Brecht-Gymnasiasten auf der Suche nach dem Plan von Berlin

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7. Oktober 2016

Schade, dass mein Hirn so löchrig ist. Sonst wären mir die vier Zeilen Donnerstag-Morgen eingefallen, und es hätte keine bessere Einleitung für die Tour gegeben. Denn Schüler des Brecht-Gymnasiums aus Brandenburg an der Havel kamen, um sich über Projekte der aktuellen Stadtplanung Berlins zu informieren. Bei Nieselregen, drei Stunden lang. @Brandenburg: Schön, dass Ihr durchgehalten habt!

Ich hätte also aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht zitieren sollen:

„Ja, mach nur einen Plan!
Werd nur ein großes Licht!
Und mach dann noch´nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht“

So, dann hätten wir die Ergebnisse des Pläneschmiedens abgleichen können mit: dem Rathausforum (wo es weit mehr als zwei Pläne, im Sinne von Entwürfen gibt), mit dem Schlossneubau (wo zwei Pläne sich widersprechen), mit den Townhouses auf dem Friedrichswerder (wo nicht Urbaniten, sondern Urbanieten eingezogen sind, zumindest eine), mit dem Band des Bundes am Schiffbauerdamm (wo der Plan von Kusus+Kusus Architekten nicht aufgeht, weil Verdi sein Grundstück nicht verkauft), mit der Europacity (wo das schönste Element, ein dritter Hafen, nicht gebaut wird, weil man ihn nicht über EU-Gelder finanzieren kann), und dem Mauerpark (wo die Bürgerinitiativen um die 15 oder 16 Pläne verhindert und einen, wie ich finde, akzeptablen Kompromiss erreicht haben). Plan und Stadtprodukt – das hätte unser allgemeiner Ansatz sein können.

Mode der Bürgerbeteiligungen

Es waren genau diese Projekte, die wir auch besuchten, nur leider ohne vorher die Brecht-Ballade zu rezitieren. Beim nächsten Mal vielleicht, Brandenburg.

Und wie gut war die Frage einer Schülerin: „Warum gibt es Bürgerbeteiligung am Rathausforum, aber nicht fürs Berliner Schloss?“

Ich antwortete, weil es in den Neunziger und Nuller-Jahren nicht Zeigeist gewesen sei, umfangreich Bevölkerung ins Boot zu holen (oder wenigstens mal kurz über die Reling gucken zu lassen), seit 2014 mit dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld aber sehr wohl. Ich sagte auch, dass es auch beim Schloss eine Beteiligung gegeben hätte, die formale Bürgerbeteiligung im Bebauungsplanverfahren. Doch ihre Frage meinte proaktive Bürgerbeteiligung, die die Stadt von sich aus durchführt, nicht weil sie nach dem Baugesetz es tun muss. (Was ist es doch schade, dass die Piraten nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertreten sind! Ich fand den Wahlspruch von Wolfram Prieß toll: „Bürgerbeteiligung ist kein Teufelswerk“). Doch meine Antwort spitzte sich später auf den Satz zu: „Weil dort das Land Berlin baut, und hier der Bund.“

Stadtdebatten des Bundes?

Da fiel mir auf, dass es nirgends offensive Bürgerbeteiligungen gibt, wo der Bund baut. Nicht auf der Museumsinsel, nicht bei der U5, nicht beim Band des Bundes, nicht beim Schloss, nicht beim Einheitsdenkmal. Mag sein, dass dieser erste Blick darauf unvollständig ist. Aber ich finde kein Beispiel, wo es anders wäre.

Und ich frage mich, warum ist das so? Sind Kultur- und Politbauten kein Stoff für die Wünsche des Volkes?

Auf „Haifische mit Zähnen“ kamen wir übrigens nicht zu sprechen, aber die Zeile aus dem Mackie-Messer-Song könnte man auch mal zum Ausgangspunkt für eine Berlin-Tour machen.

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