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	<title>André Franke, Autor auf Futurberlin</title>
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	<description>Guide für Gegenwart und Zukunft der Stadt</description>
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	<title>André Franke, Autor auf Futurberlin</title>
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		<title>Weltgästeführertag für Fortgeschrittene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 21:05:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das wird die letzte Frostfahrt in diesem Winter, denke ich, als ich am Freitagabend in den News Ride reloaded #3 starte. Der Lustgarten liegt im Dunkeln, und der Brunnen, ohne Wasser, wirkt wie ein Loch, in das man hineinzustolpern droht, wenn man nicht aufpasst. Zwei, drei Menschen latschen da trotzdem rum. Scheinbar wollen sie vom [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das wird die letzte Frostfahrt in diesem Winter, denke ich, als ich am Freitagabend in den News Ride reloaded #3 starte. Der Lustgarten liegt im Dunkeln, und der Brunnen, ohne Wasser, wirkt wie ein Loch, in das man hineinzustolpern droht, wenn man nicht aufpasst. Zwei, drei Menschen latschen da trotzdem rum. Scheinbar wollen sie vom ebenso im Dunkeln stehenden Berliner Dom ein Foto machen. Es sind, wie beim letzten News Ride, Minusgrade. Ich trage eine lange Unterhose unter meiner Jeans und umkreise langsam radelnd den Brunnen, möchte in Bewegung bleiben und mich auf keinen Fall in die Kälte stellen. Mir ist klar, dass kein Gast kommt. Mir ist nicht klar, ob ich die Tour selber überhaupt fahre. Denn mir läuft seit heute Morgen die Nase, und meine Hände sind kalt. Dabei trage ich wasserdichte Fäustlinge, die innen schön flauschig sind.</p>
<div id="attachment_18631" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1.jpeg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18631" class="wp-image-18631" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1.jpeg" alt="Denkmal auf einer Straße. " width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-1-1-450x600.jpeg 450w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18631" class="wp-caption-text">Sichelmond hinterm Reiterdenkmal von Friedrich II. Unter den Linden am Freitag, den 20. Februar 2026 (Foto: André Franke)</p></div>
<h2>News Ride für Eisbrecher</h2>
<p>Es ist 19:30 Uhr. Ich rolle vom Lustgarten auf das Schloss zu und biege nach rechts Richtung Brandenburger Tor ab. Ich habe mich für die Tour entschieden. Zwei Stopps sind darin enthalten, die ich auch morgen auf der Tour zum Weltgästeführertag anfahren will. Und die Neugier auf die Gedächtniskirche ist zu groß.</p>
<p>Da kommt das Reiterstandbild von Friedrich &#8222;dem Großen&#8220; auf mich zu, wie es sonst nicht der Fall ist. Unterm rechten Steigbügel des Königs hängt der Mond, eine ganz zarte Mondsichel, schlank wie die Mondsichel in der Flagge der Türkei. Aber anders als dort, liegt sie horizontal im Abendhimmel. Es ist zunehmender Mond.</p>
<h2>Berlin versilbert seine Linden</h2>
<p>Hier beginnt der Abschnitt der Linden, der ab dem Sommer umgebaut werden soll. Berlins ältester Boulevard bekommt 157 neue Silberlinden (siehe Morgenpost). Und die Straße verwandelt sich für vier Jahre in eine Baustelle. Ich radle auf der Mittelpromenade und entdecke, dass es die in dem Artikel angekündigte Fußgängerampel an der Kreuzung Glinkastraße schon gibt. Zumindest auf der Westseite der Promenade. Das ist ein bisschen dolle schnell für Berlin.</p>
<p>Weiter westwärts kurz vor der Wilhelmstraße gucke ich mir die Lindenbäume genauer an. Sie sind total verschieden. Manche scheinen erst vor kurzem gepflanzt zu sein, andere sehen tatsächlich alt aus. Aber eine weitere, enttäuschende und irgendwie Mitleid erregende Entdeckung mache ich, die nichts mit der Allee zu tun hat. Am Kiosk sitzt doch tatsächlich eine Touristin auf der Bank am Tisch und trinkt eingemummt in die Winterklamotten Bier aus dem Plastikbecher. Alleine. Auch einen Kiosk weiter, hinter der Wilhelmstraße gegenüber vom &#8222;Adlon&#8220;, sitzen zwei Leute verloren in der Kälte und ziehen sich die Currywurst rein.</p>
<h2>Rasende unter der &#8222;Goldelse&#8220;</h2>
<p>Ich radle durchs Brandenburger Tor und lasse mich mitziehen von einem Radfahrer, der zügig vor mir fährt. Etwas Rotes fällt aus seiner umherwackelnden Jackentasche. Sieht aus wie eine dünne Wollmütze oder ein Halstuch. Schon bin ich dran vorbei. Ich würde ihm gerne mitteilen, dass er was verloren hat, aber er fährt zu weit vor mir und zu schnell. Ich komme selber schon aus der Puste und fahre langsamer. Dann beachte ich ihn nicht weiter und verliere ihn aus dem Blick. Drei Minuten später überholt mich einer, dessen Jacke ebenso flackert wie die von dem Typen vorher. Es könnte auch derselbe sein, denke ich in dem Moment. Aber warum habe ich ihn nicht zurückkommen sehen? Dann entwischt mir auch dieser Typ.</p>
<p>An der Siegessäule biegt er links ab, steht auf der Mittelinsel an der roten Ampel. Als ich dort bin, habe ich keine Lust mehr, die Botschaft zu überbringen. Ich wollte auf der rechten Straßenseite bleiben, um nicht noch einmal die Straßenseite wechseln zu müssen, um den Berlin-Pavillon zu inspizieren. So fahre ich rechts um die Siegessäule herum und weiter durch den westlichen Teil des Tiergartens. Dort vernehme ich fahrradfahrend ein rotes, schönes, warmes Licht. Einen Moment später radle ich an dem grauen Anhänger vorbei. Er stammt zweifellos aus dem Fuhrpark der Berliner Polizei. Ein Autofahrer ist auf der Straße des 17. Juni zu schnell gefahren.</p>
<h2>Plattner-Türme vom Baukollegium plattgemacht</h2>
<p>Tja, der Berlin-Pavillon. Das Baukollegium hält schützend seine Hand über das Gebäude und hat einem Projektentwickler aus Hamburg einen satten Strich durch die Rechnung gemacht. Der sollte für ein Hasso-Plattner-Unternehmen zusammen mit den Architekten von David Chipperfield hier, zwischen Pavillon und Joseph-Haydn-Straße, zwei Wohntürme bauen, 90 und 130 Meter hoch. Ich gucke mir die Fläche an, zähle die Bäume, stelle fest, dass sie groß sind und pilgere kurz zum &#8222;Weltbaum&#8220; von Ben Wagin. Das Wandbild am S-Bahnviadukt mahnt und würde sicher aus der Wand wachsen, sollte hier wirklich jemand die Ausläufer des Tiergartens abholzen wollen. Aber soweit kommt es ja nicht, wie der Tagesspiegel berichtet.</p>
<div id="attachment_18615" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1.jpeg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18615" class="wp-image-18615" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1.jpeg" alt="Eis auf einem Kanal in der Nacht." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-1-450x600.jpeg 450w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18615" class="wp-caption-text">Blick auf den vereisten Landwehrkanal am &#8222;Schleusenkrug&#8220; im Tiergarten (Foto: André Franke)</p></div>
<div id="attachment_18616" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2.jpeg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18616" class="wp-image-18616" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2.jpeg" alt="Orange-beleuchtetes Kino, Zoo-Palast." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-2-450x600.jpeg 450w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18616" class="wp-caption-text">Zoo-Palast während der Berlinale 2026: Farbflash nach dem dunklen Tiergarten-Ride (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Als ich durch den Tiergarten durchs Gaslaternenmuseum fahre und über die Schleusenbrücke will, bleibe ich stehen. Zu schön ist der vereiste und mit Schnee bedeckte Landwehrkanal. Er ist mir ein Foto wert, und ich ziehe dafür gerne meinen linken Handschuh aus. Da merke ich, dass die Hände warm geworden sind. Weiter an der neuen, nachts beleuchteten Zoo-Pagode vorbei, ebenso am Löwentor, radle ich am Rande des Hardenbergplatzes entlang, muss plötzlich absteigen und das Rad schieben, weil der Gehweg durch ein Baugerüst führt. Vor mir laufen langsam Leute, und ich werfe den Blick kurz ins Erdgeschoss der Location, in der früher mal MacDonalds drin war. Heute ist da Risa drin.</p>
<div id="attachment_18617" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18617" class="wp-image-18617" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3.jpeg" alt="Mehrere hohe Gebäude, ein beleuchteter Kirchturm." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-3-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18617" class="wp-caption-text">Beleuchtete Gedächtniskirche zwischen eingerüstetem Glockenturm und Hochhaus &#8222;Upper West&#8220; (Foto: André Franke)</p></div>
<h2>Die illuminierte Ruine</h2>
<p>Ich gehe um die Ecke und habe seit dem Brandenburger Tor wieder das Gefühl, in der Stadt zu sein. Der Zoo-Palast strahlt wegen der &#8222;Berlinale&#8220; in warmem Rot und Orange, und auf der anderen Seite der Budapester Straße erscheint endlich die beleuchtete historische Turmruine der Gedächtniskirche. Ich habe mein Ziel erreicht, fahre rüber und nähere mich dem Eingang der Gedenkhalle. Sie ist geschlossen.</p>
<p>So komme ich nicht in die Lage, den Blick einzunehmen, den ein Foto in der F.A.Z. vermittelte: den Blick im Inneren der Ruine hinauf zum gedeckelten Turmhelm. Bei der geplanten Umgestaltung des Ruinenraumes soll der Deckel herausgenommen werden, sodass der Himmel über Berlin durch den &#8222;hohlen Zahn&#8220;, das Loch in der Turmspitze, von unten zu sehen sein wird. Morgen werde ich gegen 14 Uhr wieder hier stehen, denke ich. Und dann werde ich gemeinsam mit meinem angemeldeten Gast in die Gedenkhalle gehen und nach oben sehen. Morgen ist Weltgästeführertag.</p>
<div id="attachment_18618" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18618" class="wp-image-18618" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4.jpeg" alt="Zwei hohe Gebäude, eine Kirchenruine und ein Neubau nebeneinander." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-4-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18618" class="wp-caption-text">Ruinenturm der Gedächtniskirche mit Turmuhr und neuer Glockenturm, eingerüstet wegen Sanierung (Foto: André Franke)</p></div>
<h2>Weltgästeführung ohne alles</h2>
<p>Am Samstagmorgen ist es hell und warm. Der Himmel ist bedeckt von grauen Wolken. Sechs Grad Celsius liegen in der Luft, Temperaturen weit über den Nullpunkt. Die Straßen sind wegen des schmelzenden Schnees nicht gerade einladend. Alles ist nass. Ich ziehe mich zu dick an, trage wieder Winterjacke und Handschuhe, denn die Tour heute wird drei Stunden dauern.</p>
<p>Auf dem Weg zum Treffpunkt fahre ich einen Schlenker über Mitte. Gehe noch mal kurz in den Garten der ESMT, den ich später auf der Tour besuchen werde. Auch dieser Brunnen, der Mosaikbrunnen von Ortraud Lerch, schweigt still. Kein Plätschern, kein Rauschen in der Luft. Aber um den Brunnen geht es heute auch nicht. Das Motto der Tour, die ich als Beitrag zum Weltgästeführertag anbiete, lautet: &#8222;Mit offenen Augen durch die geschlossene Stadt&#8220;. Es geht um die Zugänglichkeit und Unzugänglichkeit von Stadträumen. Die Hochschule plant einen Campus.</p>
<p>Anschließend radle ich über Kreuzberg nach Friedrichshain. Am Engelbecken sehe ich Leute Schnee schieben. Es ist eigentlich Wasser, das sie schaufeln. Ein Bauarbeiten-Schild steht am Rand des Beckens, und ich denke, da wird offiziell Eisfläche geräumt und gesichert. Als ich näher komme, sehe ich, dass das Privatmenschen sind. Sie treffen sich, um Eishockey zu spielen und richten sich im Schmelzwasser ein rechteckiges Spielfeld ein. Die Eisdecke ist immer noch so dick, dass sie mit Schlittschuhen drüberfahren können. Aber die Wassermengen sind so groß, dass einer statt der Schneeschaufel das Bauschild in die Hände nimmt, um damit schneller mehr Wasser auf die Seite werfen zu können.</p>
<h2>Ohne Luft und Gast</h2>
<p>Über die Köpenicker Straße und Oberbaumbrücke komme ich endlich in die Nähe des Treffpunkts. Es ist 10:45 Uhr. Mein Fahrrad rollt irgendwie schwer. Vielleicht liegt es am Rollsplitt, der überall rumliegt. Auch auf dem Radweg. Das Lenken fühlt sich komisch an. Als ich von der Stralauer Allee in die Danneckerstraße zum Rudolfplatz einbiege, merke ich, dass ich einen Platten habe. Sofort wird mir klar, die Tour ist beendet bevor sie begonnen hat. Heute wird es keinen ESMT-Campus geben, keine Schlossfassade, kein Pergamonmuseum, keine Silberlinden und auch keinen Himmel über der Gedächtniskirche. Zum geplanten Hochhaus in der Rudolfstraße, das ich gleich zu Beginn der Tour zeigen möchte, könnten wir vielleicht noch gehen, der Standort ist um die Ecke, aber ich denke nur: Warum habe ich weder Werkzeugtasche noch eine Luftpumpe dabei?</p>
<p>Anfängerfehler. Ich schiebe das Fahrrad die Danneckerstraße entlang und erreiche den Treffpunkt an der Zwinglikirche. Dann warte ich auf den Gast, der für mich Gold wert ist, obwohl die Tour kostenfrei ist. Doch er kommt nicht. Da bin ich erleichtert, wenn auch nicht froh. Jetzt muss ich nur noch nach Hause kommen. Zu Fuß. Eine Stunde später erreiche ich den Wasserturmplatz in Prenzlauer Berg. Das Fahrrad an der Seite. Die Jacke offen. Die Handschuhe im Rucksack. Die Nase läuft immer noch. Ich bin nicht froh, aber trotzdem gut drauf. Und ich freue mich, aus den schweren Klamotten rauszukommen, den Winterstiefeln, und eine Suppe zu essen.</p>
<h2>Auf der Suche nach der verlorenen Matinee</h2>
<p>Am Sonntagmorgen geht es mir gut. Ich habe die Kurve gekriegt, und aus der triefenden Nase ist keine Erkältung geworden. Draußen nieselt es. Drinnen ist es schön ruhig. Mal in den Eventkalender gucken, denke ich. &#8222;Metropolis&#8220; läuft im Kino Babylon, aber erst am Abend. Werde ich eher nicht hingehen heute. Und dann beschleicht mich das Gefühl, dass mir ein Event im Kalender abhanden gekommen sein muss.</p>
<p>Ich suche vergeblich die Dauerausstellung zum Romanischen Café im Europacenter. Im Hinterkopf habe ich die ein oder andere Zusatzveranstaltung, welche die Ausstellung begleiten. Gerade am Wochenende. Dann finde ich den Kalendereintrag im Jahr 2025. Ich hatte das Enddatum 31. Dezember eingegeben. Daher taucht die Ausstellung im neuen Jahr nicht mehr auf. Als ich das ändere und auf die Webseite der Ausstellung gehe, springt mir Joseph Roth ins Gesicht: eine Matinee-Lesung seiner Texte zum Kurfürstendamm um 11:30 Uhr. Wunderbar.</p>
<p>Da ich noch den Platten habe, fahre ich mit der U2 hin, steige am Bahnhof Zoo aus. Dort gehe ich den gleichen Weg, den ich am Freitag-Abend schon mit dem Fahrrad genommen habe, die Budapester Straße nördlich vom Breitscheidtplatz entlang, und sehe die Gedächtniskirche im trüben Vormittagslicht, ganz unscheinbar, aller Illuminationen beraubt. Da bin ich mir plötzlich selber dankbar, dass ich mir vorgestern den News Ride durch die Kälte verschrieben hatte, denn ich erkannte, welche Fallhöhe auch Bauwerke haben können &#8211; im Tagesverlauf und zwischen den Jahreszeiten. Dieser Sonntag gehört schon in den Frühling, auch wenn keine Sonne scheint.</p>
<h2>Roths &#8222;Roter Richard&#8220;</h2>
<p>Im Europacenter liest Michael Bienert an einem Pult stehend Texte von Joseph Roth. Wir Gäste sitzen auf gepolsterten Klappstühlen, umgeben von Labyrinth-artig arrangierten, bunt und detailreich bebilderten Ausstellungswänden. Es ist gemütlich hier. Beinahe wie im Café. Hier geht es ja um das Café. Um das &#8222;Romanische Café&#8220;, legendäre Berlin-Location. Auch Joseph Roth hat sich hier aufgehalten, nachdem das &#8222;Café des Westens&#8220;, Vorgänger-Café des späteren &#8222;Kranzler&#8220;, 1921 geschlossen wurde.</p>
<p>Bienert, von Beruf Berlinologe, liest, was Roth vor hundert Jahren geschrieben hat: wie der &#8222;Rote Richard&#8220;, Zeitungskellner im &#8222;Romanischen&#8220;, den Gästen die gewünschten Blätter reicht; wie die Cafés auf dem Kurfürstendamm die Pariser Straßencafés nachahmen, aber dabei den Fehler begehen, die Sitzplätze auf der Terrasse einzuzäunen und vom Publikumsverkehr abzugrenzen. Irgendwie auch eine Art &#8222;Anfängerfehler&#8220;. Roth machte sich sogar Gedanken darüber, wie man den Berliner Kutschpferden mitteilen könnte, dass es nicht normal für Pferde auf der Welt sei, vor einen Wagen gespannt zu werden, sondern dass Pferde früher einmal frei herumtraben konnten. Diese Roth-Beobachtung sollte mir später am Tag noch eine Entscheidung abnehmen.</p>
<h2>Gedenkhalle to go</h2>
<p>Nach der Lesung verlasse ich das Europacenter und betrete den Breitscheidtplatz. Ich hätte gestern hier sein sollen, nun bin ich es heute. Das ist die Gelegenheit, in die Ruine zu gehen. Und ich mach´s. Die Gedenkhalle ist voller Menschen. Boden, Gewölbedecke und Wände sind voller Bildergeschichten. Eine Jesus-Statue steht auf der einen Seite, daneben das Nagelkreuz von Coventry. Hinter dem Souvenirshop-Counter stehen zwei Stadtmodelle. Hier wird es eng, und man schiebt sich um die großen Glaskästen herum. Ein Modell zeigt den Auguste-Viktoria-Platz, wie er mit der intakten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vor dem Krieg aussah, das andere zeigt den Breitscheidtplatz, wie er mit dem &#8222;hohlen Zahn&#8220; und mit &#8222;Lippenstift und Puderdose&#8220;, den Neubauten Egon Eiermanns, heute aussieht. Im ersten Modell erblicke ich auch das &#8222;Romanische Café&#8220;. Über unseren Köpfen ziehen sich zwei schwebende Treppen ins Obergeschoss hinauf. Eine Glastür versperrt den Zugang. Mehr ist vom Turm nicht zu sehen.</p>
<div id="attachment_18619" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18619" class="wp-image-18619" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5.jpeg" alt="Eine Kirche in einem Stadtmodell." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-5-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18619" class="wp-caption-text">Stadtmodell vom ehemaligen Auguste-Viktoria-Platz mit vollständiger Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Romanischem Café (Foto: André Franke)</p></div>
<div id="attachment_18620" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18620" class="wp-image-18620" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6.jpeg" alt="Jesusstatue und ein Kreuz in einer Kirchenhalle." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-6-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18620" class="wp-caption-text">Südseite in der Gedenkhalle mit Nagelkreuz von Coventry (Foto: André Franke)</p></div>
<div id="attachment_18621" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18621" class="wp-image-18621" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7.jpeg" alt="Wanddekorationen, Wandbilder in einer Kirche, Treppen an den Wänden." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-7-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18621" class="wp-caption-text">Gedenkhalle in der Gedächtniskirche mit ehemals hinaufführenden Treppen (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Als ich die Gedenkhalle verlasse, lese ich &#8222;Guides Tours&#8220; und gehe zurück zum Counter, frage nach. Genau in diesem Moment macht sich die Verantwortliche, eine Glocke mit Klöppel auf der Hand, für die Führung bereit. Berlin, du bist so wunderbar.</p>
<h2>Kims Weltgästeführung durch den Turm</h2>
<p>Kim aus Lübeck hat Kunstgeschichte studiert und führt uns durch die Bildergeschichten der Gedenkhalle: die abgebildete Lebensgeschichte von Wilhelm I., der fehlende Kopf von Friedrich III., der abgebrochene Schnabel des Adlers. Anschließend gehen wir raus, durch den ehemaligen Haupteingang der Kirche, stehen vor dem großen Rosettenfenster ohne Glas. Später stehen wir oben, ein Stockwerk höher, und blicken durch dieses Riesenfenster aus der Ruine heraus, sehen &#8222;Zoofenster&#8220; und &#8222;Upper West&#8220;. Das Fenster liefert den zwei Hochhäusern einen (im wahrsten Sinne des Wortes) &#8222;ausgefallenen&#8220; Bilderrahmen. Das Eckige sitzt im Runden.</p>
<div id="attachment_18623" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18623" class="wp-image-18623" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9.jpeg" alt="Menschen an einem großen runden Fenster. Im Hintergrund Hochhäuser." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-9-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18623" class="wp-caption-text">Blick durchs glaslose Rosettenfenster auf Neubauten: neuer Kirchensaal, Upper West und Zoofenster (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Von hier aus blicken wir hoch in den Turm. Treppen mit Geländer führen an den rohen Wänden hinauf. Eine graue Decke, ganz oben, verhindert die offene Sicht in den Turmhelm. Und genau das wird sich ändern. Bald fällt der Himmel über Berlin herein, Tageslicht auf die Orgelempore, auf der wir stehen.</p>
<div id="attachment_18624" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18624" class="wp-image-18624" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10.jpeg" alt="Mauern und Leitern führen im Innern eines Turms hinauf." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2026/02/BP-WGFT-10-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18624" class="wp-caption-text">Ruine der Gedächtniskirche von innen: verschlossener Turmhelm (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Die Welt ist klein, an diesem Weltgästeführertag 2026, der das ganze Wochenende stattfindet. Vier Damen aus der Gruppe kommen ebenfalls aus Lübeck, und die Gäste freuen sich mit der Gästeführerin.</p>
<h2>Kutschpferd im Café</h2>
<p>Sonntag, früher Nachmittag. Im zugigen Turm ist mir kalt geworden. Ich gehe zu Fuß nach Hause. Als ich in der Budapester Straße am &#8222;Einstein Café&#8220; vorbeikomme, muss ich rein. Ich bin wegen des &#8222;Romanischen Cafés&#8220; gekommen und am Ende in einer Kriegsruine gelandet. Durch ein Café will ich den Ort wieder verlassen. Dann lacht mich doch tatsächlich drinnen ein &#8222;Einspänner&#8220; an. Er steht auf der Menütafel, und ich bestelle einen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich will ihm doch sagen, dass er die Droschke, die seinen Weg bestimmt, gar nicht zu ziehen braucht.</p>
<p><strong>Links</strong></p>
<ul>
<li><a href="https://taz.de/Neues-Hochhausleitbild-fuer-Berlin-vorgestellt-Luxustuerme-gegen-Wohnungsnot/!6134464/" target="_blank" rel="noopener">taz (u.a) zum Bau des Wohnturms Rudolfstraße v. 2. Dezember 2025</a></li>
<li><a href="https://www.morgenpost.de/berlin/article410518270/unter-den-linden-wird-ab-sommer-2026-umgebaut-das-sind-die-plaene.html" target="_blank" rel="noopener">Morgenpost zum Umbau Unter den Linden v. 1. Dezember 2025</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/doch-keine-hochhauser-am-rand-des-tiergartens-berliner-baukollegium-erteilt-investoren-traumen-eine-absage-15008091.html" target="_blank" rel="noopener">Tagesspiegel zu den Hochhäusern im Tiergarten v. 3. Dezember 2025</a></li>
<li>&#8222;Zu viel des Gedenkens&#8220;, F.A.Z. zum Umbau der Gedächtniskirche v. 25. November 2025 (dort im Archiv zu lesen)</li>
<li><a href="https://romanisches-cafe.berlin/" target="_blank" rel="noopener">Ausstellung &#8222;Romanisches Café&#8220; im Europacenter</a></li>
<li><a href="https://michaelbienert.de/" target="_blank" rel="noopener">Berlinologe Michael Bienert</a></li>
<li><a href="https://futurberlin.de/tools/eventkalender-fuer-stadtentwicklung-in-berlin">Eventkalender auf Futurberlin.de</a></li>
</ul>
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		<title>Luises Schatten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Nov 2025 16:19:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin-Saal]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheits- und Einheitsdenkmal]]></category>
		<category><![CDATA[Luise]]></category>
		<category><![CDATA[Schloss]]></category>
		<category><![CDATA[Schlossplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Stimmann]]></category>
		<category><![CDATA[Tiergarten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanität]]></category>
		<category><![CDATA[ZLB]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele Jahre ist es her, da näherte ich mich mit einer Gruppe dem Berliner Schlossplatz. Es war zu der Zeit, als der Schlossplatz von allen Seiten gleich aussah. Denn es stand kein Gebäude dort, weder das Schloss, noch der Palast der Republik. Das Schloss war noch nicht da, der Palast war schon weg. Da war [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Jahre ist es her, da näherte ich mich mit einer Gruppe dem Berliner Schlossplatz. Es war zu der Zeit, als der Schlossplatz von allen Seiten gleich aussah. Denn es stand kein Gebäude dort, weder das Schloss, noch der Palast der Republik. Das Schloss war noch nicht da, der Palast war schon weg. Da war nur die weite Wiese zwischen dem Staatsratsgebäude und dem Lustgarten. Und auf Stegen aus Holz gelangte man von der einen Seite hinüber auf die andere.</p>
<div id="attachment_1245" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2012/01/Marstall-Staatsratsgebäude.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1245" class="wp-image-1245" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2012/01/Marstall-Staatsratsgebäude.jpg" alt="" width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2012/01/Marstall-Staatsratsgebäude.jpg 640w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2012/01/Marstall-Staatsratsgebäude-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-1245" class="wp-caption-text">Noch eine Wiese des Volkes: Der Palast war weg, das Schloss noch nicht da. Unglaublich, dass es diesen Moment gegeben hat.</p></div>
<h2>Freundlich und frei</h2>
<p>Da waren auch diese Holzaufbauten an der Stelle, wo heute die &#8222;Wippe&#8220; gebaut wird, das Freiheits- und Einheitsdenkmal. Dort war eine Art Rampe mit kleinen Treppen, über die man auf den Sockel des alten Nationaldenkmals hinaufsteigen konnte. Auch wunderbar sitzen konnte man hier, eben auf diesen bankartigen, langen Gemäuereinhausungen und Kanten.</p>
<p>So gewöhnte ich es mir an, mit meinen Gruppen über diese Stege zu radeln. Weiter hinten stellte ich dann mein Rad gegen die Rampe und trat über die Treppe auf die leicht erhöhte, etwas brüchig gewordene und mit Graffiti beschmierte Asphaltfläche des alten Denkmalsockels. Von hier aus hatten wir einen weiten Blick bis zum Fernsehturm.</p>
<div id="attachment_18068" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18068" class="wp-image-18068" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1.jpeg" alt="Gelbes Schloss mit Kuppel an Straße unter heiterem Himmel" width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-1-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-18068" class="wp-caption-text">Blick auf Berliner Schloss/Humbold Forum (rechts) und Baustelle Freiheits- und Einheitsdenkmal (links). Früher Holzstege entlang der Stufen (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Oft begab ich mich absichtlich zügig dorthin und ließ hinten abreißen, damit die Gäste hinter mir sahen, wohin ich wollte und es mir nachtaten: vom Rad absteigen, nicht auf die Wiese gehen, sondern nach oben. So stand ich manchmal, nachdem ich mir auf diese Weise etwas Zeit verschafft hatte, einen Moment lang für mich selbst da oben, während die Gäste noch unten noch vor sich hin stolperten, ungläubig, ob wir wirklich einen Stopp einlegten, zweifelnd, ob sie die hüfthohen Stege hinaufklettern sollten oder besser die Treppchen nehmen, um sich herblickend, welche Sehenswürdigkeit ich ihnen an diesem Ort präsentieren würde.</p>
<p>Da kam einmal ein Mann auf mich zu, der nicht zu meiner Gruppe gehörte. Wir wechselten ein paar Worte, genau in der Zeit, als ich gerade Zeit hatte. Er erzählte, er wartete auf einen Journalisten, welcher von ihm etwas über den Schlossplatz und das Schloss erfahren wollte. Dann ging er, und meine Gäste kamen.</p>
<h2>&#8222;Adressbildung&#8220;</h2>
<p>Eine andere Erinnerung an den Mann, der im September verstarb, führt mich zu einer Abendveranstaltung in der Breiten Straße zurück. Dort gibt es neben der ZLB die Stadtbibliothek mit ihrem Berlin-Saal oben im zweiten Stock. Keine Ahnung, was damals genau das Thema war, ich hielt jedenfalls aus bis zum Schluss. Und das ist das, worauf es ankommt. Die Überraschungen kommen, wenn der Abend zu Ende geht.</p>
<p>Das ist manchmal mühselig, aber es lohnt sich. Die schönsten Sätze und Zitate habe ich aufgesammelt, wenn die Vorträge vorbei waren, sich die ersten Gäste schon wieder auf den Weg nach Hause begaben, und die Willigen sich von den Stühlen erhoben, um Kommentare abzugeben. Da braucht man Sitzfleisch für. Und ich hatte an jenem Abend genügend mitgebracht.</p>
<p>Da stand jemand aus den Reihen weiter vorne im Saal auf, den ich kaum hören konnte. Ich war schon länger nicht mehr im Berlin-Saal, aber ich glaube mich zu erinnern, dass dort im Publikum kein Mikrofon rumgeht. Es ist eher ein Raum von mittlerer Größe, nicht zu vergleichen zum Beispiel mit dem Kleist-Saal in der Urania, wo ohne Mikro zu sprechen gar nicht in Frage kommt. Wie auch immer, es fing jemand zu kommentieren an.</p>
