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Sala architettura No. 3 (sbca Aufbauhaus)


EINLADUNG
sala architettura berlin no. 3
Transformation eines Raums: Workshop 2 / interactive surfaces

Freitag, 29. Januar 2016, 17 Uhr

Sarotti-Höfe
Mehringdamm 53-57
10961 Berlin-Kreuzberg


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen, liebe Partner und Vernetzte,

wir laden Sie, Ihre Kollegen und Freunde herzlich zur sala architettura berlin no. 3 am Freitag, 29. Januar um 17 Uhr, in die Sarotti-Höfe ein. 

Seit Juni 2015 entwickeln wir gemeinsam mit renommierten Architektenteams aus ganz Deutschland ein neues Gesicht für das FAB ARCHITECTURAL BUREAU BERLIN. Im Oktober 2015 entwarf das erste Team das Grundkonzept und ein Szenario für den Raum.

Am 27. und 28. Januar steigt Team no. 2 in den Prozess ein und arbeitet auf Basis des bereits Entworfenen weiter, dabei sind: Chris Middleton, Kinzo, Berlin; Ritz Ritzer, bogevischs buero, München; Jan Theissen, AMUNT – Architekten Martenson und Nagel Theissen, Aachen/Stuttgart; Petra Vondenhoff-Anderhalten, Anderhalten Architekten, Berlin; Input: Prof. Christiane Sauer, Formade / Lüling Sauer Architekten, Berlin.

Die Ergebnisse des ersten und zweiten Workshops stellen wir „auf der Baustelle“ am 29. Januar vor:

17 Uhr: Präsentation der Workshop-Ergebnisse
18 Uhr: 
Lecture von Lilli Hollein, Vienna Design Week: Design und Raum
19 Uhr: Empfang mit Getränken, Snacks und italienischer Musik

Über Ihr Kommen freuen wir uns und bitten um Anmeldung unter sala3@sbca.de.

So kommt man zu den Sarotti-Höfen: Maps
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie uns über U Mehringdamm (U6, U7).

Beste Grüße

Sally Below / sbca + Volker Halbach / blauraum Architekten


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sbca
aufbau haus
prinzenstraße 84.2
10969 berlin
fon 0 30 / 695 37 08-0
fax 0 30 / 695 37 08 20
sala-architettura@sbca.de 
www.sbca.de

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Einladung um ein einmaliges Mailing an ausgewählte Adressaten handelt, nicht um einen Newsletter.

Schöne arte-Doku …

Leider liefert die Stadt Paris in diesen Tagen Geschichten, die der Horror sind. Und den Terror und die Trauer, die sich mit ihnen verbinden, will man nicht nach Deutschland kommen sehen. Nirgendwohin. Doch aus Paris hat mich am Wochenende auch eine andere Geschichte erreicht, eine positivere. Arte zeigte in einer vierteiligen Dokureihe mit dem Titel „Nachbarschaftsgeschichten“, wie sich Architektur und Stadtentwicklung in Paris und Berlin seit 1650 wechselseitig beeinflussten, vor allem wie grundverschieden sie sind. Sonntag schaltete ich ein, als der vierte Teil lief, ließ mich aber (gerne) stören durch Family & Co., was zur Folge hatte, dass ich mir heute, am Montag, den vierten, den dritten, den zweiten und auch den ersten Teil (in dieser Reihenfolge und in einem Zug) ansah. Sehr zu empfehlen ist das.

Brandenburger Tor in Berlin. Auch in Paris gab es Schmucktore

Brandenburger Tor früh morgens. Kein Napoleon, nirgends. Auch die Idee, Stadttore zu Schmucktore auszubauen, kam von Paris nach Berlin, wenn auch nicht durch N. (Foto: André Franke)

Am spannendsten: das 20. Jahrhundert. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Albert Speer schon am Zehlendorfer Dächerkrieg in den 20er Jahren beteiligt war. Oder wie „Germania“ konkret mit dem Holocaust zusammenhängt. Auch nicht, dass Florian Hertweck („Der Berliner Architekturstreit“, in Deutsch verfasst) so super französisch spricht. Und nicht, dass das Hansaviertel mit seinen 53 eingeladenen internationalen Architekten und 36 gebauten Häusern im Gegensatz zur Architektur der Karl-Marx-Allee „swingt“, wie es Gabi Dolff-Bonekämper mit den Fingern schnippsend im Film beschreibt.

