Baut dem Checkpoint Charlie einen Tower und wir kriegen eine geile Begegnungzone!

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8. April 2016

Ich würde nicht so weit gehen und sagen: Wenn der Checkpoint Charlie eine stupide Blockrandbebauung kriegt, verlasse ich Berlin. Aber meiden werde ich die Ecke. Ganz einfach, weil sie zu eng wird. Und natürlich langweilig.

Damit das anders kommt, rufe ich die Trockland-Projektentwickler auf … und die Graft-Architekten … und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und alle, die die Macht haben, die Berliner Baumassen (ob per Unterschrift oder Ideenblitz) in die richtigen Himmelsrichtungen zu lenken, dem Checkpoint einen Skycraper zu ermöglichen.

Der Checkpoint Charlie ist Weltstadt

Die Friedrich- / Ecke Zimmerstraße ist keine normale, historische Friedrichstadt. Und nicht leitbildtauglich für die „Europäische Stadt“. Die Ecke ist eine Weltstadt. Sie sollte in die Höhe ragen. Dass man den Checkpoint Charlie in der Skyline sieht. Aber das ist nur der zweite Grund für ein Hochhaus am alten Grenzübergang.

Hochhaus am Checkpoint - Wo, wenn nich hier?

Hochhaus am Checkpoint – Wo, wenn nich hier?

Der erste Grund ist die Begegnungszone, die hier geplant ist. Nach der Maaßenstraße in Schöneberg und der Bergmannstraße in Kreuzberg kommt ja nächstes Jahr der Checkpoint Charlie als drittes Pilotprojekt für diese neuartige Straßenumgestaltung dran. Doch waren wir damit bisher in Gründerzeitquartieren mit komfortabler Straßenbreite unterwegs, wagt sich die Senatsverwaltung beim Checkpoint auf barocken Stadtgrundriss vor. Die Friedrichstraße ist eng. Die Zimmerstraße auch. Das fühlt man heute nicht, wenn man am Asisi-Panorama steht. Noch ist ja Platz.

Tower gegen Zone – das ist der Deal

Gebt dem Checkpoint einen Hard-Rock-Tower, der der Begegnungszone den notwendigen Raum verschafft! Zurückgesetzt vom Straßenrand, dass die Massen überhaupt Platz haben. Und dass der Investor trotzdem auf seine Kosten kommt, wenn er sich freundlich von einigen Quadratmetern Grundstücksfläche trennt. Was wird sich Berlin darüber freuen! Und Berlin erlaubt Trockland, in die Höhe zu bauen. Und Graft freut sich, jenseits der Traufhöhe zu zeichnen.

Baut dem Checkpoint Charlie ein Hochhaus! Doch vergesst nicht, es an die richtige Stelle zu setzen. Die Begegnungszone muss der Profiteur sein. Man könnte sogar weitergehen und einen Stadtplatz fordern. Aber bleiben wir erstmal in der Zone. Schließlich war das hier jahrzehntelang Thema.

Deal or nor Deal? Tower gegen Begegnungszone

Deal or nor Deal? Tower gegen Begegnungszone

Futurberlin-Ideenwettbewerb

Seid eingeladen, Eure Ideen an Futurberlin zu schicken! Wie sieht der Checkpoint Charlie Eurer Träume aus? Wo steht der Tower? Welche Route nimmt die Kolonne der Touri-Busse?

Was das Hochhaus betrifft, hab ich da schon mal was vorbereitet … (siehe Bilder). Gut, dass ich das 3D-Berlin-Puzzle tatsächlich auf die Weihnachtsliste gesetzt habe.

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5 Kommentare zu Baut dem Checkpoint Charlie einen Tower und wir kriegen eine geile Begegnungzone!

  1. Pe.Bo. on 13. April 2016 at 2:12 PM

    Man redet neuerdings immer so viel von der Bedeutung von Orten… Naja… Was ist die Bedeutung vom Kontrollpunkt Karl? Es scheint der einzige Ort zu sein, der in Berlin für das angelsächsische sauftouristische Publikum von Interesse ist, neben den Clubs freilich. Es wäre insofern konsequent, einen Tower zu bauen, damit diese Klientel den Ort auch ja nicht verfehlen kann und man den Weg dahin nicht mehr umständlich erklären muss. Auch gäbe es dann eine Aufheiterung des Blicks von Norden her durch die Friedrichstraße, einen Kontrapunkt zu dem ganzen Traufhöhenelend aus Stimmanns Tagen.

