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Wie treffend ist der Name der Waisenbrücke, wenn man in Betracht zieht, für welches Schicksal sie steht. Kriegszerstört, bis heute nicht wieder aufgebaut und zurückgeblieben nur ein Brückenkopf, von dem die auf Bänken sitzenden Leute glauben, es handele sich um eine Spreeterrasse. Verwaist also, baulich und funktional. Und dieses Schicksal teilen mit der alten Waisenbrücke noch andere, zum Beispiel die Brommybrücke, die den mystischen Rest eines Brückenpfeilers hinterließ, auf dem heute Bäumchen wachsen und Vögel leben.

Fels in der Brandung: Reste des Brückenpfeilers der Brommybrücke in der Spree. Sie soll wieder aufgebaut werden (Foto: André Franke)

Fels in der Brandung: Reste des Brückenpfeilers der Brommybrücke in der Spree. Sie soll wieder aufgebaut werden (Foto: André Franke)

Dass vom 8. bis 17. Juli das Stadtmuseum zusammen mit dem Verein Berliner Künstler die Sommerakademie veranstaltet und sich dem Neubau der Waisenbrücke zwischen Märkischem Museum und Littenstraße im alten Berlin widmet, nehme ich als guten Anlass, eine öffentliche Tour anzubieten, auf der wir uns kürzlich gebaute und noch geplante Brückenprojekte Berlins ansehen. Die Waisenbrücke wird dabei den ehrenhaften Schlusspunkt setzen. Denn hier, am Märkischen Ufer, in der Nähe des Historischen Hafens, werden am 16. Juli um 17 Uhr Schüler des Gymnasiums Tiergarten zusammen mit Künstlern ihre Visionen von einer neuen Waisenbrücke vorstellen.

Zuvor fahren wir mit dem Fahrrad zu anderen aktuellen Neubrücken Berlins und beleuchten deren Geschichte und Bedeutung. Es müssen natürlich insgesamt sieben sein! Schon seit Tagen trage ich den Ohrwurm „Über sieben Brücken musst du geh´n“ mit mir rum. Der Karat-Song wird also Programm sein. Auch werden nicht nur stattliche Spreebrücken dabei sein. Manchmal reicht schon ein kleiner „Link“ für Radfahrer und Fußgänger, um die Stadt besser zu machen. Viele davon überbrücken Kanäle, Straßen, Eisenbahnen.

Infos zur Tour:

TOUR „Sieben Brücken“Mitbringen: Fahrrad (falls keins vorhanden, bei mir melden!). Treffpunkt / Startzeit: Potsdamer Platz, Historische Ampel / 13 Uhr. Dauer: ca. 3-4 Stunden. Ende: Märkisches Ufer, Märkisches Museum / 17 Uhr. Kosten: 10 / ermäßigt 5 Euro. Anmeldung: info@futurberlin.de oder Tel. 0163 / 372 6024. Guide: André Franke (Kontakt)

Ja hat denn der Investor keine Brückenfahrt gemacht? - Überstempelt hat er den Schaft des Fernsehturms, ein Stadtbild versaut. Kann er es durch Architektur wieder gut machen?

Ja hat denn der Investor keine Brückenfahrt gemacht? – Überstempelt hat er den Schaft des Fernsehturms, ein Stadtbild versaut. Kann er es durch Architektur wieder gut machen?

Eine Spreefahrt kann weh tun: Wenn das alte, geliebte, angepriesene, ganz und gar vollendet zu scheinende Stadtbild neuerdings nicht mehr ist, es jemand plötzlich überstempelt, ja überrumpelt hat, zerstört mit einem Pinselstrich, einem, der hätte auf einer anderen Leinwand gemalt werden sollen, aber doch nicht hier! Nicht doch zwischen die Türme der Oberbaumbrücke!! Da wanderte noch im Jahr zuvor der Fernsehturm, wenn man auf der Brückenfahrt in den Kanal einfuhr: ganz langsam, sein schlanker Schaft, von einem Turm zum andern. Jetzt rollt höchstens noch seine Kugel übers Dach vom “Living Levels”. Und die Frage, die ich mir seit dem Frühjahr stelle, ist: Hat Investor Hinkel jemals die Brückenfahrt gemacht? So ist es entweder Zufall oder Kalkül und am Ende auch egal. Nur zu hoffen bleibt, dass der Wohnturm mit seiner strahlend weißen Balkonfassade (und begrünt soll sie sein, obendrein!) in der Wirklichkeit auch hält, was er verspricht. Dann lässt der Schmerz nach, hoffentlich.