Stadtforum 2030 im Roten Rathaus – brechend voll wie Berlin selbst

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27. April 2013

Auf Anton von Werners Gemälde, das auf den Zentimeter so hoch ist wie einst die Berliner Mauer war, sitzen nur wenige, die meisten stehen. Es zeigt den Hände schüttelnden Otto von Bismarck auf dem Berliner Kongress von 1878 und hängt im Großen Saal des Roten Rathauses, wo letzten Mittwoch zwar die meisten auf Stühlen saßen, aber nicht gerade wenige den Abend auf durchgedrückten Knien verbrachten, stehend. Die Moderatorin des ersten Stadtforums 2030 erkannte das Dilemma früh. Es mögen die Jüngeren bitte ihre Plätze für die Älteren hergeben, appellierte sie vorsichtig. Das taten auch manche. Doch wo sie konnten, ließen sich die Leute früher oder später auf den Fußboden nieder und kauerten für die Zukunft Berlins. Immer wieder kamen weitere in den Saal, fanden sich in einem Wald von Zuhörern wieder, was sie nach vorn schleichen ließ, soweit wie irgend möglich, dorthin, wo noch Fläche zum Kauern war.

Was bedeutet es, wenn so eine Menge von Menschen in ein Rathaus strömt? Menschenmassen strömen für gewöhnlich in Clubs oder in Stadien, oder in Supermärkte, wenn sie vor den Pfingstfeiertagen befürchten, ihre Lebensmittelversorgung bräche ein. Es bricht doch nicht etwa etwas in Berlin ein, Herr Müller? – Es schien, als wollte, wer hierher kam, sich mit einem recht väterlichen “Alles wird gut” versorgen und es mit nach Hause nehmen, in den Kühlschrank packen. Michael Müller als Senator für Stadtentwicklung machte den Ernst der Lage beim Thema Bevölkerungsanstieg aber deutlich. Hunderttausend Menschen seien nach Berlin gezogen, nur innerhalb der letzten drei Jahre. Und jetzt waren sie scheinbar alle hier im Rathaus.

Wenn der Große Rathaussaal also ein Spiegelbild für die Lage auf den Berliner Straßen wäre, dann ließe sich auch hier beobachten, was passiert, wenn am Wohnungsmarkt eine erhöhte Nachfrage auf ein zu knappes Angebot trifft: Die gerade eintreffenden, noch sitzlosen Leute tragen Stühle in den Saal, von denen die andern, die schon drinnen auf dem Boden kauern, gar nicht wissen, dass es sie gibt. Offenbar gibt es Reserven. Und dann kann man auch eine zweite Lösung sehen: Gäste, die Sitzplätze haben, stehen nach einer Weile von selber auf (warum auch immer, es war sehr warm im Saal) und verlassen die Veranstaltung. Müsste in unserem Modell also heißen: Es gibt Menschen, die verlassen Berlin. Aber nein, wer macht denn sowas?

Link zum Tagesspiegel-Bericht übers Stadtforum

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Ein Kommentar zu Stadtforum 2030 im Roten Rathaus – brechend voll wie Berlin selbst

  1. ManoloB on 28. April 2013 at 10:43 AM

    Was auffiel, vorne vor der Bühne gab es locker Platz für mindestens 5 Stuhlreihen. Systemisch betrachtet war der Eindruck der Überfüllung gewollt, Andrang als Inszenierung…passend zur Prognose 2030.
    Betrachten wir die Stadtentwicklungspolitik der letzten 12 Jahre im Einzelnen, lassen sich die aktuelle Probleme als gezielt angestrebt nach voll ziehen: Ausverkauf der Wohnungsbaureserven, Förderung der Mietpreisentwicklung, Duldung spekulativen Leerstandes und Zweckentfremdung, Nichtbesetzung offener Stellen. Der propagierte Neubau wird die Probleme noch verschärfen, da sich die Berliner und „Neu-Berliner“ diese Wohnungen gar nicht leisten können. Ein Reset ist angesagt. Rückbesinnung auf die funktionierenden Instrumente des Magistrats von Groß-Berlin zusammen mit einer Ergebnis offenen am Konsens orientierten Bürgerbeteiligung. Neudeutsch= Best Praxis !!

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