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Das war der News Ride #27/19 am Sonnabend, den 6. Juli 2019, mit dem Dragoner-Areal, der Begegnungszone Bergmannstraße, dem Karstadt am Hermannplatz und den Hausbooten auf dem Rummelsburger See (Strecke: 9 Kilometer)

Götterbäume bei den Dragonern

Wir starteten am Willy-Brandt-Haus um 12 Uhr. Den ersten Stopp machten wir im nur fünf Minuten entfernt liegenden Dragoner-Areal. Das knapp fünf Hektar große, gewerblich geprägte Gelände (mit Autowerkstätten u.a.) gehört jetzt dem Land Berlin. Das hatte der Bundesrat im Juni endgültig bestätigt. Der seit 2015 währende Grundstücksstreit ist damit beendet. Auch wurde gerade die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die u.a. das Bezirksamt Kreuzberg und die Vor-Ort-Initiativen getroffen haben, um das Sanierungsgebiet zu bebauen und weiterzuentwickeln. Schautafeln mit Infos zu den Bürgerwerkstätten, die im April und Mai stattgefunden haben, hängen an zwei Stellen aus: so z.B. am Haupteingang in der Obentrautstraße, in einem Gebäudeteil des LPG-Biomarktes. Wir sind alle Wege, die es zwischen den Baracken gibt, abgefahren, was man ja selten macht, und was auch ein bisschen tricky ist, angesichts der chaotischen Erschließung. Die schöne Gasse am Mamorwerk mit den spontan gewachsenen Götterbäumen hat mich am meisten beeindruckt.

Über den Mehringdamm ging es weiter zur Bergmannstraße. Hier war die Begegnungszone Thema, und wir radelten die von den orange-gelben Parkletts gesäumte Straße komplett bis zur Marheineke-Markthalle ab. Neben den grün-gepunkteten Kreuzungsflächen sind das Neueste in der Zone die fetten Findlinge, die der ehemalige Förster und Leiter des Kreuzberger Straßenbauamts Felix Weisbrich auf die Kreuzung zur Zossener Straße legen ließ, um Falschparker daran zu hindern, die Baustelle zu blockieren. Was für eine Schnaps-Idee! Ich finde sie genial. Selbst die Kreuzberger reagieren mit Goethe: Auch aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“, schreiben sie mit Kreide auf die Fahrbahn. Auf diesem „Begegnungsplatz“ (das soll er laut Bezirksamt wohl mal werden) standen wir eine ganze Weile, bestimmt zwanzig Minuten. Und es wurde umso gemütlicher, je mehr Zeit verging. Wir beobachteten auch live einen Falschparker, der sein Auto, quer geparkt, einfach stehen ließ. Allerdings kam er nach zehn Minuten wieder und entpuppte sich als Musiker, trug zwei Gitarrenkoffer unterm Arm. Auch Falschparker können also gute Menschen sein. Findlinge am Fuße des Teltow… Ich hätte schon eine Idee für einen Findlingsstandort am Fuße des Barnim, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Falschparker in der Bergmannstraße: „Ich bin dann mal weg…“

„Nasser Fisch“ grüßt Chipperfield

Zum nächsten Halt am Hermannplatz radelten wir über den neuen geschützten Radweg in der Hasenheide (ein spannender Nebeneffekt, denn die rot-weißen Poller sind mehr als gewöhnungsbedürftig, sie reizen zum Schreien). Aus der Karl-Marx-Allee Karl-Marx-Straße (dass mir dieser Fehler mal passiert, hätte ich nicht gedacht) blickten wir später auf das Karstadtgebäude, das ja abgerissen und durch die originale Kaufhausfassade der 20er Jahre ersetzt werden soll. Chipperfield will neue Leuchttürme bauen. Diese Nachricht hatte mich vor ein paar Wochen aus den Socken gehauen, da ich grade „Nasser Fisch“ von Volker Kutscher gelesen hatte. In der ersten Szene des Romans jagen die Kommissare den „Pornokaiser“ die Hermannstraße runter. Er flüchtet über den Bauzaun in die Baustelle am Hermannplatz, wo gerade der alte, originale Karstadt-Bau hochgezogen wurde, 1929, mit den legendären, 55 Meter hohen Leuchttürmen. Ob ein Abriss nötig ist, fragten wir uns, als wir länger auf das Gebäude sahen. Es gibt ja schon zwei Türme über dem Dach! Und es gibt auch schon eine Dachterrasse, auch wenn sie im Moment nur unter „Konsumzwang“ begehbar ist. Ein Umbau tut´s vielleicht auch.

