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– T a g e s T o p p e r –

Ausgewählte Nachrichten vom Freitag, 25. September 2020

VERKEHRSWENDE // Die FDP hat ein Verkehrskonzept für die Kantstraße entwickelt. Sie verlegt die Radwege wieder von der Pop-Up-Fahrbahn zurück auf den Gehweg. Am Sonnabend, 12 Uhr, lädt die Partei in die Trinitatis-Kirche am Karl-August-Platz zu einer Diskussionsrunde mit Interessierten ein. Morgenpost

Außerdem in den Medien…

STADTTEILENTWICKLUNG // Alt-Tempelhof bekommt eine autofreie „Neue Mitte“ aus Glasfassaden, Quartiersplätzen und Tiefgaragen. Gegenüber des Rathauses entsteht ein 56 Meter hohes Kulturzentrum mit Bibliothek, Volkshochschule und Musikschule. Daneben werden auch Gebäude für das Stadtbad, die Polizeidirektion und drei Kitas gebaut, ab 2027 auch 549 Wohnungen. 17 Parzellen der Kleingartenkolonien „Friede und Arbeit“ sowie „Germania“ müssen weichen. Die Pläne stammen von den Büros „Teleinternetcafe und Treibhaus Landschaftsarchitektur“. Sie sind als Gewinner aus einem Werkstattverfahren hervorgegangen. Morgenpost

BER // Das neugebaute und fristgerecht fertiggestellte Terminal 2 des BER-Flughafens bleibt vorerst geschlossen. Wegen der geringen Fluggastzahlen infolge der Corona-Krise verzichte die Flughafengesellschaft auf den Betrieb des Gebäudes. Es kann bis zu 6 Millionen Passagiere abfertigen. Das Terminal 1 eröffnet dagegen wie geplant am 31. Oktober 2020. Tagesspiegel

U-BAHNBAU // Die SPD plant den Ausbau der U-Bahn und hält eine autofreie Innenstadt für „wirklichkeitsfremd“ (Franziska Giffey). Fünf Strecken sollen bis 2030 für 2 Milliarden Euro verlängert werden: die U2 nach Pankow-Kirche, die U3 zum Mexiko-Platz, die U7 nach Heerstraße Nord sowie zum BER, und die U8 ins Märkische Viertel, berichten der Tagesspiegel und die Berliner Zeitung.

PARTIZIPATION // Der Beteiligungsbeirat für Partizipation in der Berliner Stadtentwicklung wird besetzt. Bis zum 10. Oktober können sich interessierte Vereine, Initiativen und Verbände bewerben. Der Beirat besteht aus insgesamt aus 24 Sitzen, die teilweise Akteure aus Politik und Verwaltung einnehmen. Am 29. September findet eine Sprechstunde für Interessenten statt. Auch einzelne Bürger können sich bewerben. Facetten-Magazin Neukölln

GROSS-BERLIN // Wieder begibt sich Uli Zelle von der Abendschau auf den Jubiläumsweg der Großstadtwerdung Berlins, diesmal in den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Und wieder kommen die Geburtsfehler Groß-Berlins zur Sprache, diesmal durch Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz. Auch Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann hat alltäglich mit dem Kompetenzgerangel zwischen Bezirken und Senat zu tun. Gedreht wird im Rathaus in der Otto-Suhr-Allee und am Grunewaldturm. Abendschau

GLEISDREIECKPARK // Die Bewohner des Möckernkiezes fordern die Offenhaltung des Parks trotz Lärmbelästigung durch Parties. Außerdem schlagen sie einen Dialog vor, der durch das Nachbarschaftsheim Urbanstraße moderiert werden soll. Gleisdreieck-Blog

Ausstellungstip

Noch bis zum 25. Oktober läuft im DAZ die Ausstellung „Die Bodenfrage – Klima, Ökonomie, Gemeinwohl“. Baunetz beschreibt die Inhalte, und Laura Holzberg vom Deutschen Architekturzentrum leitet in die 10-minütige Videoführung ein.