<div id="attachment_18069" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18069" class="wp-image-18069" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2.jpeg" alt="Straßenhäuser auf einem Bronze-Modell" width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-2-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-18069" class="wp-caption-text">Stadtmodell an der Marienkirche: Blick in die Breite Straße. Alter Marstall mit Berlin-Saal (rechts, Gebäude mit einfachem Dreieckgiebel). Berliner Schloss oben (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Der Mann beginnt also zu sprechen, wenngleich das kein Reden war. Ich vernahm eher jemanden, der etwas vor sich hin brabbelte, als würde er mit sich selbst reden und als hätte er keine Zuhörer. Es drang, vielmehr kroch eine Stimme in mein Ohr, die etwas Zughaftes an sich hatte, eine Stimme, die anfangs unmerklich loszog, wie man morgens in Hauslatschen durch den Flur schlürft, um sich aus der Küche einen Kaffee zu holen. Dann nahm sie aber Fahrt auf und machte Schritt um Schritt, wurde hörbar auch in den hinteren Reihen, wo ich saß, weil die Stimme des Mannes tatsächlich lauter wurde und Rhythmus bekam.</p>
<p>Und was für sie galt, das galt plötzlich auch für das Publikum. Andere Stimmen wurden wach. Sitzfleisch wurde plötzlich aktiv. Es rumorte im Umfeld des Redners. Man bewegte sich auf den Stühlen. Die Geräuschkulisse um ihn herum ließ ihn nur noch lauter werden, schneller fahren. Allein die Lautstärke, in der er nun sprach, war es, die seiner Redegeschwindigkeit Einhalt gebot. Nun musste er laut sein und doch hatte er soviel mitzuteilen. Es mochte der mitreißendste Kommentar auf einer Diskussionsveranstaltung gewesen sein, den ich in 15 Jahren gehört habe (dicht gefolgt von den Kommentaren von Annette Ahme).</p>
<p>Der Berlin-Saal in der Breiten Straße, der 800 Jahre alten Hauptstraße von Cölln, war in Wallung geraten, weil einer sprach, der das Urbane umwarb. Seine Energie mündete einige Male in dem Wort &#8222;Adressbildung&#8220;, &#8222;Adressbildung&#8220;. Es war das einzige Wort, das ich mir an diesem Abend ins Ohr klemmte und mit nach Hause nahm. Und ich höre es immer noch.</p>
<h2>&#8222;Freiwillige Selbstverpflichtung&#8220;</h2>
<p>Da war auch ein Tag, an dem war ich im Tiergarten unterwegs. Vielleicht bin ich einfach nur durchgefahren. Ich vermute aber, es hatte mit dem Kaninchenzaun auf der Luiseninsel zu tun. Der landete vor ein paar Jahren aufgrund seiner hohen Baukosten im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes, und ich inspizierte ihn für einen geplanten News Ride.</p>
<p>So lief ich also auf der Luiseninsel umher, folgte dem kniehohen Zaun entlang der Blumenbeete. Hin und wieder sah ich zum Denkmal hin, zu ihr, zu Luise. Da trieb sich dieser Mann rum, auf dem Fahrrad sitzend, drehte Kreise, blickte immer wieder zu ihr, zu Luise. Fuhr dann bald weg.</p>
<p>Was machte ein Urbanist im Gartendenkmal? Das hatte ich mich an diesem Tag gefragt. An diesem Ort hatte ich Hans Stimmann nicht erwartet zu begegnen. Es könnte Luise selbst gewesen sein, die den Anlass bot, also ihr Denkmal, das vor einiger Zeit restauriert und anschließend am Standort auf der Luiseninsel wieder aufgestellt worden war. Kann sein, dass er deshalb gekommen war.</p>
<div id="attachment_18070" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18070" class="wp-image-18070" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3.jpeg" alt="Blumenstauden in einem Park mit Denkmal und einem Zaun." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/11/BP-Stimmann-3-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18070" class="wp-caption-text">Luiseninsel mit Denkmal für Königin Luise im Hintergrund unter den Bäumen. Kaninchenzaun im Vordergrund (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Dieses Treffen hatte mich nachdenklich gemacht: Einer, der seine berufliche Laufbahn als Maurer begann und als Investorenlenker beendete, betrachtet ein Marmor-Denkmal im Grünen. Der Senatsbaudirektor a.D. traf die Königin a.D. &#8211; Ich sah eine Art Blitzlicht aus seinem Lebensabend.</p>
<p>Aber das hatte gar nichts Privates, wie er da auf das Denkmal traf. Es wirkte eher, als würde er etwas erkunden, etwas nachgehen. Oder als sei er am Tage auf etwas gestoßen, das er am Morgen noch nicht auf der Agenda gehabt hatte.</p>
<p>In einem Radiointerview wurde Hans Stimmann einmal gefragt, warum er das täte. Warum er nicht aufhöre zu arbeiten, Bücher zu schreiben, sich einzumischen in Debatten zur Stadtentwicklung, und er antwortete: &#8222;Aus freiwilliger Selbstverpflichtung&#8220;.</p>
<p>Das war es. Diese Selbstverpflichtung roch ich an diesem Tiergartentag. Und sie zog mich stärker in den Bann als die Düfte hinterm Karnickelzaun.</p>
<p>Ebenso kann ich mich nicht mehr an die Gesichter der Gäste meiner Gruppe erinnern, die ich damals zum Schlossplatz führte, wohl aber an die weiche, freundliche Stimme des Mannes, der damals spontan auf mich zugekommen war.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/luises-schatten">Luises Schatten</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<title>Haspels Brunnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 20:10:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Da muss ich reingrätschen. So wenige Medien berichten über den neuen alten Mosaikbrunnen in Mitte, aber gleich zwei Zeitungen schreiben den Namen der Hochschule falsch. Die Hochschule, in deren Garten der Brunnen steht, welcher am letzten Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, feierlich und in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner wieder in Betrieb genommen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/haspels-brunnen">Haspels Brunnen</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Da muss ich reingrätschen. So wenige Medien berichten über den neuen alten Mosaikbrunnen in Mitte, aber gleich zwei Zeitungen schreiben den Namen der Hochschule falsch. Die Hochschule, in deren Garten der Brunnen steht, welcher am letzten Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, feierlich und in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner wieder in Betrieb genommen wurde, heißt European School of Management and Technology.</p>
<div id="attachment_18017" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18017" class="wp-image-18017" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1.jpeg" alt="Menschen stehen in einem Garten. Im Hintergrund ein Gebäude." width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-1-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-18017" class="wp-caption-text">Gartenparty am Tag des offenen Denkmals im September 2025. Rückseite des ehemaligen Staatsratsgebäudes (Glasfenster von hier aus nicht zu sehen)</p></div>
<h2>Eine Abkürzung verwirrt die Stadt</h2>
<p>Am ausgeschriebenen Titel hapert´s nicht. Auch nicht am Englischen. Doch die Abkürzung scheint es der taz und der Morgenpost schwer zu machen. Die eine schreibt EMTS, die andere EMST. Dabei sollte sie ESMT heißen. Während der taz der Fehler nur einmal passiert (und sie immerhin einen standardisierten Button für einen Fehlerhinweis unter ihre Beiträge setzt), unterläuft er der Morgenpost gleich zweimal. Und die Morgenpost, deren Abo ich im Leben nicht kündigen werde, macht aus Jörg Rocholl, dem Präsidenten der Hochschule, im fortlaufenden Artikel eine entstellte Quelle namens &#8222;Rogall&#8220; &#8211; auch das zweimal hintereinander. Und dann wäre da noch (ebenfalls Morgenpost) die Bildunterschrift, bei der aus der DDR-Künstlerin Ortraud Lerch eine Ortrud wird.</p>
<p>Warum passiert so was? Schreibt da KI? Oder wirkt der Genius Loci, der Geist des Ortes, bis in die Köpfe der Autorinnen hinein? Die verstellte Abkürzung &#8222;EMTS&#8220; ließe sich mühelos verlängern auf &#8222;European Memorial of Technology and Socialism&#8220;. Und gleich nebenan fliegen hungrig die Möwen am Spreekanal umher (Engl. &#8222;seagull&#8220;). Außerdem steht die Heilige Gertraud gar nicht weit, eine Statue, deren Name gerne auch als Heilige Getraude oder eben Heilige Gertrud auftaucht, Gertrud ohne a.</p>
<h2>Eine Brachfläche verlässt Berlin</h2>
<p>Der Brunnen, der so elegant im weiten Garten liegt, stammt aus den Sechziger Jahren. Der Garten gehörte zum Staatsratsgebäude der DDR. Walter Ulbricht hat den Brunnen sprudeln sehen. Erich Honecker hat den Brunnen sprudeln sehen. Gerhard Schröder hat den Brunnen sprudeln sehen, nachdem er Ende des letzten Jahrtausends als Bundeskanzler ins ehemalige Staatsratsgebäude eingezogen war. Doch keiner der Studierenden hat den Brunnen je sprudeln sehen, seit sich die ESMT in dem Gebäude befindet. Das sind mittlerweile 19 Jahre. Der Mosaikbrunnen, gebaut aus Glassteinen, hat insgesamt knapp ein viertel Jahrhundert lang brach gelegen.</p>
<blockquote><p>&#8222;Vergessen Sie den Brunnen nicht!&#8220;</p></blockquote>
<p>(Christoph Rauhut rezitiert Jörg Haspel bei der Eröffnung des Mosaikbrunnens am Sonntag, den 14. September 2025)</p>
<p>Landeskonservator Christoph Rauhut wies bei seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass der Brunnen trotz der langen Zeit immer auf dem Radar des Landesdenkmalamts geblieben war. Er erzählte, Jörg Haspel habe ihn bei der Amtsübergabe eindrücklich gebeten, an ihn appelliert, den Brunnen nicht zu vergessen: &#8222;Vergessen Sie den Brunnen nicht!&#8220; Haspel war Landeskonservator: stolze 23 Jahre lang. Und er freute sich sichtlich über diese Anekdote Rauhuts, als er an dem Sonntag im September dort im denkmalgeschützten Garten stand. Der Brunnen war eine Mission. Die Mission ist erfüllt.</p>
<div id="attachment_18019" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18019" class="wp-image-18019" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3.jpeg" alt="Menschen an Stehtischen am Rande eines Springbrunnens mit zwei Fontänen. In der Umgebung drei Gebäude." width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-3-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-18019" class="wp-caption-text">Sprudelnder Mosaikbrunnen mit organischen Formen, entworfen von Ortraud Lerch, nach der Wiedereröffnung im September 2025</p></div>
<p>Christoph Rauhut sagte auch, der Brunnen stünde als Kunstwerk nicht für sich allein. Er vermittele das Glaswandbild von Walter Womacka aus dem Innern des Gebäudes und bringe es heraus in den Garten. So oder so ähnlich hatte er es ausgedrückt. Und so macht dieser transparent-bunte, organisch abgerundete Rechteck-Brunnen Sinn.</p>
<h2>Ein Haus zeigt sein Inneres</h2>
<p>So machte auch dieser Sonntag Sinn: Denn erst fand die Eröffnung des Brunnens statt, und dann, als er wieder sprudelte, machte die ESMT Hausführungen durchs Gebäude, Touren durch das lebendige Denkmal, die zwar von der Schule ohnehin zweimal im Monat kostenfrei angeboten werden, aber in der Kombination mit der Präsentation des Mosaikbrunnens im Garten einmalig waren.</p>
<div id="attachment_18023" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18023" class="wp-image-18023" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7.jpeg" alt="Fenster mit bunten Bildern: Weiße Tauben, Blonde Frau in rotem Kleid, Fabriken, Satelliten." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-7-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18023" class="wp-caption-text">Glasfenster von Walter Womacka im Foyer der ESMT: Im Hintergrund Garten der ESMT und Hochhaus von der Fischerinsel</p></div>
<div id="attachment_18022" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18022" class="wp-image-18022" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6.jpeg" alt="Wandbild mit Staatsemblem der DDR mit grauen Mosaikstücken" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-6-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18022" class="wp-caption-text">In der ESMT: Staatsemblem der DDR als Mosaik-Wandbild. Heute Gegenwart für alle Studierenden</p></div>
<h2>Ein Guide klettert über den Gartenzaun</h2>
<p>So ging mir ein Motiv auf, dass ich zuvor noch nicht gesehen hatte. Ich nenne es &#8222;die sozialistische Spur&#8220;. Auf den künstlerischen Doppelpunkt aus Glasfenster von Walter Womacka und Mosaikbrunnen von Ortraud Lerch hatte der Landeskonservator bei der Eröffnung ja hingewiesen, aber es gibt noch mehr sozialistische Kunst vor Ort. Jenseits des Gartenzauns der ESMT, an der Sperlingsgasse, hängt an den Plattenbauten Richtung Jungfernbrücke seit 2013 das Wandbild &#8222;Der Mensch, das Maß aller Dinge&#8220;, ebenfalls von Walter Womacka. Das Kunstwerk, das aus emaillierten Kupferfliesen besteht, zieht sich vertikal 15 Meter die Hausecke hinauf und stammt ursprünglich vom DDR-Bauministerium, das um 2010 herum an der Breiten Straße abgerissen wurde. Der Freundeskreis Walter Womacka und die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) haben das Wandbild damals eingelagert und schließlich hierher transloziert. Der Brunnen von Ortraud Lerch liegt so gesehen, nachbarschaftlich eingebettet, zwischen zwei Womacka-Bildern.</p>
<div id="attachment_18024" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18024" class="wp-image-18024" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8.jpeg" alt="Spreekanal mit Fernsehturm, Wandbild an einem Plattenbau, Ecke des Staatsratsgebäudes und Kuppelspitze des Berliner Schlosses" width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-8-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-18024" class="wp-caption-text">Wandbild &#8222;Der Mensch, das Maß aller Dinge&#8220; von Walter Womacka an der Friedrichsgracht/Ecke Sperlingsgasse. Hinter den Bäumen liegt der Garten der ESMT</p></div>
<p>Doch die sozialistische Spur geht weiter. Vom &#8222;Mensch, das Maß aller Dinge&#8220; ist es nur einen Steinwurf entfernt (also vielleicht eher zwei Steinwürfe) zu einem weiteren Wandbild von Ortraud Lerch. Dazu gehe man über die Jungfernbrücke und Kleine Kurstraße in die Leipziger Straße 55. Tatsächlich braucht man nicht einmal den Spittelmarkt zu überqueren und sieht auf der Nordseite der Leipziger Straße, gegenüber den Spittelkolonnaden, Ortraud Lerchs &#8222;Friedenstaube&#8220; an der Wand des Erdgeschosses fliegen. Wie der Brunnen im Garten der ESMT ist das Bild zusammengesetzt aus zahlreichen Glasmosaikstücken. Seine Farben aus starken Blau-,  Rot- und Türkis-Tönen lassen sich leicht wiedererkennen; sie ähneln den Farben im Brunnen. Unten rechts im Bild steht der korrekt geschriebene Name der Künstlerin: Ortraud Lerch, Ortraud mit a.</p>
<div id="attachment_18026" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18026" class="wp-image-18026" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10.jpeg" alt="Weiße Taube auf blauen, roten und türkis-Farben zwischen Läden im Erdgeschoss an einem Gehweg." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-10-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18026" class="wp-caption-text">Mosaikbild &#8222;Friedenstaube&#8220; von Ortraud Lerch in der Leipziger Straße 55 in Berlin-Mitte.</p></div>
<h2>Zum Garten, den man kennt</h2>
<p>Wieder zurück auf Anfang: Die sozialistische Spur beginnt nicht mit dem Glasfenster im ehemaligen Staatsratsgebäude. Sie lässt sich auch nach Norden verlängern: zum Schloss. Wer dieses Fenster sehen will &#8211; mit seinen Mähdreschern, Schornsteinen, Baggerschaufeln (dazu gäbe es mehr zu sagen) -, muss durch das historische Schlossportal, das ins ehemalige Staatsratsgebäude 1964 als Hommage an Karl Liebknechts Republikausrufung von 1918 eingebaut wurde. Bei der Hausführung stehen wir innen und blicken vom Obergeschoss durch die Fenster auf den schmalen Balkon hinaus. Wir erfahren, Liebknecht habe nicht auf dem Balkon gestanden, sondern nur unten am Lustgarten, vorm Portal. Wir erfahren auch, das Portal sei nicht zu hundert Prozent das originale Portal IV des abgerissenen Berliner Schlosses. Lediglich zwanzig Prozent seiner Substanz seien in dem Bauwerk integriert worden.</p>
<div id="attachment_18041" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18041" class="wp-image-18041" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1.jpeg" alt="Blick von einem Gebäude auf einen Balkon hinaus in die Stadt: Geländer am Balkon, Brücke im Hintergrund, Gebäude" width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-plus-1-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-18041" class="wp-caption-text">Balkongeländer des alten Schlossportals von innen aus der ESMT heraus, beflaggt mit ukrainischen Farben. Im Hintergrund: Schlossbrücke mit Zeughaus und Museumsinsel</p></div>
<p>Damit hätte, einen weiteren Schritt &#8222;zurück springend&#8220; (quasi in der Geschichte des Deutschen Kommunismus), die sozialistische Spur ihre Keimzelle, ihren Startpunkt für eine potenzielle Tour, am heutigen Nachbau des Portals IV vom Humboldtforum am Lustgarten und käme auf insgesamt sechs erzählenswerte Standorte und Sehenswürdigkeiten:</p>
<ol>
<li>Schlossportal IV (Humboldtforum)</li>
<li>Schlossportal IV (ESMT)</li>
<li>Glasfenster von Walter Womacka (ESMT)</li>
<li>Mosaikbrunnen im Garten (ESMT)</li>
<li>Wandbild &#8222;Der Mensch, das Maß aller Dinge (Friedrichsgracht/Ecke Sperlingsgasse)</li>
<li>Mosaikbild &#8222;Friedenstaube&#8220; (Leipziger Straße).</li>
</ol>
<h2>Ein Brunnen in der Sackgasse</h2>
<p>Wäre da nicht die Barriere des Gartenzauns &#8230; Der Zaun und die buschig wuchernde Grundstücksgrenz-Vegetation trennt den Brunnen vom Womacka-Wandbild, so dass man wieder durchs Portal zurückgehen und um das Grundstück der ESMT herumgehen muss. Zwar gibt es immer noch die Kooperation der offenen Tür zwischen ESMT und Flussbad-Garten (man gelangt vom Flussbad-Garten durch eine Tür im Zaun in den Garten). Aber wenn der Flussbad-Garten ab Oktober für die Wintermonate den Spreekanal verlässt, gibt es für Gäste kein Durchkommen mehr.</p>
<div id="attachment_18018" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18018" class="wp-image-18018" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2.jpeg" alt="Fichten am Rande eines Gartens." width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-2-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-18018" class="wp-caption-text">Serbische Fichten am Rande des Gartens. Rechts entlang gehts zur Tür im Zaun zum Flussbad-Garten</p></div>
<h2>Ein Campus ohne Mauern</h2>
<p>Aber es gibt eine große Alternative. Die ESMT plant auf ihrem Grundstück Studentenwohnheime. Dafür müsste sie im Garten bauen. Gemessen an dem Tonfall und an den wenigen Worten, mit denen das Bauprojekt bei Eröffnung des Mosaikbrunnens angesprochen wurde, vermute ich, dass das keine einfache Sache ist. Der Garten ist ja denkmalgeschützt. Doch wo die Neubauten errichtet würden, stehen wunderbare, in sozialistischer Linie gewachsene serbische Fichten. Das wird eng für die hochgewachsenen Stämme. Das erkennt man im Modell.</p>
<p>Das Modell vom geplanten ESMT-Campus befindet sich im Foyer der Schule, nahe des Womacka-Fensters. Außerdem plant die ESMT den neuen Campus schon sehr lange. Zwei Gebäude sollen an der Sperlingsgasse entstehen. Und von der Brüderstraße gäbe es eine Art tieferen Einzug auf das Gelände des heutigen Gartens. Noch verhindert die üppige, oben angesprochene &#8222;Grundstücksgrenz-Vegetation&#8220; die visuelle Verbindung beider Orte: Garten, Brüderstraße/Petriplatz. Gerade hier muss es sie in der Zukunft geben, sollte das House of One jemals gebaut werden. Das Dreireligionen-Haus wäre sichtbar von der ESMT aus! Die Brüderstraße führte direkt in den Haupteingang.</p>
<div id="attachment_18020" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-18020" class="wp-image-18020" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4.jpeg" alt="Hand zeigt mit Finger auf einen Glaskasten. Darin befindet sich ein Stadtmodell." width="600" height="450" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/10/BP-Haspel-4-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-18020" class="wp-caption-text">Modell vom geplanten ESMT-Campus: links das ehemalige Staatsraatsgebäude, rechts Ausgang in die Brüderstraße zum Petriplatz, unten Ufer des Spreekanals</p></div>
<p>Bei genauerem Hinsehen lassen sich im Campus-Modell anstelle des heutigen Zaunes zwar Mauern erkennen. Da wir uns aber in Berlin befinden, bleibe ich hoffnungsvoll, dass die ESMT das Durchstreifen ihres Gartens (nicht nur den punktuellen Zugang) dauerhaft ermöglichen wird. In Berlin fallen früher oder später alle Mauern. Am besten früher. Heißt: bitte erst gar nicht bauen.</p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li>DDR-Brunnen sprudelt wieder, <a href="https://www.morgenpost.de/berlin/article409994813/tag-des-offenen-denkmals-ddr-brunnen-sprudelt-wieder.html" target="_blank" rel="noopener">Morgenpost v. 14. September 2025</a></li>
<li>Ein Mosaik leuchtet wieder, <a href="https://taz.de/Eine-Oase-mitten-im-Kapitalismus/!6110299/" target="_blank" rel="noopener">taz v. 15. September 2025</a></li>
<li>Heilige Gertraude, <a href="https://bildhauerei-in-berlin.de/bildwerk/heilige-gertrud-5235/" target="_blank" rel="noopener">Bildhauerei in Berlin</a></li>
</ul>
</li>
</ul>
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		<title>Merks heißer Markt</title>
		<link>https://futurberlin.de/merks-heisser-markt</link>
					<comments>https://futurberlin.de/merks-heisser-markt#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jun 2025 09:35:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Alter Markt]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Rubelt]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Merk]]></category>
		<category><![CDATA[Klimastadt]]></category>
		<category><![CDATA[Potsdam]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wanderer, kommst du im Sommer über die Lange Brücke nach Potsdam, merke dir: Das erste und das letzte, das du siehst, wird der Alte Markt sein. Und er wird heiß sein. Trittst du aus dem Schatten der Humboldtstraße heraus, um zum Obelisk zu gehen, wird ein Sack Sonne dir in den Nacken fallen, der dich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wanderer, kommst du im Sommer über die Lange Brücke nach Potsdam, merke dir: Das erste und das letzte, das du siehst, wird der Alte Markt sein. Und er wird heiß sein. Trittst du aus dem Schatten der Humboldtstraße heraus, um zum Obelisk zu gehen, wird ein Sack Sonne dir in den Nacken fallen, der dich niederstreckt. Dann wirst du plötzlich dem freien Himmel entfliehen, zurückweichen und dich entlangschleichen an der einzig verschatteten Platzseite, entlang des leider nur zweistöckigen Fortunaportals. Willst du dich setzen, musst du ein wahrlich früher Touristenvogel sein. Denn hier im peripheren Schatten des Barockplatzes steht die einzige Bank, die Sinn macht. Hast Du sie dir dann unter den Nagel gerissen, hältst du den Hauptpreis in Händen, darfst das Panorama aus Nikolaikirche, Altem Rathaus und Barberini bestaunen &#8211; und weiterleben. Alle andern verglühen oder verschmelzen mit den Pflastersteinen.</p>
<div id="attachment_17829" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17829" class="wp-image-17829" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1.jpeg" alt="" width="600" height="480" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1-300x240.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1-1030x824.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1-80x64.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1-768x614.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1-705x564.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Alter-Markt-retuschiert-1-450x360.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-17829" class="wp-caption-text">Alter Markt: Blick von der Nikolaikirche zum Barberini. Im Hintergrund: Potsdams Hauptbahnhof und Lange Brücke. Achtung: Märzschatten am Nachmittag, der fällt beträchtlich schmaler im Sommer aus (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Stadtplanung kann gemein sein. Kaum hat Potsdam nach dreißig Jahren seinen zerrissenen Ursprungsort wiederaufgebaut, steht schon die nächste Gestaltungsaufgabe vor der Tür. Tür, das meine ich wörtlich: Die Umgestaltung des Alten Marktes zu einem aufenthaltsfördernden, kommunikativen Stadtplatz liegt vor den Türen von Nikolaikirche, Landtag, Potsdam Museum und Barberini sowie vor den Türen und Fenstern der neuen Stadthäuser des flankierenden Leitbautenblocks III. Am Alten Markt hat sich Potsdam &#8222;vom Kopf wieder auf die Füße gestellt&#8220;, um es mit den Worten von Arnold Bartetzky zu sagen.</p>
<p>Das ist einen Satz Anerkennung wert, wirklich. Aber was soll ein Barockplatz, wenn die Menschen ihn nicht benutzen können? Kaum Schatten (okay, am Obelisk), kein Wasser (nur Gastro), kein Grün (Kirschbaum nördlich des Altes Rathauses zählt nicht) und wie schon angesprochen: kuriose Sitzgelegenheiten, die man (weil in der ehemaligen Militärstadt Potsdam) unbedingt &#8222;spartanisch&#8220; nennen muss (acht Bänke, davon aber nur eine dort, wo man sie wirklich braucht).</p>
<h2>Rote Karte für den Alten Markt</h2>
<p>Seit August 2019 herrscht in Potsdam Klima-Notstand. Es gibt ein Klimaanpassungskonzept, ein Integriertes Klimasschutzkonzept, eine Stadtklimakarte, einen Hitze-Aktionsplan, eine Hitzeschutz-Kampagne für Kinder und für Senioren (siehe &#8222;Hitzi &#8211; Potsdams cooles Hitzeheft&#8220;). Die Stadt betreibt auch ein Tausend-Bäume-Programm. Ja, Potsdam landet im Hitze-Check der Deutschen Städte mit über 50.000 Einwohnern sogar auf dem dritten Platz hinter Detmold und Ratingen. Denn die Stadt weist dank der Parks und Gewässer eine Versiegelungsquote von nur rund 37 Prozent auf, wo der Durchschnitt in Deutschland bei 45 Prozent liegt. Städte seien &#8222;Hitze-Höllen&#8220;, sagt Barbara Metz von der Deutschen Umwelthilfe. Aber Potsdam?</p>
<p>Gemessen an den Aktionen und den nackten Zahlen scheint Potsdam als Gesamtstadt ganz gut im Rennen zu liegen. Doch die Innenstadt ist der Ort, wo die Sonne knallt. Die Stadtklimakarte zeigt rote Flecken über dem Holländischen Viertel und über dem Alten Markt. Zwar prüft die Stadt 110 innenstädtische Standorte, um neue Bäume zu pflanzen. Aber es kämen am Ende voraussichtlich nur etwa 40 neue Bäume, sagt Bernd Rubelt, Baubeigeordneter der Stadtverwaltung, im Tagesspiegel.</p>
<p>Nun könnte man mit vierzig Bäumen den Alten Markt bewalden. Das zu verhindern, dazu scheinen die Verantwortlichen fest entschlossen zu sein.</p>
<p>Gepflanzt werden sollen nur eine Platane vorm Mercure Hotel, eine Linde vor der Spielbank in der Breiten Straße, Stauden vor dem Filmmuseum und drei Schnurbäume in der Nähe der Ringerkolonnaden. Ein einziger Baum könnte eventuell auf dem Alten Markt gepflanzt werden: vor dem Eingang des Potsdam-Museums, so Denkmalschützer Felix Merk im selben Artikel des Tagesspiegel. Der Preis &#8211; der Baum verdeckt die Werbefläche des Museums &#8211; scheint ihm allerdings zu hoch bemessen. Positiv ausgedrückt, setzt sich für den Alten Markt bei dem Denkmalschützer eine Art Profiling durch.</p>
<blockquote><p>&#8222;Das ist eben der steinerne Platz.&#8220;</p></blockquote>
<p>(Denkmalschützer Felix Merk im Tagesspiegel v. 08. August 2024, siehe Links)</p>
<p>Merk erkennt die Einzigartigkeit des Alten Marktes gegenüber dem schon grünen oder zukünftig grünen Rest-Potsdam: &#8222;Das ist eben der steinerne Platz.&#8220; Die Kritik am baumlosen Platz werde zu Ende gehen, wenn der benachbarte Steubenplatz bald bepflanzt sein wird, hofft er.</p>
<p>Und wie resignierender Pragmatismus klingt es bei Bernd Rubelt, wenn er sagt, wir könnten vor dem Museum nicht alles mit Bäumen vollstellen. Das sei &#8222;sonnenklar&#8220;. Wir könnten die Gestaltung des Platzes auch nicht mit jeder Mode revidieren.</p>
<p>Die Potsdamer Stadtväter sehen den Alten Markt offenbar als eine Art fremde Tante, ein geladenes, aber unantastbares Familienmitglied, das es nicht zu brüskieren gilt. Natürlich können Bäume auf dem Alten Markt stehen. Die Frage ist nur welche? Und wieviele und wo? Und auch ab wann?</p>
<p>Was Bäume im Stadtklima leisten, will ich hier gar nicht ausbreiten. Womit ich mich abgeben möchte, ist die Frage nach Schatten für den Platz. Und um den Alten Markt zu beschatten, braucht es nicht unbedingt Bäume. Bäume sind die langfristige, multifunktionale Lösung. Und ja, Bäume auf dem Alten Markt verändern seinen Charakter nachhaltig. Da darf Felix Merk ruhig ein bisschen Bammel haben.</p>
<h2>Wer Rasen säht, wird Menschen ernten</h2>
<p>Fangen wir doch mal mit Blümchen an. Beim Blüten- und Genussfestival im Jahr 2022 legte der Veranstalter auf dem Alten Markt Blumenteppiche aus. Das diente in erster Linie dazu, den Brandenburgischen Gartenbau als Wirtschaftsfaktor zu präsentieren. Umgeben von Farben sah der Obelisk auf einmal viel schöner aus. Die Aktion hatte den fruchtbaren Nebeneffekt, dass der Tagesspiegel in einem Kommentar von Henri Kramer forderte, der Alte Markt brauche eine üppige Begrünung. Er rief die Potsdamer Bauverwaltung auf, kreative Lösungen für den Alten Markt zu finden. Dazu will ich etwas beisteuern.</p>
<div id="attachment_17831" style="width: 697px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17831" class="wp-image-17831 size-large" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1-687x1030.jpeg" alt="" width="687" height="1030" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1-687x1030.jpeg 687w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1-200x300.jpeg 200w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1-53x80.jpeg 53w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1-768x1151.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1-470x705.jpeg 470w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1-450x674.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Bluetenfest-retuschiert-1.jpeg 854w" sizes="auto, (max-width: 687px) 100vw, 687px" /></a><p id="caption-attachment-17831" class="wp-caption-text">Alter Markt farbig: Blüten- und Genussfestival 2022 (Foto: Sylvia Schießer, M.A.)</p></div>
