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— Mitteilung von CLB Berlin —

EINLADUNG
A106. Utopie & Planung
Straßen in Berlin – Dokumentationen und Gespräch
19. Februar 2016, 18.00 Uhr 

im CLB Berlin, Aufbau Haus, Prinzenstraße 84.2, 10969 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen, Partner und Vernetzte,

am Freitag, den 19. Februar, geht A106. Utopie & Planung in die zweite Runde. Dieses Mal beschäftigen wir uns mit der Namensgeberin unserer Reihe: Die Bundesautobahn 106 war als Südtangente geplant, die mitten durch Schöneberg und Kreuzberg führen sollte. Daraus ist aus vielerlei Gründen nichts geworden. Und so steht die A106 heute u.a. exemplarisch für die Diskrepanz zwischen Planung und Zeitläufen.
ClB Straßen - 1

Auch am Moritzplatz verliefe heute die Autobahn. Stattdessen steht an dieser Stelle nun das Aufbau Haus, und in diesem startete das CLB Berlin im Oktober 2015 mit seinem Programm zu zeitgenössischer Kunst, kultureller Praxis und Urbanismus.

Mit Fotos und Filmbeiträgen versetzen wir uns an diesem Abend zurück in das Berlin und den Bezirk Kreuzberg der 1960er bzw. 1980er Jahre. Zusammen mit Anna Galda von Urbanophil sprechen wir über die Utopie eines autogerechten Kreuzberg, und wie schön das Scheitern großer Pläne sein kann.

Wir zeigen die Dokumentationen:

„Berliner Straßen – Damals und heute“

RBB-Straßenportraits dokumentieren den Wandel der Stadt von den 1960er Jahren bis heute.

„Menschen, Häuser“
Die Dokumentation zeigt Kreuzberg in den frühen 1980er Jahren.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit Urbanophil und findet in der „Solo Exhibition“ von Ivonne Dippmann statt, die noch bis zum 20. März im CLB Berlin zu sehen ist.

Zu finden sind wir hier: Aufbau Haus, Galerieraum zur Oranienstraße, neben Foodbag

Wir freuen uns über Ihr und euer Kommen!

Beste Grüße

Sally Below

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CLB Berlin
Aufbau Haus
Prinzenstraße 84.2
10969 Berlin
Tel. 0 30 / 69 53 70 80
programm@clb-berlin.de

Als Fahrrad-Guide sind mir Reisebusse mindestens suspekt. Von Hass kann keine Rede sein. Mir geht es um die Stadt …

Reisebusse in Berlin

Schon besser: Ein Sightseeing-Bus überquert den Checkpoint Charlie wegen der Baustellenumleitung von Süden nach Norden ohne Abzubiegen (Foto: André Franke)

Der Berliner Kurier macht Stimmung gegen Reisebusse. Warum auch nicht? Sie blockieren Stadtbild und Sehenswürdigkeiten, verpesten die Luft, lärmen und sind ungelenke Riesen unter den Verkehrsteilnehmern und deswegen auch gefährlich. Gerade auch, weil die Fahrer ortsfremd sind. Schwerpunkte des Busgerangels sind schnell aufgezählt: Museumsinsel, Gendarmenmarkt, Holocaust-Mahnmal und Checkpoint-Charlie. Auch die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße.

? Warum sanieren wir den Kolonnadenhof vor der Alten Nationalgalerie, wenn ich ihn nicht mehr sehen kann, weil der Säulengang von den Bussen zuparkt ist?

?? Wie kontraproduktiv, ja zerstörerisch sind die Reihen rollender Motoren am Gendarmenmarkt, dessen Attraktvität von der Atmosphäre straßenmusikalischer Inszenierungen lebt?

??? Und wie paradox erscheint mir die Lage am Stelenfeld, wo eine lückenlose Wagenburg die Offenheit und Begehbarkeit der Eisenman-Skulptur zu nichte macht?