Mit Schönheitsfehlern

Ein bisschen kurz kommt aus meiner Sicht die Ära der West-Berliner Stadtplanung „Urbanität durch Dichte“. Nach Hansaviertel und Mauerbau macht die Doku dann gleich bei den Hausbesetzungen in Kreuzberg weiter, ohne die Kahlschlagsanierung oder die Entstehung des Märkischen Viertels und der Gropiusstadt zu thematisieren. Auch durfte – begnädigt von arte – die Ruine des Berliner Schlosses zwei Jahre länger stehen bleiben als üblich: nämlich bis 1952. Das will ich nicht auf die Goldwaage legen, aber wenn dort (unter vielen anderen sehenwerten Modellen) auch ein Modell vom zukünftigen Schloss gezeigt wird, an dem der alte Apothekerflügel hängt, dann könnten arte-Zuschauer in ferner Zukunft vielleicht auf die Idee kommen, diesen einzuklagen, denn geplant ist der bekanntlich doch nicht oder?


Teil 1 „Verfeindete Geschwister“ und Teil 2 „Auf in die Moderne!“ sind in der arte-Mediathek zu sehen bis zum 6. Januar 2016

Teil 3 „Gegenüber“ und Teil 4 „Erschütterung“ bis zum 13. Januar 2016

Ökohäuser Landwehrkanal

Wintergarten von Manfred Ruprecht im Ökohaus in Tiergarten: „Das kann man nicht bauen“, sagten die Handwerker zu ihm. (Foto: Manfred Ruprecht)

Selbstbauer sind Abenteurer. Am Montag habe ich einen kennengelernt: Manfred Ruprecht. Er wohnt in den „Ökohäusern“ am Landwehrkanal, die oft der Einfachheit halber dem kürzlich verstorbenen und mit dem Pritzker-Preis geehrten Architekten Frei Otto zugerechnet werden. „Das ist unwahr“, sagte Ruprecht mit leiser Stimme. Und dann hat mir dieser Selbstbauer, Bewohner und Abenteurer erzählt, was es heißt, sich sein eigenes Haus zu bauen. Frei Otto hat zwar die Idee gehabt. Und er hat das Betonskelett gebaut, dass die „Nester“ der Bewohner in seinem „Baumhaus“ trägt. Aber dieser Nestbau und die Abstimmung der Nestbauer untereinander schien die wahre Architekturleistung bei diesem IBA-Projekt von 1987 gewesen zu sein. 38 von ehemals 55 Bewohnern leben noch hier. Mehr dazu in der Herbstausgabe von „Berlin vis à vis“ in einem Artikel, für den ich bei Manfred Ruprecht zu Gast war.


Die holländische Filmemacherin Beate Lendt hat 2011 über die Ökohäuser, über die Bewohner und über Frei Otto eine 60 minütige Dokumentation gedreht („Der Traum vom Baumhaus“). Hier der Trailer …

Zu Frei Otto gibt es in diesem Online-Magazin hier eine umfangreiche Reihe (in Englisch) …

Und hier könnt Ihr eine Rezension des neu erschienenen Buches „Frei Otto. Forschen, bauen, inspirieren“ auf dem Blog Stadtsatz.de lesen …

Buchcover "Selbstbehauptung - Leben in drei Gesellschaften" von Bruno Flierl, Verlag Theater der Zeit, 416 Seiten,  ISBN 978-3-95749-024-7

Buchcover „Selbstbehauptung – Leben in drei Gesellschaften“ von Bruno Flierl, Verlag Theater der Zeit, 416 Seiten,
ISBN 978-3-95749-024-7

Schöner Zufall: Gestern auf der „Osten ungeschminkt“-Tour radelten wir in der Karl-Marx-Allee an einem Fernsehteam vorbei. In ihrer Mitte stand ein etwas gebückter Mann mit grauen Haaren, auf einen Gehstock gestützt. Es war der Architekturkritiker Bruno Flierl, der heute Abend in der Werkbund-Gallerie sein neues Buch vorstellt: „Selbstbehauptung“, heißt es und handelt von seinem Leben in drei Gesellschaften. Der heute 88-Jährige kam nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR, hat 2001 in der Expertenkommission Historische Mitte als Schlossgegner mitgewirkt und auch die Hochhauspläne am Alexanderplatz wegen ihrer Fersehturm-verbauenden Wirkung kritisiert. In einem Interview mit jeder-qm-du.de spricht er über die Geschichte der Plattenbauten und über seine Mitwirkung bei der Wiederbebauung des Pariser Platzes nach der Wiedervereinigung.