<p>Auch wenn Blumen noch keinen Schatten für Menschen werfen &#8211; fangen wir ganz unten an: Fangen wir auf dem Boden an. Was, wenn der Alte Markt entsiegelt würde? Teilweise. Einfach ein paar bestimmte Pflastersteine aus der Platzfläche herausnehmen und einen Blumentopf reinstellen. Im Kreativquartier an der Plantage baut der Projektentwickler die Hofwege auf dem zentralen Quartiersplatz mit versprengten Gehwegplatten, die nach rechts und links ausfallen auf unbefestigte Flächen &#8211; eine Technik, die man auf befestigten Stadtplätzen doch schnell übernehmen könnte.</p>
<p>Dass es zwischen den Anrainergebäuden des Alten Marktes früher Wegebeziehungen gegeben hat, sieht man deutlich auf dem Ölgemälde von Wilhelm Barth aus dem Jahr 1823. Jenseits dieser Wege erkennt man dort &#8222;sonnenklar&#8220; den grünen Rasen.</p>
<p>Es gibt keine Aufenthaltsart, die sommerlicher und freier ist, als auf der Wiese zu liegen. Das Stadtliegen ist dem Auf-der-Bank-Sitzen hochwertiger, weil diejenigen, die sich hinlegen, sich zu hundert Prozent zu dem Ort bekennen. Sie lassen sich auf ihn ein und sagen mit dem Körper: Hier will ich bleiben. Menschen, die sich auf die Bank setzen, tun das nur zur Hälfte. Sie sagen eher: Okay, guck ich mir mal an, aber &#8230; ich bin auch ganz schnell wieder weg, wenn das nichts wird mit uns hier. Ein Ort, der beide Aufenthaltsmöglichkeiten bereithält, Bänke und Rasen, gibt Stadtplanern oder Tourismusforschern einen Maßstab zur Qualitätssicherung an die Hand. Ein Ort fesselt, wenn die Leute liegen.</p>
<h2>Parlamentshonig für die Baumeister</h2>
<p>Denken wir den Obelisk mal weiter. Umgeben von Blumen, das wäre schön. Muss aber auch nicht sein. Umrundet von einem ein bis zwei Meter breiten Rasenring, das wäre einladend und praktisch. Man säße mit dem Rücken an den Stein gelehnt und läse ein Buch oder was anderes.</p>
<p>Mehr zu den Blumen: Oben, im Fortunaportal hat Imker Holger Ackermann zwei Bienenstöcke stationiert. Sie sammeln die Pollen im Umkreis von fünf Kilometern und machen daraus &#8222;Parlamentshonig&#8220;. Er schmeckt nach Linde und Götterbaum. Und ich habe ihn gekostet. Warum nicht den Bienen die Ware vor die Haustür bringen? Mehr Vegetation auf dem Alten Markt, würde somit auch bedeuten, Beziehungen zum belebten Bestand aufzubauen und zu erweitern. Als Dankeschön lassen sich die Bienen dann vielleicht öfter vor dem Barberini sehen.</p>
<p>Ich will nicht so weit gehen, den Obelisk selbst zum Bienenstock umzuwidmen. Aber wenn ich mir das mal überlege, könnte Potsdam mit so einer Aktion wirklich Aufsehen erregen. Ein Bienenstock mitten auf einem Barockplatz, bewacht von vier Baumeistern (gemeint sind die Medaillons am Obelisk), das hat doch was. Da werden Architekten zu Artenschützern.</p>
<h2>&#8222;Hitze-Höllen&#8220; brauchen Leichtarchitekturen</h2>
<p>Kommen wir mal ein bisschen weg vom Boden und lassen das steinerne Pflaster wie es eben ist. Da gibt es zunächst mal die flexible Maßnahme, Pflanzen und Bäumchen in kleinen und großen Kübeln, auch in Hochbeeten zu postieren. Das sieht man mittlerweile an vielen Orten, zum Beispiel auf dem Kulturforum in Berlin.</p>
<p>Passender für Potsdam aber betrachte ich die Laubengänge, wie man sie am Schloss Belvedere oder im Park Babelsberg vorfindet. Das ist doch eine geniale Leichtarchitektur, die in den &#8222;Hitze-Höllen&#8220; des 21. Jahrhunderts als Standard auf offenen Stadtflächen aufgebaut werden sollte. Muss ja nicht alles bogenförmig und mit Gehölzen bestückt sein, die Strukturen lassen sich aus vielen Materialien erschaffen und variieren.</p>
<p>Hauptsache ist: Wir finden Schatten. Und Schatten &#8211; besonders an den im Jahr 2023 gezählten 15 &#8222;Hitze-Tagen&#8220; mit Temperaturen über 30 Grad Celsius &#8211; brauchen wir grundsätzlich auch in der Bewegung, nicht nur wenn wir verweilen. Haben nicht die Preußen die Alleen erfunden, um die marschierenden Soldaten zu schützen? Halbschatten tut´s übrigens auch. Halbschatten ist vor allem psychologisch wichtig.</p>
<div id="attachment_17810" style="width: 650px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Melbourne-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17810" class="size-full wp-image-17810" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Melbourne-1.jpeg" alt="" width="640" height="480" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Melbourne-1.jpeg 640w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Melbourne-1-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Melbourne-1-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Melbourne-1-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><p id="caption-attachment-17810" class="wp-caption-text">Laubengang-artige Fußgängerbrücke in Melbourne (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Einen solchen Laubengang, einen solchen, blickdurchlässigen Halbschattenschlauch, könnte man auf der Trasse der alten Tramlinie über den Alten Markt führen. Das heißt, er würde aus der Humboldtstraße auf den Platz zulaufen, vor dem Obelisk nach links schwenken und dann hinter der Nikolaikirche nach rechts in die Anna-Flügge-Straße einbiegen. Wichtig wäre, dass die Struktur semi-transparent bleibt. Die hindurch schlendernden Menschen sollten die außerhalb stehenden Bauten sehen oder sie zumindest wahrnehmen; und die Leute vom Platz sollten die Bewegung der Menschen im Laubengang registrieren und Bock kriegen, selber durchzulaufen.</p>
<div id="attachment_17811" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Park-Babelsberg-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17811" class="size-full wp-image-17811" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Park-Babelsberg-1.jpeg" alt="" width="480" height="640" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Park-Babelsberg-1.jpeg 480w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Park-Babelsberg-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Park-Babelsberg-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Laubengang-Park-Babelsberg-1-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><p id="caption-attachment-17811" class="wp-caption-text">Laubengang im Park Babelsberg, Potsdam (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Steigen wir nun in die Höhe. Wie wäre es möglich, Merks steinernen Platz einen steinernen Platz bleiben zu lassen und ihn trotzdem und vielleicht gerade deswegen flächig zu verschatten? Wenn das Steinerne die Qualität des Ortes sein soll, dann sollte der steinerne Alte Markt doch auf jedem Quadratzentimeter zugänglich sein oder etwa nicht?</p>
<h2>Für eine luftige Wimpel- und Girlandenhaube</h2>
<p>Stellt Euch vor, auf dem Alten Markt landete ein luftig leichtes, bewegliches, flatterndes, löchriges, bescheidenes Zirkuszelt. Als senkte sich ein Netz vom Himmel herab und ließe sich sanft auf Barberini, Altem Rathaus, Nikolaikirchenkuppel, Obelisk und Fortuna nieder. Was für ein besänftigendes Glück wäre das doch! &#8211; Überspannt der Platz, dennoch sähen wir den Himmel.</p>
<p>Die Zauberformel muss dabei der ungreifbare, einladende Halbschatten bleiben. Ein Konstrukt könnte das sein aus Sonnensegeln, Girlanden, Wimpelkolonnen, Fahnen und Fähnchen, unterstützt von Markisen in den Erdgeschossen der Anrainergebäude.</p>
<p>Diese Wimpel- und Girlandenhaube ließe sich wunderbar zwischen den umliegenden Dächern aufziehen: Der Obelisk bündelt sie im Zentrum. Das Alte Rathaus bietet mit seinen Figuren auf der Attika allein sechs Anknüpfungspunkte (Atlas-Statue aus guten Gründen nicht mitgezählt), ebenso die Vasen auf der Balustrade des Barberini. Das Fortunaportal könnte mit seinen vier Eckfiguren ebenso der Aufhängung des Netzzeltes dienen; ja man müsste der Fortuna tatsächlich selbst ein paar Fäden in die Hand legen, so dass sie, wenn sie sich mit dem Wind dreht, die Kraft in das Gebilde überträgt.</p>
<div id="attachment_17820" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17820" class="wp-image-17820" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-773x1030.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-1152x1536.jpeg 1152w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-1125x1500.jpeg 1125w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1-450x600.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Choriner-1.jpeg 1512w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-17820" class="wp-caption-text">Wimpelleinen zwischen Nachbarn in der Choriner Straße, Berlin (Foto: André Franke)</p></div>
<div id="attachment_17833" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17833" class="wp-image-17833" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1.jpeg" alt="" width="600" height="338" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1-300x169.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1-1030x579.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1-80x45.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1-768x432.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1-705x397.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Fortunaportal-1-450x253.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><p id="caption-attachment-17833" class="wp-caption-text">Fortunaportal: Könnte eine ganze Reihe von Zitronenbäumen schultern und damit für mehr Stadtbild und Schatten sorgen (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Mir geht das Herz auf, wenn ich an diesen möglichen Stadtraum denke. Allein das Fortunaportal vermag noch viel mehr zu bieten. Es könnte regelrecht auftrumpfen am Alten Markt, wenn es beispielsweise Zitronenbäumchen für sein Obergeschoss einzufordern im Stande wäre. Aber es kann ja nicht sprechen. Diese sollten selbstverständlich in Reihe geschaltet sein, nicht aus Erinnerung an die preußische Infanterie, sondern, weil sie dann nach Süden hin, Richtung Mittagssonne, zusammen in der Fläche wirken und den Schatten spenden, den Merks heißer Markt so vermissen lässt.</p>
<p>Ein Segeltuch wäre auch noch eine Idee. So eine Art Banner, das vom Alten Markt den Blick auf das moderne Hotel Mercure verdeckt. Das würde denjenigen entgegenkommen, die das Gebäude abreißen wollen. Das Quersegel würde mittags den besagten Schatten werfen und abends bespielbar für Filme im Open Air Kino sein. Klar, dass der Projektor vom Obelisk ausstrahlen sollte, oder?</p>
<div id="attachment_17809" style="width: 650px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Hitzi-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17809" class="wp-image-17809 size-full" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Hitzi-1.jpeg" alt="" width="640" height="417" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Hitzi-1.jpeg 640w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Hitzi-1-300x195.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Hitzi-1-80x52.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/06/Hitzi-1-450x293.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><p id="caption-attachment-17809" class="wp-caption-text">Alter Markt als Wimmelbild in &#8222;Hitzi&#8220; mit viel Sonne und Sonnenschutz (Illustrator: Jörg Hafemeister, Landeshauptstadt Potsdam)</p></div>
<h2>Der Alte Markt braucht einen Ideenwettbewerb</h2>
<p>Wenn allein ich auf Ideen wie diese komme, auf wieviele und auf welch bessere käme die Stadt Potsdam, wenn sie sich ein Herz fassen würde und einen Ideenwettbewerb zur Erlebbarmachung des Alten Markts ausloben würde? &#8222;Hitzi&#8220;, Potsdams cooles Hitzeheft, gibt doch mit seinem Coverbild bereits einen Vorgeschmack auf bessere Zeiten.</p>
<p>Leider scheint das nicht wirklich ernst gemeint zu sein: mit Trinkwasser-Bar, Sonnenblumen-Topf auf dem Obelisk und Sonnensegeln zwischen den Häusern. Potsdams Alter Markt muss mehr werden als die Kulisse, aus der man sich wegschleicht. Der Alte Markt muss cool werden, damit die Menschen ihn und seine Geschichte überhaupt erkennen können.</p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li><a href="https://www.potsdam-museum.de/de/artikel/sammlung-bildende-kunst-bis-1850" target="_blank" rel="noopener">Alter Markt mit Grünflächen und Gehwegen, Wilhelm Barth, 1823 (Potsdam-Museum)</a></li>
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=fjBmIkCOacs&amp;t=11124s" target="_blank" rel="noopener">Arnold Bartetzky, Stadtforum Potsdam 2020, Livestream auf youtube (ab 2h37min.)</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/kreative-losungen-finden-der-alte-markt-braucht-eine-uppige-begrunung-8682937.html?icid=topic-list_9255213___" target="_blank" rel="noopener">Kreative Lösungen finden, Kommentar von Henri Kramer im Tagesspiegel v. 26. September 2022</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/potsdamer-innenstadt-wird-zur-hitzezone-wo-es-im-sommer-am-unertraglichsten-ist--und-wo-es-sich-aushalten-lasst-9255213.html" target="_blank" rel="noopener">Potsdamer Innenstadt wird zur Hitze-Zone, Tagesspiegel v. 01. Februar 2023</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/kinder-im-fokus-potsdam-startet-neue-hitzeschutzkampagne-11759396.html" target="_blank" rel="noopener">Kinder im Fokus, Tagesspiegel v. 03. Juni 2024</a></li>
<li><a href="https://www.potsdam.de/system/files/document/Hitzi-Heft_2025_klein.pdf" target="_blank" rel="noopener">Hitzi &#8211; Potsdams cooles Hitzeheft</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/viel-grun-wenig-versiegelung-potsdam-punktet-beim-hitze-check-der-deutschen-umwelthilfe-12115037.html" target="_blank" rel="noopener">Viel Grün, wenig Versiegelung, Tagesspiegel v. 30. Juli 2024</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/mehr-baume-fur-die-potsdamer-innenstadt-stadt-pruft-insgesamt-110-standorte-fur-bepflanzungen-12165773.html?icid=topic-list_12192839___" target="_blank" rel="noopener">Mehr Bäume für die Potsdamer Innenstadt, Tagesspiegel v. 08. August 2024</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/ideen-der-zukunft-wie-potsdam-seine-burgerinnen-und-burger-vor-hitze-schutzen-will-12192839.html" target="_blank" rel="noopener">Hitzebelastung in Potsdam, Tagesspiegel v. 14. August 2024</a></li>
<li><a href="https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/potsdams-hitze-hotspots-von-alter-markt-bis-waldsiedlung-12315608.html" target="_blank" rel="noopener">Potsdams Hitze-Hotspots, Tagesspiegel v. 05. September 2024</a></li>
</ul>
</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Körtes Störer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Mar 2025 10:40:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrichstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales Handelszentrum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtbild]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist mir Balsam auf der Seele, wenn ich lese, dass wieder mehr Touristen in die Stadt kommen. Erstmals seit der Pandemie verbuchen die Hotels im vergangenen Jahr wieder mehr als 30 Millionen Übernachtungen mit knapp 13 Millionen Gästen in den Betten, berichtet die Morgenpost aus einer Studie. Mit Genuss vernehme ich, dass 60 Prozent [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist mir Balsam auf der Seele, wenn ich lese, dass wieder mehr Touristen in die Stadt kommen. Erstmals seit der Pandemie verbuchen die Hotels im vergangenen Jahr wieder mehr als 30 Millionen Übernachtungen mit knapp 13 Millionen Gästen in den Betten, berichtet die <a href="https://www.morgenpost.de/berlin/article408344373/warum-berlin-touristen-in-die-hauptstadt-kommen.html" target="_blank" rel="noopener">Morgenpost</a> aus einer Studie. Mit Genuss vernehme ich, dass 60 Prozent der Besucher aus Deutschland kommen. Das ist ja wirklich wie in alten Zeiten. Und dann lese ich das: Nach dem Grund gefragt, warum sie kommen, sagen sie, sie kämen fürs Stadtbild und für die Architektur. Dieses Reisemotiv steht mit 37 Prozent sogar vor der Geschichte und vor dem Berliner Nachtleben!</p>
<h2>Körtes Stadtbild</h2>
<p>Da muss ich schmunzeln. Denn ich denke an Donnerstag-Abend letzte Woche. Da war ich zu Gast bei einem Vortrag des Vereins Forum Stadtbild im Theater Coupé am Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf. Der Verein hatte Arnold Körte eingeladen, der über das Schaffen des Berliner Architekten Martin Gropius referierte und in bescheidenem Ton, nur in einem Nebensatz bemerkte, Gropius sei sein Ur-Großvater gewesen. Körte ging es ebenfalls sehr um das Berliner Stadtbild.</p>
<p>Er zeigte ein Plakat, das im Jahre 1913 entstanden war. Das Fremdenverkehrsamt hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben, um Berlin zu &#8222;branden&#8220;. Heraus gekommen war ein Bild, das im Vordergrund den Spreekanal mit einem Kahn zeigte und dahinter die kleinteilige vormoderne Bebauung des Berliner Stadtkerns am Ufer. Sie konnte im Grunde genommen für die abgerissene &#8222;Schlossfreiheit&#8220; stehen, wenn man den Schauplatz standortgerecht übersetzen wollte. Denn hinter diesen Reihenhäusern, Townhäusern würden wir sie heute nennen, türmte sich maßstabsungerecht, quasi &#8222;out of scale&#8220;, das Berliner Schloss auf  &#8211; mit dem Eosanderportal inklusive der Schlosskuppel -, größer als es von Natur aus da stand. Das war die Botschaft: Der übermächtige Repräsentationsanspruch der Hauptstadt, Kaiserstadt, versus Kiez.</p>
<p>Arnold Körte lobte das Poster sehr, die Klarheit in der Aussage. Dagegen hielt er die plakativen Botschaften der heutigen Berlin-Vermarktung: Hier das Brandenburger Tor im Gegenlicht der Abendsonne, dort das Bodemuseum mit dem Fernsehturm im Nacken. Dazu diverse Luftbild-Perspektiven, die den verzweifelten Versuch darstellen, die Großstadt in seiner Gesamtheit zu ergreifen, zu begreifen, zu übergeben: an den (schon damals existenten) Hauptstadttouristen. Medial geht das Stadtmarketing seit 1913 nur noch den Bach runter, so die Message. Kann man gar nichts gegen sagen.</p>
<h2>Stadtbilder von Chipperfield</h2>
<p>Aber auch die Realarchitektur kommt bei Körte schlecht weg. Die Kolonnaden der James-Simon-Gallerie auf der Museumsinsel von David Chipperfield sind ihm zu hoch geraten, weil das dahinter stehende Pergamonmuseum zu verschwinden droht. Und die Rundbögen im Gropius-Ensemble des Forums Museumsinsel (auch ein Chipperfield-Bau) sind für ihn unverständlich, weil der Vorgängerbau von Gropius eben eine ganz andere Fassadengestalt gehabt hat. Als er dann aber eine Perspektive von der Museumsinsel mit Blick nach Westen zeigt, auf der in voller Uferbreite die Kolonnaden an der Alten Nationalgalerie zu sehen sind und Körte bemerkt, er hätte das im Hintergrund stehende schwarze Hochhaus, das Internationale Handelszentrum der DDR, am liebsten aus dem Foto herausretuschiert, wurde mir klar, dass Berlin nicht mit noch so hingebungsvoller Vedutenliebe erklärbar ist.</p>
<div id="attachment_17462" style="width: 540px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17462" class="wp-image-17462" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1.png" alt="" width="530" height="398" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1.png 2016w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-300x225.png 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-1030x773.png 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-80x60.png 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-768x576.png 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-1536x1152.png 1536w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-1500x1125.png 1500w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-705x529.png 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/IHZ-1-450x338.png 450w" sizes="auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px" /></a><p id="caption-attachment-17462" class="wp-caption-text">Lichtblick früh morgens gegen sieben Uhr: Das Internationales Handelszentrum strahlt, während das Welterbe noch schläft (Foto: André Franke)</p></div>
<p class="p1">Mit Veduten hatte Körtes Vortrag begonnen: mit dem schönen Dresden im stimmungsvollen 18. Jahrhundert, einer Stadtansicht vom rechten Elbufer unter der Augustusbrücke mit Frauenkirche, Hofkirche und Schloss, geschaffen von Bernado Bellotto aus dem Jahr 1748. Für Berlin, so Körte, hat es so eine vergleichbare Vedute nie gegeben.</p>
<p class="p1">Warum eigentlich nicht? Wahrscheinlich, weil Berlin von Grund auf zu facettenreich ist. Allein die Lage an Spree und Spreekanal vervierfacht das Stadtbildpotenzial der Uferlagen, wenn man sich vor Augen hält, dass mit Berlin, Cölln und Friedrichswerder gleich drei Städte (bzw. nach 1709 drei Stadtteile) am Wasser lagen und sich fortan mit Bauten präsentierten.</p>
<h2>Berlin und seine Störer</h2>
<p class="p1">Am ehesten käme noch das Panorama Berlins von Caspar Merian von 1652, ein Stich, in Frage, auch wenn es verglichen mit der Vedute von Dresden hundert Jahre früher entstand. Darin blicken wir vom Westen kommend entlang der schönen und Schatten werfenden Linden in der Bildmitte auf die Mauern Cöllns und das Schloss des Großen Kurfürsten. Ein Drittel der Bildfläche nehmen Felder ein, die schon ein halbes Jahrhundert später mit der Dorotheenstadt und Friedrichstadt bebaut werden sollten. Das heißt, bereits eine Fürstengeneration später, war das Stadtbild obsolet geworden. In Dresden dagegen fließt die Elbe immer noch unter der Augustusbrücke hindurch.</p>
<p>Das ist das Problem mit Berlin. Berlin ist zu schnell. Berlin hat zu viele Störer. Und so ein Störer ist eben auch das Internationale Handelszentrum für Arnold Körte in seinem Bild von der Museumsinsel.</p>
<div id="attachment_17437" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1.png"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17437" class="wp-image-17437" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1.png" alt="" width="480" height="640" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1.png 3024w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-225x300.png 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-773x1030.png 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-60x80.png 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-768x1024.png 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-1152x1536.png 1152w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-1536x2048.png 1536w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-1125x1500.png 1125w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-529x705.png 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/03/Handelszentrum-1-450x600.png 450w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><p id="caption-attachment-17437" class="wp-caption-text">Internationales Handelszentrum mit Blick aus der Charlottenstraße im Sommer 2023 (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Mich stört es nicht. Ich kann mit diesem DDR-Hochhaus an der Friedrichstraße viel anfangen. Es war bis vor ein paar Jahren nachts in einem ganz warmen Orange beleuchtet, bevor aus irgendeinem Grund das Licht greller wurde. Da saß ich einmal im Open-Air-Kino des Bundestags am Reichstagsufer gegenüber dem Elisabeth-Lüders-Haus auf der Ufertreppe und blickte weg vom Film Richtung Osten zum Mond. Es war Vollmond. Und der Vollmond hing wie ein Lampion oder wie eine fette Orange am Horizont über dem Bahnhof Friedrichstraße. Da bildeten der Erdtrabant und das Handelszentrum einen Doppelpunkt am Berliner Nachthimmel, als hätten sie sich zu diesem Treffen verabredet.</p>
<h2>Großstadtwalks mit Mental map</h2>
<p>Ein anderes Mal lief ich zu Fuß vom ICC zur Pappelallee. Es war ein schöner Sonntag, und durch einen Zufall landete ich tief im alten Westen Berlins. Ich hatte überraschend drei Stunden Zeit, um eines meiner Kinder von einer Geburtstagsparty abzuholen. Das ICC steht am Rand des Grunewalds. Die Pappelallee liegt in Prenzlauer Berg. Blickt man von hier aus, von der Pappelallee, Richtung Stadtzentrum, steht am Ende des kilometerlangen Straßenzugs, der in die Kastanienallee und in den Weinbergsweg übergeht, das weiß-schwarze Internationale Handelszentrum.</p>
<p>Ich stellte die Strecke auf den Kopf, ging die erste Etappe vom ICC über die Kantstraße zum Breitscheidtplatz mit der Gedächtniskirche, zog weiter entlang der Tiergartenstraße bis ungefähr zum Potsdamer Platz, und spazierte durch die westliche Friedrichstadt bis zur Friedrichstraße. Hier, etwa Höhe Mohrenstraße, drehte ich nach Norden ein und steuerte das Handelszentrum an. Als ich das Gebäude erreicht hatte, stand ich im Kopf schon in der Pappelallee. Als ich dort ankam, hatte ich eine meiner schönsten Großstadtwanderungen hinter mich gebracht. Ich erinnere mich, dass ich anfangs nur die Kantstraße gehen und ins Schwarze Café einkehren wollte. Aber die Sonne schien. Also verlängerte ich. Ich weiß nicht mehr genau, ab wo ich an das Hochhaus dachte. Es war spätestens an der Gedächtniskirche. Das Hochhaus hat mich zu diesem Akt motiviert. Später hat es mir geholfen, die Langstrecke in Etappen zu zerlegen. Es war ein Meilenstein auf diesem Weg. Hätte ich diesen Spaziergang unternommen, wenn das Hochhaus nicht dort stünde?</p>
<h2>Bereitschaft zur Verstörung</h2>
<p>Berlin ist nicht schön im Sinne von vollendet. Berlin ist stark im Sinne von: Hier wirken viele Kräfte. Und Berlin ist stärker als wir und unsere Wünsche. Das macht sie zur Großstadt. Sie ist immer irgendwie größer als wir, geht andere Wege als in Richtung unserer Visionen, lässt uns morgen nicht mehr das vorfinden, was gestern war. Berlin bedeutet, bereit sein, sich verstören zu lassen.</p>
<p>Vielleicht ist das die Aufgabe dieser Stadt. Die Menschen aufwecken und zum Nachdenken bringen, nicht zum Träumen. Und ich glaube, dass auch viele Touristen nicht mit romantischen Erinnerungen, sondern mit gemischten und geladenen Eindrücken nach Hause fahren. Berlin ist eben &#8211; milde gesprochen &#8211; immer eine Inspiration.</p>
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		<title>Kuttes Feuerland</title>
		<link>https://futurberlin.de/kuttes-feuerland</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2025 04:16:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA["Kutte"]]></category>
		<category><![CDATA[Borsig]]></category>
		<category><![CDATA[Chausseestraße]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmalschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Feuerland]]></category>
		<category><![CDATA[Torstraße]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Mediathek, meiner eigenen, hauseigenen, hier auf futurberlin.de, die ich in Erinnerung meiner alten, irgendwann gelöschten Filmliste nun wieder rekonstruiere, findet sich seit Sonntag ein Dokumentarfilm von 1987, den ich noch gar nicht kannte: &#8222;Feuerland&#8220;. Ich recherchierte für eine Tour und war eigentlich an dem interessiert, was 150 Jahre früher an der Chausseestraße geschah: [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In der Mediathek, meiner eigenen, hauseigenen, hier auf futurberlin.de, die ich in Erinnerung meiner alten, irgendwann gelöschten Filmliste nun wieder rekonstruiere, findet sich seit Sonntag ein Dokumentarfilm von 1987, den ich noch gar nicht kannte: &#8222;Feuerland&#8220;.</p>
<p>Ich recherchierte für eine Tour und war eigentlich an dem interessiert, was 150 Jahre früher an der Chausseestraße geschah: an der Gründung von Borsig 1837, an der &#8222;Beuth&#8220;-Lok von 1841 und an den Jahrzehnten, die darauf folgten.</p>
<p>Stattdessen schickte mich Wikipedia zu youtube, wo sich die Kneipentüre ins &#8222;Borsig-Eck&#8220; in der Borsig- /Ecke Tieckstraße öffnete. Dort verbringe ich gedanklich nun schon den zweiten Abend und trinke Bier für 51 Pfennige das Glas (&#8222;m.B.&#8220; &#8211; mit Bedienung, wie Ihr im Film erfahrt).</p>
<h2>&#8222;Na höre mal, wer kennt Kutte nicht&#8220;</h2>
<p>Da sitzt dieser &#8222;Kutte&#8220; am Tisch, der den historischen Bogen zurück bis ins Dritte Reich schlägt. Anfangs 1935 für sechs Wochen zur Gestapo in die Prinz-Albrecht-Straße verschleppt, verbrachte er nach eigenen Angaben bis zu den Olympischen Spielen 1936 seine Zeit im KZ. In den 1950er Jahren sei er Schachmeister in Berlin gewesen. Möchte ich gerne glauben, denn der Mann, im Drehjahr 1987 schon 75 Jahre alt, scheint seine Gegner im &#8222;Borsig-Eck&#8220; der Reihe nach abzuzocken, gegen Geld. Gegen einen Jüngeren verzichtet &#8222;Kutte&#8220; zu Spielbeginn sogar auf einen Turm und einen Springer. Er erwartet allerdings dafür von seinem Gegner, dass er schnell spielt, &#8222;ruck-zuck&#8220;.</p>
<blockquote><p>&#8222;Aber ruck-zuck, wie ick gesacht habe!&#8220;</p></blockquote>
<p>(&#8222;Kutte&#8220; in &#8222;Feuerland&#8220;, den Zeigefinger drohend erhebend)</p>
<p>Blickt man genau hin, erkennt man das Sympathische dieser vergangenen Welt: Der zweite Turm von Weiß ist eine Turmfigur aus einem anderen Schachspiel, eher grau, mannschaftsfremd. Das heißt, das Schachbrett in der Kneipe war intensivster Nutzung ausgesetzt, und die ein oder andere Figur war über die Zeit vom Tisch gefallen. Und tatsächlich filmt Regisseur Volker Koepp in einer späteren Aufnahme vier Jugendliche, die um das Schachbrett herum sitzen und spielen. Machen das Jugendliche heute noch? Natürlich trinken sie 1987 dabei Bier.</p>
<p>&#8222;Kutte&#8220;, immer am Zigarrenstummel nuckelnd, bildet das Nervenzentrum dieser Kiezreportage. Doch sie geht über ihn und die Eckkneipe hinaus und zeigt das städtische Umfeld: Die Aufnahmen fangen auch das Ballhaus in der Chausseestraße ein und das Stadtbad in der Gartenstraße. Letzteres wird im Film gerade rekonstruiert, man erlebt es im Innern der Baustelle.</p>
