Zu kuschelig fürs Rathausforum? – Zeit für ein Jahr Streit im neuen Dialog um die Mitte und dann: Finito

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3. Juni 2014

Andries GeerseIn Mitte wird jetzt verbindlich über die Zukunft des Rathausforums diskutiert, der Großfläche zwischen Spree und Fernsehturm. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat einen Dialogprozess angestoßen, der im Juli beginnen und im April 2015 abgeschlossen werden soll. Sie berichtete bereits im Mai darüber bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Jetzt ist eine komplette Aufzeichnung davon im Livestream verfügbar.

Darin berichtet Stadtplaner Andries Geerse aus Rotterdam (Bild oben) lebhaft von seinen Erfahrungen mit Beteiligungsformaten und belächelt das “typisch deutsche” Handbuch der Partizipation der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dem Publikum sind die Projekte von Geerse aber zu “kuschelig”, wie jemand sagt. Die Realität am Rathausforum sei eine andere. Manchem ist auch die Zeit für den Dialog von nur einem Jahr zu knapp.

Ein externer Dienstleister soll zunächst die Struktur des Dialogsprozesses entwerfen, die “Prozessarchitektur”, wie Lüscher sagt. Ein bereits eingerichtetes Kuratorium mit Anrainern und Experten soll den Prozess dahin gehend überwachen, dass er transparent und ergebnisoffen geführt wird. Es soll aber nicht inhaltlich arbeiten; das sollen diejenigen, die sich beteiligen.

Bernd Albers RathausforumAm Ende entscheidet über das Ergebnis des Dialogs das Abgeordnetenhaus. Noch 2015 soll auf der Grundlage des Dialogergebnisses ein Wettbewerb ausgelobt werden. Drei Grundrichtungen zeichnen sich ab: eine Bebauung (wie im Bild links nach einem Entwurf von Bernd Albers), eine Teilbebauung oder eine Freiraumgestaltung. Um bisher alle Varianten offen zu halten, steht im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU entsprechend nichtssagend:

“Die Gestaltung des Rathausforums ist eine große Chance, das Areal zwischen Alexanderplatz und Humboldtforum nachhaltig zu beleben. In der konkreten Ausgestaltung wollen wir, dass die richtige Balance gefunden wird, zwischen der Sensibilität für die historische Gestalt der Berliner Altstadt, einer möglichen baulichen Entwicklung und der Bewahrung bzw. Qualifizierung grün geprägter städtischer Freiräume. Auf dieser Grundlage soll ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt werden.” (Seite 27)

Die nächste Veranstaltung der FES zu dem Thema wird am 15. September sein. Im November gibt es eine Zwischenbilanz. Wann und wo man sich genau einbringen kann, ist im Moment noch offen. Katrin Lompscher (Die Linke) forderte bei dem FES-Event zumindest, den Dialog dahin zu verorten, wo er hingehört – ans Rathausforum.


Die Projekte von Andries Geerse auf http://www.welovethecity.eu/en/office

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