Das Vorwort des Buches ist hier beim Verlag Theater der Zeit zu lesen …

Event: heute 19:00 Uhr, Werkbund Gallerie, Goethestraße 13, 10623 Berlin

Brutalistisch mit brutalem Veranstaltungsprogramm: Festivalzentrum von MAKE CITY ist die Tschechische Botschaft am Zietenplatz in Mitte. Bei insgesamt 100 Events hätte bestimmt sogar der Alte Dessauer schlapp gemacht, dessen Statue im Bild steht. Spiegelnd in den Botschaftsfenstern: die Plattenbauten Wilhelmstraße (Foto: André Franke, 2014)

Brutalistisch mit brutalem Veranstaltungsprogramm: Festivalzentrum von MAKE CITY ist die Tschechische Botschaft am Zietenplatz in Mitte. Bei insgesamt 100 Events hätte bestimmt sogar der Alte Dessauer schlapp gemacht, dessen Statue im Bild steht. Spiegelnd in den Botschaftsfenstern: die Plattenbauten Wilhelmstraße (Foto: André Franke, 2014)

Das Gebäude der Tschechischen Botschaft am Zietenplatz in Mitte ist ein Beispiel für brutalistische Architektur. Es wird von heute bis zum 28. Juni zum Zentrum des MAKE CITY Festivals, das mit insgesamt 100 Veranstaltungen, darunter Stadtführungen, Studio-Talks, Urban Hubs, Ausstellungen und Symposien ein echt brutales Programm anbietet. So zum Beispiel:

  • Volkspark 2.0 – Neue urbane Landschaften des Gemeinguts (11.6.)
  • Flussbad Talks#1 – How to empower an Idea (12.6.)
  • WBS 70 – Hinter der Platte – Plattenbau neu entdecken (13.6.)

Hochinteressant ist auch der Umstand, dass genau wenn am nächsten Montag, den 15.6. das erste Fachkolloquium bei der Stadtdebatte „Alte Mitte – neue Liebe?“ zur Neugestaltung des Rathausforums stattfindet, GRAFT Architekten eine Diskussion mit dem Titel „Die Chance der leeren Mitte – Bedeutung und Potenzial des Marx-Engels-Forums“ veranstalten. Mmh, wohin gehe ich? GRAFT scheint mir spannender.

Hier der Link zum gesamten Programm des Festivals … und als pdf-Dokument

Studienbilanz André Franke: So wurde ich Stadtplaner. Weiße Felder = Arbeit am Reflexionsvermögen (Foto: André Franke)

Studienbilanz André Franke: So wurde ich Stadtplaner. Weiße Felder = Arbeit am Reflexionsvermögen (Foto: André Franke)

Das „Schillert“ wieder ein bisschen: Zu welchem Ende studiert man denn bitteschön Architektur? Kommt aus der Uni ein Generalist heraus oder ein Fachmann, Spezialist? – Um diese Frage geht es heute auf dem 2. Hochschultag im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ). Und es ist eine Frage, mit der ich mich auch selber immer wieder beschäftige, obwohl ich kein Architekt bin. Als Stadtführer oder Journalist steht man vor ähnlichen Wegegabelungen. Und als Freiberufler überhaupt vor noch viel grundlegenderen Gesetzen. Interessant sind dahingehend die Thesen, die die Architekten beim letzten, beim 1. Hochschultag erarbeitet haben – damals allgemein zum Thema der Ausbildung von Architekten: Ein integraler Generalismus und komplexes Denken seien zu fördern, steht da. Und meine Lieblingsthese (These III): Verlangsamung und Intensivierung des Studiums. Daraus ein paar Worte:

„Das Studium der Architektur muss Neugierde erzeugen. Studieninhalte und Lehrende sollen Studierende ermuntern, sicher geglaubte Wege zu verlassen und zum experimentellen Suchen nach Räumen, Formen und Situationen einladen. Notwendige Voraussetzung für ein anregendes und freies Studium sind curricular festgelegte Freiräume und ein Lehrverständnis, das experimentelle Lehrformen einschließt. Schon im Studium soll eine Balance zwischen Freiheit und Selbstdisziplin, zwischen Kreativität und Bindung eingeübt werden, damit Architekten in ihrem Berufsleben die sich dynamisch wandelnde Realität mit einem breiten Fundus an Wissen und einem kritischen Denkvermögen immer wieder neu erforschen können.“ (BDA, Bund Deutscher Architekten)

Da war ich doch sehr an mein eigenes Studium erinnert. Siebeneinhalb Jahre hab ich fürs Diplom gebraucht. Als ich mich irgendwann einmal selber fragte: Was habe ich eigentlich gemacht? Kam (abgesehen von Lebensthemen) folgende Bilanz heraus (siehe Foto): 3 Praktika, 4 Projekte, 7 Klausuren, 7 städtebauliche Entwürfe, 10 Referate, 10 Prüfungen und 16 Hausarbeiten, inklusive der Diplomarbeit. Studiumsverzögernd (rote Farbe) war vor allem, dass ich mich nach dem Vordiplom erstmal zurücklehnte und mit dem Jahresprojekt aussetzte, fürs ZDF bis nach Südtirol fuhr und für die tiwi-Show Zelte aufbaute. Freiräume …

Heute also ab 11:00 Uhr im DAZ, Köpenicker Straße 48/49: Spezialist vs. Generalist? Was macht den guten Architekten aus? (Eventende ca. 18:00 Uhr)

Alle Thesen vom 1. Hochschultag hier

Abspannwerk Scharnhorst an der Pankemündung am Nordhafen in Mitte (aus "Fragments of Metropolis Berlin" abfotografiert)

Abspannwerk Scharnhorst an der Pankemündung am Nordhafen in Mitte (aus „Fragments of Metropolis Berlin“ abfotografiert)

Der architektonische Expressionismus ist nicht unbedingt der Architekturstil, der sofort ins Auge sticht. Expressionistisch heißt ja nicht zwangsläufig aufsehenerregend oder spektakulär. Das Buch „Fragments of Metropolis Berlin“ hat mir  jetzt die entsprechende Brille aufgesetzt, sodass ich das Vergnügen hatte, bei einer ganz normalen Mauer-Tour insgesamt 4 Beispiele dieser Epoche „einsammeln“ zu dürfen, zu registrieren: Vom Trafo-Häuschen am Arnimplatz, über die katholische Kirche St. Augustinus in der Dänenstraße sowie das Aspannwerk Scharnhorst an der Pankemündung in den Nordhafen, bis hin zum Fernmeldeamt in der Tucholskystraße in Mitte. Über 130 Gebäude sind im Buch fotografisch dokumentiert und im Stadtplan verortet. Es gehört auch die ehemalige AOK-Zentrale am Köllnischen Park dazu, die zum Projekt „Metropolpark“ gerade umgebaut wird. Genau dort, im Showroom in der Rungestraße 3-5, 10179 Berlin-Mitte, wird das Buch, für das Hans Kollhoff immerhin das Vorwort geschrieben hat, von Niels Lehmann und Christoph Rauhut heute Abend ab 19:00 Uhr präsentiert.

Plattform Nachwuchsarchitekten suchen für ihren diesjährigen Plattformpreis Vorschläge zu fragwürdiger Architektur in Berlin im Bereich Wohnen. Mein Vorschlag: das für Studenten gebaute Containerdorf am Plänterwald in der Eichbuschallee 51 in Treptow. Aus später einmal insgesamt 412 ausgedienten, übereinander gestapelten Schiffscontainern stellt Investor Jörg Duske mit dem Projekt „Franky & Johnny“ comfortablen, der deutschen Baunorm entsprechenden Wohnraum für Berliner Studenten her und baut damit auch ein Stück Stadt. Fragwürdig daran ist für mich:

  1. Ist das schon Städtebau oder einfach nur herzlos?
  2. Wie wegweisend wird das Bauen in Modulen bei Erfolg des Projekts für Berlin an anderen Orten in der Zukunft sein?
  3. Warum leisten sich die Studenten für die 14 Euro pro Quadratmeter, die sie für den Container zahlen, keine herkömmliche, frisch sanierte Berliner Dachgeschoss-Wohnung in den innerstädtischen Gründerzeitvierteln?

