„Nolle“ unter die Lupe genommen

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18. März 2012

— Fotostory —

Wie am 9. März berichet, soll der Nollendorfplatz umgestaltet werden. Wie der Platz und sein Umfeld in Schöneberg heute aussehen und was genau sich die Studenten der Landschaftsarchitektur an der TU Berlin bei ihren Entwürfen vorstellen – Futurberlin präsentiert fünf der insgesamt 14 Entwürfe neben einer fotografischen Bestandsaufnahme in der folgenden Fotostory.

Die von Westen einfahrende U-Bahn „klettert“ den Bahnhof rauf. Immerhin vier U-Bahnlinien (U1, U2, U3, U4) verkehren über den Nollendorfplatz. Im Hintergrund das „Goya“, heutige Eventlocation, historischer Theaterbau, führt in die Motzstraße.

 

Der oberirdische Teil des Bahnhofs von Süden aus der Maaßenstraße betrachtet. An seiner westlichen Seite die in der Nachwendezeit wiedererrichtete Kuppelkonstruktion.

Der Bahnhof von Norden her gesehen, Einem-Str./Ecke E.-Lasker-Schüler-Str.

Aus der Einemstraße gesehen: Der Platz funktioniert als Verkehrsknotenpunkt, nicht nur für den U-Bahnverkehr, sondern auch für den Kfz-Verkehr. Die Straßenführung wurde in den 70er Jahren im Sinne der „autogerechten“ Stadt umgestaltet.

Schmuddelecke am Nollendorfplatz (auf Nahaufnahme freundlich verzichtet.) – Dieses Image soll der Platz loswerden.

Schmuddelecke II – Historisches Relief unter der Hochbahntrasse verschreckt als Müllkippe, Geländer verhindert direkten Zugang, dient nur als Fahrradständer.

Blick aus den Bahnhofsfenstern in die Einemstraße und E.-Lasker-Schüler-Straße nach Norden. Der Schmuddel liegt hier im Dunkeln, die Taubenpiekser sind kein Garant für Reinlichkeit).

Blick in die nach Norden zur Siegessäule führende Einemstraße.

Und so könnte es sein: Die U-Bahneinfahrt inszenieren, auch die Ausfahrt natürlich. Die Höhenstufung zur Bahntrasse hin ist Teil des Entwurfs von Andi Streidl.

Die Treppen zur Bahntrasse (voriges Bild) resultieren aus der Streifengestaltung der Gesamtidee. Die veränderte, nach außen verlegte Straßenführung ermöglicht mehr Platzfläche. Auch gedacht: 70 Fahrradständer unter der Bahntrasse und ein neues Gebäude dort für ein Café oder eine Bar (Andi Streidl).

Im Entwurf von Johanna Kühnelt finden wir im südöstlichen Bereich des Platzes einen Skulpturengarten. Hier, direkt vor dem „Goya“, stellt sich die Studentin in Lebensgröße aufgestellte und in Bronze gegossene, Schöneberger Berühmtheiten vor.

Mehr als „Kiezgrößen“: David Bowie wohnte in Schöneberg, Bertolt Brecht arbeitete im Theater am Nollendorfplatz (heute: „Goya“).

Das sind die „Trampelpfade“ des Fußgängers, der sich heutzutage über den Nollendorfplatz bewegt. Wie ginge das anders?

Mit einem umlaufenden, baumbestandenen Promenadenring in Anlehnung an die Platzstruktur um 1900 entwirft Janika Schmidt eine attraktive Verbindung aller sechs Kopfplätze – und damit auch der Kieze – an das zentral gelegene Bahnhofsgebäude. Voraussetzung auch hier: eine Reduzierung von Verkehrsflächen (auch der Parkplätze) zu Gunsten von Fuß- und Radverkehr.

Ausschnitt des Promenadenringes mit Kopfplatz südöstlich vom Bahnhof, direkt vor dem „Goya“ (Janika Schmidt).

Die Bodenplatten zitieren die Bahnhofsfassade aus großen Natursteinen (Janika Schmidt).

„Im Sog des Nollendorfplatzes“, so nennt Maik Karl seinen Entwurf. Seine Idee ist es, die Fußgänger schnell an ihr Ziel zu führen. Das zentrale Bahnhofsgebäude soll die Umgebung wie ein Strudel „anziehen“. Der neue Platz wird durch Wege und Aufenthaltsflächen unterteilt.

Der Entwurf von Maik Karl mit den umliegenden Kiezen aus der Luft betrachtet.

Perta Dorottya Mandoky orientiert sich bei ihrem Entwurf an der Linearität des Platzes, die durch die oberirdische U-Bahntrasse vorgegeben wird. Im Bild zu sehen ist die abstrahierte Grundstruktur.

Und das hat sie daraus abgeleitet: Einen Platzentwurf, der vor allem mehr Transparenz schaffen soll, durchlässiger sein soll. Die längs positionierten Elemente stellen Pflanzenbeete dar und eine neuartige Bodenbeleuchtung unter der Hochbahn.

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2 Kommentare zu „Nolle“ unter die Lupe genommen

  1. […] Und auf was für Ideen Studenten andernorts, zum Beispiel am Nollendorfplatz kommen: hier … […]

  2. Norbert Heuler on 19. März 2012 at 10:49 AM

    Die beiden Entwürfe von Andi Streidl und Janika Schmidt bieten eine gute Grundlage für die weitere Diskussion. Das von Andi Streidl vorgeschlagene Ansteigen der Platzfläche zur Hochbahn hin finde ich allerdings nicht gut. Die Hochbahnstrecke und der Bahnhof sollten frei auf dem Platz stehen. Bei seinem Entwurf bleibt die Frage der Verbindung Einemstraße/Maaßenstraße, Einemstraße/Bülowstraße und Kleiststraße Einemstraße. Die Vergrößerung der Innenplatzfläche wäre aus meiner Sicht wünschenswert.
    Die auch optische Verbindung der Kopfplätze durch den baumbestandenen Promenadenring im Entwurf von Janika Schmidt ist sehr gut. Die Straßenverbindung von der Kleiststr. zur Einemstr. könnte auf eine Fahrbahn reduziert werden. Hierdurch würde die Verbindung Innenplatz zum östlichen U-Bahn-Eingang verbessert. Die Notwendigkeit der beiden Fahrbahnen von der Einemstr. zur Maaßenstr. bzw. zur Bülowstr. sollten geprüft werden. Falls auf beide Verbindungen wirklich nicht verzichtet werden kann, sollten die beiden Fahrbahnen weitgehend parallel geführt werden, um die Innenplatzfläche möglichst wenig zu zergliedern.
    Den von Johanna Kühnelt vorgeschlagenen Skulpturengarten finde ich auch sehr gut. Dies verstehe ich als Anregung, die Bedeutung der Kietze um den Nollendorfplatz in der Geschichte Berlins den Bewohnern und Besuchern näherzubringen. In der Aufzählung der bekannten Persönlichkeiten fehlt u.a. Christopher Isherwood, der die literarische Vorlage für den Film Cabaret schuf. Er wohnte viele Jahre in der Nollendorfstraße 17.

    NH

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