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Vor der Weiterführung der Stadtdebatte zur Berliner Mitte: Wohin mit Neptun, Marx und Engels? Ein Plädoyer

Nachdem die öffentliche Debatte um den Stadtraum zwischen Fernsehturm und Spree über viele Jahre kontrovers und etwas chaotisch geführt worden war, konnten 2015 mit dem Beteiligungsverfahren „Alte Mitte – neue Liebe?“ die Rahmenbedingungen für die weitere Gestaltung geklärt werden. Im Juni 2016 fanden die erarbeiteten Bürgerleitlinien die fraktionsübergreifende Zustimmung des Abgeordnetenhauses.

Dann wurde es zunächst etwas ruhiger um das Areal, aber alsbald soll der Beteiligungsprozess weitergehen, auch vor dem Hintergrund der für Herbst 2019 in Aussicht gestellten Eröffnung des Humboldt-Forums. Wie soll es dann auf der anderen Seite der Spree aussehen? Zwei Gestaltungselemente werden ein besonderes Interesse auf sich ziehen: der Neptunbrunnen und das Marx-Engels-Denkmal. Was sollte wo stehen und warum?

Brunnen und Denkmal weisen erstaunliche historische Parallelen auf. Beide beinhalteten durchaus eine politische Herrschaftssymbolik, wobei die jeweils Herrschenden damit jedoch wenig anzufangen wussten und ihnen die Gestaltungselemente fast lästig zu sein schienen. Neptun musste schon während der Errichtung des Brunnens 1891 kurzfristig die Blickrichtung wechseln, während das Marx-Engels-Denkmal eigentlich am anderen Spreearm stehen sollte und erst durch einen von Kulturminister Hoffmann 1986 ausgehandelten Ad-hoc-Deal auf das dann gleichnamige Forum gelangte.

Soziale Funktion des Neptunbrunnens

Dass die vier den Brunnen rahmenden weiblichen Skulpturen mit Elbe, Oder, Rhein und Weichsel vier Flüsse des wilhelminischen Reiches darstellten, korrespondierte mit ihrer Platzierung vor der Kaiserresidenz. Der Bedeutungszusammenhang ist jedoch nicht mehr gegeben. Das Humboldt-Forum ist trotz der Fassadengestaltung ein gänzlich anderes Bauwerk mit einer anderen sozialen Funktion. Eine Rückversetzung des Brunnens zur Südseite des Humboldt-Forums erschiene vor diesem Hintergrund willkürlich, zumal der Brunnen am neuen Standort zwischen Rathaus und Marienkirche als Treffpunkt eine eigene soziale Funktion gefunden hat. Seine aus heutiger Sicht problematische geographisch-politische Symbolik ist hier gleichsam entschärft.

Der Brunnen als familienfreundliche Fotokulisse ... (Foto: Peter Born)

Der Brunnen als familienfreundliche Fotokulisse … (Foto: Peter Born)

... und als Abenteuerspielplatz (Foto: Peter Born)

… und als Abenteuerspielplatz (Foto: Peter Born)

Selbst an einem der kälteren Wintertage wird man sich beim Gang über das Areal der magnetenhaften Anziehungskraft des Brunnens bewusst. Die auch jetzt zahlreichen Berlin-Besucher verweilen für einen Moment, suchen die beste Perspektive, um sich selbst mit Brunnen und wahlweise Rotem Rathaus, Marienkirche oder Fernsehturmumbauung abzulichten. Der neobarocke Formenreichtum des Brunnens bietet eine familienfreundliche Fotokulisse und wird teils gar als eine Art Abenteuerspielplatz genutzt. Man erfährt auch sehr gut die Wirkung, die der Brunnen erst durch seine offene Zugänglichkeit von allen Seiten gewinnt. Am ursprünglichen Standort wäre er dagegen zwischen Schlossfassade und Straßenverkehr eingezwängt.

Neue Kunst für den Schlossplatz

Zweifellos kann die zur Breiten Straße hin gelegene Südseite des Humboldt-Forums ein zusätzliches Gestaltungselement gut vertragen. Eine einfache Replik der früheren Gestaltung aus Kaisers Zeiten ergäbe jedoch wenig Sinn. Warum aber nicht einen Wettbewerb für bildende Künstler ausloben, um dort – ob Wasserspiel, ob Skulptur – einen neuen, zeitgenössischen Blickfang zu schaffen, der den neuen stadträumlichen Zusammenhang berücksichtigt und die Idee des Humboldt-Forums thematisch aufgreift?

Das Marx-Engels-Denkmal wiederum ist trotz der mehrfachen Planungsrevision und des Verzichts auf das monumentale Regierungshochhaus natürlich Bestandteil einer DDR-Staatsmitte gewesen, in unmittelbarer Nachbarschaft von Staatsrat und Plenarsaal der Volkskammer. Es repräsentierte in seiner Konfiguration eine hegelianische Geschichtsphilosophie, deren Symbolik heute ebenso ins Leere läuft wie die geographische Symbolik des Neptunbrunnens an seinem ersten Standort. So wie das Humboldt-Forum keine Kaiserresidenz mehr ist, so ist auch der ganze Stadtraum keine DDR-Staatsmitte mehr. Das Areal zwischen Fernsehturm und Spree ist vielmehr ein städtischer Grün- und Freiraum, auf dem eine Vielzahl von Nutzungsansprüchen liegt – von einem Ort für Freizeit und Erholung bis hin zu einem vielschichtigen historischen Erinnerungsort.

