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— Mitteilung der Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) —

Bebauung in Anlehnung an den historischen Grundriss (GHB)

Bebauung in Anlehnung an den historischen Grundriss (GHB)

Das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Gestaltung der Historischen Mitte im Auftrag des Senats ging mit der Abschlussveranstaltung am 28. November 2015 zu Ende. An den Veranstaltungen nahmen nur wenige Berliner teil. Die mehrheitlich anwesenden Kiezbewohner engagierten sich für eine Beibehaltung der Freifläche und dominierten mit Unterstützung der Moderation Zebralog, der Verwaltung und einiger aktiver Politiker die Veranstaltungen. Städtebauliche Visualisierungen waren als wichtiges Mittel der visuellen Kommunikation in Architektur und Stadtplanung unerwünscht. Die Verwaltung, vertreten durch die Senatsbaudirektorin, griff wiederholt lenkend ein und ordnete die Diskussion anhand eines „weißen Blatt Papiers“, ohne jegliche visuelle Unterstützung, an.

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Eine offene Diskussion, im Plenum einer jeden Veranstaltung üblich, wurde durch die Moderation weitestgehend unterbunden. In der Abschlussveranstaltung wurden 10 Leitlinien verkündet, die der Meinung der Kiezbewohner entsprachen. Die Minderheitsmeinung – ein Plädoyer für eine Teilbebauung – wurde nicht erwähnt.

Unter der Nennung der 10 Leitlinien wird das Ergebnis demnächst von der Verwaltung dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden.

Die 4 großen Bürgervereine in der Historischen Mitte tragen wegen der dominanten Lenkung der Stadtdebatte durch die Senatsverwaltung und wegen der mangelnden Neutralität der Moderation sowie wegen der aktiven Einflussnahme der Politiker aus der Partei Die Linke das Ergebnis nicht mit.

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Blick auf den Rathausplatz, Ort der Demokratie (GHB)

Mit einem gemeinsame Schreiben werden sich die GHB und drei uns befreundete Bürgervereine an die Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses wenden, in dem die Vereine zum Ausdruck bringen, dass sie das Ergebnis des gelenkten Bürgerbeteiligungsverfahrens für nicht geeignet halten, um als Vorlage für weitere Beschlüsse zu dienen.

Hier zeigen wir auszugsweise einige Planungsvorschläge der GHB, die nur in sehr eingeschränktem Maße auf einer Veranstaltung des Bürgerbeteiligungs-verfahrens gezeigt werden konnten.


Mittwoch, 27. Januar 2016 um 18:30 Uhr

Vortrag: Dr. Benedikt Goebel – 40. Lichtbilderabend: St.-Wolfgang-Straße

Anmeldung bitte bei Herrn Goebel unter: stadtkern@berlin.de


Mittwoch, 17. Februar 2016, 19:00 Uhr

Vortrag: Dipl. Ing. Horst Peter Serwene – Die Friedrich-Wilhelm-Stadt

Sie ist die jüngste Gründung (1830) der Berliner Vorstädte innerhalb der Akzisemauer. Die beginnende Industrialisierung (Invalidenstraße) und die Entwicklung der Charité zur Universitätsklinik beförderten ihren Aufstieg. Heute liegt die Friedrich-Wilhelm-Stadt direkt am Regierungsviertel (und wird sogar ein Teil davon). Immer mehr wird das Quartier Standtort für Kultur, Geschäftsräume, wissenschaftlichen Institute und Wohnungen. Auch die vielen Bauten aus der klassizistischen Gründungsphase (Marienstraße) belegen die Attraktivität des Viertels.