Die letzte Etappe führte uns durch Neuköllns neue Fahrradstraße, die Weserstraße. Über die Wildenbruchstraße und die Elsenbrücke erreichten wir die Stralauer Halbinsel und schließlich den Rummelsburger See. Erste Bemerkung eines Gastes: „Das werden ja immer mehr Boote hier.“ Und genau darum ging es. Waren 2016 noch 24 ankernde Boote auf dem See zu zählen, stieg die Zahl 2018 auf 101, berichtete der Tagesspiegel in einem lesenwerten, 19 Absätze umfassenden Artikel. Die Autorin beschreibt darin einen Fotografen, der von seiner Friedrichshainer Wohnung vom Ufer „der“ Rummelsburger See zu seinem Atelierboot pendelt. Wie geil, Berlin liegt jetzt am Meer! Sein Boot, dessen Bau vom Auswärtigen Amt und von visit-Berlin gefördert wurde, konnten wir nicht zweifelsfrei ausfindig machen, aber das „Lummerland“ mit der Sauna haben wir vom Ufer aus erkannt. Die Senatsverwaltung für Umwelt will beim Bund ein Ankerverbot für die Boote herbeiführen, bisher hat sie damit keinen Erfolg gehabt. Bewohner der „Wasserstadt“ in Stralau und Rummelsburg hatten wegen Lärm geklagt, und der schadstoffbelastete Seegrund soll bald saniert werden. Deshalb sollen die Boote weg. Krass überrascht hat uns der lange Bürobau, der gerade an der Ringbahn gebaut wird, das B:HUB (das Abendblatt berichtete im März 2018).

Route des News Ride vom 6. Juli 2019: Vom Will-Brandt-Haus zum Rummelsburger See (9 km)

Nächster News Ride folgt…

Ich will mal anfangen, über die News Rides zu berichten. Heute über den 9. Mai, einem warmen, sonnigen (es fühlte sich an wie ein) Sommerabend …

Zu Sechst, wenn man F. mitzählt, der vier Beine hat (und wer würde es wagen, ihn zu übersehen!), starteten wir von der holprigen „Frühlingswiese“ des Dong Xuan Centers, wo ein Unbekannter vor unseren Augen in die Büsche pinkelte, nach Osten in die Herzbergstraße zum Kunstquartier von Axel und Barbara Haubrok. Es tat gut, Lichtenberg jenseits von Stasi-Knast, Stasi-Museum, Sportforum und Dong Xuan Center zu sehen. Ich wollte schon immer mal wissen, wo genau die ehemalige Fahrbereitschaft des DDR-Ministerrats liegt, von der man seit ein paar Jahren hört – eben weil da jetzt Kunst gemacht wird. Sie befindet sich gleich um die Ecke.

Mit freundlichen Grüßen, Bezirksamt

Wir drehten eine Runde über das Gelände, konnten in die offenstehende 100 Meter lange, von Arno Brandlhuber entworfene Halle reinschauen, wo sogar jemand rumsaß und die ein Bilderrahmenbauer zu über die Hälfte der Fläche nutzt, wie es heißt. Den Haubroks hatte vor kurzem Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) untersagt, weitere Ausstellungen durchzuführen. Im Moment läuft noch „Paper Works“, aber ab 7. Juli soll nach den Worten von Axel Haubrok „Schluss sein“. Monteiro will das in der Herzbergstraße ansässige Gewerbe schützen, 800 Unternehmen mit bis zu 10.000 Arbeitsplätzen. Die B.Z. hatte berichtet. Auch die Künstler des alten Tacheles gründeten vor ein paar Wochen in der Nachbarschaft einen neuen Kunststandort, die „Kulturbotschaft“. Das hat möglicherweise zu der harten Haltung des Bezirks beigetragen. Erst als wir das Gelände verließen, bemerkten wir das Riesenplakat am Eingang. Es war das Behördenverbot in Form der originalen Email an Haubrok. Hängt dort, kann jeder lesen.