Neugestaltung des Marx-Engels-Forums

Übertrieben monumental war an dem Denkmal selbst nur dessen äußerst raumgreifende Aufstellung auf einer versiegelten Fläche von 60 Metern Durchmesser. Diese sehr dominante Position und der Platzanspruch lassen sich kaum mit der erwünschten neuen Nutzungsvielfalt auf dem Forum verbinden. Angesichts der großen versiegelten Flächen vom Alexanderplatz bis zur Spandauer Straße und des gleichermaßen steinern geplanten Schlossumfeldes liegt es nahe, zum Ausgleich das gesamte Marx-Engels-Forum als echten Grünraum so gut wie ohne Bodenversiegelung zu gestalten.

In der räumlichen Anordnung so fast ideal und mit maßvollem Flächenanspruch (Foto: Peter Born)

Spreeseitiger Attraktor. In der räumlichen Anordnung so fast ideal und mit maßvollem Flächenanspruch (Foto: Peter Born)

An etwas verschobenem Standort und in anderer, weniger raumgreifender Aufstellung sollte sich das Denkmal aber vortrefflich in eine Neugestaltung des Freiraums auf dem Marx-Engels-Forum einfügen lassen. Es lässt sich immerhin neu interpretieren als Ausdruck einer bei Hegel beginnenden preußisch-deutschen Denktradition, die durch den ins Londoner Exil getriebenen Marx politische Weltgeltung erlangte und so in Form einer DDR-Staatsphilosophie an ihren Ausgangsort zurückkehrte. Das Denkmal mithin nicht mehr als Ausdruck einer zielgerichteten, sondern einer immer offenen Geschichte und Geschichtsdeutung.

In der Datenbank des Landesdenkmalamtes ist die Denkmalgruppe gesondert aufgeführt, mit dem einleitenden Kommentar, sie habe anders als Fernsehturm und angrenzender Freiraum vor allem historische Bedeutung. Das heißt, der alten räumlichen Konfiguration des Denkmals wird keine konstitutive Bedeutung für den städtebaulichen Zusammenhang zuerkannt. Der historischen Bedeutung sollte sich jedoch gut auch durch eine räumliche Neuinterpretation Rechnung tragen lassen.

Standort mit Charme und Konzept

Der jetzige Standort zur Spree und zur Karl-Liebknecht-Straße hin hat durchaus einen großen Charme. Das Denkmal ist hier ein Aufmerksamkeits-Attraktor, es wirkt wie ein Eingang zum Freiraum von Unter den Linden her. Es ist von der Spreepromenade her ebenso wahrnehmbar wie von den auf der Spree fahrenden Touristenschiffen. Und es könnte hier gut Bestandteil eines in der Stadtdebatte vielfach gewünschten Denkmalgartens oder „Philosophenhains“ sein, für den die Nordseite des Marx-Engels-Forums mit ihrer erhaltenen hochwertigen Baumvegetation vielleicht der passende Ort wäre.

Eingangssituation Liebknechtbrücke (Foto: Peter Born)

Eingangssituation Liebknechtbrücke (Foto: Peter Born)

Alternativ wäre ein zum Nikolaiviertel hin gerichteter Standort denkbar, da hier der gemeinsame zeitliche Kontext der 80-er Jahre vorhanden ist. – In jedem Falle sollte der künftige Denkmalstandort von einem Gesamtkonzept für die Gestaltung des Marx-Engels-Forums abhängig gemacht werden, nicht aber umgekehrt.

Was nicht hilft

Eine kurzfristige einfache Rückversetzung des Denkmals im Zuge des BVG-Baustellenrückbaus ist nicht sinnvoll, schon allein deshalb nicht, weil bei späterer sehr wahrscheinlicher nochmaliger Translozierung im Ergebnis des Bürgerdialogs die Statuen dann innerhalb einiger Jahre dreimal versetzt worden wären. Wozu sollte das gut sein?

Ebenso wenig hilfreich ist es, wenn ohne Berücksichtigung der Stadtdebatte über eine Denkmalversetzung an Orte außerhalb des Marx-Engels-Forums spekuliert wird. Im Raum zwischen Fernsehturm und Spree soll auf möglichst vielseitige Weise an Geschichte erinnert werden. Weshalb dann ausgerechnet Marx und Engels ganz woanders hin verbannen?

Fazit

Denken wir den Stadtraum mit Blick in die Zukunft. Wir können Respekt haben vor der Kaiserzeit und vor der DDR-Vergangenheit, aber wir müssen deren Symboliken, denen die früheren Bedeutungszusammenhänge abhanden gekommen sind, nicht im Stadtbild musealisieren.