    Aus sozialräumlicher Sicht freilich wäre ein Tower das falsche Signal. Der Kontrollpunkt Karl markiert ja tatsächlich eine Trennlinie wie kaum ein anderer Punkt in Berlin. Auch was den Publikumsverkehr angeht. Südlich davon bis zum Mehringplatz ist die Friedrichstraße eine andere. Politisch nicht ganz korrekt hätte ich schon mal vorschlagen wollen, am ehemaligen Kontrollpunkt große Tafeln aufzustellen. Von Norden her mit der Aufschrift: „Achtung! Sie verlassen Globalistan!“ Von Süden her aber: „Achtung! Sie verlassen Kurdistan!“ Unter solchen Umständen müsste südlich vom Kontrollpunkt ein Tower wohl als eine Gentrifizierungsdrohung wahrgenommen werden.

    Möglicherweise wäre die Trennlinie besser mit einem Bauwerk markiert, welches sich zwar auf „Tower“ reimt, im Gegensatz zu diesem aber weniger in die Höhe als vielmehr in die Breite strebt. Frühere Stadtplaner waren bekanntlich bereits auf eine solche Idee verfallen, so dass sich die Errichtung eines solchen Bauwerkes in gewissem Sinne als historische Rekonstruktion verkaufen ließe. Auch Deine Aussage: „Aber bleiben wir erstmal in der Zone“ könnte dann gut an frühere Sachverhalte anknüpfen…

    Vor vier Jahren hatte die Künstlerin Nada Prlja schon einmal eine einschlägige Initiative gestartet, doch damals war die Welt dazu noch nicht bereit:

    http://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=2469

    Allerdings stand jene Mauer nicht am Kontrollpunkt, sondern ein ganzes Stück weiter südlich. Sie musste also wohl als Invasion wahrgenommen werden… als eine globalzonale Invasion sozusagen…

    • André Franke on 15. April 2016 at 1:21 PM

      Wie der gegensätzliche Charakter der Friedrichstraße nördlich und südlich des Checkpoint Charlie überwunden werden oder womit man auf ihn aufmerksam machen kann, weiß ich nicht. Jedenfalls nicht mit den zwei angesagten Themen Bebauung der Restgrundstücke und Einrichtung einer Begegnungszone. Ich mag Deine Bezeichnung „Kontrollpunkt Karl“. Alles strömt tatsächlich auf die Kreuzung. Und das wird in Zukunft der Schwachpunkt des Ortes sein, wenn er von beiden Seiten durch Bebauung „geschlossen“ wird. Wie würdest Du die „Freizone Karl“, die Begegnungszone einrichten? Und welchen umgebenden Städtebau zieht Deine Idealzone nach sich? Die Frage interessiert mich.

  2. Gerd Kauschke on 11. April 2016 at 8:18 PM

    Als ehemaliger Gegner von Hochhäusern und dann nach intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik (siehe auch • The Futurist, Nov. 86, Nr. 6, Coverartikel, Hochhausarchitektur: ‚Super Skyscrapers of the Future‘, pp. 8-11, Bethesda, MD, USA oder • Bauwelt, Sep. 86, Nr. 35, Coverartikel, Hochhausarchitektur: ‚Eine neue Generation von Wolkenkratzern‘, pp. 1300-1307, Berlin) als punktueller Befürworter über ein großes Büro zu einem Wettbewerb in Frankfurt eingeladen, würde ich mich in der Lage fühlen, zu diesem interessanten Standort einen Entwurf zu entwickeln, der einen Bezug zur Geschichte dieses Ortes in der Weise herstellt, dass die Epochen der Stadt hier mit den funktionalen Ansprüchen unter Berücksichtigung des europäischen Erbes widergespiegelt werden. Doch wer gibt mir ein Raumprogramm? Und wieviel Zeit dürfte ich dafür verwenden?

    • André Franke on 15. April 2016 at 1:26 PM

      Danke für die Entwurfsbereitschaft. Da frage ich mich, warum es eigentlich keinen öffentlichen Wettbewerb für die Bebauung des Checkpoint Charlie gibt. Der Ort wäre es doch wert. Verlangt er nicht gerade zu mehrere Ideen als die eines einzigen Architekturbüros?

      • Gerd Kauschke on 18. April 2016 at 4:09 AM

        Das frage ich mich auch André. Ich würde mich an einem öffentlichen Wettbewerb für die Bebauung des Checkpoint Charlie beteiligen. Es war Deine idee. Da wirst Du sicher auch einen Weg für die Auslobung finden. Ich erkläre hiermit schon mal meine Bereitschaft an dem Wettbewerb teilzunehmen.

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