Eine Mitte der Bürgerschaft (15/22)

Von
15. November 2012
In dieser 22-teiligen Serie beschreibt Florian Mausbach seine persönlichen Vorstellungen für eine Umgestaltung des Rathausforums in Mitte. Die Texte gehen aus einem Vortrag hervor, den der Autor im September 2012 auf einer Veranstaltung zum Thema gehalten hat.

Selbstverwaltung und Bürgernähe

Alt-Berlin war vom Mittelalter bis zur Neuzeit Mittelpunkt der Bürgerschaft. Mit dem Bau des Roten Rathauses und des Stadthauses und weiterer Verwaltungsgebäude wurde nach der

„jahrhundertealten Geringschätzung“ „Alt-Berlin mehr und mehr zu einem Zentrum und Ort der Selbstdarstellung der Kommune“ (Bodenschatz).

Diese historische Entwicklung gilt es aufzugreifen und in zeitgemäßer Weise fortzusetzen. Berlin als deutsche Hauptstadt wird in ansehnlichen nationalen Staats- und Kulturbauten repräsentiert. Berlin als Kommune, als Bürgerstadt aber fehlt das sichtbare bürgerschaftliche Zentrum, das der Bedeutung und dem Ansehen Berlins als größter deutscher Stadt entspricht.  Es fehlt eine bürgerschaftliche Mitte, die sich  in Plätzen und Bauten als Bürgerforum darstellt, als Ort heutiger bürgernaher Demokratie und lebendiger Bürgergesellschaft.

Die kommunale Selbstverwaltung lebt von Orts- und Bürgernähe wie die ursprüngliche Demokratie der antiken Stadtstaaten in der Agora Athens und dem Forum Romanum. Es ist im physischen Sinne die räumliche Nähe, es ist die sachliche Problemnähe und Ortskenntnis, es ist die Nähe persönlicher Beziehungen und sozialer Milieus und die emotionale Nähe mit der Bereitschaft zu Identifikation, Engagement, Einmischung und Mitwirkung, die die „Politik von unten“ ausmacht.

Morgen: Teil 16 „Bürgerinitiativen und Bürgerrechtsbewegung“

 

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