Lassen wir den Brunnen an seinem gleichsam perfekten jetzigen Standort, und lassen wir uns für die Südseite des Humboldt-Forums etwas Neues einfallen. Lassen wir das Marx-Engels-Denkmal erst einmal am derzeitigen, gut angenommenen spreeseitigen Standort und überlegen derweil, wie das gleichnamige Forum insgesamt nach Ende der U-Bahn-Baustelle eine neue Aufenthaltsqualität gewinnen kann.

Und nehmen wir Abstand von jeglicher ZLB-Standortplanung auf dem Marx-Engels-Forum. Angesichts der massiven geplanten Verdichtung im Umfeld sollte der Raum zwischen Fernsehturm und Spree, zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße vollständig als möglichst grüner Freiraum erhalten und weiterentwickelt werden.

— Mitteilung der Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) —

Bebauung in Anlehnung an den historischen Grundriss (GHB)

Bebauung in Anlehnung an den historischen Grundriss (GHB)

Das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Gestaltung der Historischen Mitte im Auftrag des Senats ging mit der Abschlussveranstaltung am 28. November 2015 zu Ende. An den Veranstaltungen nahmen nur wenige Berliner teil. Die mehrheitlich anwesenden Kiezbewohner engagierten sich für eine Beibehaltung der Freifläche und dominierten mit Unterstützung der Moderation Zebralog, der Verwaltung und einiger aktiver Politiker die Veranstaltungen. Städtebauliche Visualisierungen waren als wichtiges Mittel der visuellen Kommunikation in Architektur und Stadtplanung unerwünscht. Die Verwaltung, vertreten durch die Senatsbaudirektorin, griff wiederholt lenkend ein und ordnete die Diskussion anhand eines „weißen Blatt Papiers“, ohne jegliche visuelle Unterstützung, an.

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Eine offene Diskussion, im Plenum einer jeden Veranstaltung üblich, wurde durch die Moderation weitestgehend unterbunden. In der Abschlussveranstaltung wurden 10 Leitlinien verkündet, die der Meinung der Kiezbewohner entsprachen. Die Minderheitsmeinung – ein Plädoyer für eine Teilbebauung – wurde nicht erwähnt.

Unter der Nennung der 10 Leitlinien wird das Ergebnis demnächst von der Verwaltung dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden.

Die 4 großen Bürgervereine in der Historischen Mitte tragen wegen der dominanten Lenkung der Stadtdebatte durch die Senatsverwaltung und wegen der mangelnden Neutralität der Moderation sowie wegen der aktiven Einflussnahme der Politiker aus der Partei Die Linke das Ergebnis nicht mit.

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Mit einem gemeinsame Schreiben werden sich die GHB und drei uns befreundete Bürgervereine an die Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses wenden, in dem die Vereine zum Ausdruck bringen, dass sie das Ergebnis des gelenkten Bürgerbeteiligungsverfahrens für nicht geeignet halten, um als Vorlage für weitere Beschlüsse zu dienen.

Hier zeigen wir auszugsweise einige Planungsvorschläge der GHB, die nur in sehr eingeschränktem Maße auf einer Veranstaltung des Bürgerbeteiligungs-verfahrens gezeigt werden konnten.


Mittwoch, 27. Januar 2016 um 18:30 Uhr

Vortrag: Dr. Benedikt Goebel – 40. Lichtbilderabend: St.-Wolfgang-Straße

Anmeldung bitte bei Herrn Goebel unter: stadtkern@berlin.de


Mittwoch, 17. Februar 2016, 19:00 Uhr

Vortrag: Dipl. Ing. Horst Peter Serwene – Die Friedrich-Wilhelm-Stadt

Sie ist die jüngste Gründung (1830) der Berliner Vorstädte innerhalb der Akzisemauer. Die beginnende Industrialisierung (Invalidenstraße) und die Entwicklung der Charité zur Universitätsklinik beförderten ihren Aufstieg. Heute liegt die Friedrich-Wilhelm-Stadt direkt am Regierungsviertel (und wird sogar ein Teil davon). Immer mehr wird das Quartier Standtort für Kultur, Geschäftsräume, wissenschaftlichen Institute und Wohnungen. Auch die vielen Bauten aus der klassizistischen Gründungsphase (Marienstraße) belegen die Attraktivität des Viertels.

Ort: Zentral- und Landesbibliothek, Breite Str. 30-36, Berliner Saal

 

Da haben wir den Salat auf dem Rathausforum: Bei der heutigen Ted-Abstimmung in der „Stadtdebatte“ werde ich meine Schwierigkeiten haben, für oder gegen These Nr. 14 zu voten:

„Die Marienkirche soll durch eine Bebauung räumlich gefasst werden. Sie braucht einen gestalteten Vorplatz und muss zur Karl-Liebknecht-Straße besser abgeschirmt werden.“

Zwangsläufig gegen Rettungsschirm

Den Rettungsschirm gegen den Straßenverkehr gönne ich ihr ja. Auch den Vorplatz. Aber nach Süden soll sie doch frei bleiben. Also stimme dagegen. Anders bei These Nr. 1:

„Die Berliner Mitte soll ein Ort für alle sein, an dem verschiedene Nutzergruppen sich wohl fühlen, sich begegnen und entsprechende Angebote finden.“