<div id="attachment_17150" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/02/Borsig-Eck-2.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17150" class="wp-image-17150 size-full" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/02/Borsig-Eck-2.jpeg" alt="" width="480" height="640" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/02/Borsig-Eck-2.jpeg 480w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/02/Borsig-Eck-2-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/02/Borsig-Eck-2-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2025/02/Borsig-Eck-2-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><p id="caption-attachment-17150" class="wp-caption-text">Auffällige Sandsteinskulptur über der Ecktür im ersten Obergeschoss, fehlt zu DDR-Zeiten, ist im Film zumindest nicht erkennbar (Foto: André Franke)</p></div>
<h2>Bauarbeiter der Hauptstadt</h2>
<p>Ein weiterer Bauarbeitertrupp wird interviewt in einem nahegelegenen Bauwagen. Da sitzen sie und spielen Skat oder stehen herum, lassen sich fragen, wie lange sie schon in Berlin auf Montage seien und was ihre Frauen dazu sagten. Die Neubrandenburger berichten, dass sie seit vier Jahren in der Stadt arbeiteten. Und dann zählen sie auf, woran sie in dieser Zeit alles gebaut hätten. An dieser Stelle wird es städtebaulich interessant:</p>
<ul>
<li>vier Hochhäuser an der Rhinstraße (Lichtenberg)</li>
<li>die Tschechische Botschaft in Pankow (?)</li>
<li>Gebäude an der Wilhelm-Pieck-Straße (heute Torstraße)</li>
</ul>
<p>Bei dem Projekt Rhinstraße müsste es sich um jene Plattenbauten handeln, über die die <a href="https://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article119190621/Wenn-die-Platte-zum-fantasievollen-Baumhaus-wird.html" target="_blank" rel="noopener">Morgenpost</a> im Jahre 2013 berichtet hat. Damals bemalten französische Künstler die Fassaden der Gebäudeblöcke in einem Ausmaß, das ins Guinnessbuch der Rekorde führen sollte als größtes bewohntes Wandbild der Welt. Wir schauen in &#8222;Feuerland&#8220; in die Gesichter der Männer, die für dieses Riesen-Mural die Grundlage gelegt haben.</p>
<p>Die Aussage mit der Tschechischen Botschaft irritiert mich. Denn die Botschaft steht in der heutigen Wilhelmstraße in Mitte. Zwar gibt es das Botschaftsviertel im Pankower Tiroler Viertel, aber dass es dort die Tschechische gegeben haben soll, ist mir schleierhaft.</p>
<p>Mit den Baustellen in der damaligen Wilhelm-Pieck-Straße, der heutigen Torstraße, wären wir quasi wieder zurück in der Nachbarschaft von &#8222;Feuerland&#8220;. Die Torstraße und die parallel verlaufende Linienstraße säumen DDR-Plattenbauten, die von diesen Händen, welche im Film Skat kloppen, errichtet wurden. Und damit schlägt der Film auch eine städtebauliche Brücke in die Gegenwart. Denn diese Wohnplatten wurden erst im Oktober unter Denkmalschutz gestellt, die Plattenbauten in der Spandauer Vorstadt. Insgesamt 28 Gebäude sind betroffen bzw. beehrt worden, wie u.a. <a href="https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2024/10/ddr-plattenbauten-spandauer-vorstadt-berlin-mitte-denkmalschutz.html" target="_blank" rel="noopener">RBB24</a> berichtete.</p>
<blockquote><p>&#8222;Ick kann nich`.&#8220;</p></blockquote>
<p>(Bauarbeiter steigt beim Skatspielen beim Reizen aus)</p>
<h2>Tauben ohne Züchter</h2>
<p>Die Männer in dem Bauwagen haben nicht ganz umsonst lange Gesichter gemacht. Wenn man genau hinhört, vernimmt man in der letzten Sekunde der Szene (Skat), wie es einem beim Reizen entwischt: &#8222;Ick kann nich´.&#8220; Das muss tragischerweise eben auch der Satz gewesen sein, den die Männer ihren Familien widergegeben haben mussten, wenn sie von ihnen nach anstehenden, aussichtsreichen, gemeinsamen Terminen gefragt worden waren. Eigentlich traurig.</p>
<p>Was hat der DDR-Städtebau an Lebensentwürfen gekostet? Welche Menschen-Träume haben die Aufbauprogramme auf dem Gewissen? Einer der Bauarbeiter ist Taubenzüchter. &#8222;Aktiv&#8220;, wie er sagt, als würde er seinen Lebenslauf ablesen, und in Klammern hinter dem Wort &#8222;Taubenzüchter&#8220; stünde &#8222;(aktiv)&#8220;. Und er sagt das mit einem Elan, der von Hoffnung kündet. Als glaubte er fest daran, auch morgen noch Tauben zu züchten, in der nächsten Woche noch Tauben zu züchten, im nächsten Jahr noch Tauben zu züchten &#8211; der Bauarbeiter der Hauptstadt. Er erzählt, dass den Job seine Frau für ihn macht. Und ein Kollege sagt, sie müssten in Berlin bleiben &#8230; noch drei Jahre lang. Ich möchte wissen, ob in Neubrandenburg im Wiedervereinigungsjahr 1990 noch Tauben durch die Lüfte flogen.</p>
<h2>&#8222;Nomad&#8220; mit Frühstück</h2>
<p>Wenn ich die Tour im Juni mit den Gästen fahre, wo stelle ich ihnen also &#8222;Feuerland&#8220; vor? An der Infotafel an der Chausseestraße? &#8211; Wohl eher nicht. Ich fürchte, wir werden uns vor das &#8222;Nomad&#8220; stellen. Das ist der Nachfahre des &#8222;Borsig-Ecks&#8220; an der Borsig- /Ecke Tieckstraße. Es verspricht: delicous Brunch. Damit knüpft der aalglatte Laden wenigstens an den Öffnungszeiten-Anspruch vom &#8222;Borsig-Eck&#8220; an: täglich 10-23 Uhr.</p>
<h3>Links</h3>
<ul>
<li>Die ganze Szenografie der Doku &#8222;Feuerland&#8220; auf <a href="https://www.defa-stiftung.de/filme/filme-suchen/feuerland/" target="_blank" rel="noopener">defa-stiftung.de</a></li>
<li>Zur <a href="https://futurberlin.de/mediathek">Mediathek auf Futurberlin.de</a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/kuttes-feuerland">Kuttes Feuerland</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<title>Oswalts Hoffnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2024 19:30:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Schloss]]></category>
		<category><![CDATA[Festival of Lights]]></category>
		<category><![CDATA[Humboldtforum]]></category>
		<category><![CDATA[Palast der Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Oswalt]]></category>
		<category><![CDATA[Schlossaneignung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ernst-Wolf Abée spricht und sagt, es sei in seinem Innern eine Klappe aufgegangen, als er sich in jüngster Vergangenheit einmal öfter mit dem Berliner Schloss konfrontiert sah. Er präsentiert seine Idee, aus dem Humboldtforum ein Anti-Kriegsmuseum zu machen. Ein Bild zeigt die Barockfassaden als Schlachtschiff. Aus den Fenstern stechen Kanonenrohre heraus. Alle Luken sind geöffnet. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ernst-Wolf Abée spricht und sagt, es sei in seinem Innern eine Klappe aufgegangen, als er sich in jüngster Vergangenheit einmal öfter mit dem Berliner Schloss konfrontiert sah. Er präsentiert seine Idee, aus dem Humboldtforum ein Anti-Kriegsmuseum zu machen. Ein Bild zeigt die Barockfassaden als Schlachtschiff. Aus den Fenstern stechen Kanonenrohre heraus. Alle Luken sind geöffnet. Feuer frei. Abées Idee ist eine von 153 Ideen zur &#8222;Schlossaneignung&#8220;. Die gleichnamige Initiative hatte einen Wettbewerb ausgelobt. Nun stellen in der Stadtwerkstatt in der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte neben Abée 20 weitere Kritiker, Kreative, Künstler und Weiterdenkende ihre kleinen dreiminütigen Werke vor. Sie, Werke wie Werktätige, zählen zu den ausgewählten.</p>
<div id="attachment_16498" style="width: 710px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16498" class="wp-image-16498" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1.jpeg" alt="" width="700" height="525" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Stadtwerkstatt-1-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></a><p id="caption-attachment-16498" class="wp-caption-text">Präsentation der Ideen zur &#8222;Schlossaneignung&#8220; am 10. Oktober 2024. Architekt und Professor Philipp Oswalt begrüßt alle Mitwirkenden und Gäste (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Darunter ist auch Larry Bonchaka, der ein Basecap mit der Aufschrift &#8222;HOPE&#8220; trägt. Er präsentiert in Englisch. Was, ist im Grunde zweitrangig, denn die Botschaft, die er vermittelt, besteht aus genau eben diesen vier Buchstaben: H-O-P-E. Moderator Anh-Linh Ngo, Chefredakteur der Zeitschrift Arch+, erkennt das sofort und unterstreicht Larrys Abgang mit dem rhetorischen Wink auf die Hoffnung, die heute im Raum schwebt, hier in der Stadtwerkstatt. Das Berliner Schloss ist zwei Steinwürfe entfernt. Larrys Hoffnung ist die Fortsetzung des großen &#8222;ZWEIFEL&#8220;, der als riesiger Schriftzug, als Konterfei der Schlossbaugegner, auf dem Dach des ausgeräumten und asbestsanierten Palasts der Republik stand. Früher war Zweifel, heute ist Hoffnung. Es besteht Hoffnung, dass aus Schloss und Humboldtforum mehr wird als Schloss und Humboldtforum.</p>
<p>Auch Philipp Oswalt, Mitgründer der Initiative &#8222;Schlossaneignung&#8220;, scheint zu hoffen. Das verrät der Ton, in dem er spricht. Er weist daraufhin, betont, dass die Petition, die gestartet wurde, 30.000-mal mitgezeichnet werden muss. Sie läuft bis zum 8. November. Bei Erfolg muss sich der Bundestag mit dem Thema beschäftigen. 30.000 Unterschriften sind aber viel. Ich glaube, sie werden nicht zusammenkommen. Diesmal noch nicht.</p>
<h2>Wo Drohnen stören</h2>
<p>Dann, beim nächsten Mal vielleicht. Oder beim übernächsten Mal. Was hier nämlich losgetreten wird, könnte eine große Zukunft haben.  Es soll ein Rohling geformt werden. Etwas vom Himmel Gefallenes soll in der Erde anwachsen. Und dann soll es in der Gesellschaft anwachsen. Nutzungen sollen ergänzt werden, Barockfassaden sollen überblendet, demontiert oder vegetativ durchwuchert werden. Neue Zugänge sollen durch Außentreppen entstehen und durch hochgebaggerte Sandhügel. Schwärme von Drohnen sollen wie Krähen die Gemütlichkeit und das Schwelgen in der Schlosserinnerung stören. Der gemeinsame Nenner aller Entwürfe ist: An diesem Schloss fehlt etwas. Das Gebäude und sein Forum erzählen die Gesamtgeschichte nicht. Da genügt es auch nicht, wenn zum Festival of Lights die Spreefassade des Schlosses mit Motiven des Palasts der Republik überspielt wird. Zwar blüht die Glasblume aus dem früheren Palastfoyer über zehn Abende, grüßen Jung-Pioniere mit blauen Halstüchern und Käppis, zieht ein Fuchs über die grüne Wiese. Ein Fuchs?</p>
<div id="attachment_16485" style="width: 710px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16485" class="wp-image-16485" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2-1030x773.jpeg" alt="" width="700" height="525" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2-450x338.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-2.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></a><p id="caption-attachment-16485" class="wp-caption-text">Fuchs stromert über die Spreefassade des Humboldtforums. Ohne das Festival of Lights gibt es keinen Grund hinzuschauen (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Als ich am ersten Sonnabend des Festivals mit Touristen am Spreeufer gegenüber der Fassade stand, war der Fuchs für mich eine echte Überraschung. Selten hat man als Stadtführer die Gelegenheit diese Geschichte aus der Tasche zu ziehen. Beim Thema 9. November 1989 reicht es meist nur für Schabowskis Zettel und die Bornholmer Straße. Doch Schabowskis Zettel ist auch der Zettel von Gerhard Lauter.</p>
<h2>Und wo Füchse ins Theater gehen</h2>
<p>Oberst Gerhard Lauter schreibt ihn mit Mitarbeitern am Morgen des 9. November im Ministerium des Innern. Anschließend geht der Entwurf der Reiseregelung ans Politbüro und ins ZK der SED. Am Abend, nach getaner Arbeit, geht Lauter ins Theater. Er schaut sich &#8222;Reineke Fuchs&#8220; von Goethe an (vermutlich handelt es sich um die völlig frei vorgetragene und äußerst zu empfehlende Lesung von Eberhard Esche, die schon 1984 im DDR-Fernsehen übertragen wurde und heute noch bei youtube zu sehen ist). In einem späteren Interview gibt er preis, dass das Stück eine perfekte Parodie auf die damaligen DDR-Verhältnisse gewesen sei und dass niemand gelacht hätte. Das Theater, in dem der Oberst saß, war das Theater im Palast der Republik. Als er nach Hause geht, klingelt das Telefon, und er muss ins Ministerium, wo er die Nacht damit verbringt, den &#8222;Schaden&#8220; zu begrenzen.</p>
<p>Ein Fuchs zieht durchs Schloss. &#8211; Könnte man das nicht irgendwie auch in Echt hinkriegen? Wo Füchse in Berlin über den roten Teppich des Kanzleramts trappeln (letzte Woche auf einem Foto im SPIEGEL zu sehen), und vom &#8222;Kita-Fuchs&#8220; und &#8222;Schul-Fuchs&#8220; berichten sogar meine Kinder. Der Schulfuchs ist anerkannt, gleichermaßen von Schülern wie Lehrern, und dort immer gern gesehen. Vielleicht könnte man diesen motivieren, vom Prenzlauer Berg runter ins Spreetal zu wandern, wenn die Gastronomie des Humboldtforums einen Eimer Abfälle dauerhaft in den Schlüterhof stellt.</p>
<div id="attachment_16495" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16495" class="wp-image-16495" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1.jpeg 959w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1-772x1030.jpeg 772w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1-768x1025.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1-528x705.jpeg 528w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Fuechse-Berlin-1-450x601.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16495" class="wp-caption-text">Die Füchse lassen sich vom Schlossplatz nicht vertreiben. Zu überzeugend hat Eberhard Esche seinen &#8222;Reineke Fuchs&#8220; gebellt: in zwölf Gesängen und seit 1984 im Palast-Theater (Foto: André Franke)</p></div>
<h2>Atemloseste Architektur Berlins</h2>
<p>Ohne Fuchs und ohne Festival of Lights ist die Spreefassade des Schlosses tot. Nur &#8222;Humboldt Forum&#8220; steht fett drauf. Diese Wand ist das abstoßendste Stadtbild, das Berlin seinen Besuchern und Bewohnern zuzumuten wagt. Ich sehe da nur Wilhelmstraße, sonst gar nichts. Wäre sie entstanden wie Architekt Franco Stella sie geplant hatte, bräuchte es bewegte Füchse nicht. Dann sähen wir Menschen, sähen die Gäste des Humboldforums durch die offene Loggia wandeln, verweilen, winken. Gepanzert hat man das Humboldtforum mit den immer geschlossenen, schwarz-grauen Fensterkreuzen.</p>
<p>Gleichförmig und mit getrübtem Glas, unbewegt und Bewegung im Außenraum nicht im Stande zu verursachen, trennt ausgerechnet die einzige modern gestaltete Fassade was doch zusammengehört: die Menschen im Schloss und die Menschen in der Stadt, die Berliner und die Spree, das Wissen aus dem Humboldtforum und das Wasser im Fluss. Die Besucher des Humboldtforums dieser Begegnung zu berauben, ist beinahe ein Gewaltverbrechen. Da pumpt man sie voll mit den Stoffen der Weltkulturen, maximiert das Raumprogramm des Neubaus, dass das Forum auseinanderplatzt und hält die zugeballerten Köpfe gefangen im Gebäude, ohne dass sie sich durch den Blick auf die langsam dahinziehende Spree, auf den vorbeirollenden Wellen wieder etwas entleeren könnten. Auch das ist schon wieder so eine Ironie. Dass es am Schlossplatz so ganz ohne Gewalt nicht zu gehen scheint. Und ohne Befehlston auch nicht.</p>
<div id="attachment_16493" style="width: 710px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-Pioniere-1-scaled-e1729793937756.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16493" class="wp-image-16493 size-full" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-Pioniere-1-scaled-e1729793937756.jpeg" alt="" width="700" height="525" /></a><p id="caption-attachment-16493" class="wp-caption-text">Jung-Pioniere am Humboldtforum. Blaue Halstücher an der nicht ganz so blauen Spree (Foto: André Franke)</p></div>
<h2>Aneignen durch Be-Sitzen</h2>
<p>Da komme ich mit einer Gruppe Schülern auf Rädern oben ans Schloss. Es ist Nachmittag, Hochsommer. Die Spreefassade liegt gnädig im Schatten, und die Schüler setzen sich auf die hüfthohe (für die Kleinen brusthohe) Balustrade aus Stein. Kühler Stein ist eine Wohltat in der Hitzestadt. Hier lässt es sich für ein paar Minuten aushalten.</p>
<p>Und ich erzähle der Gruppe von Schloss, Palast und Humboldtforum. Komme grade bis zum Kaiser, dem letzten, da nötigen Sicherheitskräfte meine aufmerksamen Schüler (aufmerksame Schüler sind Gold wert), von der Balustrade herunterzusteigen! Dieses Steingeländer, ähnlich der Mauer am Brandenburger Tor, das wie eine Bühne einlud, sie zu besteigen, zu bespielen, zu beleben, zu bevölkern, ist die ideale Sitzgelegenheit im öffentlichen Raum östlich des Humboldtforums, erst recht wenn der Ort im Sommer im Schatten liegt. Und es ist die einzige Sitzgelegenheit noch dazu. Als die Typen um die Ecke gegangen waren, stiegen wir wieder drauf. Das war auch eine Form der Aneignung.</p>
<div id="attachment_16486" style="width: 710px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16486" class="wp-image-16486" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3-300x225.jpeg" alt="" width="700" height="525" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3-450x338.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/10/Schlossaneignung-3.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></a><p id="caption-attachment-16486" class="wp-caption-text">Menschenmenge auf dem Marx-Engels-Forum beim Festival of Lights 2024. Im Hintergrund Fassade des Humboldtforums (Foto: E.F.)</p></div>
<p>Diesen Ort muss man sich aneignen oder meiden und vergessen. Und damit meine ich eben den ganzen Schlossplatz wie es im Sinne des Wettbewerbs Programm ist. Ernst-Wolf Abée machte in seiner Vorstellung einen weiten Zukunftsraum auf. Die Jahreszahl 2089 erschien an irgendeiner Stelle seiner Präsi. Das war &#8211; für mich jedenfalls &#8211; &#8222;mind blowing&#8220;. Es werden die Jungen kommen und das Ding umkrempeln. Wir haben ja alle Zeit der Welt.</p>
<h2>Umgehungsstraße</h2>
<p>Vielleicht muss dafür mehr als eine Petition aufs Gleis gesetzt werden. Oder vielleicht auch weniger. Vielleicht kommt die Aneignung oder Auflösung dessen, was heute dort steht, auch auf einem ganz anderen Weg zustande. Vielleicht verdampft dieser Dampfer unmerklich. Ausbleibende Besucher wären ein unterschätztes Szenario. &#8222;Wanderer, kommst Du nach Berlin, bleibe den Barockfassaden fern!&#8220; Ja, was wäre das für ein spannender Ort: alle pilgern zum Schloss, aber keiner geht rein. Außen die Hölle los, innen aus die Maus.</p>
<h3>LINKS</h3>
<ul>
<li><a href="https://schlossaneignung.de/" target="_blank" rel="noopener">Initiative Schlossaneignung</a></li>
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=HouvkAOnyoo" target="_blank" rel="noopener">Eberhard Esche spricht &#8222;Reineke Fuchs&#8220; (youtube.com)</a></li>
</ul>
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		<title>Tuschens Tacheles</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Feb 2024 21:31:28 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Oranienburger Straße]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>An einem Sonntagnachmittag im Oktober letzten Jahres, dachte ich, wir würden diesen Film nie wieder sehen. Elf Jahre nach dem Aus des &#8222;Tacheles&#8220; in der Oranienburger Straße, sitzt Regisseur Klaus Tuschen nach der Vorstellung von &#8222;Aufgestanden in Ruinen &#8211; Projekt Tacheles&#8220; auf dem gepolsterten Sofa im kleinen Saal des Kino Babylon und sagt mit leiser [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>An einem Sonntagnachmittag im Oktober letzten Jahres, dachte ich, wir würden diesen Film nie wieder sehen. Elf Jahre nach dem Aus des &#8222;Tacheles&#8220; in der Oranienburger Straße, sitzt Regisseur Klaus Tuschen nach der Vorstellung von &#8222;Aufgestanden in Ruinen &#8211; Projekt Tacheles&#8220; auf dem gepolsterten Sofa im kleinen Saal des Kino Babylon und sagt mit leiser Stimme, er habe noch keinen Sender gefunden, welcher sich für den Film interessiert.</p>
<p>Wie kann man sich denn nicht für diesen Film interessieren, der eine Brücke über das magische Jahr 1990 schlägt? Im Vakuum zwischen gefallener Mauer und Wiedervereinigung wird ein Kunsthaus geboren.</p>
<div id="attachment_16142" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16142" class="wp-image-16142" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1-773x1030.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1-450x600.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-1.jpeg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16142" class="wp-caption-text">Quartier Am Tacheles: Eingefrorenes Lebensmodell (Foto: André Franke)</p></div>
<h2>Selfmade-Baustelle</h2>
<p>Die Kamera fängt die Geister einer Ruine ein, die sich zur Selfmade-Baustelle mausert. Im Zeitraum von Februar 1990 bis März 1991 besucht Klaus Tuschen zusammen mit einem Kollegen das Kunsthaus Tacheles. Er filmt, wie die Besetzer die Ruine aufräumen, filmt, wie die Künstler in den Räumen arbeiten und ausstellen. Auch wie sie im Plenum miteinander streiten, filmt Tuschen. Und wie sie sich auf Vertragsverhandlungen mit Bezirk und Senat vorbereiten, hält er ebenso mit der Kamera fest. Fortwährend holt er sie einzeln und in Gruppen, vor die Linse und vors Mikrofon, wo sie aussprechen, was sie bewegt.</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich dachte, ich laufe in meinen Traum hinein&#8220;</p></blockquote>
<p>Als Natascha Hedke ins Tacheles kommt, denkt sie, sie läuft in ihren Traum hinein. So beschreibt sie den Schritt über die Schwelle in das heruntergekommene Kunsthaus. Peter Poynton, ein Australier, der im Tacheles die Bar schmeisst, macht sich ein bisschen lustig über die Deutschen und ihre Liebe für Vollversammlungen: &#8222;Germans love plenums&#8220;. Und Jochen Sandig ringt um die richtige Methode, seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen dazu zu bewegen, aktiv an der Gestaltung des Kulturprogramms und der Verwaltung des Hauses teilzunehmen.</p>
<h2>Brennendes Benzin auf dem Beton-Fußboden</h2>
<p>Wenn Takuya Ishide mit nacktem Oberkörper in rasenden Zügen seine Performance aufführt, wirbelt der Tänzer im Saal so viel Dreck vom Boden auf, dass klar wird, das müssen andere Zeiten gewesen sein. Das Publikum würde heutzutage husten, Masken tragen oder den Saal verlassen. Auch die Szene, in der der Bildhauer Kemal Cantürk auf dem Hof sitzt und mit staubbedeckten Handwerkerhänden seine Steinfiguren abschleift und ausschabt, verdeutlicht, dass alle Kunst im Tacheles aus einer Baustelle entspringt, kahlen, kalten Räumen, Schutt. Leben und Arbeit im Haus sind hart, roh  &#8211;  wie der Rohbau dieser alten Kaufhausruine selbst. Da kippt die jüngste der Künstlerinnen, Jenny Rosemeyer, einmal eine Lache Benzin auf den Betonfußboden, zündet die Pfütze an, um sich zu wärmen. Das muss im ersten Winter des wiedervereinigten Deutschlands gewesen sein.</p>
<p>Tuschens Tacheles ist unromantisch und wirklichkeitsnah. Die Augenblicke, die wir mit den Künstlern von damals auf der Leinwand teilen, sind groß und weit. Wir werden Anwesende. Wir betrachten den Tag im Tacheles wie Tuschens Protagonisten und Protagonistinnen, gewinnen die Lebensperspektive von bauenden Künstlern. Sie haben zwar Muße, aber über die Zeit reiben sie ihre Kraft auf. Abwesend sind die Zukunft und der klare gemeinsame Weg. Am Ende des Films stehen zwei zerstrittene Gruppen. Der Regisseur interviewt sie getrennt voneinander. Die Einen wollen das Haus institutionalisieren. Die Anderen wollen irgendwas, nur eines nicht: sich regieren lassen.</p>
<h2>Das Ungeborene des Tacheles</h2>
<p>Das Kunsthaus wurde berühmt und existierte zweiundzwanzig Jahre. Ist das nicht eine Erfolgsgeschichte? Für die Babylon-Gäste, die sich im Oktober letzten Jahres den Film anschauten, war es das nicht. Sie nahmen das Tacheles immer noch als Verlust wahr. Mehrere, so stellte sich bei den Salongesprächen heraus, sahen sich den Film nicht an, also kamen erst gar nicht ins Kino, weil sie sich vor der Wut fürchteten, die in ihnen aufzusteigen drohte. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Stadtentwicklung in Berlin schreckt Menschen ab.</p>
<p>Ich möchte vorerst an der positiven Bewertung festhalten: 22 Jahre Tacheles, ein Kunsthaus an einem Standort, ist ein Erfolg, denn:</p>
<ol>
<li>Das Tacheles hat in dieser Zeit Künstler aus der Welt nach Berlin gebracht.</li>
<li>Das Tacheles hat mit seinen Metallskulpturen einen eigenen Kunststil geschaffen.</li>
<li>Das Tacheles war ein Sprungbrett für Kulturschaffende, wie zum Beispiel für Jochen Sandig (u.a. Sophiensaele, Radialsystem V), der bis 1994 im Haus blieb und 16 Jahre später vom französischen Botschafter zum &#8222;Ritter für Kunst und Literatur&#8220; geschlagen wurde.</li>
<li>Das Tacheles hat Maßstäbe gesetzt und einen Anspruch an die Stadt formuliert, den es bis heute einzulösen gilt.</li>
<li>Für eine freie Kulturstätte im Zentrum Berlins sind zweiundzwanzig Jahre eine lange, respektable Lebens-Zeit, wenn man z.B. die schnelllebigen Standortveränderungen in der damaligen Berliner Clublandschaft dagegen hält.</li>
</ol>
<h2>Doppelt verloren</h2>
<p>Ich mag den Fokus auf diese Zeitspanne sehr, auch wenn es sich dabei nur um eine Zahl handelt. Sie ist groß genug, um Geschichte abzugreifen. Ein bisschen aufgerundet, lässt sich Verschiedenes ins Verhältnis setzen: Ein &#8222;Tacheles&#8220;, das wäre ein Vierteljahrhundert. Wer demnächst den 50. Geburtstag feiert, könnte auch sagen: &#8222;Nun werde ich zweimal Tacheles.&#8220; Der Zweite Weltkrieg begann so gesehen erst &#8222;vor dreimal Tacheles&#8220;. Und vor schlappe &#8222;viermal Tacheles&#8220; lebte Reichspräsident Friedrich Ebert noch.</p>
<p>Die Abgeschlossenheit ist es, die das Verlorene offenbart. Und es ist eben doppelt verloren: Einmal, wenn wir zurückblicken. Dann war da das Projekt Tacheles mit Ateliers, Werkstätten, Ausstellungsräumen, Café, Panorama-Bar, Konzert-, Tanz- und Performance-Sälen, Programmkino, Hof- und Skulpturengarten sowie Kunstläden, bereits komplex und facettenreich wie ein junger, ausgewachsener Mensch.</p>
<p>Der Zukunft zugewandt verlieren wir zusätzlich das in Ewigkeit unbeantwortbare Potenzial, was aus dem Tacheles alles noch hätte werden können: ein Kulturquartier, erweitert um eine Musikschule vielleicht, mit mehr Wohnungen für Künstler und Studenten, dazu Kleingewerberäume in neugebauten, selbstgebauten, mitgebauten Häusern. Eine Bibliothek hätte sich vielleicht auch noch auf das Gelände eingefunden, vielleicht sogar die Zentral- und Landesbibliothek, die jetzt ins Lafayette-Gebäude möchte. In so einem Szenario wäre die ZLB von der Blücherstraße (AGB) die ganze Friedrichstraße hinaufgewandert (nicht nur die halbe bis zum Lafayett an der Französischen Straße). Vielleicht wären aber auch die Prinzessinnengärten, die vom Moritzplatz nach Neukölln wegzogen, hier eingelaufen &#8211; wie in einen Hafen, einen Hort für freie Kunst und alternative Lebensformen. Wer weiß?</p>
<p>Das Areal um die Ruine, das ja ingesamt 16 Teilgrundstücke umfasste, hätte für viele subkulturelle Projekte Platz gehabt. Und das Tacheles hätte den Taktgeber im Quartierskonzert spielen können. Da hätte es mich auch nicht verwundert, wenn Bechstein seine Klaviere statt in der Europacity (zukünftiger &#8222;Bechstein-Campus&#8220;) an der Oranienburger Straße zu verkaufen beabsichtigt hätte. Und das wäre dann auch gut so.</p>
<h2>Kinder des Tacheles</h2>
<p>Heute wäre so etwas möglich. Mit dem Haus der Statistik in Mitte, dem Dragoner-Areal in Kreuzberg oder dem Holzmarkt in Friedrichshain hat sich der Erfahrungshorizont der Stadt enorm erweitert. Künstler, Gewerbetreibende, Clubbetreiber kooperieren mit Senat, Bezirken und Immobiliengesellschaften auf Augenhöhe und kaufen die Grundstücke mit Partnern, auf denen sie zuvor nur Mieter waren. Mittels Erbbaupachten verhandeln sie Entwicklungsperspektiven von bis zu drei oder knapp vier &#8222;Tacheles&#8220; (siehe oben) und bekommen damit eine echte Zukunft. In jedem Fall gestalten sie die Bauten selbst, in welchen sie für die nächsten Jahrzehnte zu leben und zu arbeiten glauben. Sie haben dabei einen Organisationsgrad entwickelt, zu dem sich der Kunsthaus Tacheles e.V., der am Ende insolvent ging, nie hatte aufschwingen können.</p>
<div id="attachment_16173" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16173" class="wp-image-16173" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1-225x300.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1-450x600.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Skulptur-1.jpeg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16173" class="wp-caption-text">Skulptur im Hof des Haus der Statistik, 2019 (Foto: André Franke)</p></div>
<blockquote><p>&#8222;Für mich ist es hauptberuflich geworden&#8220;</p></blockquote>
<p>Dabei werden Genossenschaften und GmbHs gegründet. In der Regel beginnt alles mit einer Arbeitsgruppe, mit einer AG, und scheint sich im Laufe der Projekte zu überschlagen bis die Akteure auch zuweilen diesen Satz von sich geben: „Für mich ist es ziemlich hauptberuflich geworden (&#8230;) Es ist heftig“, sagt Angela Brown im Film &#8222;Kleinod vor dem Umbruch&#8220;, der die Entwicklungen auf dem Dragoner-Areal/Rathausblock in Kreuzberg eingefangen hat. Brown war zu ihren besten Zeiten in sechzehn Gremien.</p>
<div id="attachment_16146" style="width: 710px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16146" class="wp-image-16146" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1.jpeg" alt="" width="700" height="525" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/HdS-Werkstattverfahren-2018-19-1-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></a><p id="caption-attachment-16146" class="wp-caption-text">Werkstattverfahren im Haus der Statistik 2018-2019: &#8222;Germans love plenums&#8220; (Peter Poynton, siehe oben)</p></div>
<h2>Eine spontane Liste der Anerkennung</h2>
<p>Um zu erinnern und zu würdigen, welche Panoramen solche Dokumentarfilme aufziehen, rolle ich hier mal die Liste der von den Filmemachern Ulrike Hartwig und Sebastian Nagel interviewten Beteiligten aus der Kleinod-Doku aus (notiert beim Filmscreening im Café &#8222;Planwirtschaft&#8220; des Instituts für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin im April 2023):</p>