Auch wenn Serien schön sind, wem gelingt es schon, einer vom ersten Teil bis zum letzten zu folgen, wenn man nicht entschieden immer zur selben Zeitung greift, immer im richtigen Moment, am richtigen Tag – oder überhaupt nicht? Es ist immer noch „Groß-Berlin“-Jahr, und die B.Z. macht eine Serie dazu, die Morgenpost ebenso. Und weil ich am Sonntag in einen anderen Bäcker ging als sonst, einen, der tatsächlich nur Morgenpost im Ständer hatte, erwischte ich die Sonntagsbeilage der Mopo, die „Berliner Illustrirte Zeitung“, in der Groß-Berlin jede Woche Thema ist. Eine Reihe von Zitaten lässt Felix Müller in dem Artikel über „Spandaus Sonderweg“ aus der Feder fließen (im Falle der Zitadellenstadt Spandau könnte man auch sagen, der Autor feuert aus allen Rohren), um den Widerstandsgeist der Nicht-Wahlberliner vor und nach der Eingemeindung zu Groß-Berlin 1920 darzustellen. Wie im „Skyscraper“ angekündigt, folgt hier das, was die sechs zitierten Herren im Einzelnen von sich gaben:

Eine Stadt mit Zitadelle wird immer ein Bollwerk sein

Emil Müller, Spandauer Stadtrat und Maurermeister, bei der Grundsteinlegung des Rathauses am 3. April 1911:

Mög´schützen uns des Kaisers Hand vor Groß-Berlin und Zweckverband.

Hermann Kantorowicz, Spandauer Armenarzt und Kommunalpolitiker, 1913:

Dass wir vom Zweckverband an der Nase herumgeführt werden, muss doch jeder sehen.

Heinrich Jenne, Spandauer Stadtverordneter, 1918:

Was Spandau bei Groß-Berlin soll, ist nicht recht klar.

Kurt Woelck, letzter Spandauer Bürgermeister, 1919:

Wir stehen hier auf dem Standpunkt, dass diese restlose Eingemeindung nur Nachteile für uns bringt und ein Unglück für Spandau darstellen wird.

Martin Stritte, Spandauer Bezirksbürgermeister, 1923:

Die Spandauer haben es nicht gelernt, sich als Berliner zu fühlen und sie werden es in absehbarer Zeit nicht lernen.

Stritte, nochmals:

Die Spandauer sind stolz auf ihre eigene Geschichte und Entwicklung, die älter sind als diejenigen Berlins, und sie werden den Raub ihrer Selbständigkeit immer als Vergewaltigung empfinden.

Günter Matthes, Redakteur des Tagesspiegels, bei der 750-Jahrfeier von Spandau, 1982:

Als die Berliner noch Kaulquappen fingen, waren die Spandauer schon Patrizier.

Blick vom Ufer der Havel auf den Rathausturm

Was folgern wir aus diesen Sätzen und wie lesen sie sich aus der Perspektive von heute? Die Hand Wilhelms II. konnte die Berliner nicht abhalten, über die Havel zu setzen; der Arm, an dem sie hing, war schlichtweg zu kurz, dass er hätte von Utrecht in die Deutsche Republik gereicht. Spandauer und Berliner dürften wohl quitt sein, nachdem Eberhard Diepgen, Ur-Spandauer, als Regierender Bürgermeister eine Zeit lang die Berliner an der Nase herumführen durfte. Heinrich Jenne scheint damals offenbar der Blick auf die regionale Landschaft verstellt gewesen zu sein; was Spandau bei Berlin soll, das ist doch ganz klar: das Wasser der Spree in die Havel aufnehmen. Auch würde wohl jeder Spandauer es als Glück begreifen, nicht als Unglück, nach 1945 nur von Franzosen besetzt worden zu sein, und nicht von den Sowjets; krasse Vorstellung, der Mauerweg verliefe dann auf der anderen Seite, entlang Charlottenburgs. Stritte kann hingegen nicht bestritten werden, denn in drei Jahren Zeit (1920-23) wechselt kein Mensch seine Identität; dankbar muss man ihm für die harten Worte sein, die doch daran erinnern, dass es politische Gewalt auch in parlamentarischen Systemen gibt, und die Schwächeren die exekutiven Folgen womöglich als Unrecht wahrnehmen. Und aus dem Matthes-Spruch, auch wenn er aufgrund seiner Überzogenheit einen gewissen Reiz hat, quilt eine etwas verzweifelt wirkende Überheblichkeit heraus, in die sich bestimmt nur jemand hineinbegeben konnte, der zwischen sich und den Berlin-Cöllnern die Mauer zu verorten wusste. Die Botschaft von der durch und durch zivilisierten Stadtgründung (es waren ja sogar zwei, gleichzeitig) ließe sich heutzutage ganz barrierefrei in den Bezirk Spandau tragen.