Die ist im Grunde ganz schöner Quark. Wer kann dazu schon Nein sagen? Ich wette, diese These (die keine ist), erreicht bei der Abstimmung nahezu hundert Prozent. Vielleicht erdreisten sich Protestler und stimmen aus Prinzip dagegen.

mendelssohn-Denkmal Rathausforum

Das neue Moses-Mendelssohn-Denkzeichen von Micha Ullmann auf dem Rathausforum unweit der Marienkirche (Foto: André Franke)

Es ist das sogenannte Halbzeitforum, das heute ab 14:00 Uhr im bcc am Alexanderplatz stattfindet. 15 Thesen sind das Zwischenergebnis der Beteiligung, die seit April läuft und bis zum Dezember weitergeht. Wie, das entscheidet auch der TED heute. Und ob überhaupt, das war zwischenzeitlich auch befürchtet worden, nach dem Fachleute das Beteiligungsformat als Farce bezeichneten.

Also was bringt die Halbzeit?


Hier alle 15 Thesen im Überblick …

Theatergruppe Grotest Maru zieht übers Rathausforum, hebt Gullideckel und geht baden …

Grotest Maru auf dem Rathausforum, Juni 2015

„Fischer“ steigt aus dem Neptunbrunnen, Juni 2015 (Foto: André Franke)

Grotest Maru auf dem Rathausforum, Juni 2015

„Eckensteher“ Nante auf´m Liegestuhl vor Marienkirche, Juni 2015 (Foto: André Franke)

Ich würde sagen, er hat sich von allen am meisten ins Zeug gelegt. „Der Fischer“ unter den Berliner Typen, die am Sonnabend Nachmittag übers Rathauforum zogen, hub gleich zu Beginn erstmal einen gusseisernen Gullideckel aus dem Boden. Dann stieg er hinein und war fortan nur hüftaufwärts zu sehen, mit den Armen rudernd, stumm um Hilfe schreiend. Wenn das kein Bild war für die flächendeckend unter dem Pflaster liegenden Altstadtreste des Berliner Marienviertels! Leider hab ich es nicht fotografiert. Der Fischer, wieder herausgestiegen, stieg sogleich wieder woanders rein, nämlich in den Neptunbrunnen. Mit einem Fischernetz durchschritt er das Becken, am Ende war er klitsche-nass. Schön, dass der Brunnen an diesem 26. Juni 2015 noch da war. Auf den Weg zum Schlossplatz hätte sich der Kerl bestimmt nicht gemacht. Dann hätte er sich zu weit von seinem Kollektiv entfernt. Das klingt schon wieder mächtig sozialistisch oder? Sorry. Die Schauspieler traten ja als Gruppe auf.

Grotest Maru auf dem Rathausforum, Juni 2015

Obstverkäuferin aus Rennaissance vor Marienkirche, Juni 2015 (Foto: André Franke)

Fragebogen statt Promille

Eckensteher Nante war ganz cool drauf. Weil es mit Ecken im Freiraum schwierig ist, hat er sich auf einen Liegestuhl gefläzt. Tolles Bild. Hinter ihm die blühenden Rosen. Hinter ihnen die Kirche. Seine Schnapspulle hatte er auf dem Foto schon beiseite gepackt. Die Schauspieler waren nicht zum Spaß hier. Sie hatten einen Auftrag, fragten uns Passanten, warum wir hier seien. Partizipatives Theater – eine getarnte Umfrage also?

Jetzt, wo ich mir auf dem Sofa sitzend das Bild mit der Marktfrau, der Obstverkäuferin ansehe, etwas Durst habe, frag ich mich, warum ich sie nicht um einen Apfel bat. Auch sie wollte wissen, was mich hier her brachte. „Na Ihr“, hab ich gesagt. Warum hat umgekehrt sie mir keinen Apfel angeboten? Warum hab ich keinen aus ihrem Korb geklaut? Warum hab ich den Fischer nicht aus dem Gulli gezogen? Warum haben wir den Bauarbeiter nicht auf die existenten Baustellen geschoben? Warum hab ich mir vom Schuster nicht die Schuhe putzen lassen? – Das müssen wir unbedingt noch mal machen!

Grotest Maru auf dem Rathausforum, Juni 2015

Theatergruppe Grotest Maru: Naja, auch sie können die Kraft des achsialen Stadtraums nicht verleugnen, postieren sich linear zwischen Neptunbrunnen und Fernsehturm, Juni 2015 (Foto: André Franke)

Einen Theaterplatz!

Könnte man Grotest Maru, die Theatergruppe, nicht dauerhaft auf dem Rathausforum installieren? Bis Oktober vielleicht? Muss ja auch nicht täglich sein. Jeden Sonnabend Nachmittag. Eine Stunde statt drei würde ja auch reichen. Partizipieren will gelernt sein.