<ol class="ol1">
<li class="li1">Jens Ullrich (Künstler, Gewerbemieter)</li>
<li class="li1">Ann-Kristin Hamm (Künstler, Gewerbemieter)</li>
<li class="li1">Bertram Dudschus (Initiative Upstall)</li>
<li class="li1">Hermione Münch-Pohli (aus Südlicher Friedrichstadt, Klimakunsthallen Berlin)</li>
<li class="li1">Thomas Fues (Upstadt e.V., Forumsdelegierter)</li>
<li class="li1">Holger Gumz (Dragopolis)</li>
<li class="li1">Steff (Wem gehört Kreuzberg, grauer Kapuzenpuli)</li>
<li class="li1">Roberta Burghardt (Architektin, Stadt von Unten, Garagen, Würfelketten)</li>
<li class="li1">Jens Endrich (Wedig Marmorwerk, Schiebermütze)</li>
<li class="li1">Mehmet Yildiz (T.R. Kfz-Service)</li>
<li class="li1">Sahin Günesdogan (Exklusiv Lackdesign)</li>
<li class="li1">Bodo Surma (Polsterwerkstatt, 57 Jahre selbständig)</li>
<li class="li1">Peter Manz (Dragopolis)</li>
<li class="li1">Paula Erstmann (Zusammenküche, aus Obentrautstraße)</li>
<li class="li1">Pamela Schobeß (Gretchen-Club, Sprecherin Gewerbetreibende)</li>
<li class="li1">Lars Döring (Gretchen-Club)</li>
<li class="li1">Alexander Matthes (Stadtplaner Xhain)</li>
<li class="li1">Angela Laich (Künstlerin)</li>
<li class="li1">Cemil Yasar (Meister, „Auto KLas“)</li>
<li class="li1">Emirhan Beyenal („Auto KLas“)</li>
<li class="li1">xxx Demircioglu (Getränkehandel)</li>
<li class="li1">Enrico Schönberg (Vernetzungstreffen Rathausblock)</li>
<li class="li1">Angela Brown (war in 16 Gremien)</li>
<li class="li1">Martina (Wem gehört Kreuzberg)</li>
<li class="li1">Rebecca Wall (Zusammenstelle).</li>
</ol>
<div id="attachment_16156" style="width: 710px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16156" class="wp-image-16156" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1-300x225.jpeg" alt="" width="700" height="525" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1-450x338.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Modell-Dragoner-Areal-1.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></a><p id="caption-attachment-16156" class="wp-caption-text">Modell Rathausblock/Dragoner-Areal im Kiezraum vor Ort</p></div>
<p>Gehen wir zurück zu Tuschens Tacheles, sind es weniger Interviewte. Aber auch hier finde ich es nötig, ihre Namen einmal aufzuschreiben, um sie solange wie möglich vor dem Vergessen zu bewahren:</p>
<ol>
<li>Werner Stiele, Handwerker/Nachbar</li>
<li>Horst Spandow, Ingenieur</li>
<li>Clemens Wallrot</li>
<li>Peter Poynton</li>
<li>Tom Sojka (Verbrennungen nach Brandanschlag)</li>
<li>Samir Semrin</li>
<li>Internationale Brigade</li>
<li>Natascha Hedke</li>
<li>Kemal Cantürk</li>
<li>Jochen Vetter</li>
<li>Leo Kondeyne</li>
<li>Jenny Rosemeyer</li>
<li>Takuya Ishide</li>
<li>Jochen Sandig.</li>
</ol>
<h2>Ein Film fürs Fotografiska</h2>
<p>Immer noch &#8211; und zwar wöchentlich &#8211; führt das Kino Babylon mit Bravour diesen Berlin-Streifen auf. Anlass für die Ausstrahlung war ursprünglich die Eröffnung des Fotografiska-Museums im neugebauten Quartier Am Tacheles im letzten September. Mittlerweile hat das Babylon damit eine Art Gegenpol geschaffen. Von ihm aus, von den Bildern Tuschens, lässt sich das heutige, schicke, seelenlose Quartier von der größtmöglichen Entfernung aus betrachten. Die Bilder senden Gesichter von einer anderen Welt, scheint es. Von einer anderen Stadt, zumindest.</p>
<div id="attachment_16143" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16143" class="wp-image-16143" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2-773x1030.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2-450x600.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Am-Tacheles-2.jpeg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16143" class="wp-caption-text">Im kahlen Octogon (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Wenngleich die Nachgespräche im Salon nicht mehr automatisch mit Regisseur Klaus Tuschen stattfinden, hoffe ich, dass er hin und wieder zurückkommt und dass &#8222;Aufgestanden in Ruinen&#8220; so lange wie möglich auf der Leinwand zu sehen sein wird. Auf der Leinwand des Babylon und auf den Leinwänden anderer Programmkinos in der Stadt. Besser noch, Tuschen fände endlich den Sender, der dieser Doku gebührt.</p>
<div id="attachment_16136" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16136" class="wp-image-16136" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1-773x1030.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1-450x600.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2024/02/Tuschen-1.jpeg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16136" class="wp-caption-text">Oktober 2023 im Kino Babylon: Der Regisseur auf dem Sofa mit den Kinogästen im Gespräch</p></div>
<p>Es ist ein Film, der in die Köpfe der Menschen gehört, die in Berlin leben. Es würde nichts schaden, wenn er auch in die Köpfe der Menschen dringt, die Berlin besuchen. Warum zeigt das Museum im neuen Tacheles Tuschens bewegtes Foto eigentlich nicht? Das wäre doch die Krönung.</p>
<h2>Für den Wohlfühl-Tourismus</h2>
<p>Mit seinen zwölf, dreizehn Monaten aufgezeichnete Tacheles-Geschichte, dokumentierten Tacheles-Anfängergeists, stellt der Film ja wirklich eine Art Blitzlicht in den 22 Jahren der Künstlerruine dar. Das sollte man jedem zumuten. Eine Dauerschleife einrichten, unten im Café, wo die Kaffee schlürfenden und wohlbepolsterten Touristen den Draht ins wahre Berlin nicht finden. Das täte mal Not. Und es wäre eine starke Geste des Fotografiska-Museums.</p>
<hr />
<p><strong>Links:</strong></p>
<ul>
<li>Termine für die Aufführung von &#8222;Aufgestanden in Ruinen&#8220; im Kino Babylon immer aktuell im: <a href="https://futurberlin.de/newsletter-fuer-stadtentwicklung-in-berlin">Skyscraper &#8211; Newsletter für Stadtentwicklung in Berlin</a></li>
<li>&#8222;Aufgestanden in Ruinen&#8220; im <a href="https://babylonberlin.eu/film/6147-aufgestanden-in-ruinen-projekt-tacheles?highlight=WyJ0YWNoZWxlcyJd" target="_blank" rel="noopener">Kino Babylon</a></li>
<li>Die Geschichte des Tacheles in der Sendung &#8222;Wutpilger Streifzüge&#8220;, in der es um den Tacheles-Roman &#8222;Zeugin und Täter&#8220; der Autorin Su Tiqqun geht auf: <a href="https://berlin-plattform.de/die-geschichte-des-kunsthaus-tacheles/" target="_blank" rel="noopener">Berlin-Plattform </a>und direkt auf <a href="https://www.mixcloud.com/streifz%C3%BCge/wutpilger-streifz%C3%BCge-062023-tacheles/" target="_blank" rel="noopener">mixcloud</a></li>
<li><a href="https://hausderstatistik.org/" target="_blank" rel="noopener">Haus der Statistik</a></li>
<li>Website der Dragoner-Areal-Doku <a href="https://www.kleinod-vor-dem-umbruch.de/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Kleinod vor dem Umbruch&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.holzmarkt.com/" target="_blank" rel="noopener">Holzmarkt</a></li>
<li><a href="https://berlin.fotografiska.com/de" target="_blank" rel="noopener">Fotografiska Berlin</a></li>
<li>Jochen Sandig mit Spontanauftritt bei der Grundsteinlegung des neuen Tacheles im September 2019 mit den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen im Ärmel und dem Vorschlag, die Ruine &#8222;Fridays for Future&#8220; zu überlassen auf <a href="https://futurberlin.de/tacheles-ueber-das-wagnis-in-berlin-einen-grundstein-zu-legen">Futurberlin</a></li>
</ul>
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		<title>Kahlfeldts Kiez</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Sep 2023 18:11:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Baudamen&#8220; &#8230; Jemand sagte, man solle doch von „Baudamen“ sprechen statt von „Bauherren“. Das ist wirklich eine gute Idee. Beim Fest von Mitte an einem Septembersonntag in der Berliner Klosterstraße drängt der Bauwille durch die Stimmen von Brigitte Thies-Böttcher, Petra Kahlfeldt und Marie-Luise Schwarz-Schilling und breitet sich in der warmen Kulisse der Parochialkirche aus. Die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Baudamen&#8220; &#8230; Jemand sagte, man solle doch von „Baudamen“ sprechen statt von „Bauherren“. Das ist wirklich eine gute Idee. Beim Fest von Mitte an einem Septembersonntag in der Berliner Klosterstraße drängt der Bauwille durch die Stimmen von Brigitte Thies-Böttcher, Petra Kahlfeldt und Marie-Luise Schwarz-Schilling und breitet sich in der warmen Kulisse der Parochialkirche aus. Die Damen wollen eine Schule bauen. Nicht irgendeine, nicht irgendwo. Sie setzen sich dafür ein, dass das Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster in die Klosterstraße nach Mitte zurückkehrt.</p>
<div id="attachment_16014" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16014" class="wp-image-16014" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11-1030x773.jpeg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11-450x338.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-11.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16014" class="wp-caption-text">Podiumsdiskussion in Parochialkirche: Matthias Wemhoff, Alexander Pellnitz, Brigitte Thies-Böttcher, Petra Kahlfeldt, Christoph Rauhut (v.l.n.r.)</p></div>
<p>Es ist ein Gymnasium, das 1574 im Zuge der Reformation im aufgegebenen Kloster der Franziskaner gegründet wird. Berühmte Schüler wie Schadow, Schinkel und Bismarck besuchen im 18. und 19. Jahrhundert die Schule. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlässt sie den Ort und tritt eine Odyssee in den Westen an. Über die Weinmeisterstraße und Niederwallstraße (beide noch in Mitte) gelangt sie nach Tempelhof und landet nach einem weiteren Umzug 1954 in der Nähe des Hohenzollerndamms in Wilmersdorf. Neun Jahre später, da steht in der Stadt die Mauer schon, übernimmt die Schule die Traditionen des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster und führt diesen Namen wieder offiziell.</p>
<p>Aber heute noch werden Sprachen wie Alt-Griechisch, Hebräisch und Lateinisch gelehrt. Und heute noch unternehmen die Schüler und Schülerinnen Exkursionen zum Ursprungsort – quer durch die Großstadt.</p>
<h2>Ein Ort der Askanier</h2>
<p>Das Graue Kloster befindet sich zu seiner Entstehungszeit im 13. Jahrhundert am Rande Berlins. Die Stadtmauer begrenzt das Gebäude an der östlichen Seite. In nördlicher Richtung liegt das Hohe Haus der brandenburgischen Markgrafen, die den Franziskanern das Grundstück zur Verfügung stellen, damit diese für sie die Grablege organisieren – so wird es auf einer der im Festprogramm angebotenen Führungen erklärt. Die Gegend um das Graue Kloster ist somit das älteste Regierungsviertel Berlins.</p>
<div id="attachment_16011" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16011" class="wp-image-16011" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8-1030x773.jpeg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8-450x338.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-8.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16011" class="wp-caption-text">Führung mit Dirk Schumann zur Architektur der Klosterkirche beim Mitte-Fest 2023</p></div>
<p>Heute liegt der Ort mitten im Zentrum. Erkennbar ist er nur durch die weithin sichtbare, dach-, tür- und fensterlose Ruine der Klosterkirche. Vom Kloster selbst zeugt nur eine halb im Boden versunkene Feldsteinmauer des früheren Kreuzgangs. Von hier aus verläuft sich die Fläche bis zur Grunerstraße in Abstandsgrün und einer Baustelle.</p>
<p>Es ist die Baustelle des Mammutprojekts „Molkenmarkt“, ein Titel, der Uneingeweihte vermuten lässt, es würde nur ein romantischer alter Marktplatz wiederaufgebaut. Tatsächlich ist der Molkenmarkt, nur der Ansatz eines neuen Stadtquartiers, das sich von der Alten Münze beinahe bis zum Alexanderplatz erstreckt. Vier Berliner Blöcke werden neugebaut. Weil dafür die Grunerstraße nach Norden verschwenkt wird, entsteht auch neben der Klosterkirchen-Ruine ein Baufeld. Es ist im Bebauungsplan für den Bau einer Schule reserviert. Die Stadtplaner nennen die Fläche fachmännisch-technisch: Block D.</p>
<div id="attachment_16004" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16004" class="wp-image-16004" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1-225x300.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1-450x600.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-1.jpeg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16004" class="wp-caption-text">Blick auf das Alte Stadthaus von Alter Münze über den Molkenmarkt. Block A wird in Zukunft die Sicht verstellen</p></div>
<div id="attachment_16005" style="width: 1290px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16005" class="size-full wp-image-16005" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2.jpeg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-2-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a><p id="caption-attachment-16005" class="wp-caption-text">Areal des Jüdenhofs in Block C (hinter dem Bauzaun); im Hintergrund Theaterdiscounter (TD)</p></div>
<div id="attachment_16006" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16006" class="wp-image-16006" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3-773x1030.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3-450x600.jpeg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-3.jpeg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16006" class="wp-caption-text">Theaterdiscounter im Ex-Fernmeldeamt (Ost), links davon Ruine der Klosterkirche und dahinter das Amtsgericht Mitte</p></div>
<h2>Vergessen, woher sie kommen</h2>
<p>Als Marie-Luise Schwarz-Schilling 91-jährig und im roten Mantel für ihr Grußwort auf das Podium steigt, erzählt sie von Odysseus: Wie seine Männer beim Volk der Lotophagen von den Früchten des Lotos essen. Erst vergessen sie, woher sie kommen. Dann vergessen sie, wohin sie gehen. Nach der Geschichte ruft die Stifterin den Gästen des Mitte-Festes „Vergesst nicht!“ zu und lässt sich auf einer der harten hölzernen Bänke in der Parochialkirche nieder.</p>
<p>Neulich stand in der Zeitung, es gäbe für den „Molkenmarkt“ keinen Baubeginn vor 2026. Da bekommt man eine Ahnung davon, wieviel hier auszugraben ist. Wenn Block D des Grauen Klosters an die Reihe kommt, wird die benebelnde Wirkung des Lotos auf die irrfahrenden Köpfe der Stadt nachlassen? Werden die Berliner zu sich kommen? Die Klostergeschichte könnte ihnen ins Gehirn springen und einen &#8211; durchaus angenehmen &#8211; Schock auslösen. Womöglich schiebt die Klostergeschichte die Kirchenruine etwas in den Hintergrund des öffentlichen Interesses.</p>
<p>Das ist ein wenig aus den Worten von Landeskonservator Christoph Rauhut herauszuhören. Ihm gefällt die Idee von Architekt Alexander Pellnitz nicht, aus der Klosterkirchenruine die Aula des neuen Gymnasiums zu machen – eine 25 Jahre alte Idee, wie Pellnitz gesteht. Damals hatte er seine Diplomarbeit darüber geschrieben. Aber erst war das Kloster. Dann kam die Kirche. Nur weil die Kirche als Ruine und Höhendenkmal greifbar ist, muss sie deshalb auch Ansatzpunkt für die geplante Schule sein? Das Bodendenkmal der Klosteranlage, und alles was wir durch die Grabungen erfahren werden, könnte potenziell richtungsweisender für die Blockentwicklung sein.</p>
<h2>Die Schule, die die Mitte feiert</h2>
<p>Schwarz-Schilling auf der Holzbank winkt ab, als es auf dem Podium um archäologische Fenster geht. Das mag ihr zu passiv sein. Für die Unternehmerin zählt der aktive Zug. So lese ich ihre Geste. Und dieser aktive Zug wäre nicht, der Archäologie die stille Bühne zu überlassen. Muss hier nicht vor allem Leben in die Bude?</p>
<div id="attachment_16015" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16015" class="wp-image-16015" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12.jpeg" alt="Schautafel mit Architekturentwurf Klosterstraße" width="500" height="375" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12.jpeg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12-300x225.jpeg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12-1030x773.jpeg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12-80x60.jpeg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12-768x576.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12-705x529.jpeg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-12-450x338.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16015" class="wp-caption-text">Imaginiertes Klosterareal auf Schautafel in Parochialkirche (Stiftung Mitte Berlin)</p></div>
<p>Dass eine Schule gebaut wird, steht im B-Plan. Dass das Traditionsgymnasium nach Mitte zurückkehrt, ist keine ausgemachte Sache. Brigitte Thies-Böttcher arbeitet im Förderverein seit Jahren daran, dass das passiert. Von dieser Mission wird im kommenden Jahr sicher viel zu hören sein, wenn das Gymnasium zum Grauen Kloster 450-jähriges Jubiläum feiert. Auch dann wird wieder ein Mitte-Fest stattfinden, bestimmt. Die Veranstalter werden vermutlich bemüht sein, Thies-Böttcher im Programm den Raum zu bieten, der ihrem Anliegen gebührt. Diesmal hatte sie ihren Vortrag extrem eindampfen müssen, nachdem ihr Vorredner extrem überzogen hatte. Sicher wollte sie mehr erzählen – von der Schule, die im Stande wäre, die Mitte zu feiern.</p>
<h2>Ehrlich, aber es hilft nicht</h2>
<p>Das ist der Standortvorteil der Wilmersdorfer. Sie sind die geistigen Erben des Ortes, der berühmten Berliner Geist hervorgebracht hat. Sie haben den Draht zu Schadow, Schinkel, Schleiermacher. Und sie haben den Draht zu Petra Kahlfeldt. Die Architektin und Berliner Senatsbaudirektorin erzählt auf dem Podium, zu den Schülern des Gymnasiums gehörten auch ihre eigenen Kinder. Außerdem habe sie an der Schule das Café mitaufgebaut.</p>
<p>Man kennt sich also. Die Baudamen kennen sich. Natürlich dürfen sie das. Sie dürfen sich kennen. Und sie dürfen auch miteinander feiern. Ich fürchte aber, Kahlfeldt hat mit ihrer Offenheit dem Rückkehrprojekt ganz lautlos den Riegel vorgeschoben – ohne es selbst zu wollen. Denn von nun an wäre die Legende vom heimkehrenden Gymnasium zum Grauen Kloster immer auch mit der Nebengeschichte versehen, die Senatsbaudirektorin installiere ihren eigenen Kiez im geliebten Berliner Stadtkern. Werden die Berliner jemals genug Lotos fressen können, dass sie diesen Privatstreich übersehen?</p>
<div id="attachment_16010" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-16010" class="wp-image-16010" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7.jpeg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7.jpeg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7-225x300.jpeg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7-773x1030.jpeg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7-60x80.jpeg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7-768x1024.jpeg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7-529x705.jpeg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/09/Kahlfeldts-Kiez-7-450x600.jpeg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-16010" class="wp-caption-text">Obdachlose leben in Zelten im Umfeld der Klosterkirchenruine</p></div>
<h2>Was ich mich sonst noch so frage:</h2>
<ol>
<li>Ist das tapfere Gymnasium also dazu verdammt, nicht zum Grauen Kloster zurückkehren zu können, solange Petra Kahlfeldt im Amt der Berliner Senatsbaudirektion bleibt?</li>
<li>Welchen Stellenwert besitzt die Rückkehr des Gymnasiums zum Grauen Kloster auf der Agenda Kahlfeldts gegenüber anderen Projekten im Berliner Stadtkern? Taugt sie (die Rückkehr) als potenzielles Lebenswerk der Architektin? (Das wäre schon eine starke Geschichte, finde ich.)</li>
<li>Wäre die Senatsbaudirektorin ggf. dazu zu bewegen, ihr Amt aufzugeben, wenn Berlin die Rückkehr des Gymnasiums zum Grauen Kloster proaktiv und verbindlich zusagen würde?</li>
<li>Welche anderen Schulen kämen für den Standort infrage, wollte man an die Geschichte der Franziskaner als Bettelorden anknüpfen?</li>
<li>Kommt nicht sogar eine andere soziale Nutzung infrage?</li>
</ol>
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		<title>Berlins Katar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Mar 2023 16:23:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Feature des RBB über die Großbaustelle am Potsdamer Platz findet im Januar mein Ohr und bringt mich zum Nachdenken. Besser gesagt, erstmal zum Staunen: So weit sind die 1990er Jahre weg! So vergessen sind die Menschen, die die Orte gebaut haben, die heute unser Alltag sind oder unser Beruf oder unser Vergnügen. Ich poste [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Feature des RBB über die Großbaustelle am Potsdamer Platz findet im Januar mein Ohr und bringt mich zum Nachdenken. Besser gesagt, erstmal zum Staunen: So weit sind die 1990er Jahre weg! So vergessen sind die Menschen, die die Orte gebaut haben, die heute unser Alltag sind oder unser Beruf oder unser Vergnügen. Ich poste das Feature daraufhin mit Blick auf Katar, weil die Reportage dem Schicksal der Bauarbeiter nachspürt und schreibe, Berlin habe in Sachen Bauen seine eigene Miserengeschichte. Anschließend sehe ich mich mit dem Vorwurf konfrontiert, die Zustände auf den Baustellen Katars zu verharmlosen. Ich könne die Zustände auf den Baustellen Berlins nicht mit den Zuständen in Katar vergleichen, meint ein geschätzter Kollege. Ich finde aber, das sollte jemand mal tun.</strong></p>
<div id="attachment_15755" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15755" class="wp-image-15755" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6.jpg" alt="Stadtbild Potsdamer Platz mit Renzo Piano-Tower, Helmut Jahn-Tower, dazwischen verdeckt durch historische Ampel: Hans Kollhoff-Tower" width="500" height="375" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-6-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15755" class="wp-caption-text">Uhrzeit, Arbeitszeit, Freizeit, Lebenszeit. Die Stechuhren tickten in den Baugruben am Potsdamer Platz eher nach dem Mond.</p></div>
<h2>Jemand hat die Absicht, Berlin mit Katar zu vergleichen</h2>
<p>Das Verrückte an Vergleichen ist, jeder versteht etwas anderes darunter. Damit fängt es schon mal an. Für mich ist ein Vergleich nicht dasselbe wie etwas mit etwas gleichsetzen. Deshalb verstehe ich auch die weit verbreitete Redewendung nicht, man könne Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Klar kann man das: Birnen sind unten dick und oben schlank. Bei Äpfeln versammelt sich das Fruchtfleisch mittig. Beide sind aber Obst, wachsen an Zweigen, haben mitunter die gleiche grün-gelbe Farbe, und essen kann man sie auch. Am Ende des Vergleichens tauchen vielleicht mehr Gemeinsamkeiten auf als Unterschiede. Deshalb lohnt es sich, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Es ist eine naheliegende und einfache Aufgabe. Schwieriger wird es mit Quitten.</p>
<p>Ich habe mir das Feature vom RBB also noch mal genauer angehört und die Infos aus dem Hörkanal auf Zeile gebracht. Dasselbe habe ich mit einer ARD-Doku zu den WM-Baustellen in Katar gemacht. Ich bleibe dabei, es ist eine einfache Aufgabe, allerdings eine einfache Fleiß(!)-Aufgabe. Beide Reportagen hier vor ab zum Nachhören und Nochmal-Hören:</p>
<p><a href="https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/feature/archiv/20230104_1900.html?utm_source=NL+%22Skyscraper%22&amp;utm_campaign=bb86249e42-Skyscraper+%2347%2F17+-+Hochhaus-Parade_COPY_01&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_62952d0631-bb86249e42-6644485" target="_blank" rel="noopener">RBB-Feature &#8222;Die Großbaustelle Potsdamer Platz&#8220; von Paul Kohl vom 4. Januar 2023 (53 Minuten)</a></p>
<p><a href="https://www.ardmediathek.de/serie/katar-wm-der-schande/staffel-1/Y3JpZDovL3dkci5kZS9rYXRhci13bS1kZXItc2NoYW5kZQ/1" target="_blank" rel="noopener">ARD-Doku „Die Toten“ (Episode 2 der Reihe &#8222;Katar &#8211; WM der Schande&#8220;, 30 Minuten), verfügbar bis 6.10.2024</a></p>
<div id="attachment_15751" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15751" class="wp-image-15751" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2.jpg" alt="Blick aus einem Fenster des Kollhoff-Towers auf den Renzo Piano-Tower und das Dach der Potsdamer Platz Arkaden" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2.jpg 960w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2-225x300.jpg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2-773x1030.jpg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2-60x80.jpg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2-768x1024.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2-529x705.jpg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-2-450x600.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15751" class="wp-caption-text">Blick vom Kollhoff-Tower Richtung Süden auf den Renzo Piano-Tower und das Dach der Potsdamer Platz-Arkaden. Rechts unten: Alte Potsdamer Straße zum Marlene-Dietrich-Platz</p></div>
<h2>Zehren von Berliner Schrippen</h2>
<p>Aus der RBB-Doku erfahren wir: Die Bauarbeiter vom Potsdamer Platz arbeiteten täglich 14 Stunden und mehr. Einer berichtet, sie hätten sogar nonstop 24 bis 27 Stunden gearbeitet, dabei zwei bis drei Stunden pro Nacht geschlafen. Kosten für Unterkunft und Essen werden ihnen vom Lohn abgezogen. Diese Abzüge betragen pro Monat bis zu 1.600 D-Mark. Heraus kommt ein Stundenlohn von 3,50 DM, wobei der Mindestlohn (auf 8 Stunden pro Tag bezogen) eigentlich 16 DM pro Stunde betragen sollte &#8211; auch für EU-Arbeiter.</p>
<p>Ob sie den Lohn am Ende überhaupt erhalten, ist nicht sicher. Ein polnischer Bauarbeiter, wie dessen Kollege berichtet, bekommt statt der verdienten 3.000 DM nur 1.300 DM ausgezahlt. Als er protestiert, wird er geschlagen. „Man konnte sehen, dass sein Gesicht war nicht korrekt“, berichtet der Kollege in Minute 29. Oder die Arbeitgeber zeigen die Bauarbeiter an, die sie selbst eingestellt haben. So befreien sich die Firmen von den Lohnzahlungen, entrichten lieber ein Bußgeld, das weniger beträgt als der Lohn. In osteuropäische Länder, aus denen viele der Subunternehmen heraus agieren, können Bußgeldbescheide nicht einmal zugestellt werden. Auf Razzien bringen die Bauarbeiter zwei Worte treffsicher heraus, die ihnen zuvor eingetrichtert werden: „Sechzehn“ (D-Mark) und „acht“ (Stunden pro Tag) &#8211; noch bevor sie gefragt werden.</p>
<div id="attachment_15752" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15752" class="wp-image-15752" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3.jpg" alt="Aufgerissene Fassade eines Bürogebäudes von Architekt Richard Rogers in der Daimler-City am Potsdamer Platz. Im Vordergrund aufgewühlter Boden der Grünanlage am Standort des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs" width="500" height="281" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3-300x169.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3-1030x579.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3-80x45.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3-768x432.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3-705x397.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-3-450x253.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15752" class="wp-caption-text">Marode Grünanlage: Sinnbild für die heute unsichtbaren Fundamentarbeiten einer gefeierten Architektur: Der märkische Sand, ausgehoben und zubetoniert von Arbeitsmigranten, gebärt und trägt den Beton, den Stahl und das Glas des Potsdamer Platzes, hier eines Gebäudes von Richard Rogers.</p></div>
<p>Die Bauarbeiter kommen in Berlin in Containern unter. Zu sechst wohnen sie auf einer Fläche von acht mal vier Quadratmetern, sind ohne Strom und ohne Wasser, berichtet der Polnische Sozialrat (33. Minute). Die Toilette war draußen. Geschlafen wurde auch auf dem Bau, um wenigstens Kaffee kochen zu können.</p>
<p>Tote gibt es am Potsdamer Platz laut Doku nicht zu beklagen. Was der Sicherheitskoordinator von Debis beschreibt, klingt aber abenteuerlich: Bauarbeiter klauben sich die Bretter aus den Absturzsicherungen der Baustellen zusammen, um infolge systematischen Materialmangels Gerüste zu bauen. Ein anderes 25 Meter hohes Gerüst wiederum steht völlig frei, weil die Arbeiter die Gerüsthaltepunkte entfernt haben. Es gab Unfälle. Zwei deutsche Bauarbeiter sprechen aus, was sie über die ausländischen Bauarbeiter dachten (35. Minute):</p>
<blockquote><p>„Wieder einer weniger, morgen kommen drei neue“</p></blockquote>
<div id="attachment_15753" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15753" class="wp-image-15753" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4.jpg" alt="Ansicht der Alten Potsdamer Straße mit Restaurant am Potsdamer Platz 1. Davor die Einfahrt zur Tiefgarage mit an Geländern angeschlossenen Fahrrädern." width="500" height="889" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4.jpg 720w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4-169x300.jpg 169w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4-579x1030.jpg 579w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4-45x80.jpg 45w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4-397x705.jpg 397w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-4-450x800.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15753" class="wp-caption-text">Die Adressbildung für einen zerstörten Ort in Berlin war erfolgreich. Aber sie hatte ihren Preis, und den haben Männer (und Frauen) aus Deutschlands europäischen Nachbarländern bezahlt</p></div>
<p>Sie würden behandelt wie Zwangsarbeiter, berichten die Deutschen. Das Frühstück: ein Brötchen, ein 0,2l Trinkpack. Schnellst- und Minimalversorgung:</p>
