht spaziert, der ist doof.

Zehntausend Schritte am Tag solle man machen, sagt Stefan Lieb. Das sind sechs bis sieben Kilometer. Er plant mit dem FUSS e.V. (das steht nicht im Artikel) auch einen „GEH-SUNDHEITSPFAD“ durch Berlin. Dieser soll insbesondere an der Charité vorbeiführen, von wo aus Kranke aus dem Therapiezentrum auf den Weg in die Gesundung geschickt werden.

TIPP: Wem das Gelaufe zu physiologisch ist und zu wenig mental-philosophisch, der wird Freude haben an einer kürzlich ausgestrahlten, aber Dank des Internets für die nähere Ewigkeit gespeicherte Serie bei Deutschlandfunk über die „Spaziergangswissenschaft“ oder Promenadologie und ihres Begründers Lucius Burckhardt. Das macht Lust zu Laufen, auch außerhalb der Zone.

Begegnungszone Maaßenstraße

Begegnungszone Maaßenstraße: maximal 20 km/h für Autos und Radfahrer (Quelle: Flyer SenStadtUm)

Wer pilgert mit?

Ich werde mich ihr, der Zone Maaßenstraße, wenn der Zeitpunkt ihrer Eröffnung gekommen ist, als (wie oben prognostiziert) Pilger nähern! Das habe ich beim Schreiben dieses Beitrags beschlossen. Vom Alex, Weltzeituhr, werde ich zu Fuß zum Nolle gehen. Wer kommt mit? Die Ankündigung des Events erfolgt auf diesem Blog. Warmgelaufen und mit gesundem Appetit wird die Begegnungzone Maaßenstraße dann meine wohlverdiente Schlussmeile sein und mich runterbringen – von den Füßen aufs Sitzfleisch. Und dann wird gespeist im Eldorado zonierter Gastronomie (denn wie ja vielleicht bekannt ist, wird das hohe Kneipenaufkommen in der Maaßenstraße vom Bezirk mittlerweile reglementiert).


Hier die Reihe „Querfeldein Denken mit Lucius Burckhardt“ auf Deutschlandfunk

Und hier das Interview mit Stefan Lieb in der Berliner Zeitung

Als Fahrrad-Guide sind mir Reisebusse mindestens suspekt. Von Hass kann keine Rede sein. Mir geht es um die Stadt …

Reisebusse in Berlin

Schon besser: Ein Sightseeing-Bus überquert den Checkpoint Charlie wegen der Baustellenumleitung von Süden nach Norden ohne Abzubiegen (Foto: André Franke)

Der Berliner Kurier macht Stimmung gegen Reisebusse. Warum auch nicht? Sie blockieren Stadtbild und Sehenswürdigkeiten, verpesten die Luft, lärmen und sind ungelenke Riesen unter den Verkehrsteilnehmern und deswegen auch gefährlich. Gerade auch, weil die Fahrer ortsfremd sind. Schwerpunkte des Busgerangels sind schnell aufgezählt: Museumsinsel, Gendarmenmarkt, Holocaust-Mahnmal und Checkpoint-Charlie. Auch die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße.

? Warum sanieren wir den Kolonnadenhof vor der Alten Nationalgalerie, wenn ich ihn nicht mehr sehen kann, weil der Säulengang von den Bussen zuparkt ist?

?? Wie kontraproduktiv, ja zerstörerisch sind die Reihen rollender Motoren am Gendarmenmarkt, dessen Attraktvität von der Atmosphäre straßenmusikalischer Inszenierungen lebt?

??? Und wie paradox erscheint mir die Lage am Stelenfeld, wo eine lückenlose Wagenburg die Offenheit und Begehbarkeit der Eisenman-Skulptur zu nichte macht?

Beim Checkpoint Charlie sieht man allerdings, wie eine gezielte Verkehrsführung sofort positive Effekte haben kann: Wegen der Baustelle in der Zimmerstraße müssen alle Busse aus Richtung Potsdamer Platz kommend zur Zeit über die Kochstraße fahren. Das heißt, sie überqueren den Checkpoint Charlie geradlinig, ohne links in die Friedrichstraße abzubiegen und vorher aufgrund der Vorfahrtsregeln minutenlang warten zu müssen. Hier bin ich gespannt, was die geplante „Begegnungszone“ bringt.

Berlin braucht mehr als ein Konzept für Reisebusse

Im Kurier fordert Stefan Gelbhaar von den Grünen ein Reisebus-Konzept. Ich halte das für viel zu kurz gegriffen. Denn auch Lieferverkehr stört in sensiblen Bereichen des Hauptstadt-Tourismus, und auch Pkw-Stellplätze blockieren Zugänge zu öffentlichen Räumen. Man denke mal an die East-Side-Gallery, wo die parkenden Autos den Betrachtern der Bilder den Standort für die beste Perspektive versauen.

Wir brauchen ein modifiziertes Verkehrskonzept. Und es muss eben auf die Schnittstellen zum Berlin-Tourismus abgestimmt werden.


weitere Futurberlin-Artikel zu: Checkpoint-Charlie und East-Side-Gallerie