Baurechtliche Untersagung von Kunst im Gewerbegebiet per Email (Foto: Andrea Künstle)

Dann ging´s über Herzbergstraße, Vulkanstraße (hier für ein paar Meter von M. begleitet, der uns auf dem Nachhauseweg von Küstrin nach Pankow durch Zufall traf), Ruschestraße und Schulze-Boysen-Straße (…) westlich an der Viktoriastadt vorbei, ziemlich straight nach Alt-Stralau. Die Kynaststraße bleibt Radfahrern ein Rätsel. Man ist gezwungen, auf der Straße (ohne Radweg) zu fahren. Tut man es nicht und benutzt den Gehweg, fährt man bald gegen eine Straßenlaterne, weil der Gehweg immer schmaler wird, auf dem sie steht. Umgekehrt entwächst der Fahrbahn, hat man die Brücke im Scheitel überquert, unverhofft ein Radweg, über den man sich wundert: Warum tauchst Du erst jetzt auf?

Teppichfabrik à la Baukademie

Von der Alten Teppichfabrik in Alt-Stralau war letzte Woche zu lesen, dass es mehrere Bauanfragen gab. Nach der Besetzung im Sommer 2017 steht sie leer (und unter Denkmalschutz). Völlig offen, ob Wohnungen oder Gewerbe einzieht. Jedenfalls hat sie einen neuen Eigentümer, „s.Oliver“, die Bekleidungsfirma. Die B.Z. berichtete darüber (man muss es wegen der spärlichen Infos wohl eher „erwähnen“ nennen). Das Backsteingebäude, das auf der Stralauer Halbinsel die Industrialisierung einleitete, erinnert voll an die Bauakademie, die in der nächsten Woche wohl mit in den News Ride kommt.

Über die Elsenbrücke ging´s weiter durch den Treptower Park. In Höhe des Sowjetischen Ehrenmals war ganz schön was los: Uns fiel ein, dass ja „Tag der Befreiung“ war, und in sich die „Nachtwölfe“ in Berlin angekündigt hatten. Am Karpfenteich vorbei, folgten wir von da an dem Heidekampgraben, durch zahlreiche Kleingartenkolonien in Treptow, kamen an dem Denkmal für die Trepower Mauertoten vorbei, kamen in den Regen. Tja.

Herzbergstraße in der Abendsonne (Foto: Andrea Künstle)

Als es wieder aufgehört hatte, überquerten wir den Britzer Verbindungskanal und folgten ihm (immer noch auf dem Mauerweg unterwegs) bis zum Denkmal für Chris Gueffroy. Auf Treptower Seite erstrecken sich hier vier Kleingartenkolonien, die ich zum Anlass nahm, über die Vision von Arne Piepgras zu berichten, der die Gärten alle nach Brandenburg auslagern möchte, um die Flächen mit Wohnungen zu bebauuen. Die Schrebergärten Berlins haben seinen Angaben zufolge ein Potenzial von 3.000 Hektar. Das ist 15 mal der Tiergarten. 400.000 Wohnungen fänden darauf Platz, so Piepgras, der als Investor in Berlin auch am Dragoner-Areal tätig war und jetzt vor Gericht gegen die Übertragung des Grundstücks an Berlin streitet. Der Tagesspiegel hatte den offenen Brief als Anzeige gedruckt und u.a. infolge dessen eine interaktive Karte mit Berlins Kleingärten erstellt, in der man sogar Infos darüber erhält, wieviele Dauerbewohner in der jeweiligen Anlage leben (sehr zu empfehlen, sich da mal durchzuklicken).

Es folgen noch ein paar Kilometer entlang des Teltowkanals. Langsam wurde es dunkler. In Johannesthal wechselten wir auf die andere Seite der Autobahn und gelangten in den Eisenhutweg, eine Straße, die die Wissenschaftsstadt Adlershof westlich begrenzt und an der lauter Einfamilienhäuser stehen, manche mit Säulenportalen oder anderem Schnickschnack, angesichts der vorstädtischen Lage so affig, dass man drüber lachen muss. Ein Hochspannungsmast markiert das Ende der Stromleitung. Die Siedlungsmasse rechts reißt ab, und wir radeln entlang einer Brache. Einer großen Brache. Nach einer Weile biegen wir rechts rein und fahren einfach drauf. Hinter uns der Eisenhutweg, vorne die Autobahn. Dazwischen Gras und Büsche. Und Hunde. Die bellen, weil wir ihr Revier betreten. Und die bellen wohl auch wegen F., der seit drei Kilometern im Lenkerkorb sitzt und nicht mehr selbst rennt.