Heute am Sonnabend, ab 15:00 Uhr: Bewegungsspiele am Marx-Engels-Denkmal

Masken tanzen am vielschichtigen Ort des Rathausforums (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Masken tanzen am vielschichtigen Ort des Rathausforums (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Es ist wohl das Format, unter dem sich die Wenigsten Genaueres vorstellen können. Partizipatives Theater wird heute im Rahmen der Stadtdebatte „Alte Mitte – neue Liebe?“ auf dem Rathausforum gespielt. Immer zur vollen Stunde von 15:00 Uhr bis 19:00 Uhr wird es zwischen Fernsehturm und Marx-Engels-Denkmal an der Liebknechtstraße Vorführungen der Berliner Gruppe Grotest Maru geben. Die Schauspieler werden offenbar diverse Berliner Typen verkörpern und eine Zeitreise durch die Geschichte der Mitte veranstalten. Eckensteher Nante hat sich für den Event angemeldet (unklar, an welcher „Ecke“ der rumhängen will). Auch Otto Lilienthal und ein echter Spreefischer treten auf. Und: Die Bauarbeiter der Republik (gemeint ist die untergegangene Deutsche Demokratische) kommen zurück und wollen laut Programmankündigung mal wieder nach dem Besten schauen, vermutlich ob der große Turm noch was taugt. Keine Sorge, denn das tut er! Was dagegen das Theater für die Debatte taugt, wird sich zeigen.

Mit Highspeed durch Alt-Cölln. "Psst, Sie gehen über einen Friedhof!" (Foto: André Franke)

Mit Highspeed durch Alt-Cölln. „Psst, Sie gehen über einen Friedhof!“ (Foto: André Franke)

Die „Planungsgruppe Stadtkern“ im Bürgerforum Berlin e.V. hat eine Sammlung „Argumente für die Mitte“ herausgebracht. Sie will damit die Debatte ums Rathausforum versachlichen und alle Teilnehmer des Partizipationsprojekts „Alte Mitte – Neue Liebe?“ auf die Diskussionsveranstaltungen im Sommer vorbereiten. Dabei geht es der Initiative aber nicht nur um das Rathausforum, sondern um das gesamte Gelände der Berliner Altstadt. Die Argumente richten sich auf diverse Themen, wie zum Beispiel „Geschichtsvergessenheit“, „DDR-Bauerbe“ oder (und aus diesem Abschnitt sei hier zitiert) „Hauptproblem Autoverkehr“:

„Nicht nur die isolierte Betrachtung zerreißt die Stadt. Der große Freiraum ist momentan auch räumlich isoliert von den übrigen Teilen des Stadtkerns und nicht zuletzt dadurch eine städtebauliche Ödnis. Aber auch das Klosterviertel und der Bereich um die Rosenstraße sind durch große Verkehrsstraßen zu Inseln im Verkehrsmeer, Alt-Kölln zum Transitraum geworden. Sowohl die Verbindungen innerhalb des Stadtkerns als auch die Vernetzung mit den angrenzenden Vierteln wird durch die Dominanz überdimensionierter Verkehrsstraßen verhindert.

Die den Stadtkern zerteilenden Verkehrsachsen, allen voran die autobahnartige Gertraudenstraße – Mühlendamm – Grunerstraße, aber auch die Spandauer Straße und die Karl-Liebknecht-Straße – werden bislang nicht in Frage gestellt. Und dies, obwohl seit 20 Jahren das Zielverhältnis von öffentlichem zu Individualverkehr für die gesamte Innenstadt mit 80 zu 20 angegeben wird, die S-Bahn und BVG Fahrgastzuwächse in Millionenhöhe haben und der Motorisierungsgrad in Berlin weniger als 50 Prozent beträgt.

Dass eine Stadt europa- und weltweiter Bedeutung wie Berlin noch kein schlüssiges Konzept für die Verkehrsentwicklung in seiner Innenstadt erarbeitet hat, kommt einem Skandal nahe. Während alle europäischen Hauptstädte (London, Paris, Madrid etc.) sich darum bemühen, ihre Innenstädte im umweltschonenden wie bürgernahen Sinn zu revitalisieren und Konzepte erarbeiten, wie der übermäßige Individualverkehr der PKW (MIV) kanalisiert und begrenzt werden kann, verzichtet Berlin darauf. Keine andere Metropole leistet sich eine derart vom Auto dominierte und stadtzerstörende Verkehrsplanung in ihrem historischen Kern.“

Genau mit diesem Thema geht heute Abend übrigens die Fortbildungsreihe zur „Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Berliner Stadtkerns“ weiter. Verkehrsplaner Bodo Fuhrmann beleuchtet die aktuelle und geplante Verkehrssituation auf dem Gebiet von Alt-Berlin und Alt-Cölln. Es folgen drei weitere Termine in der Reihe im Juni (genauere Infos hier).


Ort: Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), Breite Straße 36, Berlin-Saal im 2. OG 

Zeit: 18:30 Uhr

Alle „Argumente für die Mitte“ des Bürgerforums Berlin e.V. hier in diesem Dokument

Heute Abend endet der Online-Dialog der Stadtdebatte „Alte Mitte – Neue Liebe?“ für das Rathausforum in Mitte. Auch ich habe meinen Senf dazugegeben, wenn auch erst gestern. Die Ergebnisse der ersten Phase der Stadtdebatte werden am 5. September präsentiert. Danach folgt ein zweiter Online-Dialog. Nicht zu vergessen, finden bis dahin zahlreiche weitere „Präsenzveranstaltungen“ statt, zum Beispiel Stadtführungen und Theater. (Die Termine gibt es am Schluss dieses Artikels hier.) Insgesamt haben die Leute nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mehr als 1.800 Beiträge geschrieben.