Ort: Zentral- und Landesbibliothek, Breite Str. 30-36, Berliner Saal

 

Da haben wir den Salat auf dem Rathausforum: Bei der heutigen Ted-Abstimmung in der „Stadtdebatte“ werde ich meine Schwierigkeiten haben, für oder gegen These Nr. 14 zu voten:

„Die Marienkirche soll durch eine Bebauung räumlich gefasst werden. Sie braucht einen gestalteten Vorplatz und muss zur Karl-Liebknecht-Straße besser abgeschirmt werden.“

Zwangsläufig gegen Rettungsschirm

Den Rettungsschirm gegen den Straßenverkehr gönne ich ihr ja. Auch den Vorplatz. Aber nach Süden soll sie doch frei bleiben. Also stimme dagegen. Anders bei These Nr. 1:

„Die Berliner Mitte soll ein Ort für alle sein, an dem verschiedene Nutzergruppen sich wohl fühlen, sich begegnen und entsprechende Angebote finden.“

Die ist im Grunde ganz schöner Quark. Wer kann dazu schon Nein sagen? Ich wette, diese These (die keine ist), erreicht bei der Abstimmung nahezu hundert Prozent. Vielleicht erdreisten sich Protestler und stimmen aus Prinzip dagegen.

mendelssohn-Denkmal Rathausforum

Das neue Moses-Mendelssohn-Denkzeichen von Micha Ullmann auf dem Rathausforum unweit der Marienkirche (Foto: André Franke)

Es ist das sogenannte Halbzeitforum, das heute ab 14:00 Uhr im bcc am Alexanderplatz stattfindet. 15 Thesen sind das Zwischenergebnis der Beteiligung, die seit April läuft und bis zum Dezember weitergeht. Wie, das entscheidet auch der TED heute. Und ob überhaupt, das war zwischenzeitlich auch befürchtet worden, nach dem Fachleute das Beteiligungsformat als Farce bezeichneten.

Also was bringt die Halbzeit?


Hier alle 15 Thesen im Überblick …

Masken tanzen am vielschichtigen Ort des Rathausforums (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Masken tanzen am vielschichtigen Ort des Rathausforums (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Es ist wohl das Format, unter dem sich die Wenigsten Genaueres vorstellen können. Partizipatives Theater wird heute im Rahmen der Stadtdebatte „Alte Mitte – neue Liebe?“ auf dem Rathausforum gespielt. Immer zur vollen Stunde von 15:00 Uhr bis 19:00 Uhr wird es zwischen Fernsehturm und Marx-Engels-Denkmal an der Liebknechtstraße Vorführungen der Berliner Gruppe Grotest Maru geben. Die Schauspieler werden offenbar diverse Berliner Typen verkörpern und eine Zeitreise durch die Geschichte der Mitte veranstalten. Eckensteher Nante hat sich für den Event angemeldet (unklar, an welcher „Ecke“ der rumhängen will). Auch Otto Lilienthal und ein echter Spreefischer treten auf. Und: Die Bauarbeiter der Republik (gemeint ist die untergegangene Deutsche Demokratische) kommen zurück und wollen laut Programmankündigung mal wieder nach dem Besten schauen, vermutlich ob der große Turm noch was taugt. Keine Sorge, denn das tut er! Was dagegen das Theater für die Debatte taugt, wird sich zeigen.

Mit Highspeed durch Alt-Cölln. "Psst, Sie gehen über einen Friedhof!" (Foto: André Franke)

Mit Highspeed durch Alt-Cölln. „Psst, Sie gehen über einen Friedhof!“ (Foto: André Franke)

Die „Planungsgruppe Stadtkern“ im Bürgerforum Berlin e.V. hat eine Sammlung „Argumente für die Mitte“ herausgebracht. Sie will damit die Debatte ums Rathausforum versachlichen und alle Teilnehmer des Partizipationsprojekts „Alte Mitte – Neue Liebe?“ auf die Diskussionsveranstaltungen im Sommer vorbereiten. Dabei geht es der Initiative aber nicht nur um das Rathausforum, sondern um das gesamte Gelände der Berliner Altstadt. Die Argumente richten sich auf diverse Themen, wie zum Beispiel „Geschichtsvergessenheit“, „DDR-Bauerbe“ oder (und aus diesem Abschnitt sei hier zitiert) „Hauptproblem Autoverkehr“:

„Nicht nur die isolierte Betrachtung zerreißt die Stadt. Der große Freiraum ist momentan auch räumlich isoliert von den übrigen Teilen des Stadtkerns und nicht zuletzt dadurch eine städtebauliche Ödnis. Aber auch das Klosterviertel und der Bereich um die Rosenstraße sind durch große Verkehrsstraßen zu Inseln im Verkehrsmeer, Alt-Kölln zum Transitraum geworden. Sowohl die Verbindungen innerhalb des Stadtkerns als auch die Vernetzung mit den angrenzenden Vierteln wird durch die Dominanz überdimensionierter Verkehrsstraßen verhindert.