Im Airport-Korridor

In Adlershof gibt es also noch Brachen. Die hier soll mit 600 Wohnungen bebaut werden, von den Architekten, die auch im Mauerpark bauen. Nach Fertigstellung sollen die Wohnungen – voraussichtlich – an eine städtische Wohnungsbaugesellschaft übergeben werden, um sozialverträgliche Mieten zu gewährleisten. Die B.Z. berichtete, wenn auch nur kurz. Allerdings fand ich bei der Recherche noch ein weiteres Bauprojekt, das gleich daneben entsteht: die „BRAIN BOX BERLIN“. Klingt krass. Sieht auch spektakulär aus, ein Bürokomplex mit flexiblen Raumstrukturen und Marktplatz im Gebäude, langgezogen über die Riesenbrache, von der hier draußen kein Ende zu sehen ist. Wir befanden uns trotzdem nicht „draußen“. Der News Ride endete im „in Entstehung befindlichen“ Airportkorridor. Betonung auf: in Entstehung befindlich … (wie man auf der website der Wissenschaftsstadt Adlershof liest). Und weil wir dabei auf den aktuellen BER-Eröffnungstermin zu sprechen kamen, hier noch mal der Stand der Dinge: Herbst 2020, wie die Berliner Zeitung im März schrieb.

 

Der Tunnel 71

Ein Blick durchs Schaufenster des um 19:15 Uhr schon geschlossenen Ladens… Man kann sich die Baupläne für den 30 Meter langen, neu zu grabenden Tunnel, mit dem der ehemalige Fluchttunnel 71 „angegraben“ wird, im Laden des Vereins Berliner Unterwelten in der Brunnenstraße 141/143 ansehen. Einblick in den echten Fluchttunnel soll es erst nächsten Sommer 2018 geben. Das Tunnelprojekt kostet 200.000 Euro und bereichert die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße. tagesspiegel.de

Route durch Mitte: 7 Kilometer

Route durch Mitte: 7 Kilometer

Die Alliiertenorgel

An der Kapelle der Versöhnung ist im Dunkeln natürlich niemand. Aber die Holzlamellen, die eine nahe stehende Laterne belichtet, machen im Vorbeifahren eine schöne Erscheinung. Die nächsten Konzerte mit der letzte Woche neu eröffneten Schuke-Orgel, die mit vier landestypischen Klangfarben der Siegermächte aus dem Kalten Krieg ausgestattet ist, sind am 14. (17 Uhr, Romantische Musik) und 28. Oktober (15 Uhr, Luther-Lieder). Gespielt wird das Instrument von Annette Diening. weddingweiser.de

Die Europacity

Der Weg dorthin ist fast interessanter als die Europacity selbst. Im Libeskind-Bau Sapphire brennt im 1. OG hinter Gardinen Licht. Wohnt da schon jemand drin? Die Chausseestraße ist auf der einen Hälfte Baustelle, aber über den Bürgersteig am BND-Bau lässt sich locker langfahren. Ins Glasfoyer blickend ist eine graue Wand erkennbar, hinter der die Mitarbeiter nach Eintreten durch die Tür verschwinden werden. Das sieht äußerst merkwürdig aus. An der Nordseite sitzt ein normaler Pförtner im großzügigen Empfangsbereich, hier gibt es die Schutzwände komischerweise nicht.