Und so habe ich mich beteiligt …

Zur „Aufenthaltsqualität“:

Freie Kirche, sprudelnd Wasser, grünes Dach

Für mich sind und teilweise waren (wegen der Baustellen) die folgenden Elemente des Rathausforums von (Aufenthalts-)Qualität: die frei stehende Marienkirche, die uns großzügig nach Süden hin Raum und Zeit gibt, sie zu betrachten (die Füße laufen, der Blick bleibt am Bau haften); der Neptunbrunnen in der Platz-Mitte als Wasseroase, in den die Leute, grade Kinder einfach reinsteigen und Spaß haben; und die voluminöse Begrünung des Marx-Engels-Forums (bevor es eine Baustelle wurde), die es ermöglichte, im Hochsommer sich in den Schatten setzen zu können. Weder auf dem Lustgarten, noch am Neptunbrunnen, auch nicht auf dem Alexanderplatz finden wir: Schatten!


Zur „Bedeutung des Ortes“:

Eine ganze Armada von Bedeutungen

Der Ort bedeutet vieles. Die über 700-jährige Stadtgeschichte muss hier unbedingt kommuniziert werden, auf welche Weise auch immer. Andererseits handelt es sich bei dem Rathausforum (in engerem Sinne zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm) funktional erstmal um einen Stadtplatz, der im Bereich Neptunbrunnen temporär auch als Marktplatz (Weihnachtsmarkt) und Veranstaltungsort genutzt wird. Das Marx-Engels-Forum (als Teil des Rathausforums) funktioniert dagegen erstens als parkähnliche Grünfläche und zweitens als Gedenkort (mit dem Marx-Engels-Denkmal). Drittens übernimmt es mit der Anlegestelle für die Spreeschifffahrt eine besondere (Wasser-)Verkehrsfunktion. Das sind zusammen schon mal sechs verschiedene Nutzungsaspekte. Als dritte große Bedeutung kommt diesem Ort eine Kommunikationsaufgabe auf der Ebene der Berliner Stadtplanung zu, die er in den 90er Jahren beim Planwerk Innenstadt nicht bewältigen konnte, zumindest ohne Ergebnis war.


Zum „Umgang mit der Geschichte des Ortes“

Geschichte ist ein Muss – aber bitte mit Sternchen

In der zukünftigen Gestaltung des Rathausforums sollte jede Geschichtsepoche Berücksichtigung finden. Da können wir uns ironischerweise ausnahmsweise mal eine Scheibe von Gunther von Hagens Körperwelten abschneiden: die Vielschichtigkeit ist doch das Interessante an dem Ort. Den Schlossfehler jenseits der Spree, sich für eine einzige Epoche (die des Barock) zu entscheiden, sollten wir vermeiden. Und dann gibt es aber auch Fallstricke: Das Luther-Denkmal, das ja zurück vor die Kirche kommt, sollte zur Mitte des Platzes hin ausgerichtet werden, nicht zur Karl-Liebknecht-Straße. Und das Marx-Engels-Denkmal sollte nicht zum Fernsehturm, sondern zur Spree hin aufgestellt werden, damit es die Fahrgäste auf den Spreeschiffen sehen können. (Außerdem könnte man das auch als den letzten sozialistischen Gruß in Richtung Palastabriss interpretieren.) – Was ich meine, ist also, das die Geschichtserinnerung sich in den Ort der Gegenwart auch einpassen lassen sollte.


Und bei „Lob und Kritik“:

Zweifel am Konzept

Was ich bei der Auftaktveranstaltung sehr schade fand, war, dass ich die Living Library nicht besuchen konnte, weil ich an einer Stadtführung teilnahm. Ansonsten bin ich skeptisch geworden, ob für eine fruchtbare Debatte am Ende die Zeit reicht, wenn wir erst im Herbst mit der geplanten Ausstellung alle auf optimalem Informationsstand bezüglich der Planungsgeschichte des Ortes seien werden.


zur website der Stadtdebatte und damit zum Online-Dialog geht´s hier …

Die Stadtdebatte Rathausforum ist ein Experiment, bei dem verhindert wird, dass die Fetzen fliegen. Dies gerade zuzulassen, wäre allerdings auch eins …

Neptunbrunnen und Marienkirche auf dem Rathausforum 2015: Siamesische Zwillinge, die nicht getrennt werden sollten, finde ich (Foto: André Franke)

Neptunbrunnen und Marienkirche auf dem Rathausforum 2015: Siamesische Zwillinge, die nicht getrennt werden sollten, finde ich (Foto: André Franke)

Ganz ohne Bilder und Geschichte heranzugehen, das klang am Anfang spannend. Drei Wochen nach der Auftaktveranstaltung der Stadtdebatte „Alte Mitte, neue Liebe?“ glaube ich nicht mehr daran, dass dieser Weg der Partizipation erfolgreich sein wird. Aus Zeitgründen. Bis zum 18. Mai läuft noch der Online-Dialog. Dann folgen Kolloquien, Theater und Bürgerwerkstatt. Erst Ende Juni können wir uns in einer Ausstellung über die Hintergründe und (Planungs-)Geschichte des Ortes informieren. Es sollte anders herum sein!