Die den Stadtkern zerteilenden Verkehrsachsen, allen voran die autobahnartige Gertraudenstraße – Mühlendamm – Grunerstraße, aber auch die Spandauer Straße und die Karl-Liebknecht-Straße – werden bislang nicht in Frage gestellt. Und dies, obwohl seit 20 Jahren das Zielverhältnis von öffentlichem zu Individualverkehr für die gesamte Innenstadt mit 80 zu 20 angegeben wird, die S-Bahn und BVG Fahrgastzuwächse in Millionenhöhe haben und der Motorisierungsgrad in Berlin weniger als 50 Prozent beträgt.

Dass eine Stadt europa- und weltweiter Bedeutung wie Berlin noch kein schlüssiges Konzept für die Verkehrsentwicklung in seiner Innenstadt erarbeitet hat, kommt einem Skandal nahe. Während alle europäischen Hauptstädte (London, Paris, Madrid etc.) sich darum bemühen, ihre Innenstädte im umweltschonenden wie bürgernahen Sinn zu revitalisieren und Konzepte erarbeiten, wie der übermäßige Individualverkehr der PKW (MIV) kanalisiert und begrenzt werden kann, verzichtet Berlin darauf. Keine andere Metropole leistet sich eine derart vom Auto dominierte und stadtzerstörende Verkehrsplanung in ihrem historischen Kern.“

Genau mit diesem Thema geht heute Abend übrigens die Fortbildungsreihe zur „Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Berliner Stadtkerns“ weiter. Verkehrsplaner Bodo Fuhrmann beleuchtet die aktuelle und geplante Verkehrssituation auf dem Gebiet von Alt-Berlin und Alt-Cölln. Es folgen drei weitere Termine in der Reihe im Juni (genauere Infos hier).


Ort: Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), Breite Straße 36, Berlin-Saal im 2. OG 

Zeit: 18:30 Uhr

Alle „Argumente für die Mitte“ des Bürgerforums Berlin e.V. hier in diesem Dokument

Heute Abend endet der Online-Dialog der Stadtdebatte „Alte Mitte – Neue Liebe?“ für das Rathausforum in Mitte. Auch ich habe meinen Senf dazugegeben, wenn auch erst gestern. Die Ergebnisse der ersten Phase der Stadtdebatte werden am 5. September präsentiert. Danach folgt ein zweiter Online-Dialog. Nicht zu vergessen, finden bis dahin zahlreiche weitere „Präsenzveranstaltungen“ statt, zum Beispiel Stadtführungen und Theater. (Die Termine gibt es am Schluss dieses Artikels hier.) Insgesamt haben die Leute nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mehr als 1.800 Beiträge geschrieben.


Und so habe ich mich beteiligt …

Zur „Aufenthaltsqualität“:

Freie Kirche, sprudelnd Wasser, grünes Dach

Für mich sind und teilweise waren (wegen der Baustellen) die folgenden Elemente des Rathausforums von (Aufenthalts-)Qualität: die frei stehende Marienkirche, die uns großzügig nach Süden hin Raum und Zeit gibt, sie zu betrachten (die Füße laufen, der Blick bleibt am Bau haften); der Neptunbrunnen in der Platz-Mitte als Wasseroase, in den die Leute, grade Kinder einfach reinsteigen und Spaß haben; und die voluminöse Begrünung des Marx-Engels-Forums (bevor es eine Baustelle wurde), die es ermöglichte, im Hochsommer sich in den Schatten setzen zu können. Weder auf dem Lustgarten, noch am Neptunbrunnen, auch nicht auf dem Alexanderplatz finden wir: Schatten!


Zur „Bedeutung des Ortes“:

Eine ganze Armada von Bedeutungen

Der Ort bedeutet vieles. Die über 700-jährige Stadtgeschichte muss hier unbedingt kommuniziert werden, auf welche Weise auch immer. Andererseits handelt es sich bei dem Rathausforum (in engerem Sinne zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm) funktional erstmal um einen Stadtplatz, der im Bereich Neptunbrunnen temporär auch als Marktplatz (Weihnachtsmarkt) und Veranstaltungsort genutzt wird. Das Marx-Engels-Forum (als Teil des Rathausforums) funktioniert dagegen erstens als parkähnliche Grünfläche und zweitens als Gedenkort (mit dem Marx-Engels-Denkmal). Drittens übernimmt es mit der Anlegestelle für die Spreeschifffahrt eine besondere (Wasser-)Verkehrsfunktion. Das sind zusammen schon mal sechs verschiedene Nutzungsaspekte. Als dritte große Bedeutung kommt diesem Ort eine Kommunikationsaufgabe auf der Ebene der Berliner Stadtplanung zu, die er in den 90er Jahren beim Planwerk Innenstadt nicht bewältigen konnte, zumindest ohne Ergebnis war.


Zum „Umgang mit der Geschichte des Ortes“

Geschichte ist ein Muss – aber bitte mit Sternchen

In der zukünftigen Gestaltung des Rathausforums sollte jede Geschichtsepoche Berücksichtigung finden. Da können wir uns ironischerweise ausnahmsweise mal eine Scheibe von Gunther von Hagens Körperwelten abschneiden: die Vielschichtigkeit ist doch das Interessante an dem Ort. Den Schlossfehler jenseits der Spree, sich für eine einzige Epoche (die des Barock) zu entscheiden, sollten wir vermeiden. Und dann gibt es aber auch Fallstricke: Das Luther-Denkmal, das ja zurück vor die Kirche kommt, sollte zur Mitte des Platzes hin ausgerichtet werden, nicht zur Karl-Liebknecht-Straße. Und das Marx-Engels-Denkmal sollte nicht zum Fernsehturm, sondern zur Spree hin aufgestellt werden, damit es die Fahrgäste auf den Spreeschiffen sehen können. (Außerdem könnte man das auch als den letzten sozialistischen Gruß in Richtung Palastabriss interpretieren.) – Was ich meine, ist also, das die Geschichtserinnerung sich in den Ort der Gegenwart auch einpassen lassen sollte.


Und bei „Lob und Kritik“:

Zweifel am Konzept

Was ich bei der Auftaktveranstaltung sehr schade fand, war, dass ich die Living Library nicht besuchen konnte, weil ich an einer Stadtführung teilnahm. Ansonsten bin ich skeptisch geworden, ob für eine fruchtbare Debatte am Ende die Zeit reicht, wenn wir erst im Herbst mit der geplanten Ausstellung alle auf optimalem Informationsstand bezüglich der Planungsgeschichte des Ortes seien werden.


zur website der Stadtdebatte und damit zum Online-Dialog geht´s hier …

Die Stadtdebatte Rathausforum ist ein Experiment, bei dem verhindert wird, dass die Fetzen fliegen. Dies gerade zuzulassen, wäre allerdings auch eins …

Neptunbrunnen und Marienkirche auf dem Rathausforum 2015: Siamesische Zwillinge, die nicht getrennt werden sollten, finde ich (Foto: André Franke)

Neptunbrunnen und Marienkirche auf dem Rathausforum 2015: Siamesische Zwillinge, die nicht getrennt werden sollten, finde ich (Foto: André Franke)

Ganz ohne Bilder und Geschichte heranzugehen, das klang am Anfang spannend. Drei Wochen nach der Auftaktveranstaltung der Stadtdebatte „Alte Mitte, neue Liebe?“ glaube ich nicht mehr daran, dass dieser Weg der Partizipation erfolgreich sein wird. Aus Zeitgründen. Bis zum 18. Mai läuft noch der Online-Dialog. Dann folgen Kolloquien, Theater und Bürgerwerkstatt. Erst Ende Juni können wir uns in einer Ausstellung über die Hintergründe und (Planungs-)Geschichte des Ortes informieren. Es sollte anders herum sein!

Stadtdebatte: Neptun ist Kirche - zumindest farblich. Solche Stadtbilder sind doch eine Qualität. Aber man kann sie verhandeln, da es auch andere Qualitäten geben könnte (Foto: André Franke)

Neptun ist Kirche – zumindest farblich. Solche Stadtbilder sind doch eine Qualität. Aber man kann sie verhandeln, da es auch andere Qualitäten geben könnte (Foto: André Franke)

Statt die Debatte von der neutralen Mitte aus in Richtung der Extreme zu entwickeln, fände ich es toll, wenn wir bei den Extremen anfangen dürften und uns diskursiv auf die Mitte zu bewegten. Es gibt zuviel zu vermittelndes Wissen und zuviel Varianten, mit denen die Kontroverse zwischen Freiraum- oder Bebauungplanung ausdifferenziert und ausbalanciert werden könnte. Ein Beispiel am Stadtbild-Paar Marienkirche-Neptunbrunnen: Ich stehe auf die freistehende Marienkirche und ich will, dass der Neptun bleibt, wo er ist. Aber ich würde den Neptun an den Schlossplatz ziehen lassen, wenn mir die „Freunde der Dichte“ den freien Blick auf die Südseite der Marienkirche gewähren und dort auf Bebauung verzichten. Andersherum stimmte ich (als „Freund der Weite“) einer umfassenderen Umbauung der Kirche zu, wenn Neptun dableiben könnte und zumindest der Blick auf das „siamesische Stadtbild“ gewahrt bliebe (siehe Foto).

Stadtdebatte „Unterhaus“

Das passende Format für eine Stadtdebatte, die von außen nach innen geführt wird, hätte ich auch schon gefunden: Wir setzen uns in einen großen Saal, die „Freunde der Dichte“ (übrigens eine sehr schöne Bezeichnung der Kontrahenten von einem Kollegen von mir) auf der rechten Seite, die „Freunde der Weite“ auf der linken. Alle, die unwissend, unentschieden oder in herausragender Weise zu Kompromissen bereit sind, nehmen Platz an der Kopfseite der Sitzordnung. Und dann gibt es eine Stadtdebatte, die sich gewaschen hat – ausgehend von 100-prozentiger Information. Beide Seiten präsentieren zu Beginn ihre Idealpläne. Dann fliegen die Argumente. Alles wird dokumentiert. Die Prozedur wird wiederholt. Wieder und wieder. Bis zum Herbst. Oder Dezember. Dann sitzen viele an neuen Plätzen. Und vielleicht sogar an einem Tisch.

Affront gegen die Stadtdebatte? Open-Air-Ausstellung „Mitte! 150 Jahre Transformation des Berliner Stadtkerns 1865-2015“ auf dem Rathausforum, Nähe Neptunbrunnen, April 2015 (Foto: Bürgerforum Berlin e.V.)

Open-Air-Ausstellung „Mitte! 150 Jahre Transformation des Berliner Stadtkerns 1865-2015“ auf dem Rathausforum, Nähe Neptunbrunnen, April 2015 (Foto: Bürgerforum Berlin e.V.)

Vor diesem Hintergrund ist der Vorstoß des Bürgerforums Berlin mit der Ausstellung „Mitte! 150 Jahre Transformation des Berliner Stadtkerns 1865-2015“ am Neptunbrunnen mindestens äußerst hilfreich. Frank aus Reinickendorf schaute ziemlich perplex drein, als ich ihm auf der Zukunft-Berlin-Tour letzten Sonnabend sagen musste, dass es eine informierende Ausstellung mit Bildern und Plänen zur Geschichte des Rathausforums im Rahmen der offiziellen Stadtdebatte Rathausforum nicht gibt. Die vielzitierte „Ergebnisoffenheit“ hat also ihre Tücken.

Und so geht´s weiter… (Die Termine sind auch im Futurberlin-Eventkalender zu finden):

  • bis 18. Mai: Online-Dialog auf stadtdebatte.berlin.de
  • 15. Juni: Erstes Fachkolloquium
  • 22. Juni: Zweites Fachkolloquium
  • 26. Juni: Partizipatives Theater
  • 27. Juni: Bürgerwerkstatt
  • anschl. bis 10. September: Ausstellung
  • Sommer: Erkundungstouren
  • 5. September: Halbzeitforum
  • anschl. bis Dezember: Zweite Dialogphase (mit ähnlichen Formaten)

Mehr zum Rathausforum: Text „Der Turm kippt zur Spree – städtebauliche Qualitäten im Schatten des Fernsehturms“ (2009)

"Grenzsteine" des Rathausforums: die Marienkirche (links), die Rathauspassagen (hinten). Vermittelndes Grün, das es heute schon nicht mehr gibt. (Foto: André Franke, Sommer 2014)

„Grenzsteine“ des Rathausforums: die Marienkirche (links), die Rathauspassagen (hinten). Vermittelndes Grün, das es heute schon nicht mehr gibt. (Foto: André Franke, Sommer 2014)

Ist das nicht ein passables Stadtbild? Marienkirche, Rathauspassagen, Grün. In beiden Gebäuden finde ich den gleichen Farbton. Die Feldsteine der Kirche erreichen aus dieser Sicht die Größe der Fenster der entfernten Passagen. Die Bäume vermitteln zwischen altem und jungem Gebäudestein. Ich finde diese Momentaufnahme schön! Aber es ist eben ein Bild, das einen Rahmen hat. Geht man ein paar Schritte weiter oder zoomt sich raus, sieht es schon wieder ganz anders aus, und überwältigt von den riesigen Dimensionen verliert man den Blick fürs Detail. Oder man verliert ihn, weil es auf dem Rathausforum mittlerweile drunter und drüber geht. Die Kirche verschwand hinterm Bauzaun, die Bäume gleich komplett. Und die Rathauspassagen sind seit Jonny K. für viele ein Angst-Raum. Das wurde auch am Sonnabend bei der Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung gesagt. Spätestens bei diesem Thema wird einem klar, dass es bei der Gestaltung des Rathausforums nicht nur um Ästhetik geht, sondern auch um einen Ruf.

Mehr zum Rathausforum: Text „Der Turm kippt zur Spree – städtebauliche Qualitäten im Schatten des Fernsehturms“ (2009)

Rathausforum 1987: offen, grün, rechts mit Marx-Engels-Forum, Spree und Palast der Republik ("Erst mal kucken in Berlin": Kinderbuchverlag Berlin, 1987)

Rathausforum 1987: offen, grün, rechts mit Marx-Engels-Forum, Spree und Palast der Republik („Erst mal kucken in Berlin“: Kinderbuchverlag Berlin, 1987)

Nicht, dass ich danach gestöbert hätte. Das Buch stand einfach da, neben der Holztreppe in der Garderobe der Kita meiner Tochter. Ein Kinderbuch, dessen Inhalt mittlerweile ein wenig überkommen ist. „Erst mal kucken in Berlin“, heißt es. Und schlage ich es in der Mitte auf, entfaltet sich die Mitte Berlins, die Mitte der Hauptstadt der DDR, vom Fernsehturm bis zur Spree. 1987 vom Kinderbuchverlag gedruckt, zeigt es genau das Terrain des „Rathausforums“, über das wir heute diskutieren wollen: auf der Auftaktveranstaltung zur Stadtdebatte „Alte Mitte – neue Liebe?“ Und das ist das Programm:

Programm Auftaktveranstaltung Stadtdebatte am 18. April 2015 im bcc (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Programm Auftaktveranstaltung Stadtdebatte am 18. April 2015 im bcc (Bildnachweis: Icons/ Zeichnungen © Anna-Lena Schiller)

Ab 13:00 Uhr geht´s los im „bcc Berlin Congress Center“, Alexanderstraße 11, 10178 Berlin (S+U-Bhf Alexanderplatz)

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