Jenseits des Kanals liegt die Heidestraße, rechts und links von ihr liegen Brachflächen, Bauflächen. Vom konzipierten Boulevard ist nichts zu spüren. Klar, die Straße ist fertig. Mittig wächst eine Hecke. Aber was passiert eigentlich mit der Tankstelle? Auf den Flächen westlich der Heidestraße kommen also die vier Blöcke des Quartiers Heidestraße. Der Spaß besteht darin, sich das vorzustellen. Auch als Nicht-Architekten. Das kann gewissermaßen schwerfallen. Leichter fällts den Profis. Frau Lüscher: „In unseren Köpfen ist die Europacity vollendet“ (morgenpost.de). Aber wie es hier aussieht! Ein schäbiger Zweckbau, in dem die Deutsche Bahn sitzt, allein auf weiter Flur … Container. Ein neuer Wohnblock links, ein paar schöne Altbauten rechts. Die haben sogar kleine Vorgärten. In dem einen wohnen Leute. — Hier wohnen Leute!

Doch je weiter man von Norden Richtung Hauptbahnhof gelangt, desto mehr kommt einem die Zukunft entgegen. Die 50Hertz-Zentrale leuchtet. Aus dem Total Tower kommen Leute raus, wieder Leute. Feierabend. Total interessante Lamellenfassade neben dem Tower… Aber alles Gebaute hier kommt mächtig kalt rüber.

Die Staatsoper

Im Licht des Maxim-Gorki-Theaters spielen ein paar Leute Boule. Kurzer Stopp bei Heine, der Spruch ist zu schön: „Wir ergreifen keine Idee, die Idee ergreift uns und knechtet uns und peitscht uns in die Arena, wo wir wie gezwungene Gladiatoren für sie kämpfen.“ Genau, lauter Gladiatoren und keiner kann so richtig zurück.

Vor der Oper Unter den Linden liegt der rote Teppich noch. MDCCXLIII steht weit oben. Ich habe Schwierigkeiten mit dem XL und es dauert eine Weile bis ich drauf komme, dass es die gleiche Logik ist wie bei IV. Hab ich selten so gesehen. Ziehe 10 von 50 ab, und das Ganze macht Sinn: 1743. Hinter der Oper rum zur Barenboim-Said-Akademie, wo massenhaft Fahrräder vor der Tür stehen. Hinter dem Fenster lassen sich die Schauspieler und Sänger schminken. Kann man alles mitansehen. Vorm Haupteingang in der Französischen Straße rauchen Mitarbeiter. Im Foyer: Kostümierte, die sich in einer Schlange langsam Richtung Auftritt schieben. Oh Gott, die müssen durch den Tunnel, der rüber ins Opernhaus führt – noch so ein Tunnel. morgenpost.de

Dann kamen noch das Freiheits- und Einheitsdenkmal, für dessen Standortverlagerung sich jetzt auch Eva Högl (SPD) stark macht (focus.de), und auf der anderen Seite des neuen Schlosses die Spreeterrassen, deren Bau noch im Oktober beginnen soll (morgenpost.de)

Am Mittwoch Schneegestöber, am Freitag Schneeregen – keine idealen Bedingungen für eine Radtour. Aber ich mache die Verwirklichung meiner Ideen nicht vom Wetter abhängig. Für alle, die mehr über die NewsRide-Orte von letzter Woche wissen wollen, ohne selbst mitgeradelt zu sein, habe ich diese „Nachlese“ geschrieben. Sie könnte in Zukunft standardmäßig in der Woche nach dem NewsRide kommen, besonders, wenn sich auf der Tour Fragen ergeben. Die Antworten „liefere“ ich dann zum Nachlesen nach.

Kröten am Pankower Tor

Was ist hier los? – Auf dem Areal zwischen Berliner Allee im Westen und Prenzlauer Promenade im Osten ist eine Grundschule mit 400 Schülern, ein Einkaufszentrum, etwa 1.000 Wohnungen, einen Stadtpark, einen Höffner-Fachmarkt und eine Gemeinschafts- und Sekundarschule geplant. Außerdem befindet sich östlich die Ruine des Rundlokschuppens, der unter Denkmalschutz steht. Eine neue Nutzung für diesen zu finden, erweist sich als schwierig, weil die Wiederherstellung des Gebäudes teuer ist. Die Zukunftswerkstatt Heinersdorf hat die Idee, aus dem Schuppen die Mensa der geplanten Schule zu machen.

Ein grauer Riese - das Gelände "Pankower Tor“ (Pankow-Karte der Kindergärten NordOst)

Ein grauer Riese – das Gelände „Pankower Tor“ (Pankow-Karte der Kindergärten NordOst)

Was gibt´s Neues? – Im Januar baggert man auf dem Gelände Krötenteiche aus. Die letzten Berliner Kreuzkröten müssen umgesiedelt werden, bevor der Stadtteil gebaut wird.