Beim Checkpoint Charlie sieht man allerdings, wie eine gezielte Verkehrsführung sofort positive Effekte haben kann: Wegen der Baustelle in der Zimmerstraße müssen alle Busse aus Richtung Potsdamer Platz kommend zur Zeit über die Kochstraße fahren. Das heißt, sie überqueren den Checkpoint Charlie geradlinig, ohne links in die Friedrichstraße abzubiegen und vorher aufgrund der Vorfahrtsregeln minutenlang warten zu müssen. Hier bin ich gespannt, was die geplante „Begegnungszone“ bringt.

Berlin braucht mehr als ein Konzept für Reisebusse

Im Kurier fordert Stefan Gelbhaar von den Grünen ein Reisebus-Konzept. Ich halte das für viel zu kurz gegriffen. Denn auch Lieferverkehr stört in sensiblen Bereichen des Hauptstadt-Tourismus, und auch Pkw-Stellplätze blockieren Zugänge zu öffentlichen Räumen. Man denke mal an die East-Side-Gallery, wo die parkenden Autos den Betrachtern der Bilder den Standort für die beste Perspektive versauen.

Wir brauchen ein modifiziertes Verkehrskonzept. Und es muss eben auf die Schnittstellen zum Berlin-Tourismus abgestimmt werden.


weitere Futurberlin-Artikel zu: Checkpoint-Charlie und East-Side-Gallerie

Mit Highspeed durch Alt-Cölln. "Psst, Sie gehen über einen Friedhof!" (Foto: André Franke)

Mit Highspeed durch Alt-Cölln. „Psst, Sie gehen über einen Friedhof!“ (Foto: André Franke)

Die „Planungsgruppe Stadtkern“ im Bürgerforum Berlin e.V. hat eine Sammlung „Argumente für die Mitte“ herausgebracht. Sie will damit die Debatte ums Rathausforum versachlichen und alle Teilnehmer des Partizipationsprojekts „Alte Mitte – Neue Liebe?“ auf die Diskussionsveranstaltungen im Sommer vorbereiten. Dabei geht es der Initiative aber nicht nur um das Rathausforum, sondern um das gesamte Gelände der Berliner Altstadt. Die Argumente richten sich auf diverse Themen, wie zum Beispiel „Geschichtsvergessenheit“, „DDR-Bauerbe“ oder (und aus diesem Abschnitt sei hier zitiert) „Hauptproblem Autoverkehr“:

„Nicht nur die isolierte Betrachtung zerreißt die Stadt. Der große Freiraum ist momentan auch räumlich isoliert von den übrigen Teilen des Stadtkerns und nicht zuletzt dadurch eine städtebauliche Ödnis. Aber auch das Klosterviertel und der Bereich um die Rosenstraße sind durch große Verkehrsstraßen zu Inseln im Verkehrsmeer, Alt-Kölln zum Transitraum geworden. Sowohl die Verbindungen innerhalb des Stadtkerns als auch die Vernetzung mit den angrenzenden Vierteln wird durch die Dominanz überdimensionierter Verkehrsstraßen verhindert.

Die den Stadtkern zerteilenden Verkehrsachsen, allen voran die autobahnartige Gertraudenstraße – Mühlendamm – Grunerstraße, aber auch die Spandauer Straße und die Karl-Liebknecht-Straße – werden bislang nicht in Frage gestellt. Und dies, obwohl seit 20 Jahren das Zielverhältnis von öffentlichem zu Individualverkehr für die gesamte Innenstadt mit 80 zu 20 angegeben wird, die S-Bahn und BVG Fahrgastzuwächse in Millionenhöhe haben und der Motorisierungsgrad in Berlin weniger als 50 Prozent beträgt.