Stadtdebatte: Neptun ist Kirche - zumindest farblich. Solche Stadtbilder sind doch eine Qualität. Aber man kann sie verhandeln, da es auch andere Qualitäten geben könnte (Foto: André Franke)

Neptun ist Kirche – zumindest farblich. Solche Stadtbilder sind doch eine Qualität. Aber man kann sie verhandeln, da es auch andere Qualitäten geben könnte (Foto: André Franke)

Statt die Debatte von der neutralen Mitte aus in Richtung der Extreme zu entwickeln, fände ich es toll, wenn wir bei den Extremen anfangen dürften und uns diskursiv auf die Mitte zu bewegten. Es gibt zuviel zu vermittelndes Wissen und zuviel Varianten, mit denen die Kontroverse zwischen Freiraum- oder Bebauungplanung ausdifferenziert und ausbalanciert werden könnte. Ein Beispiel am Stadtbild-Paar Marienkirche-Neptunbrunnen: Ich stehe auf die freistehende Marienkirche und ich will, dass der Neptun bleibt, wo er ist. Aber ich würde den Neptun an den Schlossplatz ziehen lassen, wenn mir die „Freunde der Dichte“ den freien Blick auf die Südseite der Marienkirche gewähren und dort auf Bebauung verzichten. Andersherum stimmte ich (als „Freund der Weite“) einer umfassenderen Umbauung der Kirche zu, wenn Neptun dableiben könnte und zumindest der Blick auf das „siamesische Stadtbild“ gewahrt bliebe (siehe Foto).

Stadtdebatte „Unterhaus“

Das passende Format für eine Stadtdebatte, die von außen nach innen geführt wird, hätte ich auch schon gefunden: Wir setzen uns in einen großen Saal, die „Freunde der Dichte“ (übrigens eine sehr schöne Bezeichnung der Kontrahenten von einem Kollegen von mir) auf der rechten Seite, die „Freunde der Weite“ auf der linken. Alle, die unwissend, unentschieden oder in herausragender Weise zu Kompromissen bereit sind, nehmen Platz an der Kopfseite der Sitzordnung. Und dann gibt es eine Stadtdebatte, die sich gewaschen hat – ausgehend von 100-prozentiger Information. Beide Seiten präsentieren zu Beginn ihre Idealpläne. Dann fliegen die Argumente. Alles wird dokumentiert. Die Prozedur wird wiederholt. Wieder und wieder. Bis zum Herbst. Oder Dezember. Dann sitzen viele an neuen Plätzen. Und vielleicht sogar an einem Tisch.

Affront gegen die Stadtdebatte? Open-Air-Ausstellung „Mitte! 150 Jahre Transformation des Berliner Stadtkerns 1865-2015“ auf dem Rathausforum, Nähe Neptunbrunnen, April 2015 (Foto: Bürgerforum Berlin e.V.)

Open-Air-Ausstellung „Mitte! 150 Jahre Transformation des Berliner Stadtkerns 1865-2015“ auf dem Rathausforum, Nähe Neptunbrunnen, April 2015 (Foto: Bürgerforum Berlin e.V.)

Vor diesem Hintergrund ist der Vorstoß des Bürgerforums Berlin mit der Ausstellung „Mitte! 150 Jahre Transformation des Berliner Stadtkerns 1865-2015“ am Neptunbrunnen mindestens äußerst hilfreich. Frank aus Reinickendorf schaute ziemlich perplex drein, als ich ihm auf der Zukunft-Berlin-Tour letzten Sonnabend sagen musste, dass es eine informierende Ausstellung mit Bildern und Plänen zur Geschichte des Rathausforums im Rahmen der offiziellen Stadtdebatte Rathausforum nicht gibt. Die vielzitierte „Ergebnisoffenheit“ hat also ihre Tücken.

Und so geht´s weiter… (Die Termine sind auch im Futurberlin-Eventkalender zu finden):

  • bis 18. Mai: Online-Dialog auf stadtdebatte.berlin.de
  • 15. Juni: Erstes Fachkolloquium
  • 22. Juni: Zweites Fachkolloquium
  • 26. Juni: Partizipatives Theater
  • 27. Juni: Bürgerwerkstatt
  • anschl. bis 10. September: Ausstellung
  • Sommer: Erkundungstouren
  • 5. September: Halbzeitforum
  • anschl. bis Dezember: Zweite Dialogphase (mit ähnlichen Formaten)

Mehr zum Rathausforum: Text „Der Turm kippt zur Spree – städtebauliche Qualitäten im Schatten des Fernsehturms“ (2009)

"Grenzsteine" des Rathausforums: die Marienkirche (links), die Rathauspassagen (hinten). Vermittelndes Grün, das es heute schon nicht mehr gibt. (Foto: André Franke, Sommer 2014)

