Deadline für Online-Dialog: heute 18 Uhr

Von
18. Mai 2015

Heute Abend endet der Online-Dialog der Stadtdebatte „Alte Mitte – Neue Liebe?“ für das Rathausforum in Mitte. Auch ich habe meinen Senf dazugegeben, wenn auch erst gestern. Die Ergebnisse der ersten Phase der Stadtdebatte werden am 5. September präsentiert. Danach folgt ein zweiter Online-Dialog. Nicht zu vergessen, finden bis dahin zahlreiche weitere „Präsenzveranstaltungen“ statt, zum Beispiel Stadtführungen und Theater. (Die Termine gibt es am Schluss dieses Artikels hier.) Insgesamt haben die Leute nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mehr als 1.800 Beiträge geschrieben.


Und so habe ich mich beteiligt …

Zur „Aufenthaltsqualität“:

Freie Kirche, sprudelnd Wasser, grünes Dach

Für mich sind und teilweise waren (wegen der Baustellen) die folgenden Elemente des Rathausforums von (Aufenthalts-)Qualität: die frei stehende Marienkirche, die uns großzügig nach Süden hin Raum und Zeit gibt, sie zu betrachten (die Füße laufen, der Blick bleibt am Bau haften); der Neptunbrunnen in der Platz-Mitte als Wasseroase, in den die Leute, grade Kinder einfach reinsteigen und Spaß haben; und die voluminöse Begrünung des Marx-Engels-Forums (bevor es eine Baustelle wurde), die es ermöglichte, im Hochsommer sich in den Schatten setzen zu können. Weder auf dem Lustgarten, noch am Neptunbrunnen, auch nicht auf dem Alexanderplatz finden wir: Schatten!


Zur „Bedeutung des Ortes“:

Eine ganze Armada von Bedeutungen

Der Ort bedeutet vieles. Die über 700-jährige Stadtgeschichte muss hier unbedingt kommuniziert werden, auf welche Weise auch immer. Andererseits handelt es sich bei dem Rathausforum (in engerem Sinne zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm) funktional erstmal um einen Stadtplatz, der im Bereich Neptunbrunnen temporär auch als Marktplatz (Weihnachtsmarkt) und Veranstaltungsort genutzt wird. Das Marx-Engels-Forum (als Teil des Rathausforums) funktioniert dagegen erstens als parkähnliche Grünfläche und zweitens als Gedenkort (mit dem Marx-Engels-Denkmal). Drittens übernimmt es mit der Anlegestelle für die Spreeschifffahrt eine besondere (Wasser-)Verkehrsfunktion. Das sind zusammen schon mal sechs verschiedene Nutzungsaspekte. Als dritte große Bedeutung kommt diesem Ort eine Kommunikationsaufgabe auf der Ebene der Berliner Stadtplanung zu, die er in den 90er Jahren beim Planwerk Innenstadt nicht bewältigen konnte, zumindest ohne Ergebnis war.


Zum „Umgang mit der Geschichte des Ortes“

Geschichte ist ein Muss – aber bitte mit Sternchen

In der zukünftigen Gestaltung des Rathausforums sollte jede Geschichtsepoche Berücksichtigung finden. Da können wir uns ironischerweise ausnahmsweise mal eine Scheibe von Gunther von Hagens Körperwelten abschneiden: die Vielschichtigkeit ist doch das Interessante an dem Ort. Den Schlossfehler jenseits der Spree, sich für eine einzige Epoche (die des Barock) zu entscheiden, sollten wir vermeiden. Und dann gibt es aber auch Fallstricke: Das Luther-Denkmal, das ja zurück vor die Kirche kommt, sollte zur Mitte des Platzes hin ausgerichtet werden, nicht zur Karl-Liebknecht-Straße. Und das Marx-Engels-Denkmal sollte nicht zum Fernsehturm, sondern zur Spree hin aufgestellt werden, damit es die Fahrgäste auf den Spreeschiffen sehen können. (Außerdem könnte man das auch als den letzten sozialistischen Gruß in Richtung Palastabriss interpretieren.) – Was ich meine, ist also, das die Geschichtserinnerung sich in den Ort der Gegenwart auch einpassen lassen sollte.


Und bei „Lob und Kritik“:

Zweifel am Konzept

Was ich bei der Auftaktveranstaltung sehr schade fand, war, dass ich die Living Library nicht besuchen konnte, weil ich an einer Stadtführung teilnahm. Ansonsten bin ich skeptisch geworden, ob für eine fruchtbare Debatte am Ende die Zeit reicht, wenn wir erst im Herbst mit der geplanten Ausstellung alle auf optimalem Informationsstand bezüglich der Planungsgeschichte des Ortes seien werden.


zur website der Stadtdebatte und damit zum Online-Dialog geht´s hier …

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