20 von insgesamt 412 Containern sind schon gebaut. Jeden Samstag finden Führungen statt, bei denen man die Wohnungen besichtigen kann.

Containerdorf in der Eichbuschallee 51: modular wie Plattenbau, aber hochflexibel, Juli 2014

Containerdorf in der Eichbuschallee 51: modular wie Plattenbau, aber hochflexibel, Juli 2014

 

In einem Leserbrief des aktuellen “Spiegel” reagiert Berlins Ex-Senatsbaudirektor Hans Stimmann auf einen Artikel von Georg Diez, der in der vorletzten Woche (Spiegel Nr. 12) gegen Berlins neue Architektur wetterte und die Verantwortung für “fade” Fassaden und den “Lego-Klassizismus” Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit höchstpersönlich in die Schuhe schob. Stimmann entlastet Wowereit und schreibt, die Verantwortung für die “ästhetischen Sünden” ruhe auf vielen Schultern.

In der Tat klingt es märchenhaft, was Georg Diez da vom Stadtoberhaupt erwartet: “Ein Bürgermeister sollte ein Bild von seiner Stadt haben, das er den Bürgern vermittelt, er sollte zeigen, was er will und was er nicht will (…) als wäre das nicht seine Aufgabe, gestalterisch zu wirken.” Ist es auch nicht. Zum Glück nicht. Es ist ja nicht seine Stadt.

Aber wie abwegig der Gedanke von der stadtbildprägenden “Wurstigkeit” Wowereits ist, wird in der Verschiedenartigkeit der angeführten Bauprojekte schnell klar. Eine Aufzählung: Hauptbahnhof, Bahnhofsvorplatz mit Hotelbauten, Trampelpfad am Spreebogen, Kanzleramt, O2-Arena, Zoofenster, East-Side-Gallery, Flughafen, Steglitzer Kreisel, Schloss, Alexa, Rathausforum, Yoo, Kronprinzengärten, Total Tower, Holzmarkt. Diez wirft der Stadt “ästhetischen Opportunismus” vor, scheint seine Beispiele aber selber opportunistisch auszusuchen. Allein der “vom Himmel gefallene” und “unelegante” Hauptbahnhof: Er wäre elegant, wenn sein Ost-West-Dach zu Ende gebaut worden wäre. Das Land Berlin, hat die Deutsche Bahn dafür immerhin verklagt, wenn auch nicht aus ästhetischen Gründen und ohne Erfolg.

Das Yoo und die Kronprinzengärten sind für Georg Diez Anzeichen einer “Russifizierung” von Mitte und einer “fortschreitenden Anästhesierung der Innenstadt”, die Fassaden des Investorenstils “von erschlagender Feigheit”. Er wundert sich, dass in Berlin “nichts Berauschendes” mehr gebaut würde und empfiehlt der Stadt Unter den Linden eine Art “Gegenwartsschock”.

Dass man die Rasterfassaden aus Naturstein mit ihrer Fifty-Fifty-Balance aus Fenster- und Fassadenfläche öde finden kann, ist gar keine Frage. Aber eine bessere wäre die: Ist das wirklich Opportunismus oder ist es gewollt und Programm?

Als es im Jahre 2010 am Center for Metropolitan Studies der TU Berlin bei einem Workshop um die Fortschreibung des Planwerks Innenstadt ging, meldete sich auch Manfred Kühne von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu Wort. In einem Nebensatz, aber sehr überzeugend, sprach er von sich selbst als einen “Stimmann-Schüler”. Der heutige Leserbriefschreiber hat in der Verwaltung seine Spuren hinterlassen, seinen Geist, obwohl er zum Zeitpunkt des Workshops schon seit vier Jahren kein Senatsbaudirektor mehr war.

Die Stadt gehört den Sesshaften, denjenigen, die bleiben, wenn die Verantwortlich-Wechselnden gehen. Und sie gehört denen, die jene Sesshafte für ihre Ideen entflammen können, wie Stimmann. Aber ein Bürgermeister? In einer Metropole wie Berlin ist er bestimmt zu weit von der Verwaltung entfernt. Das müsste schon ein sehr großer Funke sein, der da überspringen könnte. Die “Wurstigkeit”, die keine ist, scheint also wirklich den falschen Namen zu tragen.