„Grenzsteine“ des Rathausforums: die Marienkirche (links), die Rathauspassagen (hinten). Vermittelndes Grün, das es heute schon nicht mehr gibt. (Foto: André Franke, Sommer 2014)

Ist das nicht ein passables Stadtbild? Marienkirche, Rathauspassagen, Grün. In beiden Gebäuden finde ich den gleichen Farbton. Die Feldsteine der Kirche erreichen aus dieser Sicht die Größe der Fenster der entfernten Passagen. Die Bäume vermitteln zwischen altem und jungem Gebäudestein. Ich finde diese Momentaufnahme schön! Aber es ist eben ein Bild, das einen Rahmen hat. Geht man ein paar Schritte weiter oder zoomt sich raus, sieht es schon wieder ganz anders aus, und überwältigt von den riesigen Dimensionen verliert man den Blick fürs Detail. Oder man verliert ihn, weil es auf dem Rathausforum mittlerweile drunter und drüber geht. Die Kirche verschwand hinterm Bauzaun, die Bäume gleich komplett. Und die Rathauspassagen sind seit Jonny K. für viele ein Angst-Raum. Das wurde auch am Sonnabend bei der Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung gesagt. Spätestens bei diesem Thema wird einem klar, dass es bei der Gestaltung des Rathausforums nicht nur um Ästhetik geht, sondern auch um einen Ruf.

Mehr zum Rathausforum: Text „Der Turm kippt zur Spree – städtebauliche Qualitäten im Schatten des Fernsehturms“ (2009)

Harald Bodenschatz/Christina Kautz: Themenkarte »Verlorene Mitte« Eine verblüffend hohe Zahl von verlorenen Gebäuden der Mitte Berlins wurde in verschiedenen früheren Listen und Publikationen als baugeschichtlich oder historisch wertvoll bezeichnet. Diese historischen Listen wurden von Lutz Mauersberger erstmals zusammengestellt und von Christina Kautz von der Planungsgruppe Stadtkern im Bürgerforum Berlin e. V. kartiert (Quelle: Bürgerforum Berlin e.V.)

Harald Bodenschatz/Christina Kautz: Themenkarte »Verlorene Mitte«
Eine verblüffend hohe Zahl von verlorenen Gebäuden der Mitte Berlins wurde in verschiedenen früheren Listen und Publikationen als baugeschichtlich oder historisch wertvoll bezeichnet. Diese historischen Listen wurden von Lutz Mauersberger erstmals zusammengestellt und von Christina Kautz von der Planungsgruppe Stadtkern im Bürgerforum Berlin e. V. kartiert (Quelle: Bürgerforum Berlin e.V.)

Zeitgleich mit der heute stattfindenden Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung am Rathausforum startet das Bürgerforum Berlin e.V. unter dem Titel „Mitte! 150 Jahre Transformation des Berliner Stadtkerns 1865-2015“ eine Open-Air-Ausstellung am Neptunbrunnen. Sie soll als Säulenausstellung bis 31. August Tag und Nacht zu besichtigen sein. Das Bürgerforum informiert dabei über die wichtigsten Fakten und Bilder zur Geschichte der Berliner Mitte. Der Verlust der Bauten durch die moderne Stadtentwicklung ist in dessen Flyer beziffert:

„Von den um 1865 vorhandenen zirka 1.500 Bauten des Stadtkerns sind nur noch 85 erhalten: Aus dem Mittelalter stammen nur vier Kirchen, kein einziges Bürgerhaus – ein solcher Verlust ist auch im europäischen Maßstab einzigartig.“

Mehr über die Ausstellung, das Bürgerforum und dessen Ziele – hier im Flyer

Rathausforum 1987: offen, grün, rechts mit Marx-Engels-Forum, Spree und Palast der Republik ("Erst mal kucken in Berlin": Kinderbuchverlag Berlin, 1987)

Rathausforum 1987: offen, grün, rechts mit Marx-Engels-Forum, Spree und Palast der Republik („Erst mal kucken in Berlin“: Kinderbuchverlag Berlin, 1987)

Nicht, dass ich danach gestöbert hätte. Das Buch stand einfach da, neben der Holztreppe in der Garderobe der Kita meiner Tochter. Ein Kinderbuch, dessen Inhalt mittlerweile ein wenig überkommen ist. „Erst mal kucken in Berlin“, heißt es. Und schlage ich es in der Mitte auf, entfaltet sich die Mitte Berlins, die Mitte der Hauptstadt der DDR, vom Fernsehturm bis zur Spree. 1987 vom Kinderbuchverlag gedruckt, zeigt es genau das Terrain des „Rathausforums“, über das wir heute diskutieren wollen: auf der Auftaktveranstaltung zur Stadtdebatte „Alte Mitte – neue Liebe?“ Und das ist das Programm:

Programm Auftaktveranstaltung Stadtdebatte am 18. April 2015 im bcc (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Programm Auftaktveranstaltung Stadtdebatte am 18. April 2015 im bcc (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Ab 13:00 Uhr geht´s los im „bcc Berlin Congress Center“, Alexanderstraße 11, 10178 Berlin (S+U-Bhf Alexanderplatz)

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