Links und Infos:

  • Pankows Bürgermeister und vorübergehender Stadtrat für Stadtentwicklung Sören Benn (Linke) im Interview mit der Berliner Woche, 02.01.2017
  • Die Krieger Grundstück GmbH (KGG) dokumentiert ihr Projekt (allerdings nicht akualisiert) auf pankower-tor.de
  • Der Tagesspiegel zum Rundlokschuppen und einer möglichen Integration der Ruine in die geplante Schule (als Mensa), 19.12.2016

Ideen für den Bürgerpark

Was ist hier los? – Eine Bürgerpark-Initiative hat sich gegründet (August 2016) mit dem Ziel, ein einheitliches Gestaltungs- und Denkmalschutzkonzept für den Park zu erarbeiten, da es ein solches im Moment nicht gibt. Sie kritisiert das Senatsprojekt „Panke 2015“, mit dem die Panke renaturiert werden soll (Projekt ruht derzeit) und ist nicht einverstanden mit den damit verbundenen „verheerenden Eingriffen“ in den Bürgerpark. Außerdem gefällt ihr die Idee eines Tierschutzvereines nicht, im Bürgerpark einen „Vogelgnadenhof“ und ein Altenheim für Tiere anzusiedeln; das Bezirksamt setzt sich aber für es sein. Die Initiative fordert auch eine bessere Parkpflege. Es geht es bei der aktuellen Diskussion um die Neugestaltung auch um die Zukunft der alten Meierei, die Einrichtung einer Skater-Anlage und ein gastronomisches Gesamtkonzept im Park.

Märchenstunde im Bürgerpark. Mimachen ist angesagt - bis 31. Januar (Foto: André Franke)

Märchenstunde im Bürgerpark. Mimachen ist angesagt – bis 31. Januar (Foto: André Franke)

Was gibt´s Neues? – Die Initiative hat einen alle Bürger gerichteten Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Bürgerparks ausgelobt. Er läuft noch bis zum 31. Januar. Insbesondere können Kinder mitmachen.

Links und Infos:


Holm und die Humboldt-Uni

Was ist hier los? – Hier forschte und lehrte der umstrittene Berliner Staatssekretär Andrej Holm ab 2005. Er war am Institut für Sozialwissenschaften, im Lehrbereich Stadt- und Regionalsoziologie tätig und beschäftigte sich mit Gentrifizierung, partizipativer Stadtentwicklung und Wohnungs- und Mietenpolitik. Holm betrieb nebenbei den Gentrification-Blog, auf dem er gegen die Spekulation mit Immobilien anschrieb.

Was gibt´s Neues? – Letzten Donnerstag, am 12. Januar, endete die Frist, die die Universität dem umstrittenen Staatssekretär Andrej Holm gesetzt hatte, eine Stellungnahme zu sein falsch gesetztes „Stasi-Kreuz“ abzugeben. Der Uni-Briefkasten soll bis zum Nachmittag leer geblieben sein, wie Tagesspiegel-Autor Björn Seeling am Freitag im „Checkpoint“-Newsletter schrieb.

Links und Infos:

  • Rechtsanwalt Johannes Eisenberg schreibt in der taz, dass die Humboldt-Uni sich aus Sicht des Arbeitsrechts für Holm entscheiden müsse. Er vergleicht den Fall Holm mit den Geschichten eines Gefängniswärters und eines NPD-Aktivisten, die, beide im öffentlichen Dienst tätig, Falschangaben gegenüber ihren Arbeitgebern machten. Das Bundesarbeitsgericht urteilte gegen die Arbeitgeber. Holm durfte sogar Lügen, so Eisenberg. Und die Uni hätte 2005 gar nicht nach seiner hauptamtlichen Tätigkeit bei der Stasi fragen dürfen., 09.01.2017

