Winterempfang für einen Kritiker

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6. Dezember 2015
Philharmonie

Großer Nachbar fürs geplante Museum der Moderne: die Philharmonie auf dem Kulturforum (Foto: André Franke)

Nikolaus Bernau ist immer eine Reise wert, auch wenn ihm selber die Reiseziele öfter mal zu entgleisen drohen. Da kann ich mich an eine Veranstaltung beim Werkbund Berlin erinnern, als es vor längerer Zeit um den privatisierten Wiederaufbau der Bauakademie ging. Auf den Hauptkritiker dieser Angelegenheit wartete man … eine Weile, aber keinesfalls umsonst. Am Mittwoch nun, verfehlte der Journalist der Berliner Zeitung den Winterempfang der Bundesstiftung Baukultur. Bernau war für einen Vortrag eingeladen, den er halten sollte. Nur fuhr er in die Schiffbauergasse in Potsdam, wo die Stiftung ihren Sitz hat, während man bei Fingerfood und Aperol-Spritz in der Skybar des Haus Berlin am Strausberger Platz, tolle Blicke auf die nächtliche Karl-Marx-Allee werfend, die Irrfahrt des Architekturkritikers vernahm. Stiftungschef Reiner Nagel informierte die Gäste. Bernau traf dennoch rechtzeitig ein. Mit dem Taxi, wie er sagt. Und hatte gleich eine super Einleitung parat. Von Potsdam bis hierher durchfahre man beinahe ausschließlich Stadt des zwanzigsten Jahrhunderts. Es folgte sein Vortrag über Berliner Architekturwettbewerbe für Museumsbauten von der Kaiserzeit bis heute. Und er gipfelte in einer Kritik am neuen geplanten Museum der Moderne, das an der Potsdamer Straße zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie auf dem Kulturforum gebaut werden soll. Der Standort sei falsch, Standortalternativen wären nicht debattiert worden, die Baukosten mit 200 Millionen Euro seien zu teuer, und überhaupt seien alle an der Planung und Entscheidung Beteiligten hinter Kulturstaatsministerin Monika Grütters hinterhermarschiert. An diesem Abend verfehlte Nikolaus Bernau trotz seines großzügigen Anfahrt im Grunde gar nichts, weder mein Zwerchfell, noch die Bauherrin des Museumsprojekts, Petra Wesseler, die Präsidentin des BBR (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung), die eben auch anwesend war und sich im Anschluss der Diskussion stellte. Es klang, als hätte Bernau sogar ins Schwarze getroffen. Wie mir zu Ohren kommt, haben sich manche Publikumsgäste etwas auf die Füße getreten gefühlt, was wohl nicht dazu führen wird, die Standortfrage für das Museum der Moderne zu überdenken oder gar anders zu beantworten, denn der Ideenwettbewerb für das Projekt läuft bereits.


Und das erzählt Nikolaus Bernau in einem Gespräch mit dem Blogger Daniel Fuhrhop (Verbietet das Bauen), u.a. auch zum Kulturforum (Podcast) …

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