<blockquote><p>&#8222;Da kommt der Vorarbeiter mit einer Bäckerkiste durch, verteilt und dann wird weitergearbeitet.&#8220;</p></blockquote>
<p>Einer begeht beinahe Selbstmord. Er ist Landwirt, um die 50 Jahre alt, aus Portugal, spricht kein Wort Deutsch, besitzt kein Geld, als seine portugiesische Firma ihn nach einer Woche kündigt und unbezahlt in Berlin auf die Straße setzt. Verzweifelt klettert er auf einen Kran, verlangt 800 Mark für das Flugticket nach Hause. Oder er spränge aus 75 Metern Höhe, so der Bericht. Ein Dolmetscher geht hoch. Das Geld wird ihm zugesichert. Der Mann kommt nach zwei Stunden herunter.</p>
<h2>Trauern in Nepal</h2>
<p>Die Bauarbeiter unterliegen in Katar dem &#8222;Kafala-System&#8220;, wie Minky Worden von Human Rights Watch in der Doku beschreibt. Reisepässe werden beschlagnahmt, die Ausreise wird verweigert, wie auch der Wechsel des Arbeitsplatzes. Trotz neuer Gesetze und Reformen halten Missbrauch, Lohnbetrug und Todesfälle an.</p>
<p>So wartet der nepalesische Gastarbeiter, Dil Prasad, nach seiner Rückkehr in die Heimat auf vier Monate Gehalt. Andere Bauarbeiter warten bereits während ihres Einsatzes auf ihr Gehalt. Weil es ausbleibt, ernähren sie sich von Wasser und Brot. Offiziell beträgt ihr Lohn umgerechnet 2,55 Euro pro Stunde. Doch Zusatzzahlungen, z.B. für Überstunden, werden von der Firma gestrichen. Die Arbeiter protestieren. Die Firmen erlassen Streikverbote.</p>
<div id="attachment_15757" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/Buch-Katar-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15757" class="wp-image-15757" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/Buch-Katar-1.jpg" alt="Buch auf orientalischem Teppich liegend: Cover mit Titel &quot;Katar - Sand, Geld und Spiele&quot;. Ein Porträt. Autor: Nicolas Fromm, Verlag: C.H. Beck" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/Buch-Katar-1.jpg 480w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/Buch-Katar-1-225x300.jpg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/Buch-Katar-1-60x80.jpg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/Buch-Katar-1-450x600.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15757" class="wp-caption-text">Mittlerer Osten mitten in Berlin</p></div>
<p>In den engen und dunklen Unterkünften hausen die Arbeiter zu acht. In der Pandemie verbreitet sich Corona wie ein Lauffeuer. Um die eigene Bevölkerung zu schützen, riegeln die Behörden in Katar die Industrial Areas, in denen die Gastarbeiter leben, polizeilich ab. Sogar die Lebensmittelversorgung kommt zum Erliegen. Die Arbeiter erleben eine Ausgrenzung, die Nick McGeehan von FairSquare &#8222;Apartheid&#8220; und strukturellen Rassismus nennt.</p>
<p>In Katar gibt es auf den Baustellen Tote. Eine offizielle Statistik, die in der Doku herangezogen wird, beziffert die Zahl gestorbener Arbeitsmigranten im Zeitraum von 2010 bis 2019 auf 15.000. Zum Leidwesen von FairSquare unterscheidet die Statistik allerdings die verschiedenen Berufsgruppen nicht, so auch nicht die Bauarbeiter. Nick McGeehan leitet dennoch &#8222;tausende Todesfälle&#8220; daraus ab, seit Katar die WM bekommen hat: 9.000 Tote kämen aus Südasien, 78 Prozent der Toten seien Männer, und 70 Prozent der Todesfälle blieben ungeklärt. Offiziell, sagt die Fifa, seien nur drei Stadionarbeiter während der Arbeit verstorben. Darunter ist der Arbeitsmigrant Renuka Chaudhary, der aus der Höhe des Al-Janoub-Stadions stürzt und in Nepal Frau und Tochter zurücklässt. 35 weitere Fälle werden verschwiegen und nicht als Unfälle betrachtet, weil die Arbeiter nicht auf der Baustelle verstarben. Auffällig oft steht auf Totenscheinen die Todesursache Herzstillstand.</p>
<h2>Brutal bauen</h2>
<p>Noch nie habe ich in meinem Leben auf dem Bau gearbeitet. Allerdings habe ich Müll in die Verbrennungsanlage geschoben und bin auf dem Spargelacker Traktor gefahren (beides gegen relativ frische D-Mark). Der eine Arbeitsplatz hat mir gezeigt, dass ein Unfall nicht unbedingt dort geschieht, wo man ihn vermutet. Im zerfledderten Müll stehend trat ich auf meine Hacke, deren Stiel mir ins Gesicht schlug. Platzwunde. Was wenn ich bewusstlos aufs Förderband gefallen wäre und der Anlagenfahrer in dieser Nacht Tomaten auf den Augen gehabt und mich übersehen hätte? Und Hunger darf ich es nicht nennen, was ich an einem Tag auf dem Feld erfuhr. Tja, da vergaß ich meine Stullen und stand in der Mittagspause ohne Essen da. Meine Not schien mir so groß, dass ich nicht davor zurückschreckte, einen Freund anzurufen und ihn zu bitten, mir etwas zum Beißen zu bringen. Ich bin ihm heute noch dafür dankbar, wenn ich an die Situation denke. Nur Stullen, nur Spargel stechen. Dagegen: Von Schrippen leben auf dem Bau?</p>
<p>Wo Arbeit brutal ist, sollte man sie als Brutalität so stehen lassen. Sie ist gleich groß bei 50 Grad Celsius wie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Sie ist gleich groß, wo körperliche Arbeit nicht mit warmer Mahlzeit vergolten wird. Für die Brutalität des Wohnens gilt dasselbe: Sie entwürdigt die sechs Menschen im Berlin-Container in gleicher Weise wie sie es mit den acht Menschen pro Raum in den Unterkünften Katars anstellt. Unter Lebensgefahr arbeiten, hungernd hausen, um Gehälter betrogen werden &#8211; in dieses Miseren-Dreieck der Arbeitsmigranten blicken die katarischen Gastarbeiter aus Nepal mit denselben zwei Augen wie die europäischen aus Polen, Albanien und Portugal, wenn sie sich auf die Baustellen ihrer Hoffnung und Verzweiflung begeben.</p>
<div id="attachment_15754" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15754" class="wp-image-15754" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5.jpg" alt="Neun Karpfen in einem Teich" width="500" height="375" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-5-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15754" class="wp-caption-text">Schwimmzeit, Lebenszeit. Ob die Karpfen im Piano-See am Potsdamer Platz arbeiten oder frei haben, lässt sich schwer sagen</p></div>
<p><strong>Ja, es gibt Unterschiede:</strong></p>
<ol>
<li><strong>die Dimensionen der Tragödie,</strong></li>
<li><strong>die Staatsform der Schauplätze,</strong></li>
<li><strong>das Prestige der Projekte.</strong></li>
</ol>
<p>Alle drei Faktoren sind größer in Katar als in Berlin. Mehr zerstörte Biografien, mehr zentralisierte Macht, mehr zelebrierte Weltöffentlichkeit. Vermutlich deshalb blicken alle bevorzugt auf den Wüstenstaat, um die Ausbeutung von Arbeitsmigranten zu kritisieren. Dort gibt es die vielen Toten, hier keinen einzigen. Dort herrscht ein Monarch, hier streitet sich das Volk. Dort geht es um den Bau von sieben Fußballstadien, hier um die Wiederbebauung einer Kriegsbrache, die fast niemanden (auf der Welt) an die Decke springen lässt. Oder?</p>
<blockquote><p>„Hier ist für viele Berlinerinnen und Berliner so etwas wie ein Wunder geschehen“.</p></blockquote>
<p><em>(Eberhard Diepgen, damaliger Regierender Bürgermeister Berlins, am 2. Oktober 1998 bei der Eröffnung des Debis-Centers auf dem Marlene-Dietrich-Platz in Minute 30 der RBB-Doku)</em></p>
<p>Für größere Worte &#8211; oder sogar mehr als Worte &#8211; hat es beim CDU-Nachwende-Bürgermeister nicht gereicht. Jedenfalls wird nichts Bewegendes berichtet. Der Potsdamer Platz, ein Wunder? Diepgen hatte wahrscheinlich noch den Fall der Mauer vorm Auge, als er die Rede hielt. Die Rückkehr des Potsdamer Platzes ist kein Wunder. Denn das, wofür er im alten Berlin stand, ist mit der Wiederbebauung ja nicht zurückgekommen. Oder Diepgen kannte die Kletteraktion des portugiesischen Bauers hinauf auf den Kran. Dann kann man es ruhig ein Wunder nennen, dass die prominente Adresse mit keinem Menschenleben bezahlt werden musste. Denn hätte Diepgen denn von einem Wunder auch dann noch sprechen <em>dürfen</em>, wenn der verzweifelte Mann gesprungen wäre? Und hätte Daniel Barenboim an dem Tag sein Kranballett dirigieren <em>wollen</em>, wenn einer der 19 Baukräne zuvor zu einem Sprungbrett in die Grube zweckentfremdet worden wäre? Der Potsdamer Platz hat &#8211; in der Statistik &#8211; nur Glück gehabt.</p>
<div id="attachment_15750" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15750" class="wp-image-15750" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1.jpg" alt="Blick vom Kollhoff-Tower nach Osten auf den Leipziger Platz. Im Bild links: Vergoldeter Pfeiler der Hochhauskrone an der Panorama-Etage des Kollhoff-Towers" width="500" height="278" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1-300x167.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1-1030x572.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1-80x44.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1-768x427.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1-705x392.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2023/03/BP-Katar-1-450x250.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15750" class="wp-caption-text">Blick vom Kollhoff-Tower nach Osten auf den Leipziger Platz. Im Bild links: Vergoldeter Pfeiler der Hochhauskrone an der Panorama-Etage</p></div>
<h2>Think global, act local</h2>
<p>Ist es nicht zehnmal mehr wert, die Ausbeutung von Arbeitsmigranten in Berlin und Europa zu betrachten als die in Katar? Denn es heißt doch: &#8222;Think global, act local!&#8220; Wir betrachten das gleiche Phänomen, aber in Berlin sehen wir das Produkt, den Potsdamer Platz, täglich. Nutzen es, zeigen es, verkaufen es. Sollten wir Besuchern nicht vielmehr über die Gewerke und Herkünfte der Gastarbeiter erzählen als über die Lebenswerke von Kollhoff &amp; Co.? Und auch, weil wir in Europa die Mittel zu haben glauben, um die Unterdrückung der Arbeiter zu verhindern. Sie findet in einer freiheitlichen Gesellschaft statt, nicht in monarchischen aussichtslosen Strukturen. Die Bauarbeiter der Hauptstadt haben Rechte. Allerdings gibt die Doku eine Ahnung davon, dass Recht ohne angemessene Exekutive beinahe wertlos ist oder zumindest wirkungslos. Gleichzeitig zeigt sie, dass auf anderer Ebene als den Arbeitsschutzgesetzen wiederum entscheidende Gesetze noch fehlen (Generalunternehmer-Haftung, 49min.). Das heißt, die Exekutive ist schwach, die Legislative bleibt (vermutlich immer) unzulänglich, da zu langsam. Da mag sich der katarische Emir womöglich die Hände reiben, denn er hält beide Gewalten in einer Hand.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/berlins-katar">Berlins Katar</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<title>Wagins Baum</title>
		<link>https://futurberlin.de/ben-wagins-weltbaum</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Sep 2022 20:13:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>(...) als ich vor kurzem mit Gästen aus dem Hansaviertel kommend Richtung Bachstraße radelte! Ich dachte, der Weltbaum sei am Ursprungsort tot. Weit gefehlt, denn da war er noch. Da war er wieder. Eine Miniatur ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich 1997 nach Berlin kam, zog ich in eine Studentenwohnung in Siegmunds Hof. Das ist kein Hof. Das ist eine Straße in Tiergarten, die eigenartig schräg nach links von der Bachstraße abgeht und Richtung Spree führt. Die S-Bahnstation Tiergarten befindet sich hier. Von dort, auf dem Bahnsteig stehend, war der „Weltbaum“ an der Brandwand des gegenüberliegenden gelben Altbaus am schönsten anzusehen. Das Mural von Ben Wagin war schon damals nicht mehr ganz beisammen. Es blätterten die Farben ab, der Baumstamm grade noch zu erkennen, auch der Motorradauspuff. Das Schiff mit den fünf markanten Bäumen war schon fast völlig verschwunden. Das Bild erstreckte sich bis unters Dach des Hauses und grüßte bis in die Straße des 17. Juni. Jeden Tag kam ich an ihm vorbei. Wirklich betrachtet, hatte ich es damals nicht.</p>
<h2>Weltbaum mit Ablegern</h2>
<p>Erst als das Mural vor ein paar Jahren verbaut wurde und Streetartisten es in der Lehrter Straße kopiert hatten, nahm ich mir Zeit für Wagins Kunstwerk. Der neue Standort schien besser als der alte. Die blanken Vollrohrrutschen des Spielplatzes an der Lehrter Straße wirken als würde der gemalte Auspuff aus dem Bild herausspringen, weil sich beides überlagert. Das ist genial. Umso mehr überzeugte mich die Wandbildkopie, in dem sie sogar von der Heidestraße in der Europacity zu erkennen war. Wagins Weltbaum strahlte weiter als jemals zuvor. Das ist nun wieder anders, nachdem die Blöcke in der nördlichen Heidestraße ihre geplante Höhe erreicht haben. Schade, aber schon okay.</p>
<div id="attachment_11161" style="width: 505px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2019/01/Header-Fotos-für-Blog-Relaunch-4-e1548234811308.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-11161" class="wp-image-11161 size-portfolio" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2019/01/Header-Fotos-für-Blog-Relaunch-4-e1548234811308-495x400.jpg" alt="" width="495" height="400" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2019/01/Header-Fotos-für-Blog-Relaunch-4-e1548234811308-495x400.jpg 495w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2019/01/Header-Fotos-für-Blog-Relaunch-4-e1548234811308-845x684.jpg 845w" sizes="auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px" /></a><p id="caption-attachment-11161" class="wp-caption-text">Am S-Bahhof Tiergarten verbaut und in der Lehrter Straße von Künstlerin neu gemalt</p></div>
<p>Wie überraschte mich da ein neuer Weltbaum, als ich vor kurzem mit Gästen aus dem Hansaviertel kommend Richtung Bachstraße radelte! Ich dachte, der Weltbaum sei am Ursprungsort tot. Weit gefehlt, denn da war er noch. Da war er wieder. Eine Miniatur hängt in der Joseph-Haydn-Straße am Bahnviadukt, und ich hatte sie nicht gesehen, als ich im September mehrmals auf dem Weg von Charlottenburg nach Mitte von der Bachstraße über die Joseph-Haydn-Straße zur Klopstockstraße durch den Viadukttunnel gefahren war. Ich kam einfach aus der falschen Richtung.</p>
<p>Es gibt also zwei Orte, an denen Ben Wagins Weltbaum weiter wächst. Und natürlich wachsen seine Weltbäume vor allem im &#8222;Parlament der Bäume&#8220;, wohin ich es an einem Sonntag im August endlich mal schaffte. Während mein fünfjähriger Sohn mit dem Gartenschlauch spielte, unterhielt ich mich mit einem Baumpaten. Die Baumpaten kümmern sich um die Pflanzen dort. Ein ausgewachsener Baum bräuchte etwa 300 bis 500 Liter Wasser pro Tag, erzählte er mir. Ich kann mich nicht genau daran erinnern, aber ich glaube, er sagte sogar: pro Quadratmeter. Jetzt stehen im &#8222;Parlament der Bäume&#8220; mehr als nur ein Baum. Schlagartig wurde mir klar, dass dieser Ort in zwanzig Jahren verschwunden sein wird. Ein einziger Gartenschlauch&#8230; Der Baumpate erzählte weiter vom Wetter, das nach Norden zöge und sich über der Nordsee abregnete, vom Grundwasser, das sich absenkte; sprach von einer Freundin im Alter von irgendwas über 80 Jahren, die mal zu ihm gesagt hätte: &#8222;Na Gott sei Dank, dass ich das alles nicht mehr erleben werde.&#8220; Der Baumpate hatte mit ihr über die Dürre-Zukunft in Deutschland geredet. &#8222;Doch, Du wirst es noch erleben&#8220;, hatte er erwidert. Es kann also schneller (zu Ende) gehen als in zwanzig Jahren. Mit den Bäumen und mit uns.</p>
<div id="attachment_15472" style="width: 505px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Lehrter-Strasse-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15472" class="wp-image-15472 size-portfolio" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Lehrter-Strasse-1-495x400.jpg" alt="" width="495" height="400" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Lehrter-Strasse-1-495x400.jpg 495w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Lehrter-Strasse-1-845x684.jpg 845w" sizes="auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px" /></a><p id="caption-attachment-15472" class="wp-caption-text">Neuer Weltbaum in der Lehrter Straße, Spielplatz</p></div>
<h2>Miniermotten und Missverständnisse</h2>
<p>Eine andere Art &#8222;Baumpatin&#8220;, die allerdings nicht mehr alle beisammen hatte, traf ich neulich ganz unverhofft. Sie kehrte die Blätter einer hochgewachsenen Kastanie zusammen, als ich über einen Hinterhof lief, um meine Tochter von ihrer Freundin abzuholen. Ich solle doch bitte mithelfen, die braunen Blätter einzusammeln. Nein, &#8222;bitte&#8220; hatte sie nicht gesagt. Wäre aber schön gewesen. Ich blieb stehen und hörte zu, als sie mir den Lebenslauf der Miniermotte erklärte. Fand ich toll. Ich hatte aber keine Zeit. Es stellte sich heraus, dass die Gute die Eigentümerin des Hauses war. Ebenso stellte sich heraus, dass es ihr scheinbar völlig egal war, dass ich nicht Mieter, sondern Besucher des Hauses war und auf dem Sprung. Dieser Baumpatron forderte von mir eine Aktion ein, die nicht auf meiner Liste stand. Es war doch nicht Sonntag. Als ich später mit meiner Tochter aus dem Quergebäude kam, schlug ich der Frau vor, ein Hoffest zu veranstalten und die Bewohner einzuladen. Leider war sie unzugänglich wie der London Tower nach 18 Uhr. Ein Baum hatte uns auseinander gebracht.</p>
<p>War ich denn für den Baum verantwortlich? Wenn es in diesen Septembertagen einen Berliner Baum gab, für den ich mich verantwortlich fühlte (und zwar als Tourguide), dann war das die nordamerikanische Roteiche am Teehaus im Tiergarten. Queen Elisabeth hatte sie dort im Frühling 1965 gepflanzt. Der Baum lag auf der Route gleich zweier Radtouren, und die gestorbene, damals noch nicht bestattete Königin war infolge des Medienrummels in allen Köpfen. Dieser Baum ist bemerkenswert, denn ihm wurde bereits in jüngsten Jahren das Rückgrat gebrochen. Berliner knickten den Stamm um, nachdem der Polizeischutz abgezogen war (siehe B.Z. und Tagesspiegel). Ein Meistergärtner operierte das drei Meter hohe Pflänzchen, das wieder vollständig genas. Die Narben sollten wir heute noch sehen. Doch ich fand sie nicht an dem Baum. Ich hatte den Gästen die falsche Eiche präsentiert. Ein Kollege half mir, den Irrtum aufzudecken (Danke, Alexander!). Die echte Eiche steht zwanzig Meter weiter östlich. Ich hatte daneben gegriffen. Wollte ich wirklich für einen Hofbaum sorgen, müsste ich viel lernen. Ich wusste ja nicht einmal, wie eine nordamerikanische Roteiche aussah.</p>
<div id="attachment_15473" style="width: 505px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Joseph-Haydn-Strasse-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15473" class="wp-image-15473 size-portfolio" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Joseph-Haydn-Strasse-1-495x400.jpg" alt="" width="495" height="400" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Joseph-Haydn-Strasse-1-495x400.jpg 495w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/Weltbaum-Joseph-Haydn-Strasse-1-845x684.jpg 845w" sizes="auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px" /></a><p id="caption-attachment-15473" class="wp-caption-text">Weltbaum-Miniatur am Bahnviadukt in der Joseph-Haydn-Straße</p></div>
<h2>Ein Event und seine Früchte</h2>
<p>In der Urania, am Donnerstag, den 22. September, beim &#8222;Stadt im Gespräch&#8220;, habe ich tatsächlich einiges gelernt. Die Lage in den Grünflächenämtern der Bezirke ist eine Katastrophe. Oliver Schruoffeneger (Grüne), Bezirkstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, machte deutlich, dass mit zu wenig Mitarbeitern und zu wenig Geld zu große Aufgaben erledigt werden müssen &#8211; und zwar seit zwanzig Jahren. Die Bezirke haushalten mit Budgets, die gerade soweit reichen, den Müll wegzuräumen. Das heißt, der Umbau der Stadt zu einer klimaangepassten Metropole ist bei diesen &#8222;großen Aufgaben&#8220; noch gar nicht mit eingerechnet. Es geht bisher um den schlichten Erhalt der Grünflächen. Ob darüber hinaus der Umbau der Stadt erfolgreich sein wird, entscheide der Einsatz der Ressourcen.</p>
<p>Auch Darla Nickel, Leiterin der Berliner Regenwasseragentur, betonte, dass der Grünflächenerhalt das zentrale Problem sei. Froh hat mich gestimmt, wie sie Berlin als Experimentierstadt ins Feld führte, als die Perspektiven von Schruoffeneger und einem Senatskollegen gerade sehr pessimistisch wurden. Sie hatten sich über rechtliche Fallstricke geärgert, die ich hier nicht ausführen will (sie verdienen einen eigenen Artikel, vielleicht ein ganzes Buch). Aber Nickel, die mit ganz leichtem Englisch-Akzent sprach, vermochte mit ihrem Statement die Blickrichtung im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf grün zu stellen. Es passiere viel, und wir hätten in der Stadt kein Umsetzungsproblem, sondern ein Umsetzungsgeschwindigkeits-Problem. Danke für diese genaue Beobachtung.</p>
<div id="attachment_15474" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15474" class="wp-image-15474" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1-773x1030.jpg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1-773x1030.jpg 773w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1-225x300.jpg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1-60x80.jpg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1-768x1024.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1-529x705.jpg 529w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1-450x600.jpg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/09/HGHI-Tower-1.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-15474" class="wp-caption-text">Verbautes Stadtbild durch den HGHI-Tower an der Bachstraße, 2022</p></div>
<p>Und dann Antje Backhaus, Landschaftsarchitektin, mit ihrem Weckruf, Regenwasserbewirtschaftung sei total einfach. Es beginne damit, das eigene Regenwasserrohr umdrehen, damit das Wasser dorthin fließt, wo es gebraucht wird. Auch sie war durchweg positiv gestimmt, wenngleich sie Berlin als etwas schwerfälliger wahrnimmt und Experimentierfreudigkeit vor allem in dänischen Städten vorgeführt bekommen hat, wie sie erzählte. Das hat sie von den Kollegen aus dem Norden mitgebracht, dass man &#8222;einfach mal machen muss&#8220; &#8211; eine Formulierung, die Oliver Schruoffeneger sicher wieder mit einer bizarren Anekdote aus dem Grünflächenamt parieren könnte.</p>
<h2>Unsere Ulme</h2>
<p>Wenn es also einen Baum in Berlin gibt, für den ich mich verantwortlich fühle, dann ist es die große Ulme auf meinem Hof. Über sie wird noch zu schreiben sein, glaube ich. Nur soviel vorweg: Der Baum steht am Schnittpunkt dreier Grundstücke in einem relativ freien Hinterhof-Gelände. Ein Brombeerstrauch wächst neben ihr am Boden. Krähen haben in der Krone gerade ein neues Nest gebaut. Die Traufen von drei Gründerzeithäusern sind gerade mal eine Armlänge oder zwei von den Ästen und Zweigen der Krone entfernt. Als ich mir das ansah, fragte ich mich, warum wir überhaupt die zwanzig Meter langen Regenrinnen an die Hauswände klemmen. Die Traufen sollten ins Zentrum der Krone verlängert werden, mit Schläuchen oder so. Und dann der Schock: Die Regenrinnen münden ins Unterirdische, auch die Regenrinne an meinem Haus. Einfach umdrehen? Das Experiment ist erstmal gescheitert. Eine Stadt umdrehen, das ist eben mehr als ein Experiment.</p>
<h3><em>Noch ein Veranstaltungshinweis zum Thema</em></h3>
<p><u>Mi, 28. September 2022, 11 Uhr</u><br />
<strong>Beginn der Baumfällsaison 2022</strong><br />
Pressegespräch des Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung.<br />
Ort: Kulturmarkthalle, Hanns-Eisler-Str. 93, 10409 Berlin.<br />
<a href="https://www.nachhaltigestadtentwicklung.berlin/" target="_blank" rel="noopener" data-cke-saved-href="https://www.nachhaltigestadtentwicklung.berlin/">nachhaltigestadtentwicklung.berlin</a></p>
<h3><em>Links</em></h3>
<p><a href="https://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/diese-eiche-pflanzte-die-queen-1965-im-tiergarten">B.Z. v. 10.09.2022: Diese Eiche pflanzte die Q&#8230;</a></p>
<p><a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/majestatisch-gewachsen-3637291.html">Tagesspiegel v. 22.06.2015: Queen in Berlin: Majestätisch gewachsen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/ben-wagins-weltbaum">Wagins Baum</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<title>Evers Garten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jun 2022 07:14:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Breite Straße]]></category>
		<category><![CDATA[ESMT]]></category>
		<category><![CDATA[Flussbad Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[House of One]]></category>
		<category><![CDATA[Magnus-Haus]]></category>
		<category><![CDATA[Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Schloss/Humboldtforum]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Evers]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Berliner Christdemokraten werden immer sympathischer. Zumindest einer, weil er sogar die Bildung von neuem Volkseigentum unterstützt. So äußerte Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin, Anfang Juni beim Gartengespräch des Flussbads sein Belieben, den Garten des ehemaligen DDR-Staatsratsgebäudes in Mitte, also den heutigen Garten der European School for Management and Technology (ESMT) [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Berliner Christdemokraten werden immer sympathischer. Zumindest einer, weil er sogar die Bildung von neuem Volkseigentum unterstützt. So äußerte Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin, Anfang Juni beim Gartengespräch des Flussbads sein Belieben, den Garten des ehemaligen DDR-Staatsratsgebäudes in Mitte, also den heutigen Garten der European School for Management and Technology (ESMT) in eine öffentliche Grünanlage umzuwandeln.</p>
<p><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-15448" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1.jpg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-1-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p>Eine Öffnung des Privatgartens hat ja schon stattgefunden. Wenn der Flussbad-Garten (also Garten Nr. 2) geöffnet hat, macht auch die ESMT eine Pforte im Zaun Richtung Spreekanal auf. So gelangt man, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, von dem einen Garten (Nr. 2) in den andern (Nr. 1). Natürlich muss ich an dieser Stelle den Garten der ESMT als Garten Nr. 1 bezeichnen. Denn ohne die ESMT, die einen Teil ihres Gartens dem Flussbad-Projekt überlässt, gäbe es den Garten des Flussbads nicht.</p>
<h2>Eine Gartenpforte auch nach Süden bitte!</h2>
<p>Der Zaun verläuft an der Westseite des ESMT-Grundstücks, ein paar Meter zurückversetzt, sodass sich der Flussbad-Garten vor ein paar Jahren dort einrichten konnte. Die Pforte ist hier, die Gartenpforte. An der Ecke zur Sperlingsgassse biegt der Zaun Richtung Breite Straße nach Osten ab, ohne nochmals eine Gelegenheit zum Eintreten zu geben. Büsche sind ums Eisen gewachsen und schotten Garten Nr. 1 nach Süden zur Scharrenstraße ab. Mein Gott, das wird einmal die Einflugschneise ins Gotteshaus sein, ins House of One! Unterwegs dorthin, käme man am Nicolaihaus vorbei und an der Landesvertretung Sachsens, deren Staatsflagge vom ESMT-Garten aus sichtbar ist. Nur durch müsste man können, durch den wild umwachsenen, schönen und kostbaren Naturzaun, von mir aus auch drüber.</p>
<p><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-15449" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2.jpg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-2-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p>Da sieht man, wie genial die Idee von Stefan Evers ist. Der Garten der ESMT ist ein Puzzle-Teil mit drei Gelenken. Eins verbindet das Kanalufer westlich. Ein zweites verbindet den Garten mit den neuen Highlights von Alt-Cölln (House of One und Archäologisches Zentrum am Petriplatz). Ein drittes Gelenk knüpft östlich (eigentlich sind es zwei dritte Gelenke) an die Breite Straße an und damit an die Stadtbibliothek und (etwas nördlicher) an das Humboldtforum. Die Unterführung durch das Nebengebäude der ESMT entlang der Breiten Straße verlöre ihren Betriebshof-Charakter, würde hier das Tor aufgerissen. Dear Mr. Evers, open this gate!</p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Aber wie will er das eigentlich machen? Und was ist aus der Sache mit dem Studentenwohnheim geworden, das dort vor Jahren im Garten gebaut werden sollte?</strong></span></p>
<h2>Noch ein Privatgarten: das Magnus-Haus</h2>
<p>Die Konstellation erinnert mich ein bisschen an das Magnus-Haus (mit Garten), weiter unten am Kupfergraben, gegenüber dem Pergamonmuseum. Garten Nr. 3 wäre der Standort der Siemens-Repräsentanz geworden, eines Neubaus, wenn nicht ein Wunder geschehen wäre. Das Wunder geschah, und das letzte barocke Stadtpalais in Mitte bleibt unbebaut und darf weiter für Siemens grünen. Alles privat, auch hier. Das Schönste Berlins scheint immer Privatsache zu sein.<a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-15450" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3.jpg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-3-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p>Könnten wir nicht auch den Magnus-Haus-Garten öffnen? So zwischen Collegium Hungaricum und Maxim-Gorki-Theater, dazu die Humboldt-Uni, würde es sich doch wohl prima lesen, lernen und liegen lassen. Noch so ein Puzzle-Stück dieser Garten Nr. 3.</p>
<p><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-15451" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4.jpg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2022/06/ESMT-4-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p>Und wenn dann letztlich noch das Flussbad selber kommt, dann ist die Verbindung der Gärten vollkommen. Beten gehen, Bücher ausleihen, durch Garten Nr. 1 ziehen, in den Garten Nr. 2 hinein, dort einen Kaffee trinken, dann ins Kanalwasser steigen, zum Magnus-Haus schwimmen, aus dem Kanal klettern, in Garten Nr. 3 ausruhen, Siemens für die noch zu tätigende Geste danken, ins Gorki-Theater gehen. Die Stadt braucht mehr Gartengespräche (das nächste findet statt am 7. Juli 2022, siehe <a href="https://www.flussbad-berlin.de/">https://www.flussbad-berlin.de/</a>)</p>