 

— Einladung der Hermann-Henselmann-Stiftung —

Einladung der Hermann-Henselmann-Stiftung, 12. Kolloquium, 2016

Katrin Lompscher, Harald Bodenschatz, Klaus Brake:

2020 jährt sich eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte Berlins zum 100. Mal: die Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin zum 1. Oktober 1920. Das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin, das so genannte «Groß-Berlin-Gesetz», wurde am 27. April 1920 verabschiedet. Die Hermann-Henselmann-Stiftung nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, sich in mehreren Kolloquien mit Schlüsselthemen der ­Stadtentwicklung des Großraums Berlin zu befassen: Nach der ersten Konferenz zur Wohnungsfrage (2016) folgen die Dimensionen Verkehr (2017), Grün (2018) sowie Planungskultur (2019). 2020 werden auf einer Abschlusskonferenz die Perspektiven für die Hauptstadtregion diskutiert.

Den Auftakt bildet der Wohnungsbau, der durch die Bildung von Groß-Berlin eine völlig neue Grundlage erhielt. Vor dem Hintergrund der neuen Einheitsgemeinde entstand ein öffentlich kontrollierter ­Wohnungsbau, der in der Weimarer Republik, in der nationalsozialistischen Zeit und in den Jahrzehnten der Spaltung der Stadt unterschiedlichste Formen annahm. Berlin wurde so zu einem einzigartigen Labor eines nicht-privaten Wohnungsbaus – Erfahrungen, die heute weitgehend vergessen sind.

Bereits 2012 hatte die Hermann-Henselmann-Stiftung den 150. Jahrestag des Hobrecht-Plans zum Anlass genommen, mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen die Wohnungsfrage zu thematisieren. Die Situation hat sich seither weiter zugespitzt. Angesichts des dynamischen Bevölkerungszuwachses und der veränderten ­ökonomischen Rahmenbedingungen sind dringend neue Strategien des Wohnungsbaus gefragt, die die gesamte Großstadtregion in den Blick nehmen. Lernen aus der Geschichte und von ­Anderen, Qualität auch bei hoher Quantität anstreben und eine dem 21. Jahrhundert angemessene Bau- und Planungskultur entwickeln – das sind die Leitperspektiven, denen das 12. Kolloquium der ­Hermann-Henselmann-Stiftung nachgehen soll

Um Anmeldung wird gebeten: cl@hermann-henselmann-stiftung.de

Für Fragen und Anmerkungen kontaktieren Sie die Hermann-Henselmann-Stiftung bitte:
per Kontaktformular oder per Mail


12. HERMANN-HENSELMANN-KOLLOQUIUM
27. Februar 2016, 10 bis 20 Uhr · Abgeordnetenhaus von Berlin, Raum 376 · Niederkirchnerstraße 5 · 10117 Berlin · Eintritt 7/5 Euro

Eine Veranstaltung der Hermann-Henselmann-Stiftung.
Mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit Helle Panke e.V. —
gefördert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.