Tempohomes Alte Jakobstraße

Was ist hier los? – Auf der Brachfläche ist ein Tempohome geplant, ein Containerdorf für Geflüchtete. Die bis zu 500 Personen, die hier untergebracht werden, leben im Moment noch in Berliner Turnhallen. Die Tempohomes, von denen in Berlin etwa 30 entstehen, sollen die Turnhallen als Notunterkünfte ablösen. Die Container werden nicht übereinander gestapelt. Im Gegensatz zum Studentendorf Plänterwald, das auch aus Containern besteht, gibt es nur ein Erdgeschoss für alle Gebäude. Den Standort, wie auch die anderen Standorte der Tempohomes und MUFs, hat die Senatsverwaltung für Finanzen ausgewählt. Sie hat mit einer Expertenkommission über 1.500 Grundstücke in Berlin auf ihre Eignung hin untersucht. Ursprünglich war der 16.000 Quadratmeter große Standort an der Alten Jakobstraße für eine MUF geplant („Modulare Unterkunft für Flüchtlinge“). Das Tempohome soll laut Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) Ende März 2017 fertiggestellt sein.

3 Container in einem Tempohome mit Küche und Bad bilden eine Wohnung für 4-8 Personen

Eine Wohnung in einem Tempohome mit Küche und Bad (Quelle: LAF, Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten)

Eine Wohnung (gelb) in einem „Gebäude“. Äußere Erschließung (Quelle: LAF)

Eine Wohnung (gelb) in einem „Gebäude“. Äußere Erschließung (Quelle: LAF)

Was gibt´s Neues? – Die Alte Jakobstraße ist eines von elf Tempohomes, für die gerade Betreiber gesucht werden. Es läuft eine Ausschreibung, zu deren Stand die SPD-Abgeordnete Clara West Ende letzten Jahres beim Senat angefragt hatte.

Links und Infos:

  • Übersichtskarte zu Tempohomes und MUFs in Berlin auf rbb-online, 07.01.2017
  • FAQ zu Tempohomes auf berlin.de (vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten)
  • Schriftliche Anfrage von Clara West, 17. November 2016

Unglaubliche Orte gibt es in Berlin, wie den hier: Durch ein Schaufenster sehe ich den Stadtkern Berlins, an der Wand eines Cafés abgebildet. Indoor. Und im Fenster selbst spiegelt sich (Outdoor) ein Verkehrsschild „Achtung Fußgängerübergang“, darüber hängt das Wahlplakat von …

Café mit Stadtkern-Wandbild: Im Spiegelbild zu sehen, ist ein Wahlplakat, hängend an einem Straßenschild, das einen Fußgängerüberweg ankündigt (Foto: André Franke, August 2016)

Café mit Stadtkern-Wandbild: Im Spiegelbild zu sehen, ist ein Wahlplakat, hängend an einem Straßenschild, das einen Fußgängerüberweg ankündigt (Foto: André Franke, August 2016)

Ja, von wem denn? – Das will ich Euch fragen. Ein bisschen rätseln im August, kann dem Ferienfeeling doch nicht abträglich sein. Aber hinter diesem rätselhaften Schnappschuss steckt mehr. Die umfassendere Frage lautet vielmehr:

Welcher Politiker aus welcher Partei hat (wie ja offensichtlich wird, wenn man genau hinschaut) den Wiederaufbau der Waisenbrücke als Fußgängerbrücke in ihr Wahlprogramm aufgenommen?

Find ich spannend. Und da ich weiß, wer sich da (höchstwahrscheinlich) aus Versehen in dieses Format hat hängen lassen, fragt Futurberlin.de direkt mal an. Und da ich dem Wiederaufbau der Waisenbrücke vieles abgewinnen kann (sie war ja die siebente Brücke auf der Sieben-Brücken-Tour vom Juli, und ein Artikel über sie steht noch aus), mache ich meine Zweitstimme von der positiven oder negativen Ausprägung der Antwort direkt abhängig. Also, rätselt mit:

  1. Wo befindet sich das Café mit dem Wandbild des Berliner Stadtkerns?
  2. Wer ist auf dem Wahlplakat abgebildet?
  3. Und wann wird Eurer Einschätzung nach die Waisenbrücke wiederaufgebaut?

Ich freue mich über Eure Antworten!!!

Entdeckt habe ich diesen Blick übrigens auf dem NEWS RIDE von Montag, dem fünften von fünf Etappen im August. Im September geht´s damit weiter. Potenziellen Stoff dafür gibt´s schon mal hier, im Medienspiegel …