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		<title>Lüschers Steg</title>
		<link>https://futurberlin.de/lueschers-steg</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Mar 2022 18:37:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Bauen für Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Golda-Meir-Steg ist Regula Lüschers Steg, denn er besiegelt den Bau der Europacity. Ein renommierter Architekt beschimpft das Projekt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/lueschers-steg">Lüschers Steg</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Golda-Meir-Steg führt vom Kieler Eck über den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in die Europacity hinüber. Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke trägt den Namen einer israelischen Ministerpräsidentin und wurde am 8. Dezember 2021 anlässlich ihres Todestages eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt hatte Regula Lüscher Berlin bereits verlassen. Im Sommer hatte die Ex-Senatsbaudirektorin sich nach 14 Jahren aus ihrem Amt verabschiedet. Zuvor posierte sie an dem Steg. In ihrem Werkschau-Film „Bauen für Menschen“ steht Lüscher am Kanalufer, gekleidet in einen frühlingshaften Mantel, der auf phänomenale Weise die Farbe des Stegs aufnimmt, eine Mischung aus Ocker, Olivgrün und einem Goldgelb, das der Mantel aus dem Hintergrund nach vorne holt, in der Bildfläche aufweitet, verstärkt und mit weiteren Bildelementen, dem Gelb eines Baukrans, dem Rotblond der eigenen Frisur, ja sogar mit Lüschers Brille verschmilzt und als eine Art Gemeinwesen erkennbar macht. So resümiert die Architektin die eigene Ära.</p>
<div id="attachment_15232" style="width: 505px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Goldener-Steg-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15232" class="wp-image-15232 size-portfolio" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Goldener-Steg-1-495x400.jpg" alt="" width="495" height="400" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Goldener-Steg-1-495x400.jpg 495w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Goldener-Steg-1-845x684.jpg 845w" sizes="auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px" /></a><p id="caption-attachment-15232" class="wp-caption-text">Goldener Steg: Auf der Westseite des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals sind neue Wohnbauten der Europacity zu sehen</p></div>
<p>Mir gefällt das. Mir gefällt auch, wenn jemand einen Ort abfotografiert, bevor er oder sie über ihn redet. Regula Lüscher hat das 2009 getan, als sie die Debatte ums Rathausforum einleitete. Ich mochte auch ihren kühlen Kopf. Eine Lüscher, die laut wurde, habe ich nirgends erlebt. Ich mochte auch den Dialekt, mit dem sie sprach. Lüschers Schweizerisch hatte etwas Unterhaltsames. Es erfrischte. Wörter wie &#8222;Detail oder &#8222;Beton&#8220;, bei denen sie die erste Silbe betonte statt der zweiten, besaßen einen technischen Effekt. Sie werden mir fehlen, wenn ich bei Diskussionsveranstaltungen einzuschlafen drohe.</p>
<h2>Früher Turmrummel und Weite</h2>
<p>Der Steg steht für die Epoche Lüschers. Es gab ihn nicht, als sie 2007 nach Berlin kam. Wohl aber den Mann am Turm. Bei Sonne auf einem Gartenstuhl, bei Regen in seinem Auto, saß Jürgen Litfin täglich am Kieler Eck und wartete auf Besucher. Der Mauerzeitzeuge, dessen Bruder Günter 1961 als erster Berliner an der Sektorengrenze erschossen wurde, schimpfte in der mit eigener Hand aufgebauten Gedenkstätte, dass die Wände wackelten. Da war Leben in der Bude, während sich auf dem Westufer des Kanals noch die unbebaute Weite eines ehemaligen, in Vergessenheit geratenen Bahngeländes aus der Vorkriegzeit auftat. Kein Gast wusste, wo er war. Der Blick ging frei nach Moabit bis zum Poststadion, unterbrochen nur durch die Heidestraße, auf der erkennbar Autos fuhren, und durch die Bahntrasse, auf der ICE-Züge in den Tunnel zum Hauptbahnhof eintauchten. Das Beben im Turm ist seit 2018 vorbei. Jürgen Litfin ruht auf dem Domfriedhof an der nicht weit entfernten Liesenstraße. Die Europacity ist aber zum Leben erwacht, als hätte der Golda-Meir-Steg vor Ort die Ladungen vertauscht.</p>
<div id="attachment_7516" style="width: 777px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2015/07/Total-Europacity-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-7516" class="size-full wp-image-7516" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2015/07/Total-Europacity-1.jpg" alt="Europacity, Heidestraße" width="767" height="485" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2015/07/Total-Europacity-1.jpg 767w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2015/07/Total-Europacity-1-150x95.jpg 150w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2015/07/Total-Europacity-1-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /></a><p id="caption-attachment-7516" class="wp-caption-text">Aussicht auf die &#8222;Mondlandschaft&#8220; Heidestraße vom 16. Stock des Total-Towers, Herbst 2012 (Foto: André Franke)</p></div>
<p>Die Europacity, sollte es sich bei dem neuen Stadtteil wirklich um gebautes Leben handeln, fristet 2022 ein Dasein, das einem Menschen in Quarantäne gleicht. Sie kommt nicht aus sich heraus. Als stünde da ein Kranker kraftlos am Fenster. Es genügt, ihm vom gegenüberliegenden Bürgersteig zuzuwinken. Dann fahren wir fort. „Es ist ein grauenvoller Ort“, sagt Architekt Hans Kollhoff. Die ehrliche Erbostheit des Mannes in einem Interview der Veranstaltungsreihe „Unvollendete Metropole“ rüttelt in mir großes Bedenken wach.</p>
<ol>
<li><em>Kann der Bau schlechter Stadt als moralisches Verbrechen gelten? </em></li>
<li><em>Kann ein gutes Urteil über eine schlechte Stadt Verrat am Berufsstand sein? </em></li>
<li><em>Wann wird guter Städtebau ein Menschenrecht?</em></li>
</ol>
<p>Tatsächlich kenne ich niemanden, der von der Europacity sagte, sie sei doch ganz schön geworden. Kollhoff zu diesem Geschmack:</p>
<blockquote><p>„Das kann nur jemand sagen, der vollkommen abgestumpft ist. Wo die Abstumpfung ein Niveau erreicht hat, dass eigentlich in der Gesellschaft wie der unseren nicht zulässig sein sollte.“</p></blockquote>
<p>Das sagt der Architekt über die Architektin (in Minute 16 und 17 eines Interviews, siehe unten).</p>
<p>Positiv gelesen, stecken darin zwei Botschaften: Städtebau ist kein Zuckerschlecken und Kollhoff kann es besser. Auch die Frage: Warum hat keiner Lüscher früher in den Ruhestand versetzt?</p>
<div id="attachment_15220" style="width: 505px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Lüschers-Steg-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15220" class="wp-image-15220 size-portfolio" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Lüschers-Steg-1-495x400.jpg" alt="" width="495" height="400" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Lüschers-Steg-1-495x400.jpg 495w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Lüschers-Steg-1-845x684.jpg 845w" sizes="auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px" /></a><p id="caption-attachment-15220" class="wp-caption-text">Alter Grenzturm, neue Kanalbrücke. Jürgen Litfin erlebte das nicht</p></div>
<p>Die betonlenkende Architektin mit dem Sinn fürs Detail leitete Berlins Senatsbaudirektion unter fünf verschiedenen Stadtentwicklungssenatoren und -Senatorinnen: Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Michael Müller (SPD), Andreas Geisel (SPD), Katrin Lompscher (Linke) und Sebastian Scheel (Linke). Lüschers Steg in Berlin &#8211; im Sinne eines Karriereweges von 2007 bis 2021 &#8211; gelangte zu einer bemerkenswerten Länge. Länger hatte das Amt nur Hans Christian Müller von 1967 bis 1982 in Berlin-West inne.</p>
<div id="attachment_15231" style="width: 505px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Europacity-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15231" class="wp-image-15231 size-portfolio" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Europacity-1-495x400.jpg" alt="" width="495" height="400" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Europacity-1-495x400.jpg 495w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Europacity-1-845x684.jpg 845w" sizes="auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px" /></a><p id="caption-attachment-15231" class="wp-caption-text">Im Bürogebäude in George-Stephenson-Straße spiegelt sich der Blick zur Lehrter Straße in Moabit</p></div>
<h2>Kahlfeldts Chance</h2>
<p>In der Europacity steht der Bau eines zweiten Stegs aus. Er ist, ebenfalls als Fuß- und Radverkehrsbrücke, jenseits der Heidestraße geplant, um die Bahntrasse zu überwinden. Dann wird der Stadtteil an die Lehrter Straße in Moabit angeschlossen und die ganze Europacity bekommt eine Ost-West-Durchquerung. Es wird der Steg der Petra Kahlfeldt sein, Berlins neuer Senatsbaudirektorin. Aber das ist schon eine Formulierung, die in die Irre führt. An der Europacity wird Berlin Kahlfeldts Wirken nicht messen. Oder etwa doch? Bestandsentwicklung soll Kahlfeldts Stärke sein.</p>
<hr />
<p><em>LINKS</em></p>
<ul>
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=04Uxa7bBUOk">Film zur Werkschau &#8222;Bauen für Menschen&#8220; (youtube)</a></li>
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=dQQMi0dEC_s&amp;t=1006s">Interview mit Hans Kollhoff in der Reihe &#8222;Berliner Städtebaugespräche&#8220; vom 20.1.2022 (auf youtube)</a></li>
<li><a href="https://unvollendete-metropole.de/berliner-staedtebaugespraeche/">alle Berliner Städtebaugespräche auf der Seite &#8222;Unvollendete Metropole&#8220; des Architekten- und Ingenieur-Vereins (AIV)</a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/lueschers-steg">Lüschers Steg</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Stimmanns Straße</title>
		<link>https://futurberlin.de/stimmanns-strasse</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Dec 2020 22:10:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[autofrei]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsquartier]]></category>
		<category><![CDATA[Checkpoint Charlie]]></category>
		<category><![CDATA[Flaniermeile]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrichstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Mehringplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Radbahn]]></category>
		<category><![CDATA[Stimmann]]></category>
		<category><![CDATA[ZLB]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://futurberlin.de/?p=14920</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Friedrichstraße hat Probleme. Dass man sie in diesen Tagen auf 500 Metern komfortabel erradeln kann, halte ich nicht für ihr größtes. Hans Stimmann gefällt diese autofreie "Flaniermeile" überhaupt nicht. Er schimpft in einem Gastbeitrag der F.A.Z. und macht allerdings auf etwas viel Wichtigeres aufmerksam: Dass die Friedrichstraße seit der Nachkriegszeit eine Sackgasse ist, und die Sackgasse seit den 80er Jahren bis heute weiterhin Sackgasse bleiben durfte. Das sollten alle ändern, die aus der Friedrichstraße wieder ein Kennzeichen der Großstadt machen wollen. Egal, ob sie sie mit dem Auto oder Fahrrad erleben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/stimmanns-strasse">Stimmanns Straße</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Natürlich ist es seine Straße. Natürlich ist die Friedrichstraße ein Werk Hans Stimmanns. Denn er hat den Weiterbau, Wiederaufbau, Umbau der Straße als Senatsbaudirektor ja selbst mitgestaltet. Insofern muss seinem Artikel, der am Montag im Feuilleton der F.A.Z. zu lesen war (und für den ich die drei Euro Printpreis ausgesprochen gerne bezahlt habe, denn ich ahnte, was mich erwartete), eine Reizung vorausgegangen sein: Und wen reizt sie nicht, die neue &#8222;Flaniermeile&#8220;, von der niemand mit Gewissheit sagen kann, ob die Friedrichstraße nördlich der Leipziger nun eine Begegnungszone, Fußgängerzone, Radbahn, einen Shared Space, verkehrsberuhigten Bereich, eine temporäre Spielstraße, einen Kunstmarkt, Streetfoodmarkt oder das Choriner Straßenfest aus Prenzlauer Berg darstellt.</p>
<p><span id="more-14920"></span></p>
<div id="attachment_14923" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Friedrichstraße-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-14923" class="wp-image-14923" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Friedrichstraße-1.jpg" alt="" width="500" height="667" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Friedrichstraße-1.jpg 754w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Friedrichstraße-1-225x300.jpg 225w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Friedrichstraße-1-60x80.jpg 60w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Friedrichstraße-1-528x705.jpg 528w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Friedrichstraße-1-450x600.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-14923" class="wp-caption-text">&#8222;Flaniermeile&#8220; Friedrichstraße mit Radkorridor, Dezember 2020</p></div>
<p>Es findet sich eben von allen Berliner Straßenexperimenten etwas im Supergau der Friedrichstraße wieder: die gescheiterten Parklets aus der Bergmannstraße, die überalterten Schaukästen vom Ku´damm, die visionäre Radbahn aus Kreuzberg (die noch gar nicht gebaut ist). Das reizt nicht nur, sondern das nervt schon (die Parklets stehen ja auch in der Schönhauser Allee rum). Das nervt selbst mich, also einen, der die Verkehrswende gut findet.</p>
<p>Anfangs bog ich mit einem Lächeln in die umgekrempelte (so muss man es nennen) Friedrichstraße ein und genoss den Tapetenwechsel. Ich lachte, weil es so mutig war! Hier hatte sich Changing Cities an einer Legende vergriffen. Doch die Friedrichstraße lädt dazu ein: schnurgerade, menschliches F0rmat, markante Schnittpunkte mit Mauer, Linden, Spree. Wo wenn nicht in der Friedrichstraße musste das Berliner Experiment der Umgestaltung des bewegten Raumes erfolgreich sein?</p>
<h2>Die amputierte Stadt</h2>
<p>Aber mit Hans Stimmann wird die Legende wieder stark. Und Legenden herauszufordern, ist meistens ein Holzweg. Eine Sehnsucht packte mich oft, als ich mit Touristen am südlichen Ende der Friedrichstraße stand, ihnen die Vorstellung versuchte klarzumachen, dass mehr als eine, mehr als die Friedrichstraße früher in den Mehringplatz mündeten. Es war die Sehnsucht danach, die drei Kilometer lange Friedrichstraße mit einem Delorean (mit Flux-Kompensator) hinunter zu rasen und in der Zeit des Soldatenkönigs zu landen. Warum wagte Berlin, sein einzigartiges &#8222;Rondell&#8220; zu zerstören? Während ich vor meinen Touristen immer davon redete, wie die Stadtplaner der Nachkriegszeit die Linden- und die Wilhelmstraße vom Platz &#8222;abschwenkten&#8220; (wie mild!) und somit dem Doppelplatz Mehringplatz/Blücherplatz seiner Verkehrsfunktion beraubten, lese ich bei Stimmann in seinem historischen Abriss über die Geschichte der Friedrichstraße (der Dreiviertel des Artikels ausmachte), dass die beiden Nachbarstraßen geradezu &#8222;amputiert&#8220; wurden. Das wird nicht ganz schmerzfrei für die Stadt abgelaufen sein. Wer aber der Stadt Schmerzfähigkeit zugesteht, muss es gut mit ihr meinen.</p>
<p>Er schreibt über das Wesen der Friedrichstraße vor der Amputation ihrer Nachbarstraßen:</p>
<blockquote><p>Nicht die funktionelle Trennung, sondern das Aufeinandertreffen der Verkehrsteilnehmer auf den vergleichsweise engen Straßen des vormodernen Berlin wurde zum Kennzeichen großstädtischen Lebens.</p></blockquote>
<p>Das ist im Grunde der Ruf nach einem echten Shared Space! Keinen roten Teppich für Radfahrer auslegen&#8230; Aber auch den Autos nicht das Durchfahren verbieten. Die Friedrichstraße darf niemandem gehören. Urbane Räume sind freie Räume, aber nicht zwangsläufig &#8222;autofreie&#8220; Räume. &#8211; Ist es diese Einsicht, die Hans Stimmann uns abverlangt, wenn er klagt, das &#8222;keiner begreift, was urbane Räume wirklich ausmacht&#8220;?</p>
<h2>Keine Autos, aber fast wieder Panzer</h2>
<p>Der Artikel steht unter einem Paar Fotos. Das linke zeigt eine turbulente Straßenszene von früher. Das rechte zeigt die Radmeile mit den Parklets und den gelben Fahrbahnmarkierungen von heute. Früher war die Straße tatsächlich frei von Definition, überall gleich grau für jeden, der sie betrat oder befuhr. Beiden gemeinsam ist allerdings, dass kein einziges Auto zu sehen ist. Auch nicht im alten Bild. Insofern schwelt hier auch ein nicht gelöschtes Feuer unter dem Asphalt des Artikels. Das Feuer der Verbrennungsmotoren.</p>
<p>Die Friedrichstraße, schreibt Stimmann, habe wie Unter den Linden nur bescheidene Autoverkehrsmengen zu bewältigen, da sie beide verkehrsfunktionale Sackgassen sind. Die Realität des Verkehrsalltags sah (vor Corona) anders aus. Drei Beispiele:</p>
<ol>
<li>Täglich stauten sich die Karossen auf der einspurigen östlichen Fahrbahn zwischen Friedrichstadtpalast und Oranienburger Straße, sodass Radfahrer ab Höhe Tacheles auf den (ebenfalls schmalen) Gehweg ausweichen mussten. Hier dient der Nordstumpf Friedrichstraße als Abschnitt auf der Umfahrungsroute Prenzlauer Berg-Mitte-Regierungsviertel.</li>
<li>Täglich wälzten sich die Reisebus-Kolonnen, linksabbiegend aus der Zimmerstraße vom Potsdamer Platz kommend über den belebten Kreuzungsbereich am Checkpoint Charlie. Eine beklopptere Sightseeingroute kann es gar nicht geben, da die Busse als Linksabbieger immer zuletzt fahren und daher lange warten, sich stauen und dabei die Luft verschmutzen. Die vormoderne, enge Breite der Friedrichstraße macht das Manöver leider nur gefährlicher.</li>
<li>Und dann gab es das: Ein Vierzigtonner überrollte Ende März 2015 eine Radfahrerin, als das Lastfahrzeug von der Friedrichstraße nach rechts abbog.</li>
</ol>
<p>Mag die Verkehrsmenge geringer sein als in andern Straßen, geringer als in der Leipziger, klar. Die Verkehrsqualität lässt jedenfalls zu große Kaliber zu, als dass ich in der Art Aufeinandertreffen einen erlebenswerten großstädtischen Reiz erblicken könnte.</p>
<h2>Vom Kulturkaufhaus zum Bildungsquartier</h2>
<p>Der Reiz der &#8222;Flaniermeile&#8220; liegt doch darin, den Moment der Ruhe auszukosten, die Meile auszudehnen und auf ihr mit zeitgemäßen Verkehrsmitteln von Mitte nach Kreuzberg zu gelangen, ohne abzubiegen. Wenn man bei Dussmann schon an die Amerika-Gedenkbibliothek denkt, sie vielleicht sogar sieht (es ist fast möglich), dann erfüllt die Friedrichstraße ihre städtebauliche Funktion. Am Blücherplatz entsteht doch ein Bildungsquartier! Die ganze südliche Friedrichstadt wird davon profitieren.</p>
<p>Aber ich fürchte, sie braucht dafür ihre Gliedmaßen zurück. Mit der Sackgasse da unten wird das nichts. Im Interesse des ZLB-Projekts sollte man den Mehringplatz noch einmal auf den Operationstisch legen und die &#8222;amputierten&#8220; Straßen wieder einrenken. Dann wäre die Friedrichstraße auch in Kreuzberg Stimmanns Straße.</p>
<h2>Das Rad reaktivert die alte Stadt</h2>
<p>Was könnte so ein Mehringplatz für ein öffentlicher, anregender Raum werden! Ein Satellitenplatz der Bibliothek. Und was aufeinanderträfe: Die Bücher, das Wasser, die Hochbahn, die Radbahn! Da haben wir sie wieder: die Radbahn. Die Friedrichstraße, ob selbst Radstraße oder nicht, trifft hinterm Mehringsplatz bald auf die Radbahn Berlin, den acht Kilometer langen Radschnellweg, der die Oberbaumbrücke im Osten mit dem Tauentzien im Westen verbinden wird. Paradoxerweise könnte es gerade der neue Radverkehr sein, der die alten Stadtstrukturen einfordert.</p>
<p><em>(Danke an Annette Ahme für ihren KIOSK-Tip vom 14. Dezember!)</em></p>
<p>LINKS</p>
<ul>
<li><a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wieso-berlins-verkehrs-aktionismus-der-stadt-nicht-hilft-17100209.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Friedrichstraße, ein Stadtschicksal (F.A.Z.-Artikel)</a></li>
<li><a href="http://radbahn.berlin/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Radbahn-Berlin-Projekt</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mehringplatz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Historisches zum Mehringplatz</a></li>
<li><a href="https://www.berlin.de/friedrichstrasse/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flaniermeile-Projekt des Senats</a></li>
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=js9j0s61Z6M" target="_blank" rel="noopener noreferrer">TV Berlin-Beitrag mit den Kontrahenten des Projekts</a> (youtube)</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/stimmanns-strasse">Stimmanns Straße</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<item>
		<title>Korona küsst Schlosskuppel</title>
		<link>https://futurberlin.de/korona-kuesst-schlosskuppel</link>
					<comments>https://futurberlin.de/korona-kuesst-schlosskuppel#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Dec 2020 16:32:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Eiserne Brücke]]></category>
		<category><![CDATA[Möwen]]></category>
		<category><![CDATA[Museumsinsel]]></category>
		<category><![CDATA[Schloss]]></category>
		<category><![CDATA[Schlosskuppel]]></category>
		<category><![CDATA[Sonne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Paradox, aber nicht selten in diesem Jahr: Ein Corona-Test verschaffte mir den Zugang zur Schönheit eines Berliner Wintermorgens. Von der Eisernen Brücke aus, die von Reif überzogen war, sah ich die Dezembersonne die Schlosskuppel küssen - ein astronomisch-architektonisches Spektakel am Spreekanal, wo die Möwen kreischten und kaum ein Mensch zu finden war.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass ich heute Morgen vor die Tür ging, war ein Akt der Notwendigkeit &#8211; und gleichzeitig ein Geschenk. Ich stieg vom Fahrrad, als ich diese Sonne sah. Eigentlich keine besonders besondere Sonne. Für einen Sonnenaufgang war es zu spät, für den Untergang viel zu früh, noch nicht mal Mittag. Wolken zogen an dem weißen Ball vorbei, ziemlich zügig. Mal ließen sie mehr Licht durch, mal weniger. Und wenn der Schleier stimmte, nicht zu dick, nicht zu dünn war, dann konnte man klar die Konturen sehen, die Konturen des großen Balles. Ist das nicht selten? Ist das nicht schön? Wenn so eine Übergröße ins menschliche Auge passt, können wir dann nicht auch alles andere begreifen, was uns unbegreiflich erscheint?</p>
<div id="attachment_14832" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-14832" class="wp-image-14832" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1.jpg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/12/Schloss-Sonne-2020-1-1-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><p id="caption-attachment-14832" class="wp-caption-text">Kuppel statt Klotz: Mehr runde Formen in der Architektur wagen!</p></div>
<p>Das Bild, das ich sah, war kein reines Naturschauspiel. Es war eine Berlin-Kontur. Dem Rund des Sonnenrandes stand das neue Rund der Schlosskuppel gegenüber. Und ich begriff, die Kuppel ist gut. Und ich dachte, wir bauen zu wenig runde Formen. Es gibt zu viele Ecken und Kanten in der Stadt, zu viele Optionen, sich zu stoßen und zu schneiden. Da ich gerade aus der Gegend am Spreebogen kam, wo ich mich einem Schnelltest unterzog, steckte mir noch der neue Glaskubus vom Washingtonplatz wie ein Eissplitter im Auge, wie der Splitter im Auge von Kai, den die Schneekönigin verzauberte. Diesem Glaskasten am Hauptbahnhof wächst so eine angriffslustige, abgeflachte Pyramidenspitze aus der Fassade, dass ich seit heute fest davon überzeugt bin, die Architekten haben das Ding im Anblick ihres Weihnachtsbaumes entworfen, im Homeoffice, als Homeoffice noch exotisch war. Aber dort gehört dieser kälteeinflößender Eiswürfel hin: an den Weihnachtsbaum, wo es warm ist. Und weg schmilzt er.</p>
<p>So gewann ich plötzlich, auf der Eisernen Brücke stehend, bereit für den Befund, den Sinn für das Runde am Himmel über die von Reif überzogene Berliner Mitte, wo Architektur und Astronomie einen Augenblick lang zu Schwestern wurden. Und als hätten auch sie es begriffen, schrien die Möwen in den kalten Dezembermorgen hinein. Wahrscheinlich hatten sie aber nur Hunger. Die Kuppel des Schlosses hat mich schon öfters überrascht. Bisher hab ich nichts dazu geschrieben. Und das will ich damit sagen: dass eine Art Perspektivensammlung aussteht, die zeigt, dass die Schlosskuppel die Blicke auf die Mitte Berlins bereichert. Demnächst also&#8230;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>FDP mit neuem Volksbegehren fürs Feld</title>
		<link>https://futurberlin.de/fdp-mit-neuem-volksbegehren-fuers-feld</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2020 20:35:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[TagesTopper]]></category>
		<category><![CDATA[Gierkeplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Hermannplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Hermannstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Karstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Koloniestraße 10]]></category>
		<category><![CDATA[Tempelhofer Feld]]></category>
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		<category><![CDATA[Wittenbergplatz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8211; T a g e s T o p p e r &#8211; Ausgewählte Nachrichten vom Mittwoch, den 30. September 2020 Die FDP verfolgt einen neuen Volkentscheid für das Tempelhofer Feld. Sebastian Czaja sagt, die Rahmenbedingungen seien heute völlig anders als 2014. In der Abendschau streitet er mit Katalin Gennburg (Linke). Außerdem in den Medien&#8230; [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/fdp-mit-neuem-volksbegehren-fuers-feld">FDP mit neuem Volksbegehren fürs Feld</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><em>&#8211; T a g e s T o p p e r &#8211; </em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Ausgewählte Nachrichten vom Mittwoch, den 30. September 2020</em></p>
<p style="text-align: center;"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-13970 size-medium" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-80x80.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-36x36.jpg 36w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-180x180.jpg 180w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-120x120.jpg 120w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-450x450.jpg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p><strong>Die FDP verfolgt einen neuen Volkentscheid für das Tempelhofer Feld. </strong>Sebastian Czaja sagt, die Rahmenbedingungen seien heute völlig anders als 2014. In der <a href="https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20200930_1930/Randbebauung_Temopelhofer_Feld.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abendschau</a> streitet er mit Katalin Gennburg (Linke).</p>
<p style="text-align: center;"><em>Außerdem in den Medien&#8230;</em></p>
<p><strong>Die SPD fordert in der BVV Neukölln Tempo 30 in der Hermannstraße.</strong> <a href="https://leute.tagesspiegel.de/neukoelln/macher/2020/09/30/141722/bvv-fordert-tempo-30-in-der-hermannstrasse/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel</a></p>
<p><strong>Am Gierkeplatz wird Richtfest für das Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtechnik gefeiert. </strong><a href="https://www.morgenpost.de/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/article230559924/Richtfest-Neubau-am-Oberstufenzentrum-Kraftfahrzeugtechnik.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a></p>
<p><strong>Der U-Bahnhof Wittenbergplatz ist saniert.</strong> <a href="https://www.morgenpost.de/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/article230558156/U-Bahnhof-Wittenbergplatz-Sanierung-ist-beendet.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a></p>
<p><strong>Die Neuköllner SPD diskutiert über die Karstadt-Pläne von Signa am Hermannplatz.</strong> Der Regierende kommt, aber verspätet sich. Die <a href="https://www.morgenpost.de/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/article230561246/Karstadt-Umbau-am-Hermannplatz-Das-sind-die-Perspektiven.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a> fasst zusammen.</p>
<p><strong>In der Weddinger Koloniestraße 10 will ein Investor Mikroapartments bauen.</strong> Dafür würde er auf dem Hinterhof die Remise abreißen. Der Bezirk Mitte arbeitet daran, sie unter Denkmalschutz zu stellen. <a href="https://www.morgenpost.de/bezirke/mitte/article230557564/Mieter-der-Koloniestrasse-10-muessen-wieder-zittern.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/fdp-mit-neuem-volksbegehren-fuers-feld">FDP mit neuem Volksbegehren fürs Feld</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<title>Bergmannstraße wird zur &#8222;Blaupause&#8220; für Kreuzbergs Straßen</title>
		<link>https://futurberlin.de/bergmannstrasse-wird-zur-blaupause-fuer-kreuzbergs-strassen</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2020 19:52:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[TagesTopper]]></category>
		<category><![CDATA[BER]]></category>
		<category><![CDATA[Bergmannstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Exilmuseum]]></category>
		<category><![CDATA[Katzbachstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Oranienstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Umlauftank]]></category>
		<category><![CDATA[Wenckebach-Krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Wrangelkiez]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute ebenfalls im T a g e s T o p p e r :  Sich mit Peter Strieder auf den Rückweg in die Politik machen, am Runden Tisch einen Liegenschaftsfall vorstellen, mit Ticket B einen "Schnitt durch die Mitte" machen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/bergmannstrasse-wird-zur-blaupause-fuer-kreuzbergs-strassen">Bergmannstraße wird zur &#8222;Blaupause&#8220; für Kreuzbergs Straßen</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><em>&#8211; T a g e s T o p p e r &#8211; </em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Ausgewählte Nachrichten vom Dienstag, den 29. September 2020</em></p>
<p style="text-align: center;"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-13970 size-medium" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-80x80.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-36x36.jpg 36w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-180x180.jpg 180w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-120x120.jpg 120w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-450x450.jpg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p><strong>Mehr Kreuzberger Straßen sollen autofrei werden.</strong> Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann, die zukünftig im Abgeordnetenhaus Verkehrspolitik machen will, plant nach der Bergmannstraße auch die Katzbachstraße, den Wrangelkiez und die Oranienstraße für den Autoverkehr zu sperren. &#8222;Was in der Bergmannstraße geschieht, kann als Blaupause dienen&#8220;, so Herrmann. <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/kreuzbergs-bezirksbuergermeisterin-herrmann-die-zahl-der-autos-in-berlin-muss-spuerbar-verringert-werden/26227126.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel</a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Außerdem in den Medien&#8230;</em></p>
<p><strong>Vivantes schließt das denkmalgeschützte Wenckebach-Krankenhaus in Tempelhof. </strong>Die 443 Betten ziehen ins Schöneberger Augusta-Viktoria-Krankenhaus um, weil es für den 1878 gebauten Gebäudekomplex einen Sanierungsstau in Höhe von 154 Millionen Euro gäbe, berichtet die <a href="https://www.berliner-zeitung.de/news/berlin-tempelhof-wenckebach-klinik-zieht-ins-auguste-viktoria-krankenhaus-um-li.108278" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Zeitung</a>. Aus dem aufgegebenen Standort soll ein Gesundheitscampus gemacht werden, ein &#8222;Adlershof der Medizin&#8220;.</p>
<p><strong>Zur Flughafen-Eröffnung am 31. Oktober wird es keine Party geben.</strong> &#8222;Wir machen einfach auf&#8220;, sagte Flughafen-Chef Engelbert Lütke-Daldrup in der Bundespressekonferenz und fordert für den BER mehr internationale Flugverbindungen, zum Bespiel nach China und in den Mittleren Osten. <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/eine-entschuldigung-und-viele-forderungen-was-flughafenchef-luetke-daldrup-sich-zur-ber-eroeffnung-wuenscht/26227418.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel</a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Veranstaltungstips</em></p>
<p><strong>Bis zum 20. Dezember läuft im Flughafengebäude Tempelhof die begehbare Stadtcollage &#8222;50 Geschichten zum Stadtmachen&#8220;,</strong> mit Vortrag am Donnerstag, 1. Oktober, 19 Uhr und Symposium am Donnerstag, 15. Oktober 16-20 Uhr. <a href="https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Ausstellung_in_Berlin_7419063.html?source=rss&amp;utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+baunetz-news+%28BauNetz+Architektur-News%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Baunetz</a></p>
<p><strong>Bis Samstag, 17. Oktober sind sämtliche Entwürfe des Wettbewerbs für das Exilmuseum</strong> am Anhalter Bahnhof zu sehen, und zwar im Foyer der Staatsbibliothek (Haus II) in der Potsdamer Straße. <a href="https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Ausstellung_in_Berlin_7419063.html?source=rss&amp;utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+baunetz-news+%28BauNetz+Architektur-News%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Baunetz</a></p>
<p><strong>Bis 25. Oktober gibt es die Ausstellung &#8222;Architektur als Experiment&#8220;</strong> auf dem Ernst-Reuter-Platz. Sie zeigt den Entwurfsprozess für den farbenfrohen, von Ludwig Leo entworfenen Umlauftank am Landwehrkanal. <a href="https://www.moderne-regional.de/auf-zum-umlauftank/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Moderne Regional</a></p>
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		<title>Xhains Künstler sollen East Side Mall gestalten</title>
		<link>https://futurberlin.de/xhains-kuenstler-sollen-east-side-mall-gestalten</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2020 21:09:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[TagesTopper]]></category>
		<category><![CDATA[Amazon-Tower]]></category>
		<category><![CDATA[East Side Mall]]></category>
		<category><![CDATA[East-Side-Gallery]]></category>
		<category><![CDATA[Edge-Tower]]></category>
		<category><![CDATA[Gleisdreieckpark]]></category>
		<category><![CDATA[ICC]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Mitte Tempelhof]]></category>
		<category><![CDATA[Pier 61/63]]></category>
		<category><![CDATA[Spreeturm]]></category>
		<category><![CDATA[Upside Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute ebenfalls im T a g e s T o p p e r :  Sich mit Peter Strieder auf den Rückweg in die Politik machen, am Runden Tisch einen Liegenschaftsfall vorstellen, mit Ticket B einen "Schnitt durch die Mitte" machen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/xhains-kuenstler-sollen-east-side-mall-gestalten">Xhains Künstler sollen East Side Mall gestalten</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><em>&#8211; T a g e s T o p p e r &#8211; </em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Ausgewählte Nachrichten vom Wochenende und Montag, den 28. September 2020</em></p>
<p style="text-align: center;"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-13970 size-medium" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-80x80.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-36x36.jpg 36w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-180x180.jpg 180w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-120x120.jpg 120w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-450x450.jpg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p><strong>Xhains Künstler sollen East Side Mall und Amazon-Tower gestalten</strong>. Der Projektentwickler Edge Technologies Deutschland will dafür einen Wettbewerb ausloben, <a href="https://www.morgenpost.de/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/article230522584/Vom-Symbol-der-Hoffnungslosigkeit-zur-Galerie-der-Traeume.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet die Morgenpost in einem längeren Artikel</a>, der auch einen Überblick über die anderen Bauprojekte gibt. Im &#8222;Spreeturm&#8220; kostet der Quadratmeter Bürofläche 40 Euro. Im &#8222;Upside Berlin&#8220;-Tower kosten 60 Quadrater Eigentumswohnung mehr als 600.000 Euro. Und Ende des Jahres könnte bereits der Uferweg an der Spree durchgängig begehbar sein, wenn der Hotelneubau &#8222;Pier 61/63&#8220; fertig wird.</p>
<p style="text-align: center;"><em>Außerdem in den Medien&#8230;</em></p>
<p><strong>Der Gleisdreieckpark ist dieses Jahr um 100.000 Euro teurer geworden.</strong> Durch steigenden Nutzungsdruck und Vandalismus kosten Müllbeseitigung und Reparatur der Schäden insgesamt 330.000 Euro, berichtet Hannjo Bergemann, Bewohner des Möckernkiezes und Mitglied der Initiative &#8222;Gemeinsam fürs grüne Gleisdreieck&#8220; auf dem <a href="https://gleisdreieck-blog.de/2020/09/27/alle-wollen-im-grundsatz-das-gleiche-fuer-den-park/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gleisdreieck-Blog.</a> Der Nutzerbeirat kommt am 7. Oktober zusammen.</p>
<p><strong>Über die &#8222;Neue Mitte Tempelhof&#8220; berichtet jetzt auch <a href="https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Werkstattverfahren_Neue_Mitte_Tempelhof_entschieden_7421835.html?source=rss&amp;utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+baunetz-news+%28BauNetz+Architektur-News%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Baunetz</a></strong> und beschreibt den Planungsakt als eine Art &#8222;Rochade&#8220;. Die 500 neuen Wohnungen würden später an der Stelle gebaut, von der die öffentlichen Gebäude weichen, abgerissen werden und auf die andere Straßenseite umziehen. Baunetz benennt auch die anderen beteiligten Büros und verlinkt auf die Projektseite berlin.de mit Karten und Modellfotos.</p>
<p><strong>Der Umbau des Autobahndreiecks Funkturm beginnt</strong> mit Planungsarbeiten in den Nächten vom Montag auf Dienstag und vom Dienstag auf Mittwoch. <a href="https://www.morgenpost.de/berlin/article230522548/Sperrung-auf-A100-Planung-fuer-Umbau-des-Dreiecks-Funkturm.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Veranstaltungstips</em></p>
<p><strong>Bis zum 4. Oktober illuminiert &#8222;Berlin leuchtet&#8220; etwa 40 Gebäude und Plätze der Stadt.</strong> Insbesondere fällt das Licht auf Kultureinrichtungen, womit die Veranstalter auf die durch Corona verursachte Kulturlosigkeit aufmerksam machen wollen. Mit dabei sind u.a. der Friedrichstadtpalast und das Schloss Köpenick. <a href="https://www.morgenpost.de/berlin/article230521498/Berlin-leuchtet-weiter-Lichtkunst-an-40-Orten.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a></p>
<p><strong>Die Berlinische Galerie trägt ein &#8222;Festival zur zeichnerischen Eroberung der Stadt&#8220; aus.</strong> Es richtet sich gleichermaßen an Kinder, Erwachsene und Profis und findet am 3. und 4. Oktober drinnen im Museum sowie draußen auf dem Vorplatz statt. <a href="http://www.urbanophil.net/kunst/festival-zur-zeichnerischen-eroberung-der-stadt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Urbanophil,</a> <a href="https://berlinischegalerie.de/einzeichnen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berlinische Galerie</a></p>
<p><strong>Das Landesdenkmalamt diskutiert über das ICC.</strong> An der Veranstaltung &#8222;Jung, aber Denkmal&#8220;, die voraussichtlich am 9. Dezember in der Urania stattfinden wird, beteiligt sich auch die Architektin des Gebäudes, Ursulina Schüler-Witte. <a href="https://www.moderne-regional.de/jung-aber-denkmal-dieses-mal-zum-icc-berlin/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Moderne Regional</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/xhains-kuenstler-sollen-east-side-mall-gestalten">Xhains Künstler sollen East Side Mall gestalten</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<title>FDP hat Konzept für die Kantstraße und will am Sonnabend diskutieren</title>
		<link>https://futurberlin.de/fdp-hat-konzept-fuer-die-kantstrasse-und-will-am-sonnabend-diskutieren</link>
					<comments>https://futurberlin.de/fdp-hat-konzept-fuer-die-kantstrasse-und-will-am-sonnabend-diskutieren#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Sep 2020 16:38:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[TagesTopper]]></category>
		<category><![CDATA[Beteiligungsbeirat]]></category>
		<category><![CDATA[Bodenfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Gleisdreieckpark]]></category>
		<category><![CDATA[Groß-Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kantstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Tempelhof]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute ebenfalls im T a g e s T o p p e r :  Sich mit Peter Strieder auf den Rückweg in die Politik machen, am Runden Tisch einen Liegenschaftsfall vorstellen, mit Ticket B einen "Schnitt durch die Mitte" machen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/fdp-hat-konzept-fuer-die-kantstrasse-und-will-am-sonnabend-diskutieren">FDP hat Konzept für die Kantstraße und will am Sonnabend diskutieren</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><em>&#8211; T a g e s T o p p e r &#8211; </em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Ausgewählte Nachrichten vom Freitag, 25. September 2020</em></p>
<p><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-13970 size-medium" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-80x80.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-36x36.jpg 36w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-180x180.jpg 180w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-120x120.jpg 120w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-450x450.jpg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p>VERKEHRSWENDE // <strong>Die FDP hat ein Verkehrskonzept für die Kantstraße entwickelt.</strong> Sie verlegt die Radwege wieder von der Pop-Up-Fahrbahn zurück auf den Gehweg. Am Sonnabend, 12 Uhr, lädt die Partei in die Trinitatis-Kirche am Karl-August-Platz zu einer Diskussionsrunde mit Interessierten ein. <a href="https://www.morgenpost.de/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/article230510922/FDP-stellt-Verkehrsmodell-fuer-Kantstrasse-vor.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Außerdem in den Medien&#8230;</em></p>
<p>STADTTEILENTWICKLUNG //<strong> Alt-Tempelhof bekommt eine autofreie &#8222;Neue Mitte&#8220; aus Glasfassaden, Quartiersplätzen und Tiefgaragen. </strong>Gegenüber des Rathauses entsteht ein 56 Meter hohes Kulturzentrum mit Bibliothek, Volkshochschule und Musikschule. Daneben werden auch Gebäude für das Stadtbad, die Polizeidirektion und drei Kitas gebaut, ab 2027 auch 549 Wohnungen. 17 Parzellen der Kleingartenkolonien &#8222;Friede und Arbeit&#8220; sowie &#8222;Germania&#8220; müssen weichen. Die Pläne stammen von den Büros &#8222;Teleinternetcafe und Treibhaus Landschaftsarchitektur&#8220;. Sie sind als Gewinner aus einem Werkstattverfahren hervorgegangen. <a href="https://www.morgenpost.de/bezirke/tempelhof-schoeneberg/article230511074/Neue-Mitte-Blickfang-am-Tempelhofer-Damm.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morgenpost</a></p>
<p>BER // <strong>Das neugebaute und fristgerecht fertiggestellte Terminal 2 des BER-Flughafens bleibt vorerst geschlossen.</strong> Wegen der geringen Fluggastzahlen infolge der Corona-Krise verzichte die Flughafengesellschaft auf den Betrieb des Gebäudes. Es kann bis zu 6 Millionen Passagiere abfertigen. Das Terminal 1 eröffnet dagegen wie geplant am 31. Oktober 2020. <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/sparmassnahmen-am-hauptstadtflughafen-das-ber-terminal-2-ist-betriebsbereit-und-bleibt-geschlossen/26219424.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel</a></p>
<p>U-BAHNBAU // <strong>Die SPD plant den Ausbau der U-Bahn und hält eine autofreie Innenstadt für &#8222;wirklichkeitsfremd&#8220; (Franziska Giffey).</strong> Fünf Strecken sollen bis 2030 für 2 Milliarden Euro verlängert werden: die U2 nach Pankow-Kirche, die U3 zum Mexiko-Platz, die U7 nach Heerstraße Nord sowie zum BER, und die U8 ins Märkische Viertel, berichten der <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/kritik-an-gruener-verkehrspolitik-plaene-fuer-u-bahnausbau-giffey-nennt-autofreie-innenstadt-wirklichkeitsfremd/26218710.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel</a> und die <a href="https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/giffey-wirft-berliner-gruenen-realitaetsferne-in-der-verkehrspolitik-vor-li.107450" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Zeitung</a>.</p>
<p>PARTIZIPATION // <strong>Der Beteiligungsbeirat für Partizipation in der Berliner Stadtentwicklung wird besetzt.</strong> Bis zum 10. Oktober können sich interessierte Vereine, Initiativen und Verbände bewerben. Der Beirat besteht aus insgesamt aus 24 Sitzen, die teilweise Akteure aus Politik und Verwaltung einnehmen. Am 29. September findet eine Sprechstunde für Interessenten statt. Auch einzelne Bürger können sich bewerben. <a href="https://facettenneukoelln.wordpress.com/2020/09/25/beteiligungsbeirat-stadtentwicklung-ruft-zum-bewerben-auf/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facetten-Magazin Neukölln</a></p>
<p>GROSS-BERLIN // <strong>Wieder begibt sich Uli Zelle von der Abendschau auf den Jubiläumsweg der Großstadtwerdung Berlins</strong>, diesmal in den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Und wieder kommen die Geburtsfehler Groß-Berlins zur Sprache, diesmal durch Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz. Auch Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann hat alltäglich mit dem Kompetenzgerangel zwischen Bezirken und Senat zu tun. Gedreht wird im Rathaus in der Otto-Suhr-Allee und am Grunewaldturm. <a href="https://www.rbb-online.de/abendschau/7plus/gross-berlin.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abendschau</a></p>
<p>GLEISDREIECKPARK // <strong>Die Bewohner des Möckernkiezes fordern die Offenhaltung des Parks</strong> trotz Lärmbelästigung durch Parties. Außerdem schlagen sie einen Dialog vor, der durch das Nachbarschaftsheim Urbanstraße moderiert werden soll. <a href="https://gleisdreieck-blog.de/2020/09/25/stellungnahme-der-ag-kreuzberger-nachbarschaft-im-moeckernkiez-zur-aktuellen-situation-im-park/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gleisdreieck-Blog</a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Ausstellungstip</em></p>
<p><strong>Noch bis zum 25. Oktober läuft im DAZ die Ausstellung &#8222;Die Bodenfrage &#8211; Klima, Ökonomie, Gemeinwohl&#8220;</strong>. <a href="https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Ausstellung_zur_Bodenpolitik_in_Berlin_7407725.html?source=rss&amp;utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+baunetz-news+%28BauNetz+Architektur-News%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Baunetz</a> beschreibt die Inhalte, und Laura Holzberg vom <a href="http://www.daz.de/de/die-bodenfrage/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutschen Architekturzentrum</a> leitet in die 10-minütige Videoführung ein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/fdp-hat-konzept-fuer-die-kantstrasse-und-will-am-sonnabend-diskutieren">FDP hat Konzept für die Kantstraße und will am Sonnabend diskutieren</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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		<title>Signa provoziert Neuköllner Nachbarschaftsgärten</title>
		<link>https://futurberlin.de/signa-provoziert-neukoellner-nachbarschaftsgaerten</link>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2020 20:29:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[TagesTopper]]></category>
		<category><![CDATA[Checkpoint Charlie]]></category>
		<category><![CDATA[Excelsior]]></category>
		<category><![CDATA[Liegenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Nathaniel]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Strieder]]></category>
		<category><![CDATA[Ticket B]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute ebenfalls im T a g e s T o p p e r :  Sich mit Peter Strieder auf den Rückweg in die Politik machen, am Runden Tisch einen Liegenschaftsfall vorstellen, mit Ticket B einen "Schnitt durch die Mitte" machen ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/signa-provoziert-neukoellner-nachbarschaftsgaerten">Signa provoziert Neuköllner Nachbarschaftsgärten</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><em>&#8211; T a g e s T o p p e r &#8211; </em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Ausgewählte Nachrichten vom Donnerstag, 24. September 2020</em></p>
<p><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-13970 size-medium" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-300x300.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-80x80.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-36x36.jpg 36w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-180x180.jpg 180w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-120x120.jpg 120w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1-450x450.jpg 450w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/04/Beitragsbild-Medienspiegel-1.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p><strong>Die Neuköllner Gemeinschaftsgärten &#8222;Prinzessinengarten Kollektiv&#8220; und &#8222;Prachttomate&#8220; distanzieren sich von einer Ausflugskampagne von Signa.</strong> Der Investor, der am Hermannplatz einen Neubau des Karstadt-Gebäudes nach Entwürfen von Architekt David Chipperfield plant, hatte auf Facebook über den Account &#8222;Nicht ohne Euch&#8220; eine Tour zu einigen Gartenprojekten des Bezirks empfohlen. Die Gemeinschaftsgärten sehen darin den Versuch, Kiezverankerung vorzutäuschen. Signa versuche, sich ein nachhaltiges Image zu verpassen und die Nachbarschaftsprojekte für seine Zwecke zu vereinnahmen. In der Kommentarliste meldet sich auch MdA Katalin Gennburg zu Wort. <em><a href="http://nk44.blogsport.de/2020/09/24/berliner-gemeinschaftsgaerten-gegen-vereinnahmung-durch-immobilienkonzern-signa/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nachrichten aus Nord-Neukölln</a> +++ <a href="https://m.facebook.com/nichtohneeuch/photos/a.127302741993602/373144584076082/?type=3&amp;source=48" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook-Kampagne von &#8222;Nicht ohne Euch&#8220;</a></em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Außerdem in den Medien&#8230;</em></p>
<p><strong>Raupenbagger graben 2500 verfaulte Holzschwellen der Siemensbahn ab.</strong> Damit beginnen die Bauarbeiten an der stillgelegten S-Bahnstrecke. Sie soll in den zukünftigen Innovationscampus von Siemens nach Spandau führen &#8211; beziehungsweise von dort in die Innenstadt von Berlin, <em><a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/haelt-der-stahl-viadukt-hier-soll-die-s-bahn-zum-600-millionen-euro-campus-von-siemens-fahren/26214540.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet der Tagesspiegel</a> und präsentiert die Gegenwart und Geschichte der Siemensbahn mit unglaublichen 857 Fotos! Die <a href="https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/arbeiten-fuer-die-s-bahn-zum-berliner-siemens-campus-haben-begonnen-li.107321" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Zeitung</a> schreibt auch darüber.</em></p>
<p><strong>In der Moabiter Levetzowstraße 6-7 ergänzt ein neues Wandbild das Denkmal für die zerstörte Synagoge.</strong> Eine Kunstlehrerin hat das Mural zusammen mit Nachbarn organisiert und gestaltet. Es zeigt drei Portalsäulen auf der weiß gestrichenen Brandwand des angrenzenden Mietshauses. <em>Die <a href="https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/die-saeulen-sind-zurueck-li.106855" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Zeitung hat es fotografiert.</a></em></p>
<p><strong>Ulli Zelle von der Abendschau geht durch die Groß-Berlin-Ausstellung im Kronprinzenpalais Unter den Linden.</strong> Harald Bodenschatz benennt die &#8222;Geburtsfehler&#8220; der 1920 gegründeten Großstadtregion: das Verhältnis der ehemaligen Städte und Umlandgemeinden zm Magistrat von Berlin sowie das Verhältnis von Berlin zum Umland Brandenburg. Die Ausstellung, die auch die Ergebnisse des &#8222;städtebaulichen Ideenwettbewerbs Berlin-Brandenburg 2070&#8220; präsentiert, eröffnet am 1. Oktober. <a href="https://www.rbb-online.de/abendschau/7plus/serie-jubilaeum.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ABENDSCHAU</a></p>
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		<title>Botschaften aus dem Bezirk Spandau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[André Franke]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2020 18:51:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogposts]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Groß-Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Spandau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch wenn Serien schön sind, wem gelingt es schon, einer vom ersten Teil bis zum letzten zu folgen, wenn man nicht entschieden immer zur selben Zeitung greift, immer im richtigen Moment, am richtigen Tag &#8211; oder überhaupt nicht? Es ist immer noch &#8222;Groß-Berlin&#8220;-Jahr, und die B.Z. macht eine Serie dazu, die Morgenpost ebenso. Und weil [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/botschaften-aus-dem-bezirk-spandau">Botschaften aus dem Bezirk Spandau</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn Serien schön sind, wem gelingt es schon, einer vom ersten Teil bis zum letzten zu folgen, wenn man nicht entschieden immer zur selben Zeitung greift, immer im richtigen Moment, am richtigen Tag &#8211; oder überhaupt nicht? Es ist immer noch &#8222;Groß-Berlin&#8220;-Jahr, und die B.Z. macht eine Serie dazu, die Morgenpost ebenso. Und weil ich am Sonntag in einen anderen Bäcker ging als sonst, einen, der tatsächlich nur Morgenpost im Ständer hatte, erwischte ich die Sonntagsbeilage der Mopo, die &#8222;Berliner Illustrirte Zeitung&#8220;, in der Groß-Berlin jede Woche Thema ist. Eine Reihe von Zitaten lässt Felix Müller in dem Artikel über &#8222;Spandaus Sonderweg&#8220; aus der Feder fließen (im Falle der Zitadellenstadt Spandau könnte man auch sagen, der Autor feuert aus allen Rohren), um den Widerstandsgeist der Nicht-Wahlberliner vor und nach der Eingemeindung zu Groß-Berlin 1920 darzustellen. Wie im &#8222;Skyscraper&#8220; angekündigt, folgt hier das, was die sechs zitierten Herren im Einzelnen von sich gaben:</p>
<h2>Eine Stadt mit Zitadelle wird immer ein Bollwerk sein</h2>
<p>Emil Müller, Spandauer Stadtrat und Maurermeister, bei der Grundsteinlegung des Rathauses am 3. April 1911:</p>
<blockquote><p>Mög´schützen uns des Kaisers Hand vor Groß-Berlin und Zweckverband.</p></blockquote>
<p>Hermann Kantorowicz, Spandauer Armenarzt und Kommunalpolitiker, 1913:</p>
<blockquote><p>Dass wir vom Zweckverband an der Nase herumgeführt werden, muss doch jeder sehen.</p></blockquote>
<p>Heinrich Jenne, Spandauer Stadtverordneter, 1918:</p>
<blockquote><p>Was Spandau bei Groß-Berlin soll, ist nicht recht klar.</p></blockquote>
<p>Kurt Woelck, letzter Spandauer Bürgermeister, 1919:</p>
<blockquote><p>Wir stehen hier auf dem Standpunkt, dass diese restlose Eingemeindung nur Nachteile für uns bringt und ein Unglück für Spandau darstellen wird.</p></blockquote>
<p>Martin Stritte, Spandauer Bezirksbürgermeister, 1923:</p>
<blockquote><p>Die Spandauer haben es nicht gelernt, sich als Berliner zu fühlen und sie werden es in absehbarer Zeit nicht lernen.</p></blockquote>
<p>Stritte, nochmals:</p>
<blockquote><p>Die Spandauer sind stolz auf ihre eigene Geschichte und Entwicklung, die älter sind als diejenigen Berlins, und sie werden den Raub ihrer Selbständigkeit immer als Vergewaltigung empfinden.</p></blockquote>
<p>Günter Matthes, Redakteur des Tagesspiegels, bei der 750-Jahrfeier von Spandau, 1982:</p>
<blockquote><p>Als die Berliner noch Kaulquappen fingen, waren die Spandauer schon Patrizier.</p></blockquote>
<div id="attachment_13483" style="width: 1290px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-13483" class="size-full wp-image-13483" src="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3.jpg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3.jpg 1280w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3-80x60.jpg 80w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3-300x225.jpg 300w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3-768x576.jpg 768w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3-1030x773.jpg 1030w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3-705x529.jpg 705w, https://futurberlin.de/wp-content/uploads/2020/03/FUT_Header-Bilder-2020-3-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a><p id="caption-attachment-13483" class="wp-caption-text">Blick vom Ufer der Havel auf den Rathausturm</p></div>
<p>Was folgern wir aus diesen Sätzen und wie lesen sie sich aus der Perspektive von heute? Die Hand Wilhelms II. konnte die Berliner nicht abhalten, über die Havel zu setzen; der Arm, an dem sie hing, war schlichtweg zu kurz, dass er hätte von Utrecht in die Deutsche Republik gereicht. Spandauer und Berliner dürften wohl quitt sein, nachdem Eberhard Diepgen, Ur-Spandauer, als Regierender Bürgermeister eine Zeit lang die Berliner an der Nase herumführen durfte. Heinrich Jenne scheint damals offenbar der Blick auf die regionale Landschaft verstellt gewesen zu sein; was Spandau bei Berlin soll, das ist doch ganz klar: das Wasser der Spree in die Havel aufnehmen. Auch würde wohl jeder Spandauer es als Glück begreifen, nicht als Unglück, nach 1945 nur von Franzosen besetzt worden zu sein, und nicht von den Sowjets; krasse Vorstellung, der Mauerweg verliefe dann auf der anderen Seite, entlang Charlottenburgs. Stritte kann hingegen nicht bestritten werden, denn in drei Jahren Zeit (1920-23) wechselt kein Mensch seine Identität; dankbar muss man ihm für die harten Worte sein, die doch daran erinnern, dass es politische Gewalt auch in parlamentarischen Systemen gibt, und die Schwächeren die exekutiven Folgen womöglich als Unrecht wahrnehmen. Und aus dem Matthes-Spruch, auch wenn er aufgrund seiner Überzogenheit einen gewissen Reiz hat, quilt eine etwas verzweifelt wirkende Überheblichkeit heraus, in die sich bestimmt nur jemand hineinbegeben konnte, der zwischen sich und den Berlin-Cöllnern die Mauer zu verorten wusste. Die Botschaft von der durch und durch zivilisierten Stadtgründung (es waren ja sogar zwei, gleichzeitig) ließe sich heutzutage ganz barrierefrei in den Bezirk Spandau tragen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://futurberlin.de/botschaften-aus-dem-bezirk-spandau">Botschaften aus dem Bezirk Spandau</a> erschien zuerst auf <a href="https://futurberlin.de">Futurberlin</a>.</p>
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