Burn out für Bedarfsampel an Mauergedenkstätte

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27. Juli 2016

Die Bedarfsampel an der Mauergedenkstätte in Mitte meldet (wie sollte es anders sein?) Bedarf an, im Minutentakt. „Signal kommt“, leuchtet pausenlos an der Fußgängerampel, die die einzige für Besucher ist, die Bernauer Straße zu überqueren. Nicht an irgendeiner beliebigen, harmlosen, unurbanen Stelle, sondern da, wo sich das magische Dreieck der Gedenkstätte befindet: Dokumentationszentrum, Versöhnungskapelle, Todesstreifen. Nur sind die drei voneinander durch die Acker- und Bernauer Straße getrennt. Besonders die Bernauer als Hauptstraße mit dem Tramverkehr der M10 bedeutet für alle, die hier „rübermachen“ wollen, eine dynamische Barriere. Und das ist eine unglückliche, scheinbar schicksalhafte Reproduktion der hiesigen Stadtteiltektonik.

Mauergedenkstätte: crossoptimiert

Wir müssen die Mauer hier erneut einreißen, einen Nutzungskonflikt gestalten, uns an der Bernauer Straße neuer Berliner Stadtformate bedienen. Geben wir doch der Gedenkstätte mehr Raum und mehr Zeit! Besucher überqueren die Straßen von vier Standorten aus. Bisher gibt es nur eine einzige Furt (und die hängt am seidenen Faden der Bedarfsampel). Schaffen wir doch ein großräumiges, crossoptimales Querungsfeld, das sich über den gesamten Kreuzungsbereich erstreckt. Das gibt es in Berlin schon so ähnlich: an der Kreuzung Friedrichstraße /Ecke Kochstraße südlich vom Checkpoint Charlie. Dort erhalten sämtliche Fußgänger gleichzeitig grün. Sie dürfen auch diagonal kreuzen, was wirklich genial ist. – Was für ein tolles, aber in der Stadt weitestgehend unbemerktes Pilotprojekt in Kreuzberg, das doch seine Fortsetzung sucht! Oder etwa nicht?

Beringstraße für die Besucher der Mauergedenkstätte: Bedarfsampel ist definitiv zu wenig für eine Gedenkstätte von nationaler Bedeutung (Abb. André Franke)

Beringstraße für die Besucher der Mauergedenkstätte: Bedarfsampel ist definitiv zu wenig für eine Gedenkstätte von nationaler Bedeutung (Abb. André Franke)

Die Gedenkstätte Berliner Mauer ist eine Gedenkstätte von nationaler Bedeutung. Im Moment ist sie der Bernauer Straße als Hauptverkehrsstraße und Teil des Innenstadrings ganz klar untergeordnet. Aus Sicht der Verkehrsverwaltung soll wohl die zügige Verbindung der Straßenbahn und des Kfz-Verkehrs sichergestellt werden (mit Höchtsgeschwindigkeit: 50 km/h). Aber ist das wirklich notwendig? Und ist das wirklich nutzungsgerecht?

Prädestiniert für Entschleunigung

Ist es meiner Meinung nach nicht (bezogen auf die zweite Frage). Denn der Besucherverkehr in der Mauergedenkstätte ist langsam und gemächlicher Natur. Ist es nicht denkbar, auch in einer Hauptstraße eine Passage des Runterkommens einzubauen? Immerhin gibt es hier etwas zu sehen, auch für Leute, die mit Bussen (!) und Autos auf der Bernauer Straße fahren. Deshalb erscheint mir die Bernauer Straße prädestiniert für eine grundlegende Entschleunigung! Nach dem Passieren der Gedenkstätte (im Abschnitt zwischen Strelitzer und Gartenstraße) können die Autofahrer ja wieder hochschalten.

Gedenkstätten-Modus einrichten

Jedenfalls hat die Bedarfsampel Bernauer Straße ausgedient. Hier muss längst ein regulärer Übergang möglich werden, der den Gedenkstättenverkehr (950.000 Besucher im letzten Jahr) auf Augenhöhe mit dem Transitverkehr bringt. Und am besten mehr als das: Der Normalzustand des Ortes sollte die Fußquerung von Norden nach Süden (und umgekehrt) sein. Kommt die Straßenbahn werden die Ampeln für alle Besucher der Mauergedenkstätte auf Rot gestellt. Mit der Straßenbahn fahren dann auch die Autos – als Gefolge. Danach wird auf Gedenkstätten-Modus zurückgeschaltet, und es heißt wieder: „Crosszeit“. Wie wäre das?

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