Dass eine Stadt europa- und weltweiter Bedeutung wie Berlin noch kein schlüssiges Konzept für die Verkehrsentwicklung in seiner Innenstadt erarbeitet hat, kommt einem Skandal nahe. Während alle europäischen Hauptstädte (London, Paris, Madrid etc.) sich darum bemühen, ihre Innenstädte im umweltschonenden wie bürgernahen Sinn zu revitalisieren und Konzepte erarbeiten, wie der übermäßige Individualverkehr der PKW (MIV) kanalisiert und begrenzt werden kann, verzichtet Berlin darauf. Keine andere Metropole leistet sich eine derart vom Auto dominierte und stadtzerstörende Verkehrsplanung in ihrem historischen Kern.“

Genau mit diesem Thema geht heute Abend übrigens die Fortbildungsreihe zur „Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Berliner Stadtkerns“ weiter. Verkehrsplaner Bodo Fuhrmann beleuchtet die aktuelle und geplante Verkehrssituation auf dem Gebiet von Alt-Berlin und Alt-Cölln. Es folgen drei weitere Termine in der Reihe im Juni (genauere Infos hier).


Ort: Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), Breite Straße 36, Berlin-Saal im 2. OG 

Zeit: 18:30 Uhr

Alle „Argumente für die Mitte“ des Bürgerforums Berlin e.V. hier in diesem Dokument

Schlossplatz, März 2015: Passanten passieren die zukünftige Schlosspassage ohne sie wahrzunehmen. Muss ja auch noch nicht sein. (Foto: André Franke)

Schlossplatz, März 2015: Passanten passieren die zukünftige Schlosspassage ohne sie wahrzunehmen. Muss ja auch noch nicht sein. (Foto: André Franke)

Noch gehen sie vorbei, überqueren die Breite Straße und würdigen Schlossplatz und Schlossportal mit keinerlei Blicken. Was, wenn der verschleppte Schlossbrunnen dort wieder stünde, der Neptunbrunnen? Die Diskussion um seine Rückkehr ist ein zentraler Aspekt bei der Freiraumgestaltung rund ums Schloss. Ein weiterer ist die irrwitzige Verkehrsführung: Weder Radfahrer fahren die rechtwinklige Kurve auf vorgeschriebener Bahn, noch die Busse und Pkw (weil sie gar nicht können). Überhaupt fehlt und wird fehlen: Grün. Der Entwurf von bbz Landschaftsarchitekten, die 2013 den Wettbewerb für das Schlossumfeld gewannen, gönnt dem Schlossplatz vor den Portalen I und II keinen einzigen Baum. Ja, nicht einmal einen Grashalm. Am Mittwoch Abend (nicht Dienstag!) geht es beim 11. Forum der Schlossstiftung um das Thema „Städtebau, Platzgestaltung und Erschließung. Podiumsgäste: Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Publizistin Leah Rosh und BVG-Projektleiter der U5 Jörg Seegers (ab 18.30 Uhr in der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, Schloßplatz 7, 10178 Berlin).

Laster? - Nachts bitte! Dann gibt´s hier genug Platz. Checkpoint Charlie, 2014 (Foto: André Franke)

Laster? – Nachts bitte! Dann gibt´s hier genug Platz. Checkpoint Charlie, 2014 (Foto: André Franke)

Nach einem Verkehrsunfall nahe dem Checkpoint Charlie, bei dem am Mittwoch ein 40-Tonner beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin erfasste, fordern Unfallforscher und die Politik nichts anderes als den „elektronischen Abbiege-Assistenten“? Wer das Foto im Tagesspiegel sieht, wie der lange Schlepper sich über die gesamte Kreuzung dreht, begreift doch sofort, dass das Problem nicht der Richtungswechsel des Lkw war. Was hat so ein Gefährt überhaupt in der einspurigen Friedrichstraße zu suchen? Erst recht am Touristenort Checkpoint Charlie? Nachts ist zwar tote Hose hier. Tagsüber stören aber selbst Reisebusse. Auch die sollten den Checkpoint Charlie nicht mehr kreuzen dürfen! Ich kann mir vorstellen, der lange Laster kam oder wollte zu einer innerstädtischen Baustelle. Schloss, U5, Museumsinsel, Schinkelplatz … Gibt es eigentlich ein Konzept der Verkehrslenkung für die Berliner Baustellenerschließung?

Heute abend startet die Radprotestbewegung „Critical Mass Berlin“ vom Mariannenplatz um 20 Uhr (Ziel: Checkpoint Charlie)