— Bericht —

Die City West nimmt ein neues städtebauliches Projekt in Angriff: den Ernst-Reuter-Platz. Gestern fand dazu eine erste Standortkonferenz statt, bei der Architekten, Stadtplaner, Immobilienhändler, die Senatsverwaltung für Stadtenwicklung, aber vor allem auch Studenten der Technischen Universität (TU) und der Universität der Künste (UdK) sich gegenseitig über den gegenwärtigen Zustand und die potenzielle Zukunft des Platzes informierten. Die öffentliche Veranstaltung wurde vom Regionalmanagement CITY WEST durchgeführt und fand im Architekturgebäude der TU statt, einem der Häuser am Platz. Das Treffen soll der Auftakt für eine Reihe weiterer Strategiegespräche und Konferenzen im nächsten Jahr sein.

Der Ernst-Reuter-Platz wird heute vor allem als Kreisverkehr wahrgenommen. Um auf die Mittelinsel zu gelangen, geht der Fußgänger durch einen unterirdischen Tunnel, ähnlich wie bei der Siegessäule am Großen Stern. Die Gebäude an dem weiträumigen Platz sind in der Nachkriegzeit im Geist der städtebaulichen Moderne errichtet worden. Sie stehen zum Teil als Einzeldenkmale, aber auch als Gesamtanlage unter Denkmalschutz; sogar die Platzfläche ist laut Denkmalkarte der Senatsverwaltung als Gartendenkmal geschützt. Architekturprofessor Harald Bodenschatz von der TU sieht den Ernst-Reuter-Platz deswegen regelrecht „gepanzert mit Denkmalschutz“.

Die Nachkriegsmoderne mache denn auch die Identität des Ortes aus, wie Andreas Schulten, Büroimmobilienanalyst der BulwienGesa AG betont. Sie dürfe auf keinen Fall zerstört werden. Schwierig aus seiner Sicht sei die Konkurrenzsituation zu Berlin-Mitte. Die höchsten Büromieten (22 – 25 Euro pro Quadratmeter) würden aktuell am Sony Center, Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße, aber auch in der Spandauer Vorstadt gezahlt, aufgrund von entsprechender Nachfrage. Der Ernst-Reuter-Platz konkurriere insbesondere mit Unter den Linden, „wo die Humboldt-Universität ein Schloss an die Seite gesetzt kriegt“, sagte Schulten.

Studenten der am Platz beheimateten Universitäten verdeutlichten mit ihren präsentierten Projekten, dass die Auseinandersetzung mit dem denkmalgeschützten Ort eher auf künstlerisch-funktionaler, statt auf baulich-räumlicher Ebene stattfinden könnte. Vorgestellt wurden das Projekt „Kreislaufstadt: Loop City“ (TU, Institut für Stadt- und Regionalplanung, Fachgebiet Städtebau und Siedlungswesen), das Projekt „Roundabout“ (TU, Institut für Architektur, Fachgebiet Bildende Kunst) und das Projekt „Klangumwelt Ernst-Reuter-Platz“ von Annette Matthias und Thomas Kusitzky.

Die beiden Studenten forschen an der UdK zum Thema Auditive Architektur und wollen aus dem Verkehrsraum Ernst-Reuter-Platz einen Lebensraum machen. Sie haben die Akustik des Ortes ein Jahr lang erfasst und ausgewertet, dann darauf aufbauend ihre Ideen entworfen: Matthias und Kusitzky verordnen dem Kreisverkehr eine „Generalpause“. Mit direkten Fußwegen in die Mitte des Platzes wollen sie seine „Zirkularität brechen“. Dazu synchronisieren sie die Ampelschaltung für den Autoverkehr auf einen Generalstopp. Eine weitere „Transformationsmaßnahme Ruhewiese“ sieht die topografische Anhebung der Mittelinselränder um ca. einen Meter vor, was den Verkehrslärm abhalten soll. Und transparente Pavillons zum gleichen Zweck stehen vor den Eingangsbereichen der modernen Höchhäuser, senden selbst Klänge aus als Kontrastprogramm.

Für Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ist die Standortkonferenz ein voller Erfolg, sie lobt den Entwicklungsprozess. Mit den Leitlinien für die City West und dem Masterplan Universitätscampus City West habe der Senat 2009 einen Schneeball geworfen, den die lokalen Akteure erfolgreich aufgenommen hätten. Sie könne sich auch vorstellen, den Ernst-Reuter-Platz als Ort für die IBA 2020 einzubeziehen. Zuletzt zeigte sie sich sehr beeindruckt von Charlottenburg-Wilmersdorfs stellvertretenden Bezirksbürgermeister Klaus-Dieter Gröhler. So freundlich hätte er sie noch nie begrüßt, sagte sie